Texte/Erastus, De medicina nova/TranslationDE

From Theatrum Paracelsicum

Diese Übersetzung wurde am 10. und 11. Mai 2026 mit ChatGPT 5.5 erstellt.

[p. 1] ERSTER TEIL DER DISPUTATIONEN ÜBER DIE NEUE MEDIZIN DES PHILIPPUS PARACELSUS, IN DEM VOR ALLEM GEPRÜFT WIRD, WAS ER ÜBER ABERGLÄUBISCHE HEILMITTEL UND MAGISCHE HEILUNGEN VORGEBRACHT HAT,

von THOMAS ERASTUS, Professor der Medizin an der Heidelberger Schule.

Gesprächspartner: Furnius, Erastus.

[1 Über die Schöpfung]

FURNIUS: Was du mir aufgetragen hast, habe ich sorgfältig getan: Ich habe die Bücher des Theophrastus, so viele ich nur erlangen konnte, mehr als hundertdreizehn, aufmerksam durchgelesen, die bemerkenswerten Sätze notiert und in Klassen geordnet, damit ich sie besser im Gedächtnis behalte. Ich bin durchaus zuversichtlich, dass du aus jenen Büchern, die ich zu lesen Gelegenheit hatte, nicht leicht eine Stelle wirst vorbringen können, an die ich mich nicht ohne große Mühe erinnern könnte. Was ich also schon längst von dir erbeten habe, darum bitte ich dich nun noch nachdrücklicher: Mögest du dich nicht beschweren, mir zu erklären, warum du das, was vielen als nützliche Neuerung erscheint, für verwerflich hältst. Ich liebe Paracelsus nicht so sehr, von dem ich zugebe, dass ich durch ihn etwas gelernt habe, als dass ich nicht die Wahrheit noch mehr liebte, besonders in dieser Sache, in der ein Irrtum nicht nur schändlich, sondern auch verderblich ist.

ERASTUS: Wenn deine Gesinnung wirklich die ist, die du vorgibst, so stelle den Gegenstand unseres Streites vor. Was mich betrifft, so wünsche ich von Herzen, dir und allen anderen, soweit es in meinen Kräften steht, gerade in dieser Sache gefällig zu sein. [p. 2]

FURNIUS: Dies möchte ich zuerst von dir erfahren: Was glaubst du, warum, obwohl die berühmtesten und angesehensten Ärzte fast einhellig ausrufen, die Lehrsätze des Paracelsus seien falsch und töricht, dennoch niemand diese Aufgabe auf sich nehmen wollte, seine gesamte Lehre zu prüfen und das Falsche mit tragfähigen Gründen zu widerlegen?

ERASTUS: Die Gründe für das Schweigen und die Zurückhaltung der anderen kenne ich nicht; doch dies weiß ich inzwischen: Es ziemt sich für rechtschaffene Männer nicht, gegenüber Irrtümern die Augen zu verschließen, die öffentlich Schaden stiften. Ich jedenfalls habe stets gesagt, was ich über diese Dinge denke: Ich lobe, was mir des Lobes würdig zu sein scheint, und tadle, was ich als schädlich erkannt habe oder was sich als schädlich erwiesen hat. Auch jetzt bin ich bereit, dir offen meine Meinung über die zur Frage stehenden Hauptpunkte darzulegen. Was die anderen betrifft, so vermute ich, dass alle Gelehrten der Ansicht sind, höchst absurde Einbildungen, wie es die paracelsischen ganz gewiss sind, dürften keineswegs mit Argumenten widerlegt werden. Denn solche Erdichtungen vernichten sich selbst, und die Verteidiger solcher Dinge gehen meist durch gegenseitige Verwundungen zugrunde.

FURNIUS: Darüber mache ich mir keine Sorgen, sofern ich nur von dir höre, was ich befolgen soll.

ERASTUS: Dann wollen wir, wenn es dir gefällt, zuerst prüfen, was von dem, was er über göttliche Dinge überall in seinen Büchern eingestreut hat, mit der Frömmigkeit vereinbar ist. Danach wollen wir betrachten, was für eine Philosophie die seine gewesen ist und welcher Art sie war. Anschließend wollen wir die medizinischen Dinge untersuchen, zunächst im Allgemeinen; bald darauf wollen wir auch im Besonderen die Ursachen, Ursprünge, Beschaffenheiten und Heilungen einiger Krankheiten erwägen.

FURNIUS: Obwohl ich vor allem erkennen möchte, was er in der Medizin nicht richtig geschrieben hat, und obwohl ich nicht unbedingt wünschen würde, dass man das untersucht, was er gelegentlich über Dinge erörtert hat, die Frömmigkeit und Religion betreffen, will ich mich dennoch deinem Willen und Urteil nicht widersetzen, sofern du meinst, dass wir uns mit Nutzen in dieser Erörterung bewegen werden. Denn ich glaube nicht, dass Paracelsus in der Medizin deshalb zu verwerfen sei, wenn nachgewiesen wird, dass er irgendwo über göttliche Dinge falsch gedacht hat. Denn wenn dieser Grund gültig wäre, könnten auch die Ansichten des Aristoteles, des Hippokrates und des Galen nicht festgehalten und gebilligt werden, da es sicher und allgemein zugestanden ist, dass sie alle gottlos über Gott und die heiligen Dinge disputiert haben. [p. 3]

ERASTUS: Das ist nicht der Grund, sondern vielmehr sehe ich, dass sehr viele Hauptstücke seiner Medizin, in der so vieles über abergläubische Heilmittel und ruchlose sowie magische Heilungen enthalten ist, von uns nicht recht erklärt werden können, bevor diese Dinge erwogen worden sind. Zugleich wird durch die Darlegung dieser Dinge die Behauptung des Paracelsus und seiner Schüler widerlegt werden, die genannten Autoren dürften deshalb nicht gelesen werden, weil sie Heiden gewesen seien und manches geschrieben hätten, was der Frömmigkeit fremd sei. Denn wenn sich zeigen sollte, dass auch Paracelsus gottlos gedacht und geschrieben hat, wird uns niemand beschuldigen können, dass wir seine Schriften nicht unter diesem Gesichtspunkt den Denkmälern jener anderen vorziehen.

FURNIUS: Mir ist gleich, von wo aus unser Vergleich seinen Anfang nimmt, wenn nur das erreicht wird, was ich wünsche. Ich bitte dich inzwischen, bei der Erläuterung jener Dinge, die für medizinische Fragen nicht viel beitragen, kürzer sein zu wollen.

ERASTUS: Du verlangst etwas Billiges; darum werden wir das, was er über die Schöpfung, über Weissagung und Prophetie, über die Kraft der Wunder und ähnliche andere Dinge unfromm geschrieben hat, kurz durchgehen, es sei denn, du wolltest zufällig, dass wir mehr dazu sagen. Ausführlicher werden wir untersuchen, was er über die Wirksamkeit der Himmel, über die Kräfte von Zeichen, Worten und Beschwörungen zum Zufügen oder Vertreiben von Krankheiten erträumt hat.

FURNIUS: Tadelst du also in Bezug auf die Schöpfung etwas anderes als dies, dass er in dem Buch an die Athener schreibt, die Schöpfung der Dinge sei eine Absonderung?

ERASTUS: Ich klage nicht nur dies an, sondern verabscheue geradezu alles. Er hat vieles ungeheuerlich geschrieben, und es scheint, als habe er nur darauf hingearbeitet, alles so zu schreiben; doch in diesem Buch hat er sich selbst bei weitem übertroffen. Man kann sich nichts so verkehrt, so ungeordnet, so ungeheuerlich, so gottlos, so frevelhaft Geschriebenes ausdenken wie das, was er in dieses Buch aus den schmutzigsten Gedanken ausgespieen hat. So widersprüchliche Dinge hat dieser betrunkene Possenreißer hervorgestoßen, dass er den aufmerksamen Leser nicht zum Staunen, sondern geradezu zur Erstarrung zwingt. [p. 4] Die Heilige Schrift lehrt uns, dass Gott am Anfang Himmel und Erde und dann das Licht erschaffen habe, dass er bald darauf das Licht von der Finsternis, die Wasser von den Wassern durch das dazwischen gesetzte Firmament getrennt habe, dass er danach die noch ungeordneten Elemente unterschieden und jedem Einzelnen befohlen habe, was, wie viel und welcher Art es aus sich hervorbringen solle. Schließlich habe er, nachdem zuvor die Gestirne erschaffen worden waren, den Menschen gebildet. Da dies sich so verhält, wird niemand unter Christen seinen Namen recht bekennen können, der nicht fest überzeugt ist, dass alles von Gott erschaffen worden ist. Ebenso muss er auch dies bekennen, dass Gott durch sein allmächtiges Wort, durch das er alles erschaffen hat, nicht nur die Elemente wohlgeordnet verteilt, sondern aus ebendiesen auch das erschaffen hat, was wir aus ihnen hervorgehen sehen.

FURNIUS: Nichts davon leugnet Paracelsus.

ERASTUS: Wäre es doch so. Wir wissen, dass alles von Gott aus nichts erschaffen worden ist; Paracelsus aber behauptet, alle Dinge seien aus dem großen Mysterium hervorgegangen, so nennt er die erste Materie, nicht durch Schöpfung, sondern durch Absonderung. Denn er behauptet, in jenem seinem Mysterium, von dem er mit ganz ausdrücklichen lateinischen und deutschen Worten mehrfach wiederholt versichert, es sei unerschaffen, seien alle Dinge enthalten verborgen gewesen und durch Scheidung hervorgetreten. Ich habe einst bei mir gezweifelt, ob er unter dem großen Mysterium entweder den Ort des Weltganzen oder irgendetwas anderes verstehe. Doch er lässt uns nichts anderes darunter annehmen als Materie, teils weil er es selbst ausdrücklich so deutet, teils weil er es so häufig die Mutter der Dinge nennt, teils weil er sagt, alles sei daraus so entstanden, wie aus Milch Butter und Käse und aus Käse Würmer entstehen. Gleichwohl behauptet er, dieses Mysterium sei unerschaffen und in diesem Unerschaffenen seien von Gott alle übrigen Dinge erschaffen worden. Gewiss: Wie dieses unerschaffene Mysterium für ihn nichts anderes war als das anaxagoreische Chaos, das er an einigen Stellen seiner Schriften den großen Limbus nennt, so ist für ihn auch die Schöpfung nichts anderes als Scheidung. Die Scheidung aber definiert er selbst im Buch über die Thermen als Absonderung zweier oder mehrerer [p. 5] miteinander verbundener Dinge, damit jedes seine eigenen Kräfte gebrauchen könne. Darum gefiel dies Anaxagoras. Ja, Paracelsus ist noch gottloser als Anaxagoras, weil jener schrieb, die Scheidung geschehe durch einen höchst einfachen, höchst weisen und höchst mächtigen Geist, das heißt durch einen göttlichen, Paracelsus sie aber gewissen gemachten und sterblichen Götterlein zuschreibt.

FURNIUS: Gute Worte, bitte. Die Aussagen gelehrter Männer darf man nicht zum Schlechteren hinreißen, sondern muss sie zum Besseren hin auslegen.

ERASTUS: Sofern nur entweder sie selbst es zulassen oder die Frömmigkeit es gestattet. Denn gegenüber einer offenkundigen Anklage der Gottlosigkeit stumm zu sein, ist eine außerordentliche Gottlosigkeit.

FURNIUS: Was ist denn also ein so schweres Vergehen?

ERASTUS: Hältst du etwa für geringfügig, was ich aufgezählt habe? Wohlan, betrachten wir es einzeln. Aus der unerschaffenen ersten Materie, sagt er, seien die sinnlichen und die unsinnlichen Dinge gemacht worden. Und obgleich alles in das zurückkehre, was es zuvor war, werde es dennoch nicht in die erste Materie aufgelöst, sondern in das, was vor dieser gewesen sei. Dies wiederholt er im Buch über die Art zu reinigen, indem er sagt: Bevor Himmel und Erde waren, war etwas, jedoch nicht das, was wir jetzt sehen.

FURNIUS: Dass er die erste Materie unerschaffen genannt hat, darin ist er nicht von den Scholastikern abgewichen, die niemand deswegen der Gottlosigkeit überführt. Dass er behauptet hat, die übrigen Dinge seien durch Absonderung aus der ersten Materie hervorgebracht worden, ist in gewisser Weise dasselbe, was Mose getan hat. Sodann erklärt er hinreichend, wie er dies verstanden wissen will, wenn er schreibt, die Dinge hätten, unvollkommen mit ihren Formen ausgestattet, im Mysterium verborgen gelegen, nämlich der Möglichkeit nach. Wenn er sagt, alles gehe, nachdem es verdorben sei, in das zurück, was vor dem Mysterium war, so versteht er das Nichts selbst darunter. Denn im einundzwanzigsten Text, wenn er sagt, das bleibe bestehen, was vor dem Mysterium gewesen sei, mahnt er, dies sei nicht so zu verstehen, als ob wir irgendetwas sein würden. „Ich werde ins Nichts aufgelöst“, sagt er, „weil ich von Anfang an aus nichts bin.“ Denn obwohl wir sagen, alles kehre in das zurück, was es zuvor war, verstehen wir doch nichts anderes darunter, als dass es wiederum ins Nichts vergehe, welches sein erster Ursprung ist. So heißt es im Buch über die Art zu reinigen: Wenn das, was jetzt etwas ist, zum Nichts zurückgekehrt ist, [p. 6] bleibt das, was zuvor war. Im Übrigen wird man vielleicht bei billigen Beurteilern entschuldigen können, dass er geschrieben hat, auch andere außer Gott hätten die ungeformte Materie unterschieden.

ERASTUS: Die Theologen verneinen, dass die erste Materie so erschaffen worden sei, dass sie jeder Form entbehrte; vielmehr behaupten sie beständig, sie sei mit bestimmten Formen zusammen erschaffen worden. Unendlich verschieden sind diese beiden Aussagen: „Die erste Materie ist nicht ohne jede Form erschaffen“ und: „Die erste Materie ist unerschaffen.“ Ferner gibt es eine Schöpfung, die so eigentlich genannt wird, nämlich wenn Dinge aus keinem vorausliegenden Etwas, so nenne ich das, was die Griechen τὸ μὴ ὂν nennen, oder aus dem Nichts entstehen. Bei dieser Hervorbringung ist es ganz und gar notwendig, dass keine Veränderung oder Umwandlung vorausgeht; dies ist die zweite Bedingung der Schöpfung. Denn nichts kann verändert oder umgewandelt werden, wenn es nicht zuvor existiert. Die eigentlich so genannte Schöpfung hat also diese beiden Bedingungen: dass sie eine Hervorbringung der Dinge aus dem Nichts ist und dass sie ohne vorausgehende Umwandlung plötzlich ins Dasein tritt. In anderer Weise wird ebenfalls von Schöpfung gesprochen, vielleicht weniger eigentlich, aber doch gebräuchlich und mit der Heiligen Schrift übereinstimmend, sooft aus etwas zwar Vorausliegendem irgendetwas entsteht, jedoch so entsteht, wie es von keinem Geschöpf, sondern allein von Gott hervorgebracht werden konnte. Auch diese Schöpfung hat zwei Bedingungen: nämlich dass die Dinge aus keinem Keimgrund hervorgehen, aus dem eine geschaffene Kraft dasselbe hervorbringen könnte, und dass sie plötzlich, ohne Bewegung oder Umwandlung, existieren. Was nämlich in einem Augenblick ohne jede Bewegung entstanden ist, konnte auf keine andere Weise hervorgebracht werden als durch eine gewisse Schöpfung. Denn alles, was durch Zeugung entsteht, entsteht durch Bewegung und zeitliche Abfolge. Wenn nun überdies solche Dinge plötzlich aus einer Materie entstehen, in der zuvor keinerlei Eignung zu ihrer Hervorbringung vorhanden war, so sind sie umso mehr erschaffen worden. Denn es muss die Eignung zur Form, die Augustinus Keimgrund nennt, zugleich mit der Form und der notwendigen Beschaffenheit plötzlich eingeführt worden sein. Dass aber die Keimgründe allein vom Schöpfer der Materie der Materie verliehen werden können, ist ebenso gewiss, [p. 7] wie gewiss ist, dass Gott der Hervorbringer aller Dinge ist. Beide Arten der Schöpfung werden bei der Hervorbringung dieser Welt klar und deutlich wahrgenommen. Denn am Anfang erschuf Gott die Materie der ganzen Welt unter den Formen des Himmels und der Elemente aus dem Nichts. Die Schrift begreift nämlich die untereinander noch ungeordneten Elemente unter dem Namen der Erde, wie daraus hervorgeht, dass bald darauf das Wasser erwähnt wird und im zweiten Kapitel dann auch die Luft oder der ausströmende Dunst. Dass aber auch Feuer beigemischt war, erkennen wir daraus, dass ohne Wärme keine Ausdünstungen entstehen. Aus diesen Elementen schuf dann derselbe Werkmeister, ohne dass irgendeine Umwandlung vorausgegangen wäre, durch sein allmächtiges Wort die verschiedenen Arten der Dinge. Er zog also nicht durch Absonderung Dinge hervor, die dem Akt nach existierten, wenn auch verborgen lagen, sondern er befahl, dass sie, als sie noch nicht waren, plötzlich sein sollten. Denn ausdrücklich wird gesagt, die Erde, das heißt die Masse der Elemente, sei öde und leer gewesen, das heißt, sie habe jener Formen zusammengesetzter Dinge entbehrt, die, sobald Gott befahl, dass sie seien, in eben demselben Augenblick vollkommen existierten.

FURNIUS: Nicht alle Theologen scheinen so über das Werk der Schöpfung zu sprechen, sondern die meisten, besonders aber die Scholastiker, sagen, die Welt sei am Anfang erschaffen worden; danach aber berichten sie, sie sei von Gott unterschieden und geschmückt worden. Daher definieren sie die Schöpfung als Hervorbringung des ganzen Seins, nicht der Materie allein, aus dem Nichts.

ERASTUS: Ich weiß wohl, dass sie so sprechen, wie du gesagt hast; auch tadle ich diejenigen nicht, die anders sprechen, sofern sie nur nicht anders denken. Ich untersuche gegenwärtig nicht, wie es anderen gefallen hat zu sprechen, sondern ich erforsche, was der Heiligen Schrift mehr entspricht. Mose aber sagt, Gott habe am Anfang Himmel und Erde erschaffen. Diese sei jedoch noch roh, ungeordnet und leer gewesen und habe, unter den Wassern verborgen, mit keinerlei Pflanzen bekleidet dagelegen. Dass nämlich Pflanzen nicht der Wirklichkeit nach in der Erde gewesen sind, erkennen wir ganz klar aus dem zweiten Kapitel, wenn Mose sagt: „Und jedes Gesträuch des Feldes, bevor es auf der Erde war, und jedes Kraut, bevor es aufging.“ Ebenso versichert die Schrift, dass [p. 8] Gott sechs Tage lang mit dem Werk der Schöpfung befasst gewesen sei und erst am siebten Tag geruht habe. Wenn Gott also am Anfang alles erschaffen hat und das, was er an den folgenden Tagen machte, nicht erschuf, dann hat er nichts anderes getan, als das Vermischte nach Art des Geistes des Anaxagoras abgesondert; dies zu sagen ist gleichermaßen absurd und gottlos. Denn die Erde wäre nicht öde und leer gewesen, wenn sie in sich der Wirklichkeit nach die Pflanzen gehabt hätte, die sie später hervorbrachte. Auch wäre die Finsternis nicht über der Tiefe gewesen, wenn das Licht der Wirklichkeit nach beigemischt gewesen wäre. Denn Finsternis ist nichts anderes als Beraubung oder Abwesenheit des Lichts. Wird nicht ausdrücklich geschrieben, dass Gott die Fische erschaffen habe, denen er befahl, in den Wassern zu existieren, und den Menschen, den er aus dem Schlamm der Erde bildete? Wenn er diese nicht erschaffen hat, sind sie keine Geschöpfe. Was erschaffen worden ist, ist erschaffen worden. Denn alles, was, als es nicht war, später existierte, ist entweder erschaffen oder gezeugt worden. Was gezeugt wird, wird aus einem Keimgrund oder geeigneten Subjekt durch Umwandlung aus der Möglichkeit zur Wirklichkeit geführt. Es steht aber fest, dass die Geschöpfe, von denen hier die Rede ist, nicht auf diese Weise hervorgebracht worden sind. Daher folgt, dass sie erschaffen worden sind.

FURNIUS: Man sagt mit Recht, er habe erschaffen, weil er die Materie, das heißt die Erde, aus dem Nichts gemacht hatte, aus der er dann die übrigen Dinge hervorgehen ließ.

ERASTUS: Es irrt, wer meint, die Werke der sechs Tage würden allein deshalb Geschöpfe genannt, weil ihre Materie aus dem Nichts erschaffen worden sei. Denn die Schrift sagt, Adam sei damals erschaffen worden, als er aus dem Schlamm der Erde gebildet und den Atem des Lebens empfangen hatte. So wird auch Eva als erschaffen beschrieben, als sie aus der Rippe des schlafenden Adam hervorgebracht wurde. Ich räume also ein, dass die Materie der Welt am Anfang unter den Formen des Himmels und der Elemente aus dem Nichts erschaffen wurde. Doch ich bestreite, dass das Heer oder der Schmuck der Welt, den Gott nachher aus der Materie machte, nicht erschaffen worden sei. Denn es gibt, wie ich gesagt habe, eine doppelte Schöpfung. Und hinsichtlich der ersten räume ich die von dir angeführte Definition ein, nach der feststeht, dass zugleich mit der Form auch die Materie wahrhaft und schlechthin aus dem Nichts erschaffen worden ist, das heißt, dass das ganze Sein der Sache aus dem Nichts hervorgebracht wurde. In der zweiten Art der Schöpfung wird zwar die Materie nicht schlechthin erschaffen, doch wird sie in gewisser Weise dennoch erschaffen, nämlich insofern Möglichkeit und Beschaffenheit, ohne die sie die Form nicht aufnehmen könnte, zugleich mit der Form plötzlich und ohne Umwandlung miterschaffen werden. Daher wird, wie dort die Materie, so hier die Möglichkeit und Beschaffenheit, und dadurch auch die Materie selbst, zwar nicht schlechthin, aber doch in gewisser Hinsicht erschaffen. Denn von diesen empfängt sie den Namen und die Natur der Materie.

FURNIUS: Ich verstehe das nicht hinreichend.

ERASTUS: Materie heißt Materie im Verhältnis zur Form. Denn wenn irgendeine Sache eine bestimmte Form nicht aufnehmen kann, kann sie auch nicht als deren Materie gelten. Daher kommt es, dass niemand so wahnsinnig ist, Steine für die Materie von Blut oder Brot zu halten. Wer also mit nicht vergeblichem Bemühen den Steinen die Form des Brotes einprägen will, ist gezwungen, die Materie des Brotes hervorzubringen. Im Übrigen ist jede Sache Materie irgendeiner Sache oder ist es nicht, je nachdem sie eine für die einzuführende Form geeignete oder ungeeignete Disposition besitzt. Denn es ist weder möglich noch denkbar, dass eine Form in einem Subjekt sei, das nicht recht disponiert und vorbereitet ist. Disponiert und vorbereitet werden kann aber jedes Ding nur zur Aufnahme jener Form, die es zuvor der Möglichkeit nach in sich hat, das heißt jener, zu der es von Gott die Eignung oder keimhafte Kraft empfangen hat. Denn einem Subjekt eine Form geben heißt nichts anderes, als die Möglichkeit des Subjekts zur Wirklichkeit zu führen. Es gibt auch keinen anderen Grund dafür, dass nicht aus jedem Beliebigen jedes Beliebige, sondern nur aus etwas Bestimmtem etwas Bestimmtes hervorgebracht wird, als den, dass nicht jede Sache die Möglichkeit jeder Form besitzt. Wenn aber ein geschaffenes wirkendes Prinzip der Materie, auf die es einwirkt, jede beliebige Möglichkeit einprägen könnte oder ohne diese Möglichkeit die gewünschte Form einzuführen vermöchte, dann könnte jedes Beliebige aus jedem Beliebigen hervorgebracht werden. Es steht jedoch fest, dass geschaffene Kräfte aus dem Subjekt, auf das sie einwirken, nur das hervorbringen, wozu dieses geeignet ist, zu werden, und jene geeignet sind, es zu bewirken. Darum können geschaffene Kräfte der Materie keine Möglichkeit verleihen, die sie nicht zuvor besitzt, noch ohne diese Möglichkeit eine Form einprägen. Allein [p. 10] dem Schöpfer, dem allmächtigen Gott, kommt es zu, die Materie nach seinem Willen zur Aufnahme beliebiger Formen fähig zu machen. Inzwischen ist es nicht widersinnig, ja es ist gewiss und wahr, dass dieselben Dinge von ungleichen Ursachen auf ungleiche Weise affiziert werden. Brot kann nämlich, um ein Beispiel zu geben, durch Feuer in Asche verwandelt werden, in Blut aber nicht. Dasselbe Brot kann durch die Wärme eines Lebewesens in Blut verwandelt werden, in bloße Asche jedoch kann es auf dieselbe Weise keineswegs verwandelt werden. Also kann Brot durch die Wärme eines Lebewesens in Blut und Fleisch verwandelt werden; durch die Wärme des Feuers kann es auf diese Weise nicht umgewandelt werden, weil es eine Möglichkeit besitzt, durch die es von der Wärme eines Lebewesens so verändert wird, nicht aber von der Wärme des Feuers. Steine aber können weder durch die Wärme des Feuers noch durch die Wärme von Lebewesen in Blut verwandelt werden, weil sie dieser Möglichkeit in Bezug auf beide Ursachen entbehren; Brot dagegen erscheint, nur in Beziehung auf das Feuer betrachtet, derselben zu entbehren. Daraus wird erstens deutlich, dass jedes Subjekt dann zur Materie einer bestimmten Sache wird, wenn es die Möglichkeit und die zur Einführung der Form passende Disposition erlangt. Zweitens wird auch dies deutlich: Eine Ursache, die diese Möglichkeit und Disposition den Dingen zugleich verleiht, macht sie aus Nicht-Materie zu Materie. Gewiss: Wer den Steinen eine Möglichkeit und Eignung verliehe, durch die sie von der Wärme des Menschen in Blut verwandelt werden könnten, von dem würde man mit Recht urteilen, er habe Steine, die nicht Materie des Blutes sind, zur Materie des Blutes gemacht. Ebenso würde man von dem, der Steine in einem einzigen Augenblick in wahre Brote verwandelte, mit Recht sagen, er habe zugleich mit der Form des Brotes auch die Materie miterschaffen, insofern er zugleich die notwendige Disposition und Möglichkeit eingegossen und diese aus keiner vorausliegenden natürlichen Möglichkeit hervorgeführt hätte. Drittens wird deutlich, dass allein der Schöpfer der Materie die Möglichkeiten einprägen kann, die er will, da er allein die Macht besitzt, aus jedem Beliebigen jedes Beliebige hervorzubringen. Gerade darin unterscheidet sich die Handlung der Schöpfung am meisten und am offenkundigsten von den Handlungen aller Geschöpfe, dass diese [p. 11] in die Materie nur jenen Akt einführen können, das heißt nicht ohne Bewegung und Umwandlung, der zuvor der Möglichkeit nach in ihr vorhanden ist; jener aber bringt zugleich mit dem Akt oder der Form, ohne dazwischentretende Bewegung und Umwandlung, auch die Materie selbst plötzlich hervor, entweder schlechthin oder hinsichtlich der notwendigen Möglichkeit und Dispositionen. Jenes hat er bei der ersten Schöpfung der Elemente und des Himmels geleistet, dieses bei der zweiten Schöpfung, als er aus der Erde Pflanzen und Tiere erschuf. Denn in demselben Augenblick, in dem er befahl, dass diese existierten, vermischte und temperierte er durch sein allmächtiges Wort die Teile der Materie so vielfältig und unterschied und schmückte sie mit so mannigfaltigen Möglichkeiten und Dispositionen, wie vielfältig und mannigfaltig die Formen waren, die in ebendieser Materie plötzlich erschienen. Wenn du dieses Wirken des Schöpfers anders nennen willst, werde ich nicht streiten, sofern du es nur angemessen von den Handlungen geschaffener Kräfte unterscheidest und überzeugt bist, dass die Dinge allein durch das allmächtige Wort des Schöpfers auf diese Weise hervorgebracht werden konnten und hervorgebracht worden sind.

FURNIUS: Auch ich werde mich fernerhin nicht darum sorgen, mit welchem Namen jemand es bezeichnen will, obwohl ich glaube, dass es passender und mit der Schrift übereinstimmender Schöpfung genannt wird als auf irgendeine andere Weise. In der Tat ist der Unterschied zwischen dieser und der ersten Schöpfung sehr gering, und beide wurden durch dasselbe Wort vollbracht und vollendet. Weil aber die Schöpfung aller Dinge zugleich in einem einzigen Augenblick ruhmvoller und herrlicher zu sein scheint, warum scheinen dann jene nicht weniger ehrenvoll von Gott zu denken, die meinen, die Welt sei von Gott zu verschiedenen Zeiten vollendet worden? Denn Letzteres scheint auf eine Schwäche der wirkenden Kraft hinzuweisen, da niemand von uns drei Tage auf etwas verwenden wollte, was er an einem Tag vollenden könnte; Ersteres dagegen scheint ihre Vortrefflichkeit zu bezeugen.

ERASTUS: Wenn Gott dieses Weltganze deshalb in sechs Tagen vollendet hätte, weil er es nicht schneller konnte, würdest du etwas Triftiges sagen. Da er nun aber die Weisheit selbst ist und in einem einzigen Augenblick nicht nur diese geschaffenen Dinge, sondern auch unendlich viele andere hätte hervorbringen können, ist klar, dass er nicht ohne geheimnisvolle Bedeutung den Bau dieser Welt eher auf diese als auf jene Weise vollendet hat. Die Würde und Majestät der Kraft des Schöpfers muss aber nicht so sehr aus einer augenblicklichen Schöpfung geschätzt werden als vielmehr aus der Vortrefflichkeit, dem Schmuck, der Natur, den Kräften, der Dauer und Ähnlichem der hervorgebrachten Dinge, vor allem aber aus der Weise der Hervorbringung. Denn er sprach, und sie wurden, und zwar so, dass sie nicht besser hätten werden können. Aus diesen wenigen Ausführungen siehst du, dass du Paracelsus nicht entschuldigen kannst. Erstens nämlich nennt er sein Mysterium schlechthin unerschaffen; er verneint nicht nur, wie die Scholastiker, dass es ohne irgendeine Form erschaffen sei. Füge hinzu, dass er nicht einmal zugesteht, dass die übrigen Dinge erschaffen seien, sondern sagt, sie seien im unerschaffenen Mysterium verborgen gewesen und durch Scheidung erschienen. Es steht aber aus der Heiligen Schrift fest, dass Gott die aus den Elementen zusammengesetzten Dinge erschaffen hat, als sie in diesen noch nicht vorhanden waren, und sie nicht nur aus ebendiesen abgesondert hat. Denn die Worte des Mose sind von den paracelsischen sehr weit entfernt. Denn obwohl er sagt, die Dinge seien in jenem Mysterium nicht vollendet gewesen, sagt er doch, sie hätten so in ihm verborgen gelegen, wie in einem aus verschiedenen Dingen kunstvoll zusammengesetzten Arzneimittel, obwohl die Materie eine zu sein scheint, verschiedene Kräfte enthalten sind. Da er sich selbst mit diesem Beispiel erklärt, finde ich nicht, wie ich ihn verteidigen sollte. Wenn du behauptest, er habe gemeint, sie seien der Möglichkeit nach darin enthalten gewesen, wirst du nichts erreichen. Denn jene Möglichkeit der Materie war die von allem, was der Mensch mit dem Geist erfassen kann, entfernteste und allgemeinste. Kein Teil von ihr war nämlich der Möglichkeit nach mehr Mensch als Stein, mehr Pflanze als irgendetwas anderes. Daher war es schlechthin und unbedingt unmöglich, dass alle Geschöpfe durch Scheidung zusammengesetzte Dinge aus jener Materie hervorbrächten oder in ihr sichtbar machten. Damals war kein Teil von ihr der Möglichkeit nach Pflanze oder Tier oder Mensch, so wie jetzt irgendein Same der Möglichkeit nach Pflanze, Lebewesen oder Mensch ist. Doch was sage ich? Nicht einmal Samen werden durch bloße Scheidung zu dem, was sie sein können; vielmehr bedarf es auch hier einer vielfältigen, langen und mannigfachen Umwandlung und Veränderung, wie jeder weiß, außer Paracelsus. [p. 13] Aus seiner Ansicht folgt auch dies, dass vor jenem unerschaffenen Mysterium weder etwas noch nichts gewesen sei und dass er folglich nichts als Wortungeheuer ausgestoßen habe, als er über diese Dinge gottlos und anmaßend schwatzte und den besten und größten Gott verhöhnte. Denn was unerschaffen ist, ist ewig. Vor dem Ewigen kann weder etwas noch nichts gedacht werden. Wenn nämlich nach ihm das Mysterium als nichts existiert hätte, wäre es erschaffen gewesen, es sei denn vielleicht, es hätte sich selbst im Nichts verborgen, bis Paracelsus es hervorholte. Wenn er es also manchmal erschaffen nennt, zeigt er uns klar, dass er betrunken oder wahnsinnig war, als er dergleichen schrieb. In dem gedruckten Buch über die Meteorologie lesen wir Folgendes: „Wir haben gesagt, dass Gott die Elemente aus dem Nichts erschaffen hat. Nun wollen wir also untersuchen, wohin jenes habe gelangen können, was den Ort einnahm, den die Elemente besetzen. Es ist aber samt dem ihm Anhaftenden aus dem Himmel und dem Ort der Elemente in die Hölle hinabgestoßen worden; und was von hier nicht vertrieben wurde, befindet sich am Ort des Paradieses.“ Kurz danach: „Der Ursprung der vier Elemente ist also aus dem Nichts erschaffen. Denn der Ort, an dem sie nun sind, umfasste zuvor nichts Vergängliches, aus dem nämlich Vergängliches erschaffen werden konnte. Daher ziemte es sich, dass das Unvergängliche in das Paradies weiche und an dessen Stelle von Gott das Vergängliche erschaffen werde, nämlich der Himmel oder das Chaos, das heißt die Luft, danach die übrigen Elemente.“ Habe ich nicht zu Recht gesagt, dass dies Wortungeheuer und Missgeburten sind, die nichts Gesundes und Gewisses enthalten? Dies steht fest: Er glaubte nicht, dass vor den erschaffenen Elementen an deren Ort nichts gewesen sei. Aus den angeführten Worten geht nämlich klar genug hervor, dass er nicht bloß einen leeren Raum verstand. Denn dieser kann nicht an einen anderen Ort versetzt werden. Er spricht so, als meine er, Luzifer sei mit seinen Engeln in die Unterwelt, die guten Engel aber an den Ort des Paradieses verwiesen worden. Über die Podagra schreibt er so: „In der zweiten Schöpfung wurden aus Engeln Himmel, Wasser, Erde und Luft gemacht. Was sie in der Engelsnatur besaßen, wurde auf diesen Erdkreis verteilt.“ An derselben Stelle schreibt er, Menschen, Dämonen und Engel seien aus dem Limbus gemacht worden. Im Übrigen ist schwer zu sagen, was er gemeint hat, so hässlich widerspricht alles einander. Und weil es uns wenig angeht, meine ich, dass es nicht einmal genauer zu untersuchen ist.

FURNIUS: An den angeführten Stellen sagt er, die Elemente seien von Gott erschaffen worden. Wie beschuldigst du ihn also nicht ungerechterweise des Gegenteils?

ERASTUS: Ich tue ihm kein Unrecht, wenn ich seine Worte und Ansichten redlich wiedergebe und aus ihnen richtig schließe. Dass er selbst aber nur höchst selten bei derselben Meinung bleibt, sondern in fast allem mit sich selbst streitet, braucht nicht einmal eigens angemahnt zu werden. Denn wir werden in seiner ganzen Lehre kaum sehr wenige Sätze finden, die er nicht irgendwo durch einen offenkundigen Widerspruch widerlegt. Was aber würdest du hierauf antworten, wenn sie so argumentieren: Der Ort, in dem die Elemente enthalten sind, umfasste nichts der Verderbnis Unterworfenes; also ist der Ursprung der Elemente aus dem Nichts erschaffen?

FURNIUS: Darauf will ich jetzt nicht eingehen. Ja, ich gestehe dir sogar frei zu, dass Gott nicht nur die Materie des Weltganzen unter den Formen des Himmels und der Elemente erschaffen hat, sondern auch Steine, Metalle, Pflanzen, Tiere, schließlich den Menschen, da die Schrift Gott so oft und so offenkundig den Schöpfer all dieser Dinge nennt. Denn auch wenn feststeht, dass sie aus den Elementen gemacht sind, werden sie dennoch Geschöpfe genannt, weil sie ohne dazwischentretenden Keimgrund und ohne vorausgehende Umwandlung, durch deren Vermittlung die natürlichen Dinge jetzt entstehen, hervorgegangen sind, sondern plötzlich und ohne Zeit durch das befehlende allmächtige Wort Gottes existierten.

ERASTUS: Was hältst du davon, dass er sagt, aus dem großen Mysterium, das heißt aus der ersten Materie, seien auch unsinnliche Geschöpfe, das heißt der Materie entbehrende Geschöpfe, gemacht worden? Denn er scheint den Wahn jener Fanatiker zu billigen, die außer Gott alle Geschöpfe für körperlich hielten; diesen Wahnsinn widerlegen die Heiligen Schriften nachdrücklich. Ja, was wirst du dafür sagen, wenn er behauptet, die Elemente seien aus Engeln gemacht worden, und damit das Gegenteil der früheren Behauptung bekräftigt?

FURNIUS: Unter unsinnlichen [p. 15] versteht er formlose und unvollkommene Dinge, die nicht der Wirklichkeit, sondern nur der Möglichkeit nach sinnlich waren.

ERASTUS: Aber auf diese Weise waren alle Dinge außer den Elementen unsinnlich. Es ist ja bereits dargelegt worden, dass in der ersten Materie keine Formen zusammengesetzter Dinge so der Möglichkeit nach vorhanden waren, wie sie jetzt in ihr enthalten sind und von einem geschaffenen wirkenden Prinzip zur Wirklichkeit geführt werden könnten. Denn die Möglichkeit, die sie damals allein besaß, war die allgemeinste, durch die sie zur Schöpfung aller Dinge gleichermaßen geeignet war, zu keinem mehr bereit als zu irgendeinem anderen. Schließlich war sie eine solche Möglichkeit, die allein durch die Kraft des Schöpfers vollendet werden konnte. Haben nicht auch die Philosophen bestritten, dass die entfernte Materie der Möglichkeit nach dieses oder jenes sei? Darüber kannst du Aristoteles im neunten Buch der Metaphysik, Kapitel sieben, lesen, wo er schreibt, es werde nicht richtig behauptet, Erde sei der Möglichkeit nach eine Truhe oder ein Becher. Denn viele Veränderungen müssen eintreten, bevor eine Truhe oder ein Becher entsteht; diese Veränderungen können nicht von einem einzigen Bewegenden erregt und bis zum Ende geführt werden. Die Möglichkeit aber, von der wir hier sprechen, war weit entfernter, als jetzt die Möglichkeit der Erde zu einer hölzernen Truhe oder zu einem silbernen Becher ist. Denn sie war reine oder absolute Möglichkeit, die nicht mehr den einen Akt als irgendeinen anderen aufnehmen konnte. Aus einer solchen Möglichkeit können, wie feststeht, verschiedene Dinge nur von jenem Wirkenden hervorgebracht werden, das volle Herrschaft über die Materie und all ihre Möglichkeit besitzt. Die Möglichkeit in der Materie war also jene, die von den Scholastikern „Möglichkeit des Gehorsams“ genannt wird, nicht aber eine natürliche Möglichkeit, die ihr später eingegossen wurde, als Gott befahl, dass sie aus sich hervorbringe, was er wollte. Falsch ist also, dass die erschaffenen Dinge so in der Materie gewesen seien, wie in einem zusammengesetzten Arzneimittel, dessen Materie eine einzige zu sein scheint, unterschiedliche Kräfte und Vermögen enthalten sind; wie im menschlichen Urin die vier Elemente enthalten sind; wie im Stamm Merkur enthalten ist; wie in der Milch Molke, Käse und Butter enthalten sind. Denn dieser Beispiele bedient er sich, außer dass er verneint, etwas Abgesondertes sei unnütz gewesen, was bei der Hervorbringung [p. 16] des Merkurs Verwendung finde. Widersinnig ist es, dass er behauptet, alles sei durch Scheidung hervorgegangen, wenn er verneint, dass es der Wirklichkeit nach vorhanden gewesen sei. Wie er dies allerdings verneinen will, sehe ich nicht, da er schreibt, die aus seinem Mysterium erschaffenen Dinge seien durch Scheidung hervorgetreten, wie aus Milch durch zugesetzten unterschiedlichen Essig Käse, Butter und Molke hervorgehen, und wie im Feuer Metalle, die in irgendeinem einzigen Erzklumpen enthalten sind, voneinander getrennt werden. Füge hinzu, dass er selbst schreibt, bei der Scheidung sei ein Teil in die Elemente übergegangen, ein Teil in die pflanzlichen Dinge abgesondert, ein Teil in unsichtbare Dinge unterschieden worden. Ebenso bekräftigt er im elften Text des zweiten Buches ausdrücklich, dass die unsichtbaren Geister, die in der Finsternis wohnen, im großen Mysterium gewesen seien. Dasselbe versteht man daraus, dass er jedem Element solche Substanzen zuweist, wie wir bald hören werden. Wenn du dagegen einwendest, er spreche nicht immer auf dieselbe Weise, werde ich dasselbe antworten, was ich oben schon berührt habe: In seinen Schriften finden sich so ungeheure Widersprüche, dass, wer mit Urteilskraft liest, nicht anders denken kann, als dass der Mensch entweder der ungeheuerlichste von allen gewesen sei oder von einem höchst bösen Dämon dazu angetrieben worden sei, Dinge zu schreiben, die kaum jemand mit frommem Sinn lesen kann. Von jener scheidenden Kraft, die aus jenem Mysterium alles hervorbringt und die er Magie nennt, schreibt er, er zweifle, ob er sie natürlich oder göttlich nennen solle; worüber, wie man liest, nicht einmal irgendwelche Heiden gezweifelt haben, außer den Epikureern und einigen Atheisten.

FURNIUS: Lass uns dies nun beenden und zu anderem übergehen.

ERASTUS: Es bleibt darüber hinaus noch etwas zu prüfen. Er behauptet nämlich gegen die Heiligen Schriften, die Elemente seien nicht sogleich von Gott erschaffen worden, sondern durch die erste Absonderung aus dem großen Mysterium entstanden. Bei dieser Scheidung sei das Feuer, der Himmel oder das enthaltende Gefäß und gleichsam die Gebärmutter des Firmaments, entstanden; die Luft sei ein leerer Aufnahmeort unsichtbarer und schicksalhafter Geschöpfe geworden, das Wasser das Lager der Nymphen, die Erde schließlich eine Gerinnung, eine Art Herberge irgendwelcher, ich weiß nicht welcher Gespenster. Da dies den heiligen Büchern offen widerspricht und mit [p. 17] den Ansichten aller Philosophen streitet, bedarf es keiner Widerlegung, ebenso wenig wie das Folgende. Denn kein verständiger Mensch wird eine Widerlegung solcher Dinge erwarten. Also schreibt er, in der zweiten Scheidung seien aus dem Feuer Himmel und Sterne erzeugt worden, die so im Feuer gewesen seien, wie im Winter in einem Baum Blätter, Blüten und Früchte sind. Aus der Luft, sagt er, seien Fata, Eindrücke, Beschwörungen, Aberglauben, Vergiftungen, Erscheinungen, Zaubereien, Weissagungen, Melusinen, Dicemeen, Drudalen, Neusarenen, Geister usw. erzeugt worden; von diesen wohne die Dicemea in den Steinen, die Drudalen in den Bäumen, die Neusarenen in den Poren der Erde, die Geister in der Luft selbst. Aus dem Wasser, sagt er, seien Fische, Salze, Metalle, Korallen, Trina, Zitronen, Wasserungeheuer, Nymphen, Sirenen, Dramen, Lorinten, Nefderen und andere vernunftbegabte Geschöpfe geboren worden, von denen die einen ein ewiges Leben genössen, andere zwischendurch stürben, andere noch geboren werden sollten. Denn in diesem Element sei die Scheidung noch nicht vollendet. Aus der Erde, behauptet er, seien sinnliche und unsinnliche, sterbliche und unsterbliche Dinge entstanden, Gnomen, wilde Menschen, Lamien, Giganten usw. Zusammenfassend schreibt er im achten Text des zweiten Buches Folgendes: „Jedes der Elemente enthält aus sich Erzeugtes, sowohl mit Vernunft Begabtes als auch der Vernunft Entbehrendes. Denn der Himmel hat nicht weniger vernunftbegabte Geschöpfe als die Erde. Ebenso verhält es sich mit Luft und Wasser. Und wer wird uns gewiss machen, den Geschöpfen welches Elements der wahre Glaube gegeben oder der Weg zum Heil eröffnet sei, oder welche von diesen vier Gattungen die Seligkeit besitzen?“ Dies lasse ich jetzt beiseite. Inzwischen kann es kaum anders sein, als dass es in allen vier Elementen Menschen gibt wie auf der Erde. So weit Paracelsus; andernorts fügt er hinzu, luftartige Lebewesen könnten sich mit den Menschen der Erde verbinden und aus ihnen zeugen, wie es einer gewissen Melusine in Gallien widerfahren sei, und durch die Ehe eine menschliche Seele erwerben, deren sie zuvor entbehrten. Er sagt, sie hätten Fleisch und Knochen und seien Lebewesen, entbehrten jedoch der Seele, wodurch sie sich von den Nachkommen Adams unterschieden. Ihr Fleisch sei so [p. 18] fein, dass es alles Festeste durchdringe; dennoch seien sie Krankheiten und auch dem Tod, wie die Menschen, unterworfen, obwohl er zuvor gesagt hatte, nicht einmal Feuer könne ihnen schaden; ebenso sprächen sie, äßen, tränken und suchten sich durch eigene Arbeit ihren Lebensunterhalt. Er hält es nicht für unpassend und unmöglich, dass zwei Körper zugleich an demselben Ort seien. Denn er schreibt ausdrücklich, die Art der Pygmäen, die die Alten Sylphen nannten, werde von Teufeln besetzt und ohne Durchbohrung in Mauern und Bäume eingeführt, sodass zwei Körper in einem seien. Diese Sylphen, sagt er, vergössen Blut, wenn die Bäume angeschnitten werden, weil sie, obwohl sie Geister seien, Fleisch und Knochen hätten. Obwohl diese Geschöpfe aber einer Seele entbehrten, hätten sie doch Anteil an Vernunft und jeder menschlichen Weisheit. Ja, sie nähmen nicht nur Gegenwärtiges, sondern auch Zukünftiges voraus wahr und offenbarten den Menschen jegliches Verborgene. An dieser Stelle fügt er auch die Erzeugung des Fatum an, so nennt er einen bestimmten Geist; obwohl diese Erzeugung mannigfaltig sei, sei das Fatum dennoch unkörperlich, wie auch die Luft selbst unkörperlich sei. Wer, sage ich, diese Ungeheuerlichkeiten widerlegen will, wird nichts anderes gewinnen, als dass er sich nicht ganz stumpfsinnigen Menschen zum Gelächter preisgibt. Es genügt, glaube ich, sie nur aufgezählt zu haben, da sie durch die bloße Wiedergabe hinreichend widerlegt werden.

FURNIUS: So ist es. Aber deshalb ist nicht alles zu verwerfen, weil manches von ihm wenig passend gesagt wurde. Wir müssen annehmen, er habe anders verstanden werden wollen, als die Worte zu klingen scheinen.

ERASTUS: Wenn er anders hätte verstanden werden wollen, hätte er anders gesprochen. Wenn er aber nicht verstanden werden wollte, will auch ich ihn nicht verstehen. Gewiss sind die Worte die Zeichen der Gedanken des Geistes. Da sie nur aufgrund menschlicher Übereinkunft bezeichnen, sind wir gezwungen, über die Meinung eines jeden so zu urteilen, wie er sie mit Worten vorlegt. So unterscheidet Galen sehr gelehrt zwei Arten von Menschen, und niemand, der die Bücher des Paracelsus aufmerksam durchgelesen hat, bezweifelt, dass Paracelsus zu beiden gerechnet werden kann. Die eine Art ist die derjenigen, die sich in den meisten Fällen zu verborgenen und unaussprechlichen Eigenschaften flüchten; die andere [p. 19] die derjenigen, die mit Worten zwar aussprechen, was sie meinen, diese aber nicht so gebrauchen wie andere. Wer dies tut, kann entweder wegen Unreife und Ungeschicklichkeit keine bessere Darstellung geben, oder er verbirgt ruchlose Dinge unter gebräuchlichen Worten, oder er gibt vor, Dinge zu wissen, die er niemals gelernt hat. Es gibt nämlich einige so Törichte, dass sie glauben, das, was sie nicht verstehen, enthalte irgendeine verborgene Weisheit. Doch dies liegt außerhalb unseres Vorhabens, zu dem nun zurückzukehren ist. Wir haben gesagt, dass jene Dinge erschaffen werden, die aus keiner vorausliegenden Sache oder aus dem Nichts hervorgebracht werden. Ebenso haben wir gesagt, dass jene Dinge erschaffen werden, wenn auch vielleicht weniger eigentlich, die, obwohl sie aus etwas Vorausbestehendem gemacht sind, dennoch ohne vorausgehende Umwandlung plötzlich existieren; besonders aber dann, wenn, abgesehen davon, dass sie ohne weitere Veränderung plötzlich da sind, das Subjekt entweder keine bestimmte Möglichkeit des hervorzubringenden Dinges in sich hatte oder eine so entfernte, dass der Akt von keiner Kraft außer Gott hätte herausgeführt werden können. Und zwar haben wir klar gezeigt, dass die Materie des ganzen Weltalls von Gott unter den Formen des Himmels und der Erde oder der Elemente aus dem Nichts erschaffen oder mit ebendiesen Formen miterschaffen wurde. Aus dieser Materie seien danach alle übrigen Dinge ohne dazwischentretende Umwandlung und ohne eine Möglichkeit der Formen, die in der Materie existierte, durch dieselbe Macht erschaffen worden, haben wir nachgewiesen. Denn durch bloßen Befehl wurden Pflanzen, Fische, Vögel und alle übrigen Lebewesen hervorgebracht. Und dass in der Materie kein solcher Keimgrund von all diesen Dingen vorher vorhanden war, aufgrund dessen sie als mehr oder weniger geeignet zur Hervorbringung einer bestimmten Sache statt irgendeiner anderen hätte gelten können, ist mehr als hinreichend offenkundig. Denn diese Kraft hat der allmächtige Herr der Materie erst danach eingepflanzt, als er befahl, dass die einzelnen Dinge fortan so geboren würden, wie sie in der ersten Schöpfung gewesen waren. Wie hässlich Paracelsus dem widerspricht, ist aus dem zuvor Gesagten ersichtlich. Nun aber möchte ich dringend hören, wie du entschuldigen willst, dass er außer Gott andere Scheider erdichtet hat. „Weil es“, sagt er, „etwas gab, durch dessen Absonderung [p. 20] alles unterschieden worden ist, gibt es vor allem eine Unterscheidung der finsteren Götter, und zwar auf diese Weise: Die geschaffenen Dinge wurden in ewige und vergängliche geteilt, weil der Schöpfer der Mysterien ein anderer war, nicht jener höchste Gott. Der Grund ist: Da er Richter und Züchtiger aller Geschöpfe ist, denen erlaubt ist, Böses zu tun, konnten solche nicht von ihm geschaffen werden. Sodann: Da die geschaffenen Dinge durch die Sterne, durch das Fatum und durch die Unterwelt zum Bösen angelockt, getrieben und gezwungen werden, dies aber Gott nicht zukommt, der uns frei geschaffen hat, muss ein anderer Urheber gesucht werden. Schließlich: Weil viele töricht und stumpfsinnig geboren werden und kaum der Tausendste weise ist, ist es wahrscheinlich, dass wir nicht Werke des vollkommensten Werkmeisters sind, sondern sterblicher Götterlein, die beim letzten Gericht uns gegenüber rechenschaftspflichtig sind und über jenes Mysterium Herrschaft besitzen.“

FURNIUS: Ich erinnere mich, dies ganz deutlich am Anfang des zweiten Buches An die Athener gelesen zu haben. Es ruft mir das in Erinnerung, was er über die Entstehung der Toren in dem dieser Sache gewidmeten Büchlein geschrieben hat. „Zu beachten ist“, sagt er, „dass die Narren von den Werkleuten des Himmels, den Meistern und deren Schülern, hervorgebracht werden. Von einem in seiner Kunst vollkommenen Künstler wird nichts Unvollkommenes hervorgebracht; was aber von Schülern gemacht wird, die durch das Werkeln erst Werkleute werden müssen, ist oft lächerlich. Der Mensch bietet also, indem er den Menschen zeugt, dem Vulkan gleichsam Holz oder Materie dar; denn der Mensch zeugt oder bewirkt den Menschen nicht mehr, als der Bauer den Weizen bewirkt, den er gesät hat. In dessen Abwesenheit verderben die Schüler bisweilen das Bild und zeugen Toren, was der ungeordnete und verdorbene Bau des Körpers und das verzerrte Gesicht meist anzeigen. Dies geschieht daher, dass sie den vulkanischen Veränderungen unterworfen sind und, sobald sie die Kunst des Formens kaum vollkommen gelernt haben, sterben, weil es nur wenige genaue und vollkommene Meister gibt, junge Leute und Schüler aber sehr viele, und weil fortwährend solche nachfolgen, die in der Kunst wenig geübt sind. Und da jeder einzelne eine besondere Idee hat und seinen eigenen Hammer gebraucht, ist es nicht verwunderlich, dass unter den Men- [p. 21] schen eine so große Verschiedenheit der Gestalten, Gemüter, Begabungen und Neigungen besteht. Denn sie erneuert sich schneller als der Mond. Daher ist die Natur der Toren unbegreiflich; und deshalb ist alle Astrologie über diese Sache falsch und erlogen. Denn wer die Toren nicht bestimmen kann, wird noch weniger die Weisen oder deren Naturen im Voraus festlegen können. Das Erstere aber kann niemand, weil die vulkanische Kunst unbekannt ist und bis zur gegenwärtigen Zeit keine Weissager deren Schüler und Werkleute mit Verstand begreifen konnten. Wie also sollte derjenige, der niemals in der Werkstatt und an der Esse der Werkleute sitzt und nicht weiß, welche Gestalt einem jeden einzugießen ist, als wahrer Astrologe voraussagen, dieser oder jener werde ein solcher oder solcher sein und dieses oder jenes Schicksal haben? Gewiss, wer einer Kunst unkundig ist, kann nichts anderes als Lügen berichten.“ Dies ist die Summe dessen, was er an der angeführten Stelle mehrfach wiederholt.

ERASTUS: Du hast richtig vermutet: Alles dies gehört durchaus hierher, ausgenommen das, was er nebenbei über Weissagungen einstreut; daran, dass du dich erinnerst, liegt mir sehr viel. Denn es wird später an seinem Ort wieder aufzunehmen sein und zeigt hinreichend offen, wer oder welcher Art er jene sterblichen scheidenden Götter gewesen zu sein glaubte, die Avicenna und die Anhänger „Geber der Formen“ nennen. Ich möchte, dass du hier nebenbei bedenkst, wie unüberlegt einige Paracelsus Galen vorziehen, weil Galen den allmächtigen Gott geleugnet habe. Doch Galen war niemals so unsinnig, zu glauben, die Natur irre bei der Hervorbringung des Menschen so, wie Paracelsus behauptet, dass seine Werkleute sich täuschten. Jener stellt die Ansicht des Mose der Meinung Epikurs voran; Paracelsus verteidigt sogar eine noch absurdere. Jener bewahrt das Prinzip der Zeugung, das vom Schöpfer hergeleitet wird, im Allgemeinen und fügt nur die Eignung der Materie hinzu. Paracelsus überträgt dieses ganze Werk törichten Werkleuten, die wegen ihrer Unerfahrenheit nicht einmal geeignete Materie ordentlich zu formen gelernt haben. Jener lehrte, Gott habe in allem das gemacht, was das Beste war und was nicht besser gemacht werden konnte, und zur Hervorbringung dieses Besten geeignete Materie ausgewählt; [p. 22] Paracelsus dagegen lehrte, dass die Werkleute von anderen mit Materie versorgt würden, die sie selbst nicht einmal vollkommen kennen. Jener schreibt, Gott nehme nicht einmal das in Angriff, was die Natur nicht tun kann; Paracelsus schließt Gott von der Hervorbringung aus und schreibt der Natur nichts zu. Wer also lästert Gott mehr? Wenn Galen gewusst hätte, dass Gott Urheber und Hervorbringer der Materie ist und in sie die Möglichkeit eingepflanzt hat, die er wollte, und sie auch heute noch einpflanzt, hätte er in keiner Sache gefehlt. Paracelsus hat dies von der Wiege an gelernt und weicht aus bloßem Übermut davon ab; wissentlich fällt er von Gott, dem Schöpfer, zum bösen Dämon ab. Von seinen Werkleuten behauptet er nicht nur, dass sie nicht alles könnten, sondern auch, dass sie nicht alles wüssten. Doch ich kehre zum Gegenstand zurück. Die Einbildung des Paracelsus ist verwandt mit der Auffassung Platons, der kleinere Götter als Werkmeister, gleichsam unterstützende und helfende Götter, die Dinge nach dem ihnen von Gott vorgelegten Muster gestalten lässt. Er glaubte nämlich, die materiellen Formen bestünden durch Teilhabe an den Ideen, die von materiefreien Substanzen eingesenkt würden. Ebenso ist sie verwandt mit der Einbildung des gottlosen Arabers Avicenna, der von einem „Geber der Formen“ träumt, der außer Gott sei, nämlich eine gewisse barbarische Intelligenz, von ihm barbarisch Cholcodea genannt. Diese, so glaubte er, bilde und erschaffe durch Vorstellung Formen in sich und gieße sie danach in die vorbereitete Materie ein. Die körperlichen wirkenden Ursachen aber leisteten nichts anderes als die Disposition der Materie. Dass dies Paracelsus gefällt, zeigt er offen durch das Beispiel des gesäten Weizens und des Bauern. Außerdem ist seine Meinung der Auffassung der Astrologen ähnlich, die die Dinge hier durch die Gestirne erschaffen lassen; dies bestätigt er an anderer Stelle mit diesen Worten: „Jede Formung“, sagt er, „ist zuerst so in den Sternen, wie im Vorstellungsbild des Schmieds die Form des Eisens ist; danach ist sie in der Erde, insofern alle Sterne Erde werden.“ Auch stimmt sie teilweise mit dem Traum neuerer Peripatetiker überein, die den bewegenden Kräften der Planetensphären die Macht zuschreiben, zu erschaffen und Wunder hervorzubringen. [p. 23] Wie er mit all diesen etwas gemeinsam hat, so weicht er zuerst von sich selbst, dann wiederum auf verschiedene Weise von den anderen ab. Denn Platon macht seine Schöpfer niedereren Ranges unsterblich; Paracelsus setzt sie als sterblich an. Avicenna schenkt diese Macht einer einzigen ewigen Intelligenz; Paracelsus befiehlt sie zahllosen Werkleuten, die nahezu jeden Tag sterben und geboren werden. Die Astrologen schreiben dieselbe Kraft den Eigenschaften der Sterne zu; Paracelsus weist sie gewissen Dämonen zu, die um die Sterne umherschweifen und zur Ausprägung der Formen der Dinge bestimmt sind. Die neuen Peripatetiker gestehen diese Fähigkeit den bewegenden Kräften der himmlischen Sphären zu, die sie als unerzeugbar und unsterblich ansetzen; Paracelsus teilt sie unzähligen Teufeln mit, die fast stündlich aufgehen und untergehen, und zwar so, dass sie sich an Alter, Fleiß, Erfahrung und Übung sehr voneinander unterscheiden und die einen die anderen weit übertreffen. Aus demselben Grund weichen sie von den Platonikern ab, die die Seelen der Sterne mit Eigenschaften ausstatten. Sie gestehen nämlich nicht zu, dass die Sterne, die sie für gewisse göttliche Lebewesen halten, zugrunde gehen. Alle irren darin, dass sie meinen, die Formen seien etwas für sich Gemachtes, für sich Bestehendes und schließlich von einem anderen Ursprung herkommend; davon ist stets die vernünftige Seele ausgenommen, von der sie meinen, sie werde aus der Möglichkeit der Materie herausgeführt. Möglichkeit der Materie nenne ich jenen Befehl Gottes, durch den er bei der Schöpfung der Materie die Eignung verlieh, durch die Tätigkeit einer bestimmten wirkenden Ursache aus der Möglichkeit in die Wirklichkeit überzugehen. Ich würde mich wundern, dass Paracelsus die allerstumpfsinnigste Einbildung gewählt hat, wüsste ich nicht, dass er in allem darauf aus war, stets das Absurdeste zu verfolgen und es mit seinem stinkenden Speichel zu beschmieren, um es uns noch entstellter vorzulegen. Wahrlich scheint der Fürst der bösen Dämonen mit großem Vergnügen Gott samt allen Geschöpfen durch diesen Possenreißer haben verspotten wollen. Denn was hätte dieser auf ungeheuerliche Weise gottlose Mensch nicht zu behaupten gewagt? Doch sieh, was [p. 24] für ein hübscher Mensch dieser dein finsterer Geselle ist. In seiner großen Philosophie schreibt er Folgendes: „Kein Stern bewirkt den Menschen. Denn Gott allein ist der Werkmeister und bedarf keiner Stellvertreter, wie die falsche Astronomie und Pseudophilosophie lehrt.“ Hier überführt er sich offenkundig, wie sonst immer, selbst eines gottlosen und unfrommen Widerspruchs, sodass er nirgends und niemals mit sich übereinstimmt. Betrachte sodann die schrecklichen und unsäglichen Lästerungen, die dieser frevelhafte Mensch, wenn er denn ein Mensch war, aus seinem schmutzigsten tartareischen Mund ausspeit. Erstens erdichtet er mit Arius und Photinus, das Wort, durch das Gott alles erschaffen hat, habe ein von Gott verschiedenes Wesen, sei erschaffen und der Verderbnis unterworfen und stehe vor Gott unter dem Gericht Gottes. Zweitens setzt er mehrere solche Götter an, durch die der höchste Gott diese Welt gebaut habe, um auf noch gottlosere Weise stillschweigend über Christus zu reden, da er es nicht wagte, seine tartareischen Gedanken offen auszuspeien. Drittens leugnet er offen, dass Christus der Schöpfer sei, indem er ihn zu einem Scheider macht, und zwar unter Hinzufügung mehrerer Genossen. Viertens leugnet er, dass Adam von Anfang an von Gott vollkommen erschaffen worden sei, sondern er behauptet im Buch über die Würmer, Adam sei durch den Genuss des Apfels vollendet worden, das heißt durch den Teufel. Denn er meint, Satan habe seine ganze Weisheit, ja sich selbst geistlich in jenen Apfel ausgegossen und sei auf diese Weise danach in Adam übergegangen. Im Buch über die Fallsucht hat er Folgendes: „Als Adam aus dem Paradies vertrieben wurde, entstand in ihm zuerst das Licht der Natur. Denn zuvor hatte er nicht die für den Menschen notwendige Kenntnis, und er empfing sie auch nicht ganz auf einmal, sondern erwarb sie allmählich.“ Fünftens behauptet er, der Mensch sei nicht mit Freiheit des Willens erschaffen worden, sondern durch die Erkenntnis von jenen Schöpfern zu Übeln und Verbrechen, wodurch er Gott zum Urheber der Übel macht. Sechstens entzieht er Christus die Macht zu richten, die ihm die ganze Schrift so klar zuschreibt. Wenn er nicht einmal das fünfte Kapitel des Johannes gelesen hatte, wusste er doch wenigstens, dass im Apostolischen Glaubensbekenntnis, das er von seiner Mutter gelernt hatte, das Gegen- [p. 25] teil enthalten war. Schließlich macht er Christus zum Sünder, der gezwungen sei, mit uns das Urteil Gottes bei jenem letzten Gericht zu erwarten. Heißt das nicht, Religion und Frömmigkeit von Grund auf umstürzen? Heißt das nicht, allen die Hoffnung auf Heil entreißen? Heißt das nicht, das Vertrauen auf den gekreuzigten Christus verspotten? Heißt das nicht, Christus den Krieg erklären und versuchen, ihn vom Thron seiner Majestät und Gottheit herabzuziehen? Wer wird ferner zu leugnen wagen, dass Paracelsus ein verderblicherer Häretiker ist als alle Arianer, Mohammedaner, Türken und Häretiker? Er scheint den bösen Dämon selbst an Lästerungen gegen Gott haben übertreffen zu wollen. Was also sollen wir von jenen denken, die es wagen, noch nie in allen Jahrhunderten gehörte Schmähungen gegen Gott und die Frömmigkeit zu loben, aufzudrängen, zu verbreiten und zu verteidigen? Es fand sich einer, wenn der Name nicht erdichtet ist, der schrieb, Paracelsus habe sich in keinem Wort geirrt. Durch öffentliches Edikt der Kaiser, Könige, Fürsten und aller Obrigkeiten müsste unter Todesstrafe Vorsorge getroffen werden, dass solche entsetzlichen Lästerungen gegen Gott nicht verbreitet werden. Wer sollte nicht aufs Äußerste erstaunen, wenn er bedenkt, dass Menschen, die in diesem Licht der Wahrheit geboren und, während alle guten Künste blühen, unter Christen erzogen wurden, sich nicht schämten, jene lästerlichen Possen unter das Volk zu streuen? Unsere Väter waren uns an Frömmigkeit und Klugheit wahrlich weit überlegen: Sie haben dieses Untier nicht zugelassen, durch die Drucker jenes Gift auszuspeien, das nun, nachdem es veröffentlicht worden ist, von einigen höchst verwegen eingesogen wird, zum großen Verderben sehr vieler. Doch lassen wir dies beiseite; ich kehre zur Sache zurück. Weil aus der Heiligen Schrift die Falschheit dieser verabscheuungswürdigen Einbildung von Hilfsgöttern bei der Schöpfung deutlich bewiesen worden ist, bestätige ich dasselbe durch das Zeugnis des Aristoteles, damit du siehst, dass sie sogar den Heiden noch verabscheuungswürdiger war. „ἀρχαίος μ...οὖν τίς λόγος καὶ πάτριός εστι πᾶσιν ανθρώποις“, sagt Aristoteles im Buch De mundo an Alexander, Kapitel 6, „ὡς ἐκ θεοῦ τὰ παντα καὶ διὰ θεοῦ ἡμῖν συνέστηκεν. οὐδεμία δὲ φύσις αὐτὴ καθ' ἑαυτὴν ἀυτάθκης, ἐρημωθεῖσα τῆς [p. 26] ἐκ τούτου σωτηρίας.“ Das heißt: Es gibt eine alte und allen Menschen angestammte Überlieferung, dass alles aus Gott und durch Gott für uns besteht; keine Natur aber genügt sich selbst, wenn sie der von ihm kommenden Erhaltung beraubt ist. Und kurz danach: „σωτὴρ μαὶ γὰρ ὄντος ἁπάντων ἔστι καὶ γενέτωρ τῶν ὅπως δήποτε κατα τόνδε τὸν κόσμον συντελουμένων ὁ θεός.“ Das heißt: Gott ist der Erhalter alles Seienden und der Erzeuger dessen, was auf irgendeine Weise in dieser Welt vollendet wird. Später fügt er auch dies hinzu: „οὐδὲν γὰρ ἐπιτεχνήσεως αὐτῷ δεῖ καὶ ὑπηρεσίας τῆς παρ’ ἑτέρων, ὥσπερ τοῖς παρ’ ἡμῆν ἄρχουσι τῆς πολυχειρίας διὰ τὴν ἀσθένειαν.“ Das heißt: Er bedarf keiner Kunstgriffe und keines Dienstes von anderen, wie die Herrscher bei uns wegen ihrer Schwäche der vielen Hände bedürfen. Du siehst, wie viel erhabener, gewichtiger, heiliger und göttlicher der Heide Aristoteles über Gott und die Schöpfung spricht als jener dein Paracelsus.

FURNIUS: Du irrst. Denn es ist keine echte Frucht des Aristoteles, sondern eine untergeschobene, wie fast alle Peripatetiker gemeint haben.

ERASTUS: Darum bemühe ich mich in dieser Sache nicht, solange der Autor schreibt, dieser Ruf sei alt, einheimisch oder allen Menschen eigen und angeboren. Wer also auch immer für den Autor gehalten wird, er hat das geschrieben, was der größte Teil der Menschen in allen Jahrhunderten und an allen Orten geglaubt und festgehalten hat. Und da aus der Schrift so feststeht, dass es nicht geleugnet werden kann, dass der Autor ein sehr berühmter und gelehrter Philosoph war, dass er derselbe Heide war und aus der Ansicht der Heiden sprach, muss uns die paracelsische Gottlosigkeit und Lästerung mit Recht beschämen. Was aber, wenn höchst bedeutende Männer bezeugt haben, dass es ein echtes Werk des Aristoteles sei? Gewiss: Abgesehen davon, dass das Buch selbst die Majestät, Würde und Gelehrsamkeit des Aristoteles atmet, haben die gelehrtesten Männer Aristoteles als Autor anerkannt. Von den Alten zitiert Justin der Märtyrer daraus gegen die Heiden wie aus einem echten Werk; daraus ist hinreichend klar, dass es damals für eine Frucht des Aristoteles gehalten wurde. Denn er hätte den Autor in einer Auseinandersetzung gegen die Heiden nicht als Aristoteles angeführt, wenn er gemeint hätte, sie hätten Zweifel über den Autor festgestellt. Auch Themistius scheint es in den Physica als echt anerkannt zu haben. Apuleius hat es nahezu vollständig ins Lateinische übertragen, als er an Faustina schrieb. Von den Neueren haben es unter anderen sowohl der griechische Kardinal Bessarion als auch Giovanni Pico, Fürst von Mirandola, Männer von geradezu wunderbarer Gelehrsamkeit, für ein aristotelisches Werk gehalten. Doch, wie ich vorher sagte, ist es von geringem Belang, [p. 27] ob wir Aristoteles oder einen anderen zum Autor machen, solange feststeht, dass er sehr alt und ein Heide, schließlich ein Mann von herausragender Gelehrsamkeit gewesen ist. Die Scholastiker erwähnen ihn nicht, vielleicht weil er ihre Erdichtung über die Intelligenzen nicht billigt. Gewiss schreibt er allein Gott in offenen und mehrfach wiederholten Sätzen jede Macht zu, zu erschaffen und das Erschaffene zu erhalten.

FURNIUS: Du bist meinen Gedanken zuvorgekommen. Denn ich wollte fragen, warum du gesagt hast, die neuen Peripatetiker hätten den Intelligenzen die Fähigkeiten zugesprochen, von denen bei uns die Rede ist. Nun verstehe ich, dass sie dies ohne die Autorität des Aristoteles getan haben und in diesem Teil eher Platon als Aristoteles gefolgt zu sein scheinen. Dennoch möchte ich, dass du mir antwortest, warum Aristoteles in seiner Philosophie anders über Gott gesprochen hat und ob er in dieser den Intelligenzen die Macht zu erschaffen abgesprochen hat.

ERASTUS: In den Büchern, von denen heute niemand zweifelt, dass sie wirklich echt sind, findet sich überhaupt keine Erwähnung dieser Macht; vielmehr wird den Intelligenzen nur die Aufgabe zugestanden, ihre Sphären zu bewegen. Da sie aber diese niederen Dinge auf keine andere Weise berühren können als durch Licht und Wärme, können sie hier auch nichts bewirken, außer so viel, wie durch Licht und Wärme vollendet werden kann. Diese variieren zwar entsprechend der Bewegung der Sphären und der Verschiedenheit der Aussendung der Strahlen, bleiben aber dennoch stets gemeinsame und allgemeine Ursachen; sie verändern nicht die Eignung und Natur der Materie, sondern bewegen sie so, wie sie in jedem einzelnen Ding geeignet ist, verändert zu werden. Daher können die Intelligenzen nichts anderes, als durch die Bewegungen ihrer Sphären mit verschiedenem Licht und verschiedener Wärme das Sublunare auf verschiedene Weise zu affizieren und die Natur eines jeden Dinges so auch der Zeit nach zu bewegen, wie sie bewegt zu werden fähig ist. Diese Sache und Fähigkeit erklärt Aristoteles an derselben Stelle sehr treffend durch zwei Beispiele: durch ein Gefäß oder einen Schoß, aus dem zugleich Lebewesen verschiedener Art ausgeschüttet werden, und durch den Klang der Trompete im Heerwesen, durch den die einzelnen Soldaten, obgleich jener Gesang oder Klang einer und einfach ist, dazu erregt werden, das zu tun, [p. 28] wozu sie bestimmt sind; darüber werden wir an seinem Ort vielleicht ausführlicher sprechen. Jetzt genügt es, kurz gezeigt zu haben, dass er den Intelligenzen an keiner Stelle die Fähigkeit zugestanden hat, zu erschaffen oder Wunder hervorzubringen. Dass er im Übrigen in anderen Büchern nicht in gleicher Weise großartig über Gott gesprochen zu haben scheint, hat seinen Grund darin, dass er in jenen nichts bekräftigen durfte, was nicht aus den gesetzten Prinzipien bewiesen werden konnte. Deshalb erhob er sich im Buch De mundo höher und erörterte die Sache nicht aus jenen Prinzipien, sondern aus dem allen Seelen eingepflanzten Begriff. Er sagt nicht, dies könne bewiesen werden, sondern dies sei eine uralte, allen angeborene Meinung: dass nämlich Gott alles erschaffen habe und dass er dasselbe nun regiere und erhalte. Und damit niemand fälschlich vermutete, er regiere die Welt nach Art des Großkönigs der Perser durch Diener, fügte er hinzu, dass er durch seine Kraft allen Dingen gegenwärtig beistehe, nicht ermüde und weder der Hilfe noch der Arbeit irgendeines anderen zu dieser Sache bedürfe. Wahrlich ist diese Redeweise bei uns sehr gewöhnlich. Denn in fast jeder Rede pflegen wir zu sagen: wenn wir natürlich sprechen, wenn wir nach der Gewohnheit der Menschen oder nach menschlicher Weise urteilen, wenn wir die Sache philosophisch erwägen, wenn wir nach der Ansicht des Aristoteles disputieren usw. Durch diese Art des Ausdrucks wollen wir zeigen, dass wir anders sprechen, wenn wir die Heilige Schrift nachahmen, und wiederum anders, wenn wir den Meinungen und Gewohnheiten der Menschen oder den Gewohnheiten unseres eigenen Geistes folgen. Doch um diese ganze Erörterung endlich abzuschließen: Paracelsus hat nichts anderes getan, als den Irrtum des Simon Magus, jenes verderblichsten Häretikers, erneuert, der leugnete, dass die Welt von Gott erschaffen worden sei. Wenn du die Sache allerdings näher betrachtest, wirst du urteilen, dass er vielmehr Menander gefolgt ist, dessen Schüler Saturninus, Basilides, Carpokrates und Kerinth, ruchlose Häretiker, alle behaupteten, die Welt sei von Engeln erschaffen worden. Auch weicht er nicht von der Lehre Marcions ab, der drei Prinzipien ansetzte. Denn wie dieser zuerst einen unbekannten Gott, dann den sichtbaren Schöpfer der Welt und schließlich den Teufel ansetzt, so scheint auch Paracelsus ungefähr gedacht zu haben. Aber auch von dem Wahnsinn des Cerdon und Mani ist er nicht weit entfernt, wenn dieser sagt, Gott habe eine Kraft ausgesandt, die er Mutter des Lebens nennt, von der alles gemacht worden sei. Schließlich übertrifft er alle Häretiker wie auch die heidnischen Philosophen darin, dass er jene seine zahllosen Werkleute und kurzlebigen Götterlein konstruiert und dass er auf überaus verbrecherische Weise lügt, die Menschen würden von solchen Werkleuten zu Verbrechen und Schandtaten geformt und gezwungen; in dieser Lüge kam er am nächsten an den Wahnsinn Valentins, des ägyptischen, unreinsten Häretikers, heran. Da deren Wahnwitz von allen Frommen stets mit Recht verdammt worden ist, wird der Wahn des Paracelsus mit größtem Recht zu verabscheuen sein. Wahrlich ist das Buch, in das er solche Ungeheuerlichkeiten hineingeworfen hat, der mohammedanischen Athener würdig.

FURNIUS: Es fand sich dennoch einer, der schrieb, der Autor sei bei ihnen anerkannt gewesen und als Bezwinger aller Irrtümer und als bester Führer zur wahren Medizin gehalten und gelobt worden. Ja, derselbe wagt sogar zu behaupten, in keinem Wort sei ein Irrtum oder Makel enthalten.

ERASTUS: Wenn er unter den Athenern jene barbarischen Türken versteht, die jetzt in Athen wohnen und herrschen, oder sich selbst und seinesgleichen, kann man glauben, dass sie nicht weniger verabscheuungswürdig sind. Wie, frage ich dich, haben die Athener die Schriften des Paracelsus gelesen, die in deutscher Sprache so barbarisch und so ungeordnet abgefasst sind, dass nicht einmal Deutsche sie ohne Mühe verstehen? Der Leser ist eher gezwungen zu erraten, was dieser in Sprache, Denken, Leben, Sitten und Handlungen ungeheuerliche Mensch in allem gemeint haben wollte. Vielleicht aber hat jener die herrlichen Werke des herrlichen Autors in die griechische Sprache übersetzt, versteht sich: ein Apagoge unter diesen Lukianen und Possenreißern.

[2 Über die Wunder bewirkende Kraft]

FURNIUS: Gottloses habe ich niemals gebilligt, sondern ich habe mich bemüht, wie man sagt, aus dem Mist Gold zu sammeln. Im Übrigen, auch wenn wir über die Schöpfung genug, ja vielleicht sogar allzu viel gesagt zu haben scheinen, bitte ich dich doch, bevor du zu anderem übergehst, mir noch einen Skrupel zu nehmen, der mich nicht wenig quält; denn durch diesen Vergleich scheine ich manches jetzt bei weitem richtiger verstanden zu haben als zuvor. Du hast gesagt, Schöpfung werde genannt, wenn Dinge aus dem Nichts oder aus keinem vorausliegenden Etwas hervorgebracht werden, oder wenn sie ohne vorausgehende Umwandlung, gegen die Natur und Eignung der zugrunde liegenden Materie, plötzlich hervorgebracht werden. Nun aber meinte ich, es handle sich um eine wunderhafte Hervorbringung, nicht um Schöpfung, wenn aus irgendeiner Sache außer und gegen die Ordnung und Macht der Natur etwas würde, etwa wenn ein Stein plötzlich in einen Menschen oder in Brot oder in etwas anderes dieser Art verwandelt würde. Aus dem aber, was du vorgebracht hast, folgt, wenn es fest und wahr ist, dass zwischen Wundern und einer gewissen Art von Schöpfung kein Unterschied besteht, wenn ich mich nicht täusche. Denn bei den meisten Wundern kommen die beiden letzten Bedingungen nicht weniger zusammen als bei einer Schöpfung, die etwas aus einem Subjekt hervorbringt.

ERASTUS: Du wirfst diese Frage zur rechten Zeit auf; denn durch dieselbe Untersuchung werden wir sehen, wie weit Paracelsus auch in diesem Teil von der wahren Frömmigkeit abgewichen ist. Dass die plötzliche Verwandlung eines Steines in Brot oder in einen Menschen eine gewisse Schöpfung ist, halte ich für unstrittig. Hätte Christus nicht Brot erschaffen, wenn er durch sein Wort aus Steinen Brot gemacht hätte, als ihn der Teufel nach Matthäus, Kapitel 4, dazu aufforderte? „Wenn du Gottes Sohn bist“, sagt er, „so sprich, dass diese Steine zu Broten werden“, als sagte er: Wenn du Gottes Sohn bist, kannst du ebenso erschaffen, wie Gott selbst es konnte. Aus diesen Worten des Versuchers geht hervor, dass es nicht das Werk einer geschaffenen Kraft ist, aus einem Stein plötzlich Brot zu machen, sondern das Werk des Schöpfers. Denn wenn er gewusst hätte, dass Steine durch eine andere Macht als die des Schöpfers in Brot verwandelt werden könnten, hätte er mit diesem Mittel vergeblich zu erkennen gesucht, ob Christus der wahre Sohn Gottes sei. Hat Gott also nicht auch erschaffen, als er durch sein Wort aus den Elementen Pflanzen und Tiere hervorbrachte? Gewiss sagt die Schrift, er habe Adam erschaffen, dessen Leib er aus dem Schlamm der Erde bildete. Auch Eva wäre nicht erschaffen worden, wenn jede Schöpfung aus gar keinem vorausliegenden Etwas geschähe. Denn der Herr formte sie aus Adams Rippe, [p. 31] weshalb Adam bald darauf sagte, sie sei Bein von seinen Gebeinen und Fleisch von seinem Fleisch.

FURNIUS: Da ich darüber keineswegs zweifle, fragte ich, ob alle Wunder Schöpfungen genannt werden müssten.

ERASTUS: Ein Wunder nennen wir bisweilen jede uns unbekannte und ungewohnte Sache, die in sich eine besondere Bewunderungswürdigkeit besitzt. Auf diese Weise geschehen Wunder durch Kunst, durch Natur, durch Magier; davon handeln wir hier nicht. Ferner nennen wir, eigentlicher gesprochen, ein Wunder eine Sache, die außer und über die Ordnung und Macht der Natur hinaus geschehen ist. Unter Natur verstehe ich nicht nur jene Kraft, durch die die Dinge bewegt zu werden geeignet sind, in welcher Bedeutung Aristoteles im zweiten Buch der Physik die Natur definiert hat, sondern auch die Fähigkeit zu handeln, die den Dingen von Gott bei der ersten Schöpfung eingepflanzt worden ist. Wunder, die auf diese Weise geschehen, haben allein Gott zum Urheber; und allein auf diese beziehe ich deine Frage. Auch diese sind aber nicht alle von einer und derselben Art und Gattung. Denn bisweilen ist die Sache selbst so beschaffen, dass sie durch keine geschaffene Kraft hervorgebracht werden konnte. Zuweilen überschreitet nicht die Sache selbst, sondern die Weise ihrer Erzeugung oder Hervorbringung das Wirkvermögen und die Kräfte der Geschöpfe. Denn bei der Schöpfung teilte Gott allen Dingen so viel Kraft zum Handeln wie zum Erleiden mit, wie er wollte. Dies allein ist der Grund dafür, dass nicht jede beliebige Sache jede ihr begegnende beliebige Sache verändern kann und auch nicht jede beliebige Sache von jeder beliebigen wirkenden Ursache verändert werden kann, sondern dass ein bestimmtes Ding nur von einem bestimmten verändert wird, und zwar zu einer bestimmten Zeit und auf bestimmte Weise. Allein dem allmächtigen Wort und der Kraft Gottes, durch die er alles aus dem Nichts gemacht hat, gehorcht alles so, dass notwendig sogleich das existiert, was er will. Wunder der ersten Art sind: die allgemeine Sintflut, die Verwandlung von Lots Frau in eine Salzsäule, die Teilung des Roten Meeres, sodass die Wasser auf beiden Seiten wie eine senkrecht aufgerichtete Mauer standen, der Fall des Manna in der Wüste an allen Tagen außer dem Sabbat, das Wasser, das durch den Schlag des Stabes aus dem Felsen hervorgerufen wurde, die Bewahrung der drei Jünglinge im glühenden Ofen, das Anhalten des Sonnenlaufs, die Erweckung von To- [p. 32] ten, die Erleuchtung der Blinden, die Vermehrung der Brote und Fische, sodass sie zur Speisung so vieler Tausender ausreichten und darüber hinaus so viele Reste übrigblieben, und sehr vieles andere dieser Art. Zur zweiten Art gehören: der unerwartete Regen, der bei heiterem Himmel eintrat, 1 Könige 18; die Bewahrung der Kleider bei den Israeliten, sodass sie während der ganzen vierzig Jahre durch den ununterbrochenen Gebrauch nicht abgenutzt wurden; die plötzliche Heilung eines Fiebers; die unvermittelte Vertreibung anderer Krankheiten ohne Arzneien, die gleichwohl allmählich durch natürliche Heilmittel heilbar gewesen wären. Denn wenn man sie als unheilbar ansetzt, gehören sie zur ersten Ordnung. Inzwischen muss man wissen, dass diese Ordnungen und gleichsam Stufen der Wunder nicht so unterschieden werden, dass nicht häufig die eine in der anderen gefunden würde. Denn oft ist das, was durch keine geschaffene Kraft geschehen konnte, auch auf ungewöhnliche Weise hervorgebracht worden. Nachdem dies erklärt ist, ist die Antwort auf deine Frage weiter nicht schwierig. Denn auch wenn es in den Wundern keine Schöpfung der ersten Weise gibt, nach der alles aus dem Nichts entsteht, so wird doch in der ersten Ordnung immer irgendeine Schöpfung sichtbar, insofern nämlich etwas aus einem Subjekt oder in einem Subjekt ohne vorausgehende Umwandlung plötzlich entsteht, wozu es seiner Natur nach nicht geeignet war. Denn der Fels ist ebenso ungeeignet, wenn er mit einem Stab geschlagen wird, aus sich Wasser hervorzubringen, wie die erschaffene Erde nicht geeignet war, aufgrund des Befehls oder Auftrags einer geschaffenen Kraft Pflanzen und Tiere aus sich hervorzubringen, wie sie sie auf Gottes Befehl hervorbrachte. Welcher Unterschied, frage ich, bestand zwischen der Schöpfung, durch die Gott aus einer Rippe Adams den ganzen und vollständigen Leib Evas formte, und der Vermehrung von Mehl und Öl in 1 Könige 17, schließlich der Vermehrung der Brotsubstanz, durch die Christus nach Matthäus 14 ungefähr fünftausend Männer außer den Frauen sättigte, und zwar so sättigte, dass darüber hinaus zwölf Körbe mit Stücken gesammelt wurden? Gewiss war in jenem Brot ebenso wenig eine natürliche Möglichkeit zu dieser Vermehrung, wie in Adams Rippe eine Möglichkeit war, aus der eine geschaffene Kraft den Leib Evas hätte bilden können. Und nicht anders verhält sich die Sache [p. 33] bei den übrigen, auch wenn wir es vielleicht nicht immer ebenso leicht verstehen. Ein Leichnam ist nicht geeigneter dazu, von einer natürlichen Macht Leben zu empfangen, als der aus dem Schlamm der Erde geformte Leib Adams geeignet gewesen wäre, von einer geschaffenen Kraft mit Leben beschenkt zu werden. Bei der anderen Gattung ist die Art der Schöpfung nicht ebenso offenkundig; dennoch leuchtet auch in diesen Fällen die Kraft göttlicher Macht deutlich auf. Ob wir also zugestehen, dass auch in ihnen Schöpfung vorliegt, oder ob wir dieses Wirken Gottes mit einem anderen Namen bezeichnen, wird doch immer feststehen, dass dies Werke göttlicher Kraft sind und keiner geschaffenen. Der Grund wurde dargelegt: Geschaffene Kräfte können die Materie nämlich nur so bewegen, wie sie bewegt zu werden geeignet ist, nämlich durch Umwandlung und zeitliche Abfolge, keineswegs plötzlich. Denn eine begrenzte und endliche Ursache kann nicht jedes Beliebige, sondern bringt notwendig nur eine bestimmte und endliche Wirkung hervor. Daher kann sie die Materie nicht nach Belieben bewegen, sondern gemäß deren Eignung; ebenso nimmt diese auch die Handlung des Wirkenden nicht gemäß der Natur des Wirkenden auf, sondern gemäß ihrer ihr eingepflanzten Eignung.

FURNIUS: Was du sagst, ist zwar wahrscheinlich; zweierlei aber hält mich von voller Zustimmung ab. Das eine ist, dass die Schrift sagt, Gott habe das ganze Werk der Schöpfung in sechs Tagen vollendet und folglich danach nichts mehr erschaffen. Das andere, dass die Schrift und die Theologen die Hervorbringung wunderbarer Dinge Wunder nennen, sie aber nicht Schöpfung nennen.

ERASTUS: Gott hat die Schöpfung dieser sichtbaren Welt mit all ihrem Schmuck und ihrer Vollkommenheit in sechs Tagen vollendet, und er hatte nicht nötig, danach etwas hinzuzufügen, als wäre das Werk mangelhaft und verstümmelt gewesen. Dennoch schafft er täglich, wie Christus in Johannes 5 bekräftigt: „Mein Vater wirkt auch heute, und ebenso wirke ich.“ Wirkt Gott nicht ohne Unterlass in den Seinen unsere Bekehrung und gleichsam Neuschöpfung? Gewiss erschafft er auch jetzt noch immer in den Erwählten Glauben, Liebe und die Gaben des Heiligen Geistes. Ich schweige jetzt davon, dass er niemals aufgehört hat, menschliche Seelen zu erschaffen. Dies widerspricht sich [p. 34] also nicht. Denn die sichtbare und körperliche Welt vollendete er am Anfang ganz; das geistliche Reich aber wird dann vollkommen sein, wenn der Sohn Gottes zum Gericht herabsteigen wird.

FURNIUS: Als ob Wunder nicht sinnliche und oft körperliche Dinge wären.

ERASTUS: Das leugne ich nicht; doch ich bestreite, dass sie als Teile zur Vollkommenheit der Welt gehören. Denn sie sind gewisse außerordentliche Dinge, die Gott nur eine bestimmte Zeit lang dienen; danach entstehen sie nicht mehr oder pflanzen sich nicht fort wie die von Anfang an geschaffenen Dinge. Doch hindert dies nicht, solche Dinge für von Gott erschaffen zu halten und sie so zu nennen. Weniger sollte uns beunruhigen, dass sie Wunder genannt werden, nicht neue Geschöpfe. Viele Dinge nämlich, die dem Begriff nach verschieden sind, haben, obwohl sie der Sache nach dasselbe sind, verschiedene Bezeichnungen erhalten. Um bei unserem Gegenstand zu bleiben: Sind nicht die Schöpfung der Dinge und deren Erhaltung der Sache nach dasselbe und hängen von derselben allmächtigen Kraft Gottes ab? So verhält es sich gewiss. Denn Erhaltung ist nichts anderes als gleichsam die Fortdauer oder Fortsetzung der Schöpfung; dies hat der heilige Augustinus treffend und elegant durch das Beispiel der Erleuchtung erklärt. Wie nämlich die Luft von der Sonne erleuchtet wird und durch dieselbe Kraft der Sonne erleuchtet bleibt, so wird die Welt durch eben jene Macht Gottes, durch die sie plötzlich aus dem Nichts existierte, davor bewahrt, wieder ins Nichts zurückzufallen. Daher haben die Scholastiker mit Recht gesagt, das wahre Sein werde von Gott nicht anders erhalten, als indem er ihm stets Sein gibt; denn wenn er den geschaffenen Dingen diese Handlung entzöge, wären sie in einem Augenblick nichts. Welcher Unterschied besteht also zwischen den übrigen geschaffenen Dingen und den wunderhaften Dingen? Der Sache und der Hervorbringung nach keiner, sondern nur in Bezug auf uns. Erstens nämlich nennen wir, weil wir an die Ordnung der Natur gewöhnt sind, das, was außer dieser geschieht, ein Wunder; was am Anfang gemacht wurde, konnten wir nicht bewundern, da wir weder existierten noch etwas Verschiedenes gesehen hatten. Denn Wunder geschehen außer und über die Ordnung der Dinge hinaus. Zweitens werden die übrigen Geschöpfe durch Fortpflanzung erhalten und kehren aus gewissen Keimgründen häufiger wieder; wunderhafte Dinge kehren auf diese Weise nicht wieder. Schließlich [p. 35] erschuf Gott die Gesamtheit der Dinge allein; Wunder aber wirkt er oft durch Geschöpfe oder in Geschöpfen.

FURNIUS: Wenn also das Erschaffen allein Gott zukommt, wie werden dann die Hervorbringungen der Wunder gewisse Schöpfungen genannt werden können? Denn wer mit einem Werkzeug etwas hervorbringt, bringt es durch die Beschaffenheit oder Form und Disposition des Werkzeugs hervor. Wer Brot schneidet, schneidet durch die Schneide des Messers. Ebenso wird derjenige, der aus Silber einen Becher macht, ohne Hammer entweder nichts zustande bringen oder nicht bequem erreichen, was er will. Die Wunder also, die Gott durch Geschöpfe als seine Werkzeuge wirkt, werden nicht von Gott allein hervorgebracht, sondern von Gott durch die Disposition, die in jenen Werkzeugen liegt. Denn auch wenn Gott die Hauptursache ist, ist doch das Geschöpf gleichsam eine Mitursache; aus diesem Grund ist es ganz offensichtlich, dass zwischen wunderhaften Werken und Schöpfung ein sehr großer Unterschied besteht.

ERASTUS: Du sagst wahr, dass das, was durch die Disposition eines Werkzeugs geschieht, nicht vom ersten Handelnden allein vollbracht wird, sondern dass auch die Qualität des Werkzeugs etwas zur Wirkung beiträgt. Aber auf diese Weise erschafft Gott keineswegs Wunder durch Menschen oder andere geschaffene Substanzen. Denn er bedarf keines Werkes und Dienstes irgendjemandes, sondern alles andere bedarf seiner. Er wirkt die Wunder also allein, wie wir beim Propheten und König David in Psalm 136 lesen, aber er wirkt sie durch Menschen oder vielmehr in Menschen; nicht weil deren Handlung etwas zur Hervorbringung der Sache beitrüge, sondern um ihnen Autorität und Glaubwürdigkeit zu verschaffen und den anderen zu zeigen, dass er ihnen gegenwärtig beisteht, sie lieb hat und sie zu diesem Amt, das sie führen, erwählt hat. So sagt er in Exodus 4 zu Mose, damit sie dir glauben, dass dir Jahwe wirklich erschienen ist. Dasselbe Argument gebraucht Christus, um zu beweisen, dass er der wahre Sohn Gottes sei, von derselben Macht wie sein allmächtiger Vater, Matthäus 11, Johannes 5, 10 und 15. Aus diesem Grund werden sie in der Heiligen Schrift fast immer Zeichen genannt, weil sie bedeuten und bezeugen, dass Gott in ihnen gegenwärtig beisteht und jene Dinge wirkt. „Die Glaubenden“, sagt Christus am Ende des Markusevangeliums, „werden diese Zeichen begleiten“ usw. Menschen, durch die oder in denen Gott seine Macht und Güte zu offenbaren beliebte, tragen also nichts [p. 36] zur Hervorbringung der Wunder bei, die allein Werke Gottes sind. Und dass die Menschen zur Vollendung dieser Werke nicht so etwas beitragen, wie Werkzeuge zur Hervorbringung der Werke der Natur oder der Kunst beitragen, ohne die die Wirkung von der Hauptursache entweder gar nicht oder weniger passend hervorgebracht werden kann, wird schon dies eine klar bewiesen haben: dass Gott oft in den Kleidern, Worten, ja sogar im Schatten der Seinen wirksam war. Wer aber würde glauben, dass ein Schatten oder ein begrabener Leichnam Gott bei der Hervorbringung von Wundern ebenso unterstützen konnte, wie Werkzeuge den Künstler bei der Hervorbringung seines Werkes unterstützen?

FURNIUS: Wenn wahr ist, was wir bis hierher erörtert haben, dann wirkt allein Gott wahrhaft Wunder, und weder Magier noch Dämonen sind als Urheber und Bewirker von Wundern anzusehen.

ERASTUS: So ist es, wenn von wahren Wundern die Rede ist. Denn Magier oder Dämonen tun bisweilen Bewundernswertes, was wir deshalb für Wunder halten, weil wir die Ursachen des Geschehenen nicht kennen. Aus dem Vorhergesagten steht aber fest, dass es auf keine Weise geschehen kann, dass durch ein geschaffenes wirkendes Prinzip der Materie irgendeine Form eingepflanzt wird, die sie nicht zuvor der Möglichkeit nach in sich gehabt hat, das heißt, zu der sie nicht von Gott die Eignung empfangen hat. Ja, nicht einmal diese in der Materie vorhandene Möglichkeit kann es anders zur Wirklichkeit hervorbringen als durch natürliche Bewegung und Veränderung, auch wenn dies entsprechend den Kräften des Wirkenden und der größeren oder geringeren Eignung der Materie langsamer oder schneller geschieht. Um diese Sache in den Schulen sorgfältiger und vollständiger zu erklären, setzte man in der Materie eine doppelte Möglichkeit an. Die eine nannte man natürliche Möglichkeit; sie ist nichts anderes als die göttliche Ordnung, die der heilige Augustinus Keimgrund nennt, nach der Gott wollte, dass aus der auf bestimmte Weise gemischten Materie durch eine bestimmte wirkende Ursache mittels einer in der Zeit erfolgenden Bewegung eine bestimmte Wirkung hervorgebracht werde. Die andere nannte man die obedientielle Möglichkeit oder Möglichkeit des Gehorsams, durch die sie dem Willen Gottes ohne jede Be- [p. 37] grenzung schlechthin gehorcht. Beide werden in beinahe allen Dingen wahrgenommen. Denn aus befruchteten Eiern bringt die Henne durch Bebrütung Küken hervor, weil sie mit der natürlichen Möglichkeit ausgestattet sind, dass aus ihnen durch maßvolle Wärme, wenn sie lange genug gewärmt werden, Küken erzeugt werden können. Dieselbe Wärme bringt aus unbefruchteten Eiern oder aus kleinen Steinen keine Küken hervor, sondern jene lässt sie faulen, diese verändert sie in keiner Hinsicht, weil sie der natürlichen Möglichkeit entbehren, von einer geschaffenen wirkenden Ursache auf diese Weise verwandelt zu werden. Ebenso wird die Erde gesätes Silber oder Gold durch ihre vom Himmel empfangene Wärme nicht in Pflanzen verwandeln, weil sie der Möglichkeit entbehren, die den Samen der Pflanzen von Gott eingepflanzt ist. All dies gehorcht Gott aber weit mehr, als die Samen der entsprechenden Wärme gehorchen. Darum verneinen die Philosophen, und zwar mit Recht, wie ich oben aus Aristoteles gezeigt habe, dass Gold der Möglichkeit nach Weizen oder ein Stein der Möglichkeit nach Brot sei, da die Natur ihnen solche Möglichkeiten verweigert hat. Da also jede natürliche Möglichkeit auf eine bestimmte natürliche wirkende Ursache bezogen ist, die in bestimmter Zeit durch eine entsprechende Bewegung die Möglichkeit in Wirklichkeit verwandelt, die obedientielle Möglichkeit aber allein Gott gehorcht, werden geschaffene Kräfte vergeblich daran arbeiten, in die Materie eine Form einzuführen, deren Keimgrund oder natürliche Möglichkeit oder gleichsam eine gewisse Anlage sie nicht in sich hat, die ihr bei der Schöpfung eingepflanzt worden ist. Dies meinten die alten Theologen und diejenigen, die ihnen später folgten, wenn sie in beständiger Übereinstimmung einmütig versicherten, weder gute noch böse Engel könnten die Materie anders verändern, als wie sie von Natur aus verändert zu werden geeignet ist, und zwar indem sie die wirkenden Ursachen mit den leidenden Gegenständen passend verbinden. Die Summe ist: Geschöpfe können aus irgendeiner Sache nicht mehr machen, als der Schöpfer aus ihr entstehen lassen wollte. Dies aber wollte er, wozu er ihr eine natürliche Möglichkeit verliehen hat. Daher können geschaffene [p. 38] Kräfte diese Materie nicht gemäß der obedientielle oder entfernten Möglichkeit verändern, sondern nur gemäß der natürlichen oder nächstliegenden. Auch können sie sie nicht auf andere Weise verändern, als sie von Natur aus verändert zu werden geeignet ist. Gott aber wollte, dass sie durch Bewegung und Umwandlung verändert werde, die in einer bestimmten Zeit geschieht. Deshalb können sie sie ohne dies nicht plötzlich verändern. Gleichwohl bestreite ich nicht, dass Engel andere natürliche Ursachen übertreffen, insofern sie schneller und wirksamer handeln und in kürzerer Zeit Samen verbinden können, die voneinander entfernt waren. Was durch Ortsbewegung bewirkt werden kann, das können sie, wie wir glauben, schneller vollbringen, sofern sie nicht von Gott daran gehindert werden. Dass sie aber plötzlich durch eigene Kraft die Materie so verändern könnten, dass keine vorausgehende Umwandlung und keine durch zeitliche Abfolge geschehende Bewegung vorausginge, verneine ich ohne Zögern und weiß, dass es ganz falsch ist.

FURNIUS: Aus Exodus, Kapitel 7, steht fest, dass die Magier ihre Stäbe in Schlangen verwandelt und Frösche hervorgebracht haben; das widerspricht deiner Ansicht offenkundig.

ERASTUS: Die Schrift spricht oft so, wie Menschen zu sprechen und zu urteilen pflegen. Dieselbe Schrift sagt, Samuel sei von der Totenbeschwörerin heraufgerufen worden, obwohl sicher ist, dass nichts anderes hervorkam als ein Schatten, ein Trugbild, das die Gestalt des Propheten vortäuschte. Denn kein Magier und kein böser Dämon hat jemals wahrhaft einen Toten auferweckt, auch wenn sie häufig Gespenster herbeigerufen haben. Über ein solches Gespenst habe ich bei Johannes Franciscus Picus folgende Worte gelesen: „Gerade in diesem Jahr, nämlich 1503, erschien in Deutschland, wie mir Matthäus Lang, Propst der Stadt Augsburg, kaiserlicher Sekretär und Mitwisser aller Beratungen, berichtete, eine gewisse Frau, die seit vielen Monaten tot war, nachdem sie einen luftartigen Körper angenommen hatte. Auf vieles befragt antwortete sie und sprach zu verschiedenen Zeiten mit fast tausend Zeugen; er erzählte mir, er habe zusammen mit einem Bischof auf Befehl des Kaisers den Ablauf der geschehenen Sache und die Aussagen der Zeugen aufgezeichnet. Ja, auch der Kaiser selbst hat mir dasselbe mit größter Entschiedenheit bestätigt.“ So Picus. Dieser Lang aus Augsburg war übrigens dem Vermögen nach Patrizier und wurde später Erzbischof von Salzburg. Die Frau, von der er spricht, war die Äbtissin von Edelstetten, das fünf Meilen von Augsburg entfernt liegt. Ihr Name war Margareta von Roth; diese Familie ist in ebenjenen [p. 39] Gegenden von hohem Adel, wie mir D. Wilhelm Xylander berichtete, ein Mann von höchster Gelehrsamkeit und Frömmigkeit. Solcher Art waren auch die Lamien der Alten und alle Gespenster, die sich fälschlich als Seelen von Toten ausgaben. Ein solcher Schatten erschien Saul; und wie er von der Schrift Samuel genannt wird, weil Saul und die Totenbeschwörerin meinten, es sei Samuel, so heißt es auch, die Schlangen und Frösche seien von den Magiern gemacht worden, obwohl die Dämonen gewisse Scheinbilder dieser Dinge bildeten und die Augen der Umstehenden blendeten, sodass diese sie für wirkliche Frösche hielten. Ein Zeichen dafür ist, dass geschrieben steht, die Schlange des Mose habe die Schlangen der Magier verschlungen. Solltest du aber unbedingt wollen, dass es wirkliche Schlangen gewesen seien, dann muss man annehmen, dass sie von Gott gemacht wurden. Und das sagen wir nicht widersinnig, da wir Ähnliches auch anderswo lesen. Wer, der in den Heiligen Schriften bewandert ist, kann leugnen, dass die Vorhersicht zukünftiger kontingenter Dinge so sehr Gott eigen ist, dass sie keinem Geschöpf zukommt? Gleichwohl hat Gott diese bisweilen in Gottlosen ausgeübt, wie allein schon die Geschichten Bileams und Kaiphas bezeugen. Was die Wunder betrifft, ist die Sache weniger zweifelhaft. Denn es steht fest, dass auch Judas Zeichen vollbracht hat wie die übrigen Apostel; und wir lesen, dass mehrere andere Gottlose durch den Namen und die Kraft Christi Wunder getan haben, Matthäus, Kapitel 6. Hierher gehört, was Matthäus 24, Markus 13 und im zweiten Kapitel des zweiten Briefes an die Thessalonicher geschrieben steht. Ein gewisses Zeichen, dass eben dies bei jenen Magiern geschehen sei, besteht darin, dass sie, obwohl sie Schlangen und Frösche gemacht haben sollten, die übrigen Wunder nicht nachahmen konnten, obwohl diese der Sache nach gewiss nicht schwieriger zu vollbringen scheinen. Wer aber eben noch etwas Derartiges leisten kann und bald darauf nichts mehr vermag, handelt nicht aus eigenen Kräften, sondern aus fremden. Deshalb müssen wir bekennen, dass die ihnen beistehende göttliche Macht die Schlangen erschaffen habe; als diese entzogen wurde, vermochten sie nichts mehr. Doch welche von beiden Möglichkeiten du auch annimmst: Mir liegt an dieser Stelle nicht viel daran, sofern du nur dies festhältst, was niemand ohne Verbrechen und schwerstes Unrecht gegen Gott leugnen kann: dass allein Gott erschaffen und die Materie außer und [p. 40] über ihre Natur hinaus verändern kann. Denn wenn die Materie dem Wink und Willen guter oder böser Engel gehorchte, hätte Gott durch hervorgebrachte Zeichen nicht beweisen können, dass er der wahre Jahwe sei. Denn was auch immer er tat, hätten dann auch die Dämonen tun können. Sie können aber die Materie nicht anders verändern als gemäß der ihnen eingepflanzten Möglichkeit, die wir natürlich nennen. Wenn sie daher ein wahres Wunder hervorzubringen schienen, muss angenommen werden, dass es von Gott vollbracht wurde; denn dieser zeigt auch in Gottlosen bisweilen Zukünftiges voraus und offenbart in ihnen seine Macht, wie es ihm gut dünkt.

FURNIUS: Ich möchte hören, welche von beiden Ansichten dir mehr zusagt. Der heilige Augustinus meint im Buch De trinitate, es seien wirkliche Schlangen gewesen, bewogen durch den Grund, dass sie bei den übrigen Zeichen später versagten.

ERASTUS: Dass die Magier keine Wunder hervorbringen konnten, ist heller als das Mittagslicht bewiesen. Ob aber Gott in ihnen jene wunderbaren Dinge tun wollte, kann nicht ohne Grund bezweifelt werden. Gewiss finde ich keinen wahrscheinlichen Grund dafür. Denn auch wenn ich wohl weiß, dass Gott bisweilen die Seinen durch falsche Propheten versucht, damit offenbar werde, wie standhaft sie sind, wie wir mit ausdrücklichen Worten in Deuteronomium 13 lesen, und dass er deshalb zulässt, dass sie etwas Zukünftiges vorhersagen oder sogar Wunder tun, sehe ich doch nicht, warum bei den Ägyptern, die den wahren Gott nicht kannten, echte Wunder in den Magiern hätten hervorgebracht werden müssen, da Satans Gaukelspiele bei ihnen ebenso viel vermochten wie wahre Wunder. Daher neigt mein Sinn mehr zur anderen Ansicht. Und außer dem zuvor Gesagten bewegt mich erstens, dass ich sehe, dass dieselbe Ansicht einigen alten Theologen und den meisten neueren gefallen hat. „Die Magier schienen eher Zeichen zu tun, als dass sie sie wirklich taten“, schreibt Clemens. In demselben Sinn schrieb Tertullian in De anima, es sei eine Täuschung der Augen gewesen. Zweitens bewegt mich, dass wir lesen, die Magier hätten dasselbe erlitten, was die übrigen Ägypter erlitten. Denn auch sie wurden von Geschwüren befallen und durch andere Plagen heimgesucht. Es scheint aber leichter zu sein, [p. 41] sich vor der Schädigung durch eine geschaffene Sache zu schützen, als dieselbe gegen und über die Kräfte der Natur hinaus hervorzubringen. Drittens: Wenn sie wirkliche Frösche aus den Wassern hätten hervorrufen können, hätten sie dieselben auch vertreiben können. Denn es steht fest, dass Magier mit geringerer Mühe Schatten vertreiben als hervorrufen. Mose jedenfalls vertrieb sie nicht weniger leicht mit Gottes Hilfe, durch dessen Kraft er sie herbeigeführt hatte. Viertens lesen wir, dass der Drache des Mose die Drachen der Magier verschlungen habe, das heißt, er habe gezeigt, dass sie keine wirklichen Schlangen waren. So wissen wir, dass die von Gott hervorgebrachten Frösche auf einen Haufen gesammelt wurden und verfaulten; von den Fröschen der Magier hören wir nichts Derartiges. Auch sehen wir, dass das von Mose in Blut verwandelte Wasser übelriechend und zum Trinken untauglich gemacht wurde, sodass sogar die Fische darin starben; von jenem Wasser, das die Magier verwandelt haben sollen, erzählt die Schrift nichts Derartiges. Schließlich bestätigt unsere Ansicht ausdrücklich der Verfasser des Buches der Weisheit, Kapitel 17, wenn er so schreibt: „Es waren aber Gaukeleien magischer Kunst da und eine schmähliche Bloßstellung jener Anmaßung, deren sie sich wegen ihrer Klugheit bedient hatten.“ Und Kapitel 18: „Und so glaubten jene, die wegen der Blendwerke nichts geglaubt hatten,“ usw. Dieser Autor nennt hier klar Blendwerke und Gaukeleien magischer Kunst; das täte er nicht zu Recht, wenn das wahr gewesen wäre, was den Ägyptern wahr zu sein schien. Dasselbe bekräftigt Josephus ganz ausdrücklich im zweiten Buch der Altertümer, Kapitel 5, wenn er schreibt, die Drachen der Magier seien keine wirklichen Drachen gewesen, sondern den Ägyptern nur so erschienen. Zu all dem kann nun hinzugefügt werden, dass alle Theologen beständig behaupten, Dämonen könnten, wenn Gott es zulasse, nur das tun, was durch Ortsbewegung und durch passende Zusammenführung von Wirkenden und Leidenden vollbracht werden kann. Aus diesem Grund bestanden die Wunder des Simon Magus und anderer Beschwörer, wie die Alten bezeugen, fast ausschließlich in Gaukeleien, im Umhergehen, Sprechen und Lachen von Statuen und in anderen ähnlichen Dingen; diese bewirkte der Dämon entweder durch Ortsbewegung, oder er vollbrachte sie durch sich selbst, oder er täuschte vor, sie zu tun, indem er Augen und Sinne betrog. Denn dass die Wunder, [p. 42] die Satan tut, keine wahren Wunder sind, auch wenn Unvorsichtige meinen, sie seien wahr, wird aus 2 Thessalonicher 2 ersichtlich, wo der Apostel die durch ihn hervorgebrachten Wunder und Zeichen offen Lügen nennt. Zwar weiß ich, dass jene wahren Wunder des Mose und die vorgetäuschten Wunder der Magier nicht innerhalb weniger Tage geschehen sind; dennoch wage ich nicht zu behaupten, dass wirkliche Frösche oder Schlangen aus den Eiern oder Samen dieser Tiere durch den Teufel ausgebrütet worden seien. Denn sie scheinen in so kurzer Zeit nicht zu gehöriger Größe hätten heranwachsen können. Daher halte ich sie für Blendwerke und Gaukeleien. Auch beweist der Umstand, dass sie die Mücken und die übrigen Wunder nicht nachahmen konnten, Augustinus’ Ansicht nicht mehr als unsere. Denn Dämonen können zwar Blendwerke den Augen vorhalten, aber nur so weit, wie es Gott gefällt. Nachdem sie also sahen, dass sie nicht einmal mehr die Schatten jener Dinge hervorbringen konnten, die Mose hervorbrachte, waren sie gezwungen zu bekennen, dass sie von Mose bei weitem übertroffen würden. Nun wollen wir betrachten, wie sehr das Paracelsische mit der Wahrheit übereinstimmt.

[3 Über die Kräfte der Einbildungskraft]

FURNIUS: Ich erinnere mich, im Buch über die Einbildungskraft gelesen zu haben, dass Dämonen durch sich selbst keine Sache anders verändern könnten, als sie geeignet ist, verändert zu werden, und dass sie daher nicht einmal die Fähigkeit besäßen, ein Haar weiß oder schwarz zu machen. Fast dasselbe behauptet er im Buch über die verborgene Philosophie: Dämonen könnten weder Fieber noch Zahnschmerz heilen, ja nicht einmal einen Topf zerbrechen, selbst wenn ein Dämon von allen seinen Gefährten aufs Äußerste unterstützt werde. Auch andernorts behauptet er, Dämonen könnten ohne die göttliche Macht, die den Aposteln übergeben worden sei, nicht vertrieben werden. Dies lehrt doch gewiss, dass er Wunder Gott zuschreibt und sie den Dämonen nicht zugesteht.

ERASTUS: Ich wollte, er wäre bei dieser Ansicht geblieben. Aber hier bleibt er sich ebenso treu wie sonst. Um dies zu zeigen, will ich nicht anführen, dass er der Einbildungskraft die Kraft und Fähigkeit zuschreibt, all das in Wirklichkeit zu vollbringen, was in der Einbildung erfasst werden kann. Darüber werden wir nämlich an seinem Ort sprechen, wenn wir über die Kräfte der Einbildungskraft disputieren. [p. 43] Ich will nur sagen, was er im Buch über die Ursachen der unsichtbaren Krankheiten schreibt: Den Teufeln sei beim Fall der Glaube nicht genommen worden, und deshalb hätten sie die Macht, Berge zu versetzen und Ähnliches zu tun. „Sie können“, sagt er, „heilen und plagen und nach Art der Sonne, die Böse und Gute gleichermaßen bescheint, ihre Kraft gegenüber den Menschen ausüben, gute und böse Zeichen tun.“ „Dies können sie“, sagt er, „solange sie den Glauben behalten, der ihre Stärke ist.“

Näher zu unserem Gegenstand gehört, dass wir kein von Gott gewirktes Wunder kennen, von dem er nicht glaubte, es könne auch von Menschen oder anderen Geschöpfen hervorgebracht werden. Die Weisen aber, die Gründe und gleichsam die Werkzeuge, durch die Menschen Wunder tun, zählt er an fünf verschiedenen Stellen auf: den Glauben, die Natur, die himmlischen Dinge, die ärztliche Kunst und Heilmittel, die Magie. Unter Glauben versteht er freilich nicht jenen, durch den wir gewiss sind, dass wir durch den Tod Jesu Christi mit Gott versöhnt sind, sondern eine angeborene Gläubigkeit oder eine gewisse Überzeugung, die uns mit den Dämonen gemeinsam ist, wie aus dem Buch über die Ursachen der unsichtbaren Krankheiten hervorgeht. Diese nennt er bisweilen natürlich, im Buch über die Pest auch beschwörerisch; von ihr meint er, Christus habe in Lukas, Kapitel 17, gesprochen. Wie absurd er, gewissen Platonikern folgend, diese Worte Christi überall auslegt, widerstrebt mir zu berichten. Also schreibt er an der angeführten Stelle, wir könnten durch diesen Glauben die Arten aller Kräuter erschaffen, freilich unsichtbare, alle Krankheiten und sogar den Tod jedem beliebigen Menschen leichter zufügen, als man jemanden mit einer Bombarde oder Büchse töten könne. Wenn jemand durch diesen Glauben sich selbst heile, geschehe dies aus Missbrauch des Glaubens, weil der Herr wolle, dass dieser verborgen bleibe und die Krankheiten durch Heilmittel vertrieben würden. Durch diesen Glauben habe Apollo Wunder getan, und die Dämonen täten sie, wie ich kurz zuvor bemerkt habe; ja, Simson habe aus ihm seine Stärke empfangen, und wir handelten über die Kräfte der Natur hinaus und herrschten nach Belieben über die Geister. Bei der Behandlung seiner Astronomie schreibt er Folgendes: „Wenn Christus, als er Wunder tat, bekräftigt, die Jünger würden Größeres tun, wenn sie Glauben hätten, warum sollten wir nicht durch denselben [p. 44] mehr leisten als die Natur, die um unsertwillen geschaffen ist? Wenn durch den Glauben die Heilige Schrift mehr vermag als Christus in der Liebe gegen den Nächsten, warum sollten wir nicht mächtiger sein als die Sterne, da Christus nicht von diesen, sondern von uns spricht?“ Kurz: Diesem Glauben oder beständigen Verlangen, von dem er in dem bereits angeführten Büchlein sagt, er sei nichts anderes als eine auf das Wort einwirkende Macht, die Tote erwecke, schreibt er die Macht zu, beliebige Wunder zu vollbringen.

Dass er glaubt, Wunder geschähen auch durch eine Eigentümlichkeit der Natur, geht klar aus dem Ende des vierten Buches über die Ursachen der unsichtbaren Krankheiten hervor. Denn als er den Grund angeben will, warum Leichname bisweilen Wunderbares täten, sagt er, sie hätten die Kräfte des Himmels und der Erde in sich, die sie nach Art des Magneten aus Himmel und Erde an sich zögen. Je nach Verschiedenheit der angezogenen Kräfte wirkten auch die jeweiligen Körper verschieden. Schließlich, wenn er zum Schluss kommt, sagt er: „Wer mit dieser Eigentümlichkeit der Natur begabt ist, tut, selbst wenn es ein Hund wäre, gute Wunder und Zeichen, wenn er dieser so redenden Kraft vertraut.“ Und die Kräfte wachsen uns im Mutterleib ein, wie Rosen ihren Duft aus der Erde mit sich hervorbringen. So werden Hexen und Magier geboren; nicht durch Kunst werden sie solche. Nicht alles geht von den Teufeln aus. Auch Christus bewirkt es nicht. Ebenso sagt er im Buch über die Podagra: „Es finden sich Menschen, die Wunder hervorbringen und guten wie bösen Geistern befehlen.“ Und nicht viel später sagt er: „Menschen tun Zeichen und wirken Wunder, sodass diejenigen, die eines solchen Einflusses ermangeln, fast gezwungen sind, sie für Götter und Heilige zu halten. Sie tun aber dergleichen nicht im Namen des Herrn, sondern durch die Kraft ihrer Geburt, in der sie triumphieren.“ Ebenso: Stürme, Donner usw. hervorzurufen geschehe durch natürliche Kraft, nicht durch magische. Dass er auch den von ihm sogenannten Evestra dieselbe Macht zuschreibt, werde ich bald zeigen, nachdem ich angegeben habe, was er unter Evestrum verstanden zu haben scheint.

Im zweiten Buch An die Athener schwätzt er vieles über diese Dinge daher, wodurch er den Verdacht erweckt, er habe damit Gespenster benannt, die Gestalt und Namen von Toten vortäuschen. So [p. 45] ungeheuerlich verworren und widersprüchlich ist aber, was er über diese Schatten schreibt, dass er sich selbst an Einbildung absurder Dinge übertreffen wollte. Er schreibt, dieses Evestrum verleihe den Menschen die Fähigkeit zu weissagen, und kurz darauf schreibt er diese Kraft irgendeinem bösen Dämon zu, den er die „große Schar“ nennt. „Aus dieser“, sagt er, „haben alle Propheten gesprochen, und aus ihr stammen alle Zeichen. Kometen, bedeutungsvolle Sterne, haben ihren Ursprung nicht aus dem Firmament. Denn der Höchste spricht nicht mit Sterblichen und sendet ihnen keine Engel vom Himmel, sondern aus der großen Schar werden die Dinge vorausverstanden; diese wurde bei Juden und Heiden als Gott verehrt.“ Dann, zum Evestrum zurückkehrend, sagt er: „Das Evestrum bringt Wunder hervor. Denn die Heiligen tun Wunder nur durch die Evestra, so wie die Sonne durch ihre Strahlen Natur und Wärme ausübt. Sie lenken Schlaf und Träume, die Zukünftiges voranzeigen, sie lehren die Astronomie.“ Kurz: Aus ihnen hätten Sibyllen und Propheten geweissagt.

Die Macht der ärztlichen Kunst aber stellt er nahezu über die Kraft Christi. Denn im Paramirum schreibt er offen, wir hätten die Medizin seit Erschaffung der Welt gehabt und würden sie bis zum Ende haben, ausgestattet mit derselben Kraft, Macht und Wirksamkeit, mit der die Apostel Krankheiten heilten; und derselbe Auftrag zu heilen sei den Ärzten und den Aposteln gegeben worden. Denn in der Erde seien die Macht und Kräfte enthalten, durch die Blinden das Gesicht, Aussätzigen die Gesundheit zurückgegeben werden könne. „Keine Krankheit“, sagt er nämlich, „wollte Gott unheilbar sein lassen, sondern für alle hat er ihr Heilmittel erschaffen.“ Denn die Medizin beseitigt nicht nur hinzugekommene Krankheiten, sondern heilt auch Lahme und Blinde von Geburt an. Um dies glaubhaft zu machen, führt der wahnsinnige Mensch das Beispiel der Löwen an, die ihren Jungen, die sie tot geboren hätten, durch ihr Brüllen Leben verliehen. Außerdem bemüht er sich, die Worte Christi seinem Wahnsinn anzupassen, nicht nur an der vorliegenden Stelle, sondern auch in seinen Verteidigungen. „Es ist töricht“, sagt er, „zu meinen, eine nicht tödliche Krankheit wie die Fallsucht, die Podagra oder Blindheit sei unheilbar, [p. 46] da Christus gesagt hat, die Kranken bedürften des Arztes. Sind diese etwa keine Kranken? Bedürfen sie keines Arztes?“ Im neunten Kapitel des Johannes wird geschrieben, es sei seit aller Zeit unerhört gewesen, dass jemand einen Blindgeborenen sehend gemacht habe; aber jene waren eben nicht in der Schule des Paracelsus erzogen worden.

Im Paragranum ist er noch lästerlicher. „Damit Kranke von Ärzten völlig geheilt werden“, sagt er, „müssen sie für sie geeigneter sein als jene, die Christus völlig heilte; denn von ihm wurde niemand wieder gesund gemacht, der ungeeignet war. Da also der Arzt weniger Kräfte hat, müssen diejenigen geeigneter sein, die er heilen soll.“ Ebenso schreibt er Heilmitteln die Kraft zu, Stürme, Blitze, Hagel, Gespenster und Teufel abzuwehren. Und nicht nur sagt er, sie könnten jene abwehren, die Besitz zu ergreifen beabsichtigen, sondern auch, dass Besetzende durch Arzneien vertrieben würden. Unter diesen zählt er Koralle, Johanniskraut und ich weiß nicht was noch alles auf. „Krankheiten“, sagt er in seinen Verteidigungen, „bewirkt der Himmel, der Arzt vertreibt sie. Wenn also der Himmel gezwungen wird, dem Arzt zu weichen, dann werden auch die Teufel gezwungen zu weichen.“ Der Mercurius vitae macht, wenn wir ihm glauben, einen hinfälligen Greis zum Jüngling und stellt bei einer ausgezehrten Alten die Monatsblutung wieder her. Ebenso machen Kräuter, Wurzeln und Steine unverwundbar und unbesiegbar. Dämonen kennen die Kunst, Gold und Silber in Kohlen und Schnecken zu verwandeln. Auch kann durch Kunst aus jeder beliebigen essbaren Sache wahres Blut erzeugt werden, wie es innerhalb der Körper erzeugt wird. Dies, sage ich, behauptet er teils im Buch über die verborgene Philosophie, teils in den Archidoxen, teils anderswo mit Beständigkeit von Dingen, von denen feststeht, dass sie allein von Gott geleistet werden können.

Ich schweige jetzt davon, dass er schreibt, totes Holz könne wieder grünen, und dass die einer kleinen lispida abgezogene Haut nach einigen Jahren neue Federn hervorbringe, nachdem sie die früheren abgeworfen habe. Ich schweige davon, dass er glaubt, es widerspreche der Natur keineswegs, ja dass er es für gottlos hält zu glauben, es stehe nicht ebenso in unserer Macht, so lange zu leben, wie wir wollten, oder wenigstens bis zur Erneuerung der Welt oder bis zum Tag des Jüngsten Gerichts, wie wir durch Kunst Feuer bewahren können. Fälschlich nämlich glaube man, die Grenze des Lebens sei uns von Gott [p. 47] vorherbestimmt. Wenn er keine anderen Schriftstellen gelesen hatte, hätte er wenigstens Kapitel 37 des Ecclesiasticus oder Kapitel 17 und 18 desselben Autors lesen müssen. Und Adam habe, sagt er anderswo, weder aus Gottes Wohltat oder Schöpfung noch aufgrund einer Eigentümlichkeit von Natur und Körper so lange gelebt, sondern mit Hilfe der Medizin, anderswo sagt er: der Magie, deren er höchst kundig gewesen sei. Auch genügte es ihm nicht, diese unreinen Lügen auszustoßen, wenn er nicht darüber hinaus aus seinem schmutzigsten Mund eine Lästerung auswürfe, indem er nicht nur einmal behauptet, wir müssten nicht so sehr den Fall Adams beklagen wie den Verlust dieser Kunst der Lebensverlängerung in der Sintflut. Ebenso hätten Venus, Saturn und Merkur viele Menschen mit Unsterblichkeit beschenkt. Er erzählt auch, Siconius und Hildonius und ich weiß nicht welche anderen hätten ein beinahe unsterbliches Leben gelebt, sodass man von ihnen weder Geburt noch Tod habe erfahren können; vielleicht, weil sie niemals geboren wurden. Ebenso sei das ewige Leben des Paradieses nicht wunderbar, sondern werde durch die Natur des Ortes verliehen. Denn es gebe auch hier Gegenden und Arzneien, in denen der Tod keine Kräfte habe; und damit du nicht meinst, dies sei ihm nur entschlüpft, hat er es zweimal geschrieben. Anderswo schreibt er, was erträglicher ist, die Bewohner des Veltlins litten weder an Podagra noch an Koliken noch an Stein noch an irgendeiner tartarischen Krankheit; es schmerzt sie gewiss sehr, dass er dies erlogen hat. Dieses Ungeheuer von Mensch beklagt, diese Kunst sei durch die Sintflut zugrunde gegangen, obwohl doch feststeht, dass Noah zwanzig Jahre länger lebte als Adam. Also kannte auch dieser die Kunst, die ihn seine Söhne nicht schwer zu lehren gewesen wäre, mit denen er vor der Sintflut lebte und die er nach dieser noch um dreihundertfünfzig Jahre überlebte. Doch wir wollen diese Erzählung von der Verlängerung des Lebens mit denselben Worten abschließen, mit denen er selbst sie abgeschlossen hat: „Da ich“, sagt er, „das, was ich über die Arbeit der Sophia erfahren habe, nicht ohne Verachtung der Unkundigen schreiben kann, werde ich es meinem Geist einschreiben und mir ein Leben ohne Grenze bestimmen.“ Wer sollte nicht über die Torheit lachen oder vielmehr die ungeheure Raserei eines Menschen bewundern, der seinen kräftigen Körper nicht bis [p. 48] zum fünfzigsten Jahr bringen konnte? Denn er starb, bevor er siebenundvierzig Jahre vollendet hatte.

Ebenso absurd, falsch, unmöglich und ungeheuerlich ist, was er in den Archidoxen, im Buch über die Art des Reinigens und anderswo über die Verdauung der Speisen im Mund und über ein Leben ohne Nahrung schreibt, die er, wenn wir nicht arbeiteten, für ganz unnötig hält. Er habe, sagt er, jemanden gesehen, der sechzehn Monate ohne Nahrung gelebt habe, während er die Füße in der Erde vergraben hatte und häufig einen Erdklumpen an die Mündung des Magens legte und erneuerte. Auch werde eine ebenso vollkommene Verdauung im Mund durch Gaumen, Zahnfleisch und Zäpfchen vollbracht wie im Magen; nicht weniger werde der Körper aus der so bereiteten Nahrung ernährt. Diese werde von der Leber ohne Empfindung und ohne Schlucken angezogen. So hätten die Eremiten gelebt, Johannes der Täufer und alle jene, die in den Därmen keine Exkremente sammelten. Doch lassen wir die nichtigen Possen.

Dass er nun wollte, durch Magie würden Wunder hervorgebracht, geht aus allen seinen Schriften hervor; daraus werde ich eine oder zwei Stellen abschreiben. „Wahres Blut“, sagt er, „entsteht aus Kräutern, Brot und Ähnlichem durch die Kraft der Beschwörung.“ Ebenso: „Hexen melken wahre und natürliche, nicht vorgetäuschte Milch aus trockenem Holz oder aus einer Wand.“ Ebenso: „Eine Alte kann in einer Stunde ein Jahr unfruchtbar machen, das fruchtbar zu sein schien.“ Ebenso: „Alle Dämonen können durch zwei Zeichen vertrieben werden.“ Ebenso: „Wir kennen Ringe, Bilder und Ähnliches, die alle Dinge vor dem Tod bewahren.“ Krankheiten, die aus Beschwörung entstanden sind, lehrt er durch eine entgegengesetzte Beschwörung zu heilen. Ja, zwischen den Wundern der Magier und heiliger Menschen gebe es, wie er beim Schwatzen über die Wissenschaft der Astronomie behauptet, keinen anderen Unterschied als den, dass diese von Gott, jene aber von der Natur ausgehen. Über sich selbst schreibt er in einem gewissen Buch über Chirurgie, das auf Deutsch geschrieben und herausgegeben wurde, er habe durch Magie Wunder, Thaten, hervorgebracht. Auch im Buch über die Epilepsie leugnet er keineswegs, der Magie eifrig ergeben gewesen und in ihr nicht wenig vorangekommen zu sein.

Zu all dem fügt er auch eine andere Ursache der Wunder hinzu, nämlich den Himmel. „Wunderzeichen“, sagt er im Paragranum, „und Prophetien geschehen durch den Himmel, der [p. 49] Kriege, Schlachten, Krankheiten und Pestilenzen erzeugt und daher auch anzeigt.“ Deshalb tut nicht allein Gott große Wunder, wie der Psalm bezeugt; dieselben bewirken auch der Glaube oder die Einbildungskraft des Paracelsus und der Dämonen, dann die Natur, danach Gespenster, bald die ärztliche Kunst, schließlich die Magie und zuletzt der Himmel. Obwohl wir diese Ungeheuerlichkeiten oben im Allgemeinen widerlegt und gezeigt haben, dass sie nicht nur falsch und gottlos, sondern auch lästerlich sind, weil sie die Macht der göttlichen Majestät auf wunderliche Weise verdunkeln, kann es doch lohnend erscheinen, einiges im Einzelnen zu widerlegen; alles auflösen zu wollen, könnte aber als abergläubisch gelten. Denn wer sollte glauben, dass durch eine Eigentümlichkeit der Natur Wunder hervorgebracht werden können, die außer und über die Kräfte und die Ordnung der Natur hinaus geschehen? Wir sind also gezwungen, als Ursache der Wunder nicht die Natur selbst anzusetzen, sondern eine Macht, die größer und erhabener ist als diese.

FURNIUS: Wir sehen aber doch, dass es sehr verschiedene Eigentümlichkeiten bei den Menschen gibt, indem manche Katzen verabscheuen, einige Käse, andere Wein, während wiederum andere an bestimmten Dingen auf wunderbare Weise Gefallen finden, die die meisten anderen verabscheuen. Ja, Albertus schreibt sogar, es habe zwei Brüder gegeben, die, wenn sie geschlossene Türen durchschritten, diese durch eine gewisse bewunderungswürdige Kraft, die von ihren Seiten ausströmte, sogleich öffneten.

ERASTUS: Ich wundere mich nicht sehr, dass du, der du Paracelsus so viel beimisst, dem fabelhaften Albertus Glauben schenkst. Ich aber sage dir: Bei ihm habe ich beinahe mehr Lügen gelesen, und zwar gottlose und ganz unerträgliche, als bei Magiern und Platonikern. Wenn Menschen dergleichen durch eine ihnen eingepflanzte natürliche Kraft vollbringen könnten, wie, frage ich dich, hätte Christus durch seine Wunder bewiesen, dass er der wahre Sohn des wahren Gottes sei, desselben Wesens und derselben Macht wie der Vater? Auch die Apostel taten Wunder, aber in der Kraft und im Namen Christi, nicht aus eigenen Kräften. Dies war der Grund, warum sie nicht tun konnten, was, wo, wann und wie sie wollten, wie wir wissen, dass Christus es getan hat, sondern nur so viel, wo und wie es Gott gut dünkte. Denn indem dieser ihnen beistand, [p. 50] wirkte er solches, ohne irgendeine Sache, die in ihnen wäre, zu benötigen, sondern indem er ihnen Autorität und Glaubwürdigkeit verschaffte, wie wir zuvor gesagt haben. Wer durch Natur etwas vermag, vermag es meistens und sooft er will. So hassen diejenigen, die Katzen hassen, sie immer; wer Käse oder Wein verschmäht, verschmäht sie immer. Also könnten auch diejenigen, die durch die Kräfte ihrer Natur Wunder hervorbringen, diese stets hervorbringen, wann es ihnen beliebt. Denn wenn sie nicht bewirken können, was sie wollen, es sei denn, die Materie sei geeignet, wird es kein Wunder sein. Darum hat Christus wahrhaft gezeigt, dass er von Natur Gott sei, indem er immer und überall so viele, so große und so oft Wunder tat, wie er wollte. „Die Werke, die ich tue“, sagt Christus, „kann niemand tun.“

Inzwischen können in bestimmten Menschen durchaus gewisse besondere Qualitäten vorhanden sein, die der eigenen Mischung der Materie folgen, ob man sie nun im ganzen Körper vorhanden glaubt oder in irgendeinem einzelnen Teil, etwa im Magen, im Gehirn usw. findet; aber es sind solche, die die Natur der Art nicht überschreiten. Die menschlichen Kräfte übersteigt es aber, ja es widerspricht dem Vermögen des Menschen, die Materie anders zu verändern, als sie verändert zu werden geeignet ist. Denn die Kräfte natürlicher Dinge sind begrenzt und dazu bestimmt, eine bestimmte Wirkung hervorzubringen, und zwar dann, wenn die Materie passend disponiert und geeignet ist, von einer in dieser Weise wirkenden Kraft zu leiden. Was darüber hinaus geschieht, ist wunderbar und wird so genannt. Brot zum Beispiel ist zwar geeignet, geschnitten, mit den Händen zerkrümelt, zu Pulver gemacht, vom Feuer geröstet und verbrannt zu werden; allein durch Magen und Venen ist es geeignet, in Chylus und Blut verwandelt zu werden. Wenn nun Feuer aus Brot wahres Blut oder Fleisch hervorbringt, wird die Verwandlung wunderbar sein, weil es so gegen die Eignung und Natur der Materie verändert.

FURNIUS: Wenn Brot im Magen und in der Leber oder in den Venen in Blut verwandelt werden kann, wie widerspricht diese Verwandlung dann seiner Natur?

ERASTUS: Es kann von diesen Teilen so verändert werden; vom Feuer aber kann es nicht auf diese Weise umgewandelt werden. Es widerspricht also der Natur des Brotes und widerspricht ihr zugleich nicht, dass es Blut werde, je nachdem es zu jeweils anderen wirkenden Ursachen in Beziehung gesetzt wird. [p. 51] Und dies ist es, was die Philosophen sagen: Natürliche Dinge handeln bestimmt und begrenzt, und nicht jedes beliebige Ding kann von jedem beliebigen auf jede beliebige Weise bewegt werden. So ist ein eiserner Riegel geeignet, durch die kräftigen Hände eines Menschen von seinem Ort bewegt zu werden; durch eine geistige und verborgene Kraft, die aus dem Körper eines Menschen ausströmt, ist er nicht geeignet, so bewegt zu werden. Daher wäre es ein wahres Wunder gewesen, wenn wahr wäre, was Albertus gottlos fabuliert. Denn wenn jemals etwas Derartiges geschehen ist, so ist völlig gewiss, dass die Türen nicht durch eine natürliche Kraft des Körpers geöffnet worden sind, sondern entweder durch gute oder durch böse Geister.

FURNIUS: Hier streite ich nicht weiter, besonders weil ich sehe, dass die feineren und verständigeren Philosophen dasselbe empfunden und gelehrt haben wie du, vor allem aber, weil es mit den hochheiligen Schriften übereinstimmt, die nicht zu täuschen wissen.

ERASTUS: Noch viel weniger wirst du, glaube ich, erwarten, dass ich beweise, Ärzte könnten keine Wunder hervorbringen. Was wahre Ärzte tun, tun sie nämlich durch natürliche Heilmittel; und fest steht, dass diese entsprechend den ihnen innewohnenden großen Kräften durch Veränderung der Körper die Gesundheit erhalten oder wiederherstellen. Was Paracelsus über die bewunderungswürdigen Kräfte der Koralle, des Johanniskrauts und anderer Dinge erzählt, ist seines Urhebers würdig, um nichts anderes zu sagen. Wer wäre so stumpfsinnig, für gewiss zu halten, dass eine so große Gewalt wie die des Blitzes und der Dämonen durch ein so kleines Pflänzchen oder Halbpflänzchen abgewehrt werden könne? Lehren uns nicht unsere Augen und zeigen uns nicht die übrigen Sinne, dass dies alles falsch ist? Diese abgeschmackten und schändlichen Lügen mit Zeugnissen der Heiligen Schrift zu widerlegen, wäre beinahe Missbrauch und Frevel. Wenn er gegen den Glauben und die Erfahrung aller Jahrhunderte behauptet, alle Krankheiten könnten von Ärzten geheilt werden, ist er eher des Galgens als einer Widerlegung würdig. Wenn er schon nicht auf die Heilige Schrift und die Ehre Gottes Rücksicht nehmen wollte, hätte er wenigstens auf sich selbst blicken müssen, damit er nicht so hässlich und schändlich mit sich selbst in Widerspruch geriete. Denn an sehr vielen Stellen gesteht er, dass viele Krankheiten unheilbar sind. Auch wenn er dies nicht mit Worten zugestände, bewiese er doch durch die Sache selbst, dass es wahr ist, da er mehr Kranke entweder getötet [p. 52] oder ungeheilt zurückgelassen als vollständig geheilt hat. Was also dieser Possenreißer von den Wundern der Medizin und der Heilmittel daherschwatzt, ist nichts anderes als verbrecherische Lüge.

Dass aber die von ihm sogenannten Evestra der Kräfte zu Wundern entbehren, ist an sich bekannt. Sie sind nämlich nichts anderes als Schatten oder Dämonen oder Lares und Genien der Platoniker, das heißt wirkliche Teufel; dass diese keine Wunder tun können, haben wir oben sehr fest gezeigt. Wenn sie bisweilen etwas zu tun scheinen, dann vollbringen sie dies entweder, indem sie Wirkendes mit Leidendem verbinden oder Samen heranbringen; oder sie täuschen und stellen den Augen Schatten statt wirklicher Dinge vor; oder es wird geglaubt, von ihnen getan zu sein, was Gott nach einem bestimmten göttlichen Ratschluss durch sie wirkt. Es bleibt also, dass wir zuerst zeigen, dass jener Glaube, von dem er spricht, das heißt die Einbildungskraft, nicht jene Kraft besitzt, die Paracelsus mit einigen anderen unkundig, töricht und gottlos angenommen hat. Danach müssen wir zeigen, dass auch durch Magie und ihre Arten nichts Derartiges vollbracht werden kann. Diesen Dingen werden wir zuletzt, sofern wir Muße haben und die Sache es zu verlangen scheint, noch etwas über die Wirksamkeit und Nähe des Himmels hinzufügen, und so werden wir dem ersten Teil unseres Wortgefechts ein Ende setzen, falls uns nicht inzwischen noch etwas einfällt, das einer Erklärung bedarf.

FURNIUS: Der Plan gefällt mir durchaus; auch wünsche ich nicht, dass mir mit vielen Worten bewiesen werde, dass in Kräutern und Steinen, ja in Arzneien, deren wir uns zur Vertreibung von Krankheiten nützlich bedienen, keine Kraft wohnt, Wunder hervorzubringen. Denn da diese außerhalb der Ordnung der Natur geschehen, Arzneien aber und alle geschaffenen Dinge der Ordnung der Natur unterworfen sind, wäre es absurd, ihnen eine der Natur überlegene und erhabenere Macht zuzuschreiben. Gewiss haben mich Albertus, Plinius und andere immer zum Lachen gebracht, wenn sie mir durch das Tragen bestimmter Steine und Kräuter Sieg, Vorherwissen der Zukunft, Sicherheit vor Blitz und Gewalt der Geschütze, Gunst von Fürsten und ich weiß nicht was sonst noch von dieser Art [p. 53] versprachen. Von den Kräften der Dämonen und der Macht des Menschen wagte ich mir Größeres zu versprechen. Denn ich bedachte, wie groß die Kraft der Vernunft sei, wie viele, wie verschiedene, wie schwierige und schließlich wie bewunderungswürdige Dinge von beiden vollbracht worden seien, und ich hoffte, dass diesen auch noch anderes hinzugefügt werden könne. Vieles wurde gewiss für unmöglich gehalten, was die unablässige Mühe der Sterblichen als möglich und keineswegs ganz schwer zu tun erwiesen hat. Darum höre ich gern, was deiner Ansicht nach von der Einbildungskraft und ihren Kräften zu halten ist. Auch wird es erfreulich sein zu erfahren, was magische Beschwörungen vermögen.

ERASTUS: Mein Ziel ist zu zeigen, dass durch die Kraft der Einbildungskraft keine Wunder hervorgebracht werden können, wie Paracelsus und außer ihm andere gottlos und kühn behauptet haben. Um dies bequemer zu tun, müssen auch einige andere Dinge behandelt werden, die die Erörterung etwas länger machen werden. Wenn du wünschst, dass solche Dinge übergangen werden, kommen wir schneller zum Ziel.

FURNIUS: Ich möchte nicht, dass irgendetwas von dem übergangen wird, was zur Erklärung der Sache beitragen kann.

ERASTUS: Damit also nicht nur das deutlich werde, worauf wir vor allem zielen, sondern auch sichtbar sei, wie fremd der Wahrheit und Frömmigkeit, ja jedem Sinn das ist, was Paracelsus mit so großer Zuversicht über die Macht der Phantasie behauptet, werden wir, wo die Gelegenheit es erlaubt, nebenbei einiges anführen, was Aristoteles gelehrt und richtig über die Natur, Macht und Verwendung dieses Vermögens unserer Seele gesagt hat. Es steht aber fest, dass Paracelsus verachtet hat, was die meisten Philosophen sehr treffend über die Phantasie erörtert haben, und lieber Avicenna, Algazel, Alkindi, den Arabern, schließlich Pomponazzi und den unreinen Magiern folgen wollte. Den Grund kenne ich nicht, es sei denn, er habe, von Unwissenheit in diesen Dingen geleitet oder vom Drang nach Neuerung überzeugt, dem Falschen den Vorzug vor dem Wahren gegeben. Ich würde glauben, dass er mit sicherem Urteil von der Ansicht des Aristoteles und Galens abgewichen sei, wenn er selbst eine sichere Ansicht beibehielte. Da er aber bald Avicenna billigt, bald Pomponazzi und den unsäglichen Magiern folgt, kurz darauf die Wahnvorstellungen Alkindis zu umarmen scheint und häufig seine eigenen Träume den übrigen [p. 54] vorzieht, finde ich kaum, was ich anderes feststellen sollte.

FURNIUS: Was war denn die Meinung jener Männer?

ERASTUS: Die ersten beiden setzen fest, dass die Seele, weil sie eine materiefreie Form und den Intelligenzen, so nennen die Philosophen die Beweger der Himmelssphären, nahe ist, durch die Kraft der Einbildungskraft so erhoben werden könne, dass sie nicht nur auf den eigenen Körper, sondern auch auf jeden anderen ohne Medium oder Werkzeug einwirken könne. So könnten veredelte Seelen ein Kamel in einen Kessel, einen Menschen in einen Brunnen stürzen; sie könnten heilen und schwächen, wen sie wollten; die Elemente verändern, sodass weder Feuer brenne noch Wasser befeuchte; sie könnten weissagen, Wunder vollbringen und schließlich Herrschaft über alle Materie besitzen. Diese Kräfte, meinten sie, würden von den himmlischen Intelligenzen eingegossen, unter deren wohlwollendem Aspekt solche Seelen hervorgebracht seien, wenn sie mit angespannter Einbildungskraft die Idee oder das Bild des Saturn, des Jupiter und der übrigen Intelligenzen empfangen hätten. Dann sei eine solche Seele nämlich gleichsam zweierlei: Seele oder Form des Körpers und Bild der Intelligenz; und deshalb gehorche ihr die ganze veränderliche Materie gewissermaßen wie einer Intelligenz. Alkindi vollbringt all das Vorgenannte durch Strahlen. Denn die Dinge, die in der Einbildung erfasst werden, bestünden der Sache nach in ihr und könnten durch Strahlen, die nach allen Seiten hinausgehen, auch außen hervorgebracht werden, wenn ein heftiges Verlangen hinzutrete. Pomponazzi, der fast dasselbe meint, macht Geister, nicht Strahlen, zu den Werkmeistern der Affekte, obwohl er im Fortgang der Erörterung als Hervorbringer solcher Dinge entweder verborgene Eigentümlichkeiten der Menschen oder himmlische Intelligenzen ansetzt. Einige andere behaupten, die Luft werde von der Einbildungskraft angesteckt und verdorben, und von ihr litten dann diejenigen, die bezaubert werden.

FURNIUS: Wenn ich mich recht erinnere, weichen Paracelsus und die eben genannten Autoren nicht voneinander ab. Denn was anderes scheint er gemeint zu haben, wenn er in seinem Büchlein über die Einbildungskraft schreibt, alles, was in die Phantasie aufgenommen werde, könne von ihr in anderen Dingen nicht anders ausgedrückt werden, als wenn es mit Händen geformt würde? „Der Geist“, sagt er, „der der Einbildungskraft dient, ist jenes Gestirn, [p. 55] das nach seinem Belieben formt und einprägt.“ Ebenso: „Die Einbildungskraft ist die Sonne im Menschen, die auf seinen Körper und auf andere Dinge, auf die ihr Strahl gerichtet wird, nicht anders einwirkt, als die Sonne ihre Strahlen in die Luft ausbreitet.“ Er hält es auch nicht für verwunderlich, dass von der Einbildungskraft Körperliches hervorgebracht werde und ebenso Fieber, ja sogar Pest, allein durch die Ausrichtung ohne Werkzeuge erregt würden. Ja: „Was immer der Mensch sich einbildet“, sagt er, „das existiert selbst. Wenn er Feuer denkt, ist es Feuer; wenn Krieg, so ist auch dies.“ Wenn aber mit der festen Einbildung ein heftiges und starkes Begehren verbunden werde, folge die Wirkung, wie es bei Schwangeren der Erfahrung nach geschehe. Ebenso erzeugten Frauen, die von Hass und Begierde entflammt seien, wie Schwangere durch eine stärkere Einbildungskraft, in der sie die Männer meist überträfen, einen Geist, durch den der Eindruck über den mittleren Himmel erhoben werde. Wenn dieser aus dem Menstrualblut einen Körper angenommen habe, regneten Kreuze auf die Kleider der Menschen herab. Denn aus der Einbildung entstehe eine ähnliche Gestalt und aus dem Menstrualblut der Körper des Werkes, wodurch für irgendeine ganze Gegend die Pest erzeugt werde. Unsere Einbildungen würden nach oben erhoben und den Sternen nicht anders zugeführt, als jene uns durch ihre Strahlen beeinflussen. Auf welche Weise dies geschehe, erklärt er ausführlicher im Buch über die Pest, indem er sagt, alle unsere Affekte und Einbildungen würden in Körper verwandelt, flugfähig gemacht und ein jeder zu seinem Planeten erhoben, etwa der Neid zu Saturn, Betrug, Lügen und Täuschungen zu Mars und Merkur; in diesen würden sie gleichsam zu Strafen ausgekocht, die sie auf Befehl wieder auf die Menschen ausgössen. Wenn also jemand, der den Himmel durch seine Einbildung verehrt und ihn seiner Herrschaft wie ein Hündchen unterworfen hat, denn er behauptet ja, die Weisheit eines jeden Menschen könne den Himmel so lenken und zum Gehorsam zwingen, wie wir mit den Händen die Erde wenden und Lasttiere zwingen, das Befohlene zu tun, einem anderen Böses zuzufügen denkt, gebraucht er den Dienst seines Planeten zu dieser Sache wie der Bauer die Pferde zur Bearbeitung der Erde. Daher haben Wachsbilder, Worte, Zeichen, Buchstaben und die gesamte Magie ihren Ursprung. Denn diejenigen, die gelernt haben, den Himmel zu zwingen, [p. 56] seine Kraft so in Zeichen, Wachs usw. auszugießen, dass sie saturnische, jovische usw. Kräfte besitzen, sind Magier genannt worden. Aus solchen Einbildungen sind auch verschiedene Sekten der Menschen entstanden und entstehen noch heute, die sich untereinander durch den Namen der Rechtschaffenheit und Heiligkeit unterscheiden, indem der eine diese, der andere jene Lebensweise verfolgt. Denn wer Menschen zur Einbildung des Himmels führen kann, ist ein großer Prophet; er tut und sieht nämlich große und wunderbare Dinge. Daher komme Gutes und Böses, daher entstünden die meisten Krankheiten, indem die verschiedenen und einander widersprechenden Einbildungen der Menschen bis zum höchsten Himmel emporgehoben würden und ihn zwängen, allerlei Übel auf uns herabzuspeien. Eine allgemeine Pest aber breche dann aus, wenn fast alle gemeinsam den Himmel auf einem unzulässigen Weg verehrten.

Auch Venus, Saturn, Mars und Merkur hätten, behauptet er im Buch über das lange Leben, ohne jedes menschliche Zutun durch vermittelnde Einbildungen mehrere Sterbliche mit Unsterblichkeit beschenkt. Quintilianus erzählt, ein gewisser Syrus, einige Exemplare haben Styrus, habe, als er im Sterben lag, durch die Einbildung eines kräftigen jungen Mannes, der zufällig bei ihm stand, dessen Natur, Kräfte, Sinne, Leben und Gedanken auf sich übertragen. Durch eine ähnliche Einbildung habe ein gewisser Archasus, ich weiß nicht wer, Gelehrsamkeit und Klugheit von anderen, die diese besessen hatten, auf sich übertragen. Aber auch einige hätten durch Einbildung im Schlaf die Euessera, so nennt er nämlich die Gespenster der Toten, von Philosophen zu sich gezogen, die vor fünfzig oder hundert Jahren aus dem Leben geschieden waren, und von denen sie Wunderbares gelehrt worden seien. Dies ist die Summe dessen, was ich mir beim Lesen über die Kräfte der Phantasie notiert habe.

ERASTUS: Aus dem, was du aufgezählt hast, lässt sich sehr leicht erkennen, dass ich oben zu Recht gesagt habe, er stimme allen zu und habe darüber hinaus seine eigenen Sonderlehren. Denn wenn er sagt, der der Einbildungskraft dienende Geist bilde und forme die Affekte und hebe sie bis zum Himmel empor, handelt er mit Pomponazzi. Wenn er behauptet, die Phantasie bringe Körper hervor und verfertige [p. 57] Fieber und Pest ohne Werkzeuge, meint er dasselbe wie Avicenna. Denn im Buch über die verborgene Philosophie schreibt er, die Kraft der Phantasie zeige sich besonders bei der Pest, da sie ein Gift erzeuge, das schädlicher sei als jede vergiftete Luft. „Wenn jemand in Gallien“, sagt er, „hört, sein Bruder sei in Italien an der Pest gestorben, kann er sich durch die Einbildungskraft die Pest zuziehen; diese greift dann auf andere über, ohne Ansteckung der Luft.“ Die Unkundigen täuschten sich nämlich, sagt er, wenn sie meinten, die Luft werde von solchen Dingen verdorben. Mit demselben hat er auch dies gemeinsam, dass er die Voraussicht der Zukunft der Einbildungskraft zuschreibt. Denn auch wenn er leugnet, Weissagungen stiegen so aus dem Menschen zu den Himmeln auf, wie er meint, Zorn, Hass und andere Affekte würden emporgehoben, bekräftigt er dennoch ausdrücklich, die Hauptursache für das Entstehen irgendwelcher Würmer und ähnlicher ungewohnter Dinge, schließlich gewisser Vorzeichen, sei die Einbildungskraft. „Durch eine höchst angespannte Einbildungskraft“, sagt er, „indem er die Grundlage der Vorahnung legt und alle Umstände genau prüft, macht er seinen Geist so gereinigt und erhaben, dass er Zukünftiges vorhersehen kann.“

So umfasst er, wenn er meint, die Einbildungskraft sende nach Art der Sonne Strahlen aus, und wenn er behauptet, die Affekte und Kräfte der Phantasie würden zu Körpern, das heißt zu den Sachen selbst, den Wahn Alkindis. Wenn er meint, was der Mensch innerlich in sich einbilde, wirke außerhalb seiner durch die Kraft ebendieser Einbildung, irrt er mit allen zusammen. Eigenes hat er darin, dass er der Einbildungskraft die Macht zuschreibt, den Himmel und die Sterne zu zwingen und sie nach Belieben zu den ruchlosesten Dingen zu missbrauchen; dass er meint, menstruierende Frauen erhöben durch Einbildungskraft Blut in den Himmel oder in die Luft, aus welchem Blut die Sterne uns blutige Kreuze und Pestilenzen errichteten; dass er glaubt, wenn er denn jemals selbst oder irgendein Mensch gesunden Verstandes dies glaubte, jemand könne durch Einbildungskraft Kräfte, Sinne, Gedanken, Natur, Leben und Gelehrsamkeit aus anderen auf sich selbst übertragen; dass er meint, die Sterne seien ebenso mit Vernunft, Klugheit, List, Täuschungen und Betrügereien gewappnet wie die Menschen. [p. 58] Denn er behauptet offen, all dies sei in den Sternen vorhanden, weil wir es von ihnen empfangen hätten. „Wenn wir es von ihnen empfangen haben“, sagt er, „müssen sie es zuvor gehabt haben.“ Der Unterschied bestehe allein darin, dass wir sichtbar gemäß diesen Dingen handeln, die Sterne aber unsichtbar und geistlich wirkten; dass er festsetzt, die durch Einbildungen vergifteten Sterne spien diese Pest eher auf die Menschen als auf andere Dinge aus, weil sie nämlich diese vernichten wollten, nicht andere Dinge.

Und was er an den angeführten Stellen der Einbildungskraft zuzuschreiben sagt, behauptet er anderswo vom Glauben, nicht von jenem, durch den wir auf Christus vertrauen, sondern vom angeborenen, wie er im Buch über die tartarischen unsichtbaren Krankheiten schreibt. Weil dazu hier über die Maßen wenig Zeugnisse hinzugefügt werden müssen, will ich nur einige nennen. „Wenn der Mensch“, sagt er im Buch über die Ursachen der unsichtbaren Krankheiten, „einen anderen mit einer Bombarde töten kann, kann er ihn weit mehr durch den Glauben töten. Denn er hat zwei Körper, und was der äußere sichtbar tut, das heißt mit der Bombarde, dasselbe tut der innere oder unsichtbare unsichtbar, das heißt durch den Glauben.“ Ebenso: „Was einer fest glaubt, das geschieht wegen der Gläubigkeit oft. Daher ist die französische Krankheit unheilbar geworden. Daher ist die Pest entstanden. Durch diesen Glauben verehren einige den Himmel, der danach nach ihrem Belieben oder Glauben Pestilenzen auf die Erde schickt.“ Aus diesen angeführten Zeugnissen ist offenkundig, dass er an diesen Stellen dasselbe Glauben genannt hat, was er oben feste Einbildungskraft nannte. Diese ungeheuerlichsten Missgeburten wird, glaube ich, niemand von mir widerlegt haben wollen, da sie sich bei allen Verständigen selbst überreichlich widerlegen. Aber auch das ist nicht dunkel, wie sehr es mit wahrer Frömmigkeit im Widerspruch steht, wenn er das, was allein der göttlichen Majestät eigen ist, der Einbildungskraft zuschreibt.

FURNIUS: Ich leugne nicht, dass manches zu absurd erscheint, als dass ich es billigen könnte, sofern es nicht vielleicht anders erklärt wird. Was er aber mit Avicenna und Pomponazzi gemeinsam hat, scheint nicht ohne Gründe zu sein; diese werde ich der Reihe nach vorbringen, sobald ich gesehen habe, was dagegen eingewendet wird.

ERASTUS: Aristoteles definiert die Einbildungskraft als eine Bewegung, die [p. 59] vom Sinn in Tätigkeit hervorgerufen wird, durch die nicht nur Tiere, sondern auch Menschen sehr vieles tun und erleiden. Die Ausleger bemerken treffend, dass er mit dieser Formulierung nicht ein Vermögen der Seele, sondern dessen Akt beschrieben habe. Ferner fordern sie zu beachten, dass er das Vermögen, das die einen das schätzende, die anderen das denkende nennen, die Lateiner unterscheiden diese beiden auch, und das sie auch den Tieren zugestehen, unter die Phantasie gefasst hat. Ihre Aufgabe ist es, die Abbilder der Dinge von den Sinnen in sich aufzunehmen und sie dem Geist zur Betrachtung darzubieten. Denn die Einbildungskraft ist für den Geist das, was Augen und andere Sinne für die Einbildungskraft sind, und was für schwächere Augen eine geeignete und passende Brille ist. Da nämlich unser Verstand, solange die Seele in diesem Körper lebt, nicht ohne ein Phantasma betrachten kann, war dieser Teil oder diese Kraft der Seele ganz notwendig. Denn obwohl unser Geist nicht immer Einzelnes beurteilt, sondern meist Allgemeines betrachtet, bedarf er dennoch auch zur Betrachtung dieses Allgemeinen der Gegenwart von Phantasmen. Denn wie jemand, der die Eigenschaft einer Figur unbestimmter Größe oder einer unendlichen Linie zu beweisen denkt, auf der Tafel eine Figur bestimmter Größe und eine endliche Linie zeichnet, an denen er sein Verhältnis darlegen kann, so muss der Verstand, sagt Aristoteles, ein einzelnes Phantasma betrachten, nicht insofern es ein Einzelnes ist, sondern insofern es die allgemeine Art andeutet. Die Einbildungskraft dient also beim Menschen dem Verstand, indem sie die von den Sinnen empfangenen Phantasmen bereitstellt. Bei den Tieren ist sie so mit dem Begehren verbunden, dass sie, sobald eine angenehme oder traurige Gestalt wahrgenommen ist, nicht umhinkönnen, sie sogleich entweder zu erstreben oder zurückzuweisen. Dies geschieht auch den Menschen, sooft die Vernunft durch Krankheit, Schlaf oder Affekte und Gemütsbewegungen gebunden und gehindert ist. In diesem Sinn sagte Aristoteles, auch von Menschen werde vieles durch die Phantasie getan. Denn Lebewesen tun nichts, bevor das Begehren von einer im Phantasievermögen haftenden Gestalt erregt wird. Von ani- [p. 60] malischem Begehren spreche ich, nicht von rein natürlichem, das ohne ausdrücklich vorhandene Gestalt in der Seele zu sein scheint. Dem Begehren gehorcht sogleich die bewegende und ausführende Kraft und vollzieht seine Befehle.

FURNIUS: Noch sehe ich nicht, worauf du hinauswillst.

ERASTUS: Darauf ging ich hinaus, dass du verstehst, wie die Gestalten der Phantasie ein Lebewesen bewegen. Sie bewegen nämlich auf keine andere Weise als durch Vergegenwärtigung und Entgegenstellung. Wie ein Spiegel, wenn er beseelt wäre, durch die Gestalten der ihm gegenübergestellten Dinge, die er in sich hat, die gegenüberliegenden Dinge wahrnähme und beurteilte, oder wie die Seele durch die Sinne, die von den Gestalten sinnlicher Dinge affiziert sind, die gegenwärtigen Dinge wahrnimmt und beurteilt, so nimmt und beurteilt sie fast ebenso dieselben abwesenden Dinge durch die Phantasie, die von den Abbildern der Sinne gleichsam verschiedenartig bemalt ist. Wenn sie etwas als zuträglich beurteilt, begehrt sie es sogleich; wenn sie es als unzuträglich empfindet, flieht sie davor. Wegen dieser Neigung und Flucht der Seele werden zusammen mit der Wärme die Lebensgeister, die ersten Werkzeuge der Seele, auf verschiedene Weise bewegt; und wegen ihrer verschiedenen Bewegungen entstehen in den Körpern der Lebewesen sehr verschiedene Leiden. Denn sie ziehen sich rasch zusammen, ergießen sich, werden wieder zurückgerufen, verdünnt, verdichtet, zerstreut, gesammelt, aufgelöst, beweglicher gemacht und plötzlich wiederum gleichsam erstarrt. Daher entstehen plötzliche Hitzen, unvermutete Abkühlungen, häufige Farbveränderungen, Zittern, Erstarrung, Erschlaffung des Bauches, Schwindel, Ohnmachten und bisweilen plötzlicher Tod; und unzählige andere derartige, durchaus bewunderungswürdige Dinge treten ein. Ich sage es mit einem Wort: Alles, was die Bewegung von Wärme, Geistern und Säften dem Körper an Gutem oder Schlechtem bringen kann, das alles kann in uns eine traurige oder angenehme Einbildungskraft bewirken. Wenn du meinst, dass dies wahr ist, da es mit Natur, Wahrheit, Erfahrung und schließlich mit den Ansichten aller gelehrten Männer übereinstimmt, werde ich fortfahren; wenn dir aber etwas falsch erscheint, möchte ich, dass du es anzeigst.

FURNIUS: Ich gestehe zu, dass die Augen nach Art eines Spiegels von den gegenüberliegenden Dingen Gestalten aufnehmen und dass die Seele, weil sie zugleich in ihnen ist, sieht. So bekenne ich auch, dass die Phantasie [p. 61] die zuvor von den Sinnen geschöpften Gestalten aufnimmt und dass, je nachdem sie als zuträglich oder unzuträglich erschienen sind, die Dinge entweder erstrebt oder gemieden werden, wodurch es geschieht, dass Geister, Wärme und Säfte verschieden bewegt werden. Auch das weiß ich: Vermögen werden durch Akte und Aufgaben unterschieden, Akte durch ihre Gegenstände. Aber wozu dies dient, weiß ich nicht, da wir ebendies der Einbildungskraft zuschreiben, freilich nicht nur dies allein.

ERASTUS: Es steht fest, dass die Einbildungskraft dazu geschaffen ist, die von den Sinnen aufgenommenen Abbilder der sinnlichen Dinge in deren Abwesenheit zu bewahren und sie dem Verstand, wenn es nötig ist, wieder vorzustellen. Sie bewegt also nur insofern, als durch das Entgegenstellen von Bildern, die etwas Gutes oder Schlechtes vergegenwärtigen, das Begehren zur Verfolgung oder Flucht erregt wird. Auch ist sie auf keine andere Weise Ursache von Affekten und Begierden, durch die die erschütterte Seele, indem sie die den Begierden gehorchenden Lebensgeister affiziert, so verschiedene Bewegungen hervorruft. Wie viel aber ein richtig gestimmtes Gemüt für die Gesundheit bedeutet und wie viel Übel bei Krankheiten ein verwirrtes Gemüt und widernatürlich aufgewühlte und bewegte Geister und Säfte hervorbringen, wissen Ärzte vortrefflich, die mit einigem Urteil häufiger bei Kranken gewesen sind. Daher sagen wir nicht, dass die Einbildungskraft bei Gesunden wie bei Kranken keine Wirksamkeit habe; aber dass sie auf andere Weise den eigenen oder einen fremden Körper bewege, ist weder wahr noch leicht vorstellbar.

FURNIUS: Das ist es, was du zu beweisen wissen musst.

ERASTUS: Der Name der Einbildungskraft wird nicht immer auf dieselbe Weise gebraucht, sondern bezeichnet bisweilen das Vermögen der Seele, durch das ein Lebewesen sich etwas vorstellen kann, auch wenn es sich gerade nichts vorstellt, das heißt, wenn es tatsächlich mit keiner Gestalt bemalt ist; bisweilen steht er für die vorgestellte Gestalt, wie wenn wir sagen, eine Chimäre sei nichts anderes als eine Einbildung. Meist aber finden wir ihn für die Handlung dieses Vermögens selbst gesetzt, wie wir das Sehen einen Akt des Auges nennen. Deshalb musst du zugestehen, dass entweder dieses Vermögen jene Wun- [p. 62] der hervorbringt, oder die in ihm gebildete Gestalt, oder der Akt des Vermögens selbst. Dass aber ein Vermögen, dem der Akt fehlt, weder einen fremden Körper verändern noch bewegen kann, bedarf keines Beweises. Denn bewegen heißt handeln. Handeln kann aber nichts, solange es Möglichkeit ist und was es ist. Wenn aber die Einbildungskraft einer Gestalt entbehrt und das Lebewesen sich nichts vorstellt, sagt man ebenso wenig, sie handle, wie man meinen kann, ein geschlossenes Auge sehe etwas, während das Lebewesen schläft. Füge hinzu, dass diejenigen, die jene wunderbaren Wirkungen der Einbildungskraft zuschreiben, sie nicht einem von der Handlung ruhenden Vermögen, sondern dem Akt selbst, und zwar einem sehr intensiven, zuschreiben. Doch auch der Einbildung kann eine solche Wirksamkeit nicht zugeschrieben werden, da diese Abbilder keine Dinge sind, sondern gleichsam gewisse Schatten von Dingen, wie sie in Spiegeln erscheinen. Wenn sie wahre Formen wären, würden sie von einer wirkenden Ursache aus der Möglichkeit ihres Subjekts herausgeführt; das geschieht aber keineswegs. Denn die Phantasmen entstehen nicht mehr aus der Möglichkeit des Gehirns oder aus seinen Geistern, in denen sie wie in einem Subjekt ausgedrückt werden, als die im Spiegel aufleuchtenden Bilder gegenübergestellter Dinge aus der Materie des Spiegels erzeugt werden. Wie diese von gegenüberliegenden Dingen ohne vorausgehende Veränderung im Spiegel erscheinen und mit bloßer Vervielfachung der Gegenstände vervielfältigt werden, so nimmt auch jene Einbildungskraft die Phantasmen von den Sinnen auf, bewahrt sie und bietet sie, verschiedenartig zusammensetzend, der Seele zur Erkenntnis dar. Jedes Subjekt pflegt auch von wahren Formen her benannt zu werden. Wir sagen nämlich, die Luft sei warm, kalt, dunkel, klar, weil sie offenbar mit diesen Qualitäten ausgestattet ist. Wir sagen aber nicht, sie sei rot, weiß, gelb, hölzern, steinern usw., insofern sie die Gestalten dieser Dinge nur in sich ausgebreitet enthält. So nennen wir einen Spiegel poliert oder rau; weiß aber, schwarz, blau, wässrig, feurig nennt ihn wegen der in ihm erscheinenden Gestalten dieser Dinge niemand. Ganz auf dieselbe Weise glauben wir auch nicht, dass das Gehirn oder seine Geister weiß, schwarz, rot, steinern, hölzern seien wegen der in ihnen ausgedrückten Gestalten. Denn [p. 63] das Gehirn des Arztes ist nicht krank oder feurig, wenn er sich Krankheit oder Feuer vorstellt; und deshalb sind diejenigen, die sich Gesundheit in der Einbildungskraft vorstellen, weder gesund, noch brennen jene, die sich Verbrennungen vorstellen. Ich schweige davon, dass die Formen so vieler und so großer, ja auch entgegengesetzter Dinge unmöglich in einer so engen Pupille aufgenommen und von dort an die inneren Sinne weitergegeben werden könnten, wenn sie reale Formen, wie man sagt, wären. Und da jede wahre Form notwendig mit ihrem Subjekt ausgedehnt wird, diese Darstellungen aber ganz in einem kleinsten Teil der Pupille enthalten sind, unterscheiden sie sich sehr von den Formen, die der Materie innewohnen und aus ihr herausgeführt sind. Ihre Natur ist so gering und fein, und sie sind so weit von den wahren Formen entfernt, die ihrer Materie innewohnen, dass sie zwar durch sie wahrgenommen werden, aber eigentlich selbst nicht wahrgenommen werden können. Aus diesem Grund sind sie treffend notional und intentional genannt worden, weil der Geist durch sie auf die Dinge selbst zielt. Dasselbe meinte Aristoteles, als er sagte, nicht Steine, sondern die Formen der Steine würden in die Sinne aufgenommen und gelangten zur Phantasie. Wenn also jedes Ding entsprechend seiner Wesensweise handelt und kein natürliches Ding über seine Natur hinaus etwas hervorbringen kann, denn alle Dinge erzeugen bei eindeutiger Zeugung entweder der Art nach Ähnliches oder ihnen Untergeordnetes, wobei das Wirkende immer der Art nach dem Hervorgebrachten ähnlich sein muss, diese Abbilder oder Erscheinungen aber keine Dinge sind, sondern Begriffe, Bilder, Zeichen der Dinge, ja Schatten, dann können auch sie allein dies wirken: nämlich abbilden, bezeichnen und vergegenwärtigen. Das Bild Caesars kann, insofern es Bild Caesars ist, nichts von dem ausüben, was Caesar zukommt: Heere aufstellen, sie gegen den Feind führen, Bedrängten Hilfe bringen; sondern als Bild kann es nur Caesars Züge vergegenwärtigen. Ebenso verhält es sich mit den Bildern und Begriffen, die in den äußeren wie inneren Sinnen gebildet werden. Denn da keiner wirklich existierenden Form von der Natur zugestanden ist, dass sie über und oberhalb ihrer Art durch sich etwas hervorbringe, wie kann man glauben, dass dies diesen dünnen Schatten gegeben sei? [p. 64] Wird etwa ein unkörperliches und nicht durch sich bestehendes Ding ein körperliches und bestehendes erzeugen? Es ist unmöglich, sage ich nochmals, dass Begriff, Bild oder Darstellung etwas anderes bewirke als zu bezeichnen und zu vergegenwärtigen, da sie von Gott zu nichts anderem gemacht ist. Dies zeigen die Gestalten, die in der Luft ausgebreitet sind und in Spiegeln aufleuchten, hinreichend. Denn sie verändern weder Luft noch Wasser noch Spiegel auf irgendeine Weise wirklich, sondern gehen und kommen mit den Dingen, deren Gestalten sie sind, ohne jede reale Veränderung der Spiegel oder Gewässer. Wenn Spiegel beseelt wären, dienten sie ihnen zur Auffassung und Erkenntnis. Da sie zu dieser Bewegung ungeeignet sind, werden sie von ihnen nicht bewegt, weil diese nicht anders bewegen können. Dies hat uns Aristoteles im zweiten Buch Über die Seele sehr treffend überliefert, wo er zeigt, dass Dinge, die des Sinnes entbehren, von sinnlichen Dingen nicht affiziert werden können. Der Geruch, sagt er, bewegt den Geruchssinn und ist riechbar, weil er vom Geruchssinn wahrgenommen wird. Was also des Geruchssinnes entbehrt, kann vom Geruch, insofern er Geruch ist, nichts erleiden. Derselbe Grund gilt für alle sinnlichen Dinge, insofern sie sinnlich sind. Denn sinnliche Dinge können allein die Sinne bewegen. Wenn sie nämlich andere Dinge bewegen, bewegen sie diese nicht, insofern sie sinnlich sind, sondern insofern sie in irgendeinem bestimmten Subjekt sind. Wenn daher dichtere Finsternis oder übermäßiges Licht oder heftigerer Donner Augen und Ohren verletzt, darf man nicht meinen, dies sei durch die sinnliche Gestalt geschehen, insofern sie sinnlich und ohne Materie ist, sondern durch warme, kalte, erschütterte, allzu erleuchtete und bewegte Luft. Was Aristoteles sehr wahr von der sinnlichen Gestalt gesagt hat, wird ebenso gut und wahr von der vorstellbaren Gestalt gesagt, die nicht mehr, sondern vielleicht weniger an der Materie teilhat als die sinnliche Gestalt. Die Abbilder der Einbildungskraft aber, durch die sie tatsächlich vorstellt, sind ihrer Natur nach nichts anderes als Bilder, Gestalten, Begriffe und geistige, nicht aber reale Darstellungen. Daher können sie nichts anderes bewirken als den Eindruck auf äußere oder innere Sinne zur Erkenntnis. Wenn sie also in dem Körper, in dem sie sind, nichts [p. 65] bewirken, aus welchem Grund sollten sie in einem fremden wirken? Oder auf welche Weise werden sie eine Seele bewegen, der sie nicht dargeboten werden? Dies geschieht genauso, als wenn du sagtest, die Augen eines Abwesenden sähen den, den ich allein, in einem Zimmer eingeschlossen, betrachte und den außer mir allein niemand sehen kann. Gewiss wird kein Mensch gesunden Verstandes glauben, dass aus meinem Gehirn das im Geist der Phantasie gebildete Bild hinausgehe und in den Kopf eines anderen Menschen eintrete. Selbst wenn dies in höchstem Maße geschehen könnte, müsste es dennoch nicht in derselben Weise in einem anderen Geist abgebildet werden. Denn wie dieselbe Sache in dem einen Spiegel deutlicher, bestimmter und passender, in einem anderen dunkler, verworrener und hässlicher abgebildet wird, so wird auch dasselbe Bild in dem einen und dem anderen Geist nicht auf gleiche Weise gemalt. Daher geschieht es, dass das, was der eine für schön hält, ein anderer als hässlich beurteilt, und was dem einen schrecklich erscheint, ein anderer leicht verachtet.

FURNIUS: Was ich hier einwenden wollte über die sinnlichen Gestalten, die den Sinn verderben, hast du mit Aristoteles vorweggenommen, und zugleich hast du mir in Erinnerung gerufen, was ich beinahe vergessen hatte, bei demselben gelesen zu haben: dass Holz nicht vom Donner gespalten wird, insofern dieser Klang ist, sondern insofern er mit heftiger Bewegung der Luft verbunden ist. Gewiss werde ich dem, was du eben gesagt hast, nicht sehr widersprechen, da ich meine, unser Theophrastus habe solche Kräfte weder dem Vermögen noch der Gestalt für sich zugesprochen, sondern der intensiven Handlung, wie ich dich selbst kurz zuvor habe behaupten hören.

ERASTUS: Aber auch hier irrt er nicht weniger, als wenn er irgendeines der zuvor Genannten behauptete. Denn wie der Akt der sinnlichen Sache der Zahl nach ein und derselbe Akt mit dem Sinn in Tätigkeit ist, so muss der Akt der vorstellbaren Sache der Zahl nach ein und derselbe mit dem Akt der Einbildungskraft sein. Denn aus dem Handelnden und dem Leidenden entsteht immer ein der Zahl nach einziger Akt. Wie daher das mit dem Sinn verbundene Sinnliche die Wahrnehmung bewirkt, so bewirkt das mit der Phantasie verbundene Vorstellbare den Akt des Vorstellens. Es ist aber gezeigt worden, dass die vorstellbare Gestalt keinen anderen Akt hat als die Vergegenwärtigung und deshalb der Phantasie nicht mehr geben kann, als das Abbild der Farbe den Augen gibt. Wenn [p. 66] du meinst, außer diesem Akt werde in der Einbildungskraft noch etwas erregt, dann wird dies im Organ der Phantasie so sein, wie im entzündeten Auge die Fähigkeit zu schaden ist, nicht insofern es Werkzeug des Sehens ist, sondern insofern es widernatürlich affiziert ist. Du wirst dies klarer verstehen, wenn du bei dir erwägst, was wahr ist: dass der Akt der Einbildungskraft in dem Vorstellenden verbleibt und sich nicht auf eine andere Sache überträgt. Wer aber sollte glauben, dass eine im Menschen verbleibende Handlung etwas außerhalb des Menschen verändern könne? Dies kommt allein Gott zu, keinem Geschöpf. Gewiss geschieht jede Handlung durch Berührung; aus diesem Grund ist ein bestimmter Raum oder Abstand erforderlich, durch den das Handelnde mit seiner Kraft das Leidende erreichen kann. Daher haben alle gelehrten Männer aller Zeiten zusammen mit Aristoteles im neunten Buch der Metaphysik sehr treffend und wahr geurteilt, dass eine übergehende Handlung nicht im Handelnden, sondern im Leidenden ist. Daraus folgt notwendig, dass allein jene Handlungen etwas außerhalb des Wirkenden selbst zustande bringen, die nicht im Wirkenden bleiben, sondern in das Leidende übergehen. Jede Einbildung aber ist ein im Vorstellenden verbleibender Akt. Denn sie ist eine gewisse Wahrnehmung. Ich glaube nämlich, niemand ist so roh und widersinnig, dass er meinte, das Sehen meiner Augen oder das Hören meiner Ohren sei zugleich in einem anderen als mir. Wie sollte nämlich mein Hören und Sehen das Hören eines anderen sein? So kann auch meine Einbildung nicht als Einbildung irgendeines anderen gedacht werden, obwohl nichts hindert, dass zwei dieselbe Sache sehen und ebenso dieselbe Sache vorstellen. Dennoch sind es zwei Einbildungen, da es zwei Vorstellende sind. Außerdem kann keine Auffassung oder Wahrnehmung für eine übergehende Handlung gehalten werden. Denn wie das Sehen nicht außerhalb der Augen ist und die Augen durch das Sehen, insofern sie sehen, die Farben nicht verändern, so vermag auch die Einbildungskraft keine äußere Sache zu verändern, deren Gestalt sie tatsächlich in sich anschaut und beurteilt. Gewiss erleiden Dinge, die weiß erscheinen, um ein Beispiel zu geben, nicht mehr, wenn sie von tausend Menschen angeschaut werden, als wenn sie von [p. 67] überhaupt niemandem gesehen werden. Denn eine sinnliche Sache wird durch die Handlung des Sinnes nicht verändert; durch diese pflegt das Lebewesen zu leiden und aufzunehmen, nicht zu handeln, es sei denn, das Organ sei zufällig mit irgendeiner schlechten Beschaffenheit versehen; dies aber kommt dem Sinn nur akzidentell zu, nicht an sich. Sehr weit nämlich unterscheidet sich das Verändernde und Handelnde vom Aufnehmenden und Erkennenden. Deshalb sucht kein gelehrter Mensch bewegende Affekte der Seele im aufnehmenden Vermögen, sondern in einem handelnden Vermögen, das mit zum Bewegen geeigneten Werkzeugen ausgestattet ist. Die Einbildungskraft aber ist ein Akt der Seele, der die den Sinnen eingeprägten Abbilder aufnimmt, beurteilt und dem Verstand vergegenwärtigt, so wie die Sinne dieselben von den ihnen gegenüberstehenden Dingen aufgenommen, beurteilt und an die Phantasie weitergegeben haben. Daher kann sie durch ihren Akt die vorgestellten Dinge nicht mehr bewegen als das Auge die gesehenen Dinge oder der Verstand die erkannten Dinge. Wenn die Dinge selbst von den erkennenden Vermögen verändert werden könnten, dann wäre jedes beliebige Ding schon so, wie es jeder einzelne durch Sinn, Einbildungskraft oder Verstand beurteilt hätte. Von der Wahrheit kann man sich kaum etwas noch Entfernteres vorstellen.

FURNIUS: So weit ich urteile, wollten jene Männer dies nicht sagen, wie schon daraus ersichtlich sein dürfte, dass sie behaupten, die Einbildungskraft könne ohne hinzutretendes heftiges Begehren nichts Derartiges. Weil aber ohne vorangehende Auffassung nichts begehrt werden kann, sagten sie, die Einbildungskraft tue, was das mit ihr verbundene Begehren vollendet, wie es bei Schwangeren geschieht. Denn nicht weil sie sich etwas eingebildet haben, sondern weil sie es zugleich ängstlich begehrten, prägen sie es dem Fötus ein.

ERASTUS: Dann setzen sie also verkehrt die Einbildungskraft als Ursache an, wenn das Begehren diese Dinge bewirkt. Denn wie niemand mit Recht dem Verstand zuschriebe, was dem Willen zukommt, so darf und kann der Einbildungskraft nicht zugeschrieben werden, was zum Begehren gehört. Denn wie das erkannte Gute der Gegenstand des Willens ist, von dem er wie von einem Ziel bewegt wird, so ist das durch die Einbildungskraft aufgefasste Gute Gegenstand des Begehrens. Aufgabe der Einbildungskraft ist es also, die von den Sinnen [p. 68] bereitgestellten Erscheinungen zu erfassen, zu beurteilen und dem Verstand zu vergegenwärtigen, nicht aber zum Haben oder Tun zu bewegen. Die Einbildungskraft verhält sich also zum Verlangen, etwas zu haben oder zu fliehen, wie der Verstand zum Willen. Denn in beiden Fällen folgt auf die Auffassung des Guten und Angenehmen das Begehren desselben; dieses ist von Wahrnehmung oder Erkenntnis völlig verschieden. So weit ist die Einbildungskraft davon entfernt, die Kraft zu besitzen, in einem fremden Körper etwas zu verändern, zu bewegen oder hervorzubringen, dass sie nicht einmal im eigenen Körper als wirksames Prinzip irgendeiner wahren Bewegung bezeichnet werden kann. Denn sie bewegt nicht durch Befehlen oder Bewirken, sondern durch Vergegenwärtigen und Beurteilen, wie wir es vom Verstand gesagt haben.

FURNIUS: Ich wundere mich, dass du nicht bemerkst, wie du allmählich aus dem Lager eures Aristoteles desertierst. Denn dieser hat ganz anders gedacht und geschrieben, sowohl anderswo als auch im Buch Über die Bewegung der Tiere, Kapitel 7, wo er so sagt: „Es verändern aber auch die Einbildungen, die Wahrnehmungen und die Gedanken. Denn die Wahrnehmungen sind sogleich gewisse Veränderungen. Die Phantasie aber und der Verstand haben das Vermögen der Dinge. Τρόπον γάρ τινὼ τὸ εἶδος τὸ νοούμενον τὸ τοῦ θερμοῦ καὶ ψυχροῦ ἢ ἡδέος ἢ φοβεροῦ τοιοῦτων τυγχάνειὸν, οῖονπερ καὶ τῶν πραγμάτων ἕκαστον· διὸ καὶ φρίττουσιν καὶ φοβοῦνται καὶ νοήσαντες μόνον. ταῦτα δὲ πάντα πάθη καὶ ἀλλοιώσεις εἰσίν.“ Das heißt: „Denn in gewisser Weise ist die gedachte Form des Warmen und Kalten oder des Angenehmen oder Furchterregenden von solcher Art, wie auch jedes dieser Dinge selbst; deshalb erschauern und fürchten sich Menschen auch dann, wenn sie es nur gedacht haben. All dies aber sind Affekte und Veränderungen.“ In diesen Worten gibt es vieles, was der Betrachtung wert ist. Erstens, dass er sagt, Einbildungen und Sinne veränderten, was du leugnest. Zweitens, dass er dies von den sinnlichen Dingen als gewiss voraussetzt, von der Einbildungskraft und dem Verstand aber dadurch beweist, dass sie zwar nicht die Dinge selbst besitzen, wohl aber die Macht dieser Dinge bewahren. Dies wiederum zeigt er daraus, dass die durch Phantasie oder Geist erfasste Gestalt den Dingen selbst ähnlich wird. Denn, sagt er, wenn Menschen nur an Kälte und an etwas Furchterregendes denken, frieren sie und fürchten sich. Da dies Veränderungen sind, steht fest, dass Bilder und Gedanken verändern. Gegen Ende des Buches wiederholt er fast dasselbe. Nachdem er nämlich gesagt hatte, die natürlichen und die widervernünftigen Bewegungen der Teile geschähen ἀλλοιώσεως συμπτώσεως, das heißt „infolge einer Veränderung“, fügt er den Grund hinzu und sagt: „Denn die Einbildungskraft und der Verstand bringen, wie zuvor gesagt wurde, τὰ ποιητικὰ τῶν πραγμάτων προσφέρει· τὰ γὰρ εἴδη τῶν ποιητικῶν προσφέρει.“ Das heißt: „sie bringen die wirkenden Ursachen der Dinge herbei; denn sie bringen die Formen der wirkenden Ursachen herbei.“

ERASTUS: Wenn Aristoteles an dieser Stelle etwas gesagt hätte, was der Wahrheit fremd ist, würde ich nicht zögern, ihn zu verlassen und der Wahrheit anzuhangen, die uns älter sein muss als die Autorität irgendeines Menschen, wie hoch und berühmt er auch sei. Ich gehöre nämlich nicht zu jener parteiischen Sorte von Leuten, die lieber die Wahrheit verraten, als von dem abzugehen, den sie sich zum Führer ihrer Studien erwählt haben. Ich habe gezeigt, dass die in der Einbildungskraft aufgenommenen Gestalten nichts anderes sind als Abbilder und Gleichnisse der Dinge und daher keine andere Kraft haben können als die des Vergegenwärtigens oder Abbildens. Denn wie derjenige, der mit einem Ring Wachs siegelt, sagt Aristoteles im zweiten Buch Über die Seele und im Buch Über Gedächtnis und Erinnerung, nur das Zeichen im Wachs zurücklässt, ohne jede Qualität oder Kraft des Goldes, Silbers oder Eisens, so prägen sinnliche Dinge ihre Gestalten oder Bilder den Sinnen ein, besonders aber dem Gesicht und Gehör, ohne jede reale Qualität und Natur der Gegenstände. Aus welchem Grund also sollte man meinen, sie täten etwas anderes, als die Dinge zu vergegenwärtigen, deren Bilder sie sind?

FURNIUS: Wie also sagte Aristoteles, die Einbildungskraft verändere?

ERASTUS: Insofern sie die Gestalten wirksamer Dinge, das heißt angenehmer oder betrübender Dinge, darbietet, wie aus seinen letzten von dir angeführten Worten ganz klar hervorgeht. Denn sooft sie eine Sache, deren Gestalt sie empfangen hat, als angenehm und zuträglich beurteilt, verfolgt das Begehren sie, wobei es sich der Geister als Werkzeug bedient; aus deren Bewegung wird der Körper verändert. Die Phantasie heißt also verändernd, weil sie die Gestalt einer erstrebenswerten Sache in sich hat, die nach Art eines Zieles bewegt und selbst bewegend, nicht bewegt ist. Diese ganze Sache erklärt er ausdrücklich im zweiten Buch Über die Seele, wo er in Kapitel 10 unter anderem sagt, τὸ ὀρεκτὸν bewege zuerst unbewegt τῷ νοηθῆναι ἢ φαντασθῆναι, das heißt: „das Begehrenswerte bewegt zuerst, ohne selbst bewegt zu werden, dadurch, dass es erkannt oder vorgestellt wird.“ Die Phantasie bewegt also insofern, als sie irgendeine Sache als angenehm oder unangenehm beurteilt; sie selbst aber ist nicht auf andere Weise an sich Prinzip der Bewegung. Dies hat er durch das Beispiel der ärztlichen Kunst erklärt, indem er sagt: Die ärztliche Kunst, die jemand besitzt, heilt nicht, insofern er die Kunst besitzt, als ob das Prinzip der Bewegung, das heißt der Behandlung, ein anderes wäre. Denn der Arzt wird zur Heilung entweder durch Hoffnung auf Gewinn oder durch Mitleid mit dem Kranken oder aus einem ähnlichen Grund getrieben; er wird nicht von seiner Kunst selbst zum Werk erregt. Die Kunst ist nämlich die richtige Vernunft des Handelns, nach deren Vorschrift der Arzt zwar handelt, sobald er durch etwas Erstrebenswertes erregt ist; sie ist aber nicht jenes Prinzip, von dem er zum Handeln gemäß der Vorschrift der Kunst, die er besitzt, bewegt wird. Fast ebenso verhält es sich mit der Einbildungskraft, die weder selbst flieht noch etwas verfolgt, sondern vorlegt und zeigt, was zu meiden oder zu erstreben ist. Dies hat Aristoteles sehr treffend mit diesen Worten gelehrt: ὅλως μὲν οὖν, ὥσπερ εἴρηται, ἡ ὀρεκτικὸν τὸ ζῷον, ταύτῃ ἑαυτὸ κινήσον· ὀρεκτικὸν δὲ οὐκ ἄνευ φαντασίας. Das heißt sinngemäß: „Überhaupt also bewegt sich das Lebewesen, wie gesagt, insofern es begehrend ist, selbst; begehrend ist es aber nicht ohne Phantasie.“ Nichts, glaube ich, könnte deutlicher unser Vorhaben erklären und fester beweisen. Gewiss bewegt die Phantasie ohne Begehren nicht mehr, als die ärztliche Kunst ohne den Wunsch zu heilen bewegt. Deshalb hat Aristoteles wahrheitsgemäß behauptet, die Vorstellung einer furchtbaren Sache erschrecke uns; die Einbildung solcher Dinge aber affiziere uns nicht anders, als wenn wir ein Gemälde betrachteten, sooft wir überzeugt sind, dass das Schreckliche, das wir uns so vorstellen, uns nichts angeht. Daraus geht klar hervor, dass die Einbildungskraft für sich allein nicht bewegt, sondern nur die Gestalten bewegender Dinge vergegenwärtigt; mit dem Begehren verbunden aber bewegt sie insoweit, als sie die vorgestellten Dinge entweder als angenehm und zu erstreben oder als traurig und zu fliehen beurteilt hat. Nichts anderes hat Aristoteles an der von dir angeführten Stelle gesagt und gemeint. „Die Phantasie und der Verstand“, sagt er, „haben die δύναμιν“, das heißt „die Kraft“ oder „das Vermögen“, der Dinge. Er sagt nicht, die Dinge selbst seien in der Phantasie vorhanden, sondern eine gewisse Fähigkeit derselben; und dies beweist er so: Diejenigen Gestalten, die in sich gewissermaßen dasselbe bewirken, was die Dinge, deren Gestalten sie sind, bewirken können, haben gewissermaßen die Kräfte der Dinge in sich. Die Gestalten der Einbildungskraft aber tun gewissermaßen dasselbe, was die Dinge selbst zu tun pflegen. Denn diejenigen, die Kaltes und Furchterregendes nur verstehen oder sich vorstellen, frieren oder fürchten sich, als ob die Dinge selbst gegenwärtig wären. Daher besitzt sie auch die δύναμιν oder Fähigkeit dieser Dinge. Einbildungskraft und Verstand haben also nicht die Dinge selbst in sich, sondern die Gestalten der Dinge, die Kälte und Schrecken vergegenwärtigen, welche die Sache selbst herbeiführt; aus diesem Grund heißt es, sie bewahrten deren Kraft. Deshalb sagte er am Ende des Buches, die Einbildungskraft biete die wirkenden Dinge dar, insofern sie die Gestalten der Dinge darbietet.

FURNIUS: Aristoteles sagt mit offenen Worten, Sinne, Phantasie und Verstand seien Veränderungen; folglich meinte er nicht, dass in der Einbildungskraft nur bloße Vergegenwärtigungen ausgedrückt seien.

ERASTUS: Wenn du es von einer geistigen und vervollkommnenden Veränderung verstehen willst, könnten wir leicht übereinkommen. Wenn du aber meinst, die in der Einbildungskraft aufgenommene Gestalt der Kälte sei nicht nur der Darstellung nach, sondern auch tatsächlich kalt, werden wir niemals übereinkommen können, da gezeigt worden ist, dass jene Gestalten nicht real sind und deshalb durch sich keine materielle Veränderung einführen können. Sie verändern aber akzidentell, weil sie eine angenehme oder betrübende Sache vergegenwärtigen, das Begehren bewegen und durch dieses verschiedene Bewegungen in den Geistern und Säften hervorrufen.

FURNIUS: Wirst du also auch leugnen, dass Wahrnehmungen materielle Veränderungen sind? Aristoteles sagt ja in den zuvor angeführten Worten klar, Wahrnehmungen seien sogleich und ohne Mittel Veränderungen: αἱ γὰρ αἰσθήσεις, sagt er, νευ μέσου ἀλλοιώσεις τινες εἰσι. Das heißt: „Denn die Wahrnehmungen sind ohne Mittel gewisse Veränderungen.“

ERASTUS: Selbst wenn ich dir dies von allen äußeren Sinnen zugestände, kann es doch von den inneren Sinnen, über die wir gegenwärtig miteinander disputieren, nicht zugestanden werden. Denn nachdem er anfangs gesagt hatte, Sinne, Phantasie und Verstand veränderten, sagt er bald darauf, die äußeren Sinne seien sogleich gewisse Veränderungen; von den inneren Sinnen aber, etwa von der Phantasie, behauptet er keineswegs, sie seien auf dieselbe Weise Veränderung, sondern sagt nur, sie hätten die Fähigkeit oder δύναμιν, das heißt das Vermögen, der Dinge.

Und damit niemand meinte, jene Abbilder hätten tatsächlich die Kraft jener Dinge, deren Abbilder sie sind, erklärt er sich selbst, indem er sagt: Die Gestalt ist nämlich in einer bestimmten Weise ähnlich, das heißt, sie hat eine ähnliche Fähigkeit wie die Dinge selbst. Wenn du fragst, welches diese Weise sei, antwortet er: Es ist die Vergegenwärtigung. Denn sie vergegenwärtigen und bezeichnen, ob die Dinge, die sie vergegenwärtigen, zu erstreben oder zu meiden sind. Dies kann nicht geschehen, wenn nicht zuvor erkannt worden ist, ob etwas dem Lebewesen angemessen oder unangemessen ist. Deshalb, sagt er, wenn das Lebewesen etwas Furchterregendes nur versteht oder vorstellt, erschauert es und friert. Daher führt die vorgestellte Gestalt Kälte und Schauer nicht ein, insofern sie als Gestalt in der Einbildungskraft besteht, denn so würden auch Spiegel von solchen Dingen erwärmt und abgekühlt, sondern insofern sie als angenehm oder betrübend beurteilt worden ist, das heißt, insofern sie als zu erstreben oder zurückzuweisen erscheint. Denn wie ich oben aus Aristoteles bemerkte, werden wir, wenn wir uns ganz absurde Schreckbilder vorstellen, von denen wir wissen, dass uns durch sie kein Übel widerfahren kann, so affiziert, als sähen wir ein leeres und erfundenes Gemälde. Die vorgestellte Gestalt verändert also nicht an sich, sondern akzidentell, insofern sie nämlich eine nützliche oder schädliche Sache vergegenwärtigt, und durch das Begehren führen die bewegten Geister Veränderungen herbei.

FURNIUS: Ich sehe aber nicht: Wenn die Gestalten der sinnlichen Dinge die Kraft zu verändern haben, was du mit Aristoteles zuzugestehen scheinst, warum sollten dann nicht auch die Bilder oder Gestalten der Einbildungskraft dieselbe Macht behalten?

ERASTUS: Ich gestehe nicht zu, dass die Gestalten aller sinnlichen Dinge eine reale oder materielle oder passive Veränderung herbeiführen, sondern nur die des Geschmacks und besonders die des Tastsinns, von denen auch Aristoteles an der von dir angeführten Stelle vor allem spricht. Gesicht und Gehör nehmen nur Gestalten von Dingen auf, die in der Ferne liegen. Geschmack und Tastsinn nehmen die sinnlichen Qualitäten selbst auf, nicht nur deren geistige Gestalten. Denn der Geschmack nimmt die Geschmäcke oder der Tastsinn die tastbaren Qualitäten nur wahr, wenn sie die Werkzeuge dieser Sinne berühren. Da nämlich die Lebewesen nicht von den Gestalten der Speisen und Getränke, sondern von den Speisen und Getränken selbst genährt werden und diese in die Körper eindringen müssen, ist es mit Recht so eingerichtet, dass der Geschmack die Geschmäcke selbst wahrnimmt, die von den ihnen zugrunde liegenden Dingen keineswegs getrennt sind. Aus diesem Grund wohnt er in jenem einen Teil des Körpers, in dem die Natur den Nahrungsmitteln den Weg zum Magen vorgegeben hat. Den Tastsinn aber hat sie, weil er die Gattungen jener Dinge wahrnehmen musste, durch die das Lebewesen zugrunde geht oder bewahrt wird, über den ganzen Körper ausgedehnt. Die Teile der Lebewesen leiden nicht unter den geistigen Gestalten der tastbaren Qualitäten, sondern unter den Qualitäten selbst, denen sie immer wieder begegnen. Da diese auch in den Nahrungsmitteln selbst enthalten sind, von denen die einzelnen Lebewesen genährt werden, mussten sie mit Recht die Qualitäten selbst wahrnehmen. Wir werden von ebenjenen Dingen ernährt, aus denen wir bestehen. Die Teile der Lebewesen bestehen aber aus Dingen, die tastbare Qualitäten in sich haben, nicht aus solchen, die nur Gestalten besäßen. Daher werden wir auch von Dingen genährt, die mit jenen Qualitäten ausgestattet sind. Farben aber und duftende Luft mussten nicht in unsere Körper eintreten, sondern es genügte, dass sie wahrgenommen wurden. Denn diese Sinne dienen zuerst und hauptsächlich der Erkenntnis; sie sind für das Sein der Lebewesen nicht in gleicher Weise notwendig wie Geschmack und Tastsinn. Es genügte also, dass Gesicht und Gehör Gestalten aufnahmen.

FURNIUS: Wenn wahr ist, was von dir gewiss wahrscheinlich gesagt wird, muss falsch sein, was Aristoteles behauptete: dass ein dem Sinn auferlegtes Sinnliches nicht wahrgenommen werde. Geschmack und Wärme werden nämlich wahrgenommen, wenn sie eben diesen Werkzeugen der Sinne auferlegt sind; und nicht jede Wahrnehmung geschieht durch ein Medium.

ERASTUS: Es folgt nicht, dass, wenn ein Medium vorhanden ist, im Sinn nur eine geistige Gestalt aufgenommen wird, nicht auch eine sinnliche Qualität. Denn Aristoteles setzt ein doppeltes Medium an: ein äußeres oder fremdes und ein angeborenes. Jenes schreibt er Gesicht und Gehör zu, dieses Geschmack und Tastsinn. Der Geruch ist, wie er dazwischen steht, so beinahe beiden verwandt. Jenes, sagt er, werde zuerst vom Gegenstand des Sinnes verändert, und von ihm werde danach der Sinn affiziert. Dieses aber werde zugleich mit dem Sinn getroffen. Er erklärt dies durch das Beispiel eines Menschen, der durch einen vorgehaltenen oder getroffenen Schild getroffen wird. Wie, sagt er, nicht zuerst der Schild getroffen wird und von diesem dann der Mensch, sondern beide zugleich, so verhält es sich bei der Wahrnehmung von Geschmäcken und tastbaren Qualitäten. Denn zugleich werden Medium und Sinn affiziert. Und wie ein Mensch auch ohne Schild, wenn er getroffen wird, niedergeworfen werden kann, so können die tastbaren Dinge auch ohne Medium vom Tastsinn wahrgenommen werden. Aber ich bekenne freimütig, dass ich hier, durch die Evidenz der Dinge selbst gezwungen, von Aristoteles abweiche. Denn auch wenn es beim Geschmack als Medium die Feuchtigkeit gibt, so bewegt diese dennoch nach dem Zeugnis des Aristoteles selbst den Geschmack nur insofern, als sie den Geschmack aktuell beigemischt enthält. Beim Tastsinn aber darf man überhaupt kein solches Medium erdichten, wie es zum Sehen erforderlich ist. Denn wenn du auch die ἐπιδερμίδα, das heißt „Oberhaut“, ansetzt, hast du nichts gewonnen. Ist diese entfernt, fühlt die Haut das ihr aufgelegte Feuer, Wasser usw. genauer und schneller. Und wenn du die Haut vom Fleisch entblößt, wird dieses stärker verletzt und empfindet schärfer. Wenn du auch dieses vom Nerv trennst, wird der Nerv alles, was herangebracht wird, äußerst scharf und sehr schnell empfinden. Gewiss scheint unser Galen hier in einigen Dingen bei weitem richtiger gedacht zu haben als Aristoteles.

FURNIUS: Leugnest du also, dass es wahr sei, dass alle Sinne die Gestalten ohne die Dinge aufnehmen, deren Gestalten sie sind?

ERASTUS: Ich leugne es, wenn du unter Dingen die sinnlichen Qualitäten verstehst und von den Werkzeugen der äußeren Sinne sprichst. Denn von den inneren Sinnen, wie dem Gemeinsinn, der der oberste Sinn ist, und der Phantasie, ist es vollkommen wahr. Denn die Phantasie oder der Gemeinsinn wird von der Gestalt der Wärme oder Kälte nicht so erwärmt oder abgekühlt wie Haut, Fleisch, Nerven usw. Daraus wird klar ersichtlich, dass ein ganz gewaltiger Unterschied besteht. Aus dem Vorhergesagten geht hervor, dass die Phantasie weder dann, wenn sie der Gestalt entbehrt, noch dann, wenn sie diese tatsächlich betrachtet, die bewirkende Ursache der vorgestellten Dinge ist. Dass aber die in der Einbildungskraft gemalten Gestalten durch sich nichts anderes tun als vergegenwärtigen, ist ganz klar gezeigt worden. Damit [p. 75] dies auch die ganz Ungebildeten verstehen, muss ich die unglaubliche Schläfrigkeit oder Unwissenheit oder den Irrtum des Petrus Pomponatius, oder wie man es sonst nennen will, widerlegen, bevor wir zu anderem übergehen, falls du nicht anderer Ansicht bist.

FURNIUS: Obwohl mir nicht viel daran liegt, was Pomponatius geschrieben hat, höre ich doch gern zu, weil du die Erklärung dieser Sache für unsere Erörterung nützlich hältst.

ERASTUS: Pomponatius missbraucht in seinem ganz und gar gottlosen und ruchlosen Buch über die Beschwörungen das Zeugnis des Aristoteles, das er nach seinem Nutzen zitiert, hässlich und schändlich, um die Gaukeleien betrügerischer Magier zu entschuldigen und sogar zu befestigen. Denn er versucht durch jene Worte zu zeigen, dass die geistige Gestalt einer Sache die Sache selbst hervorbringe, deren Gestalt sie ist, sofern nur sowohl das Wirkende stark als auch das Leidende recht disponiert sei. Kaum ein größerer Wahnsinn hätte einen Menschen befallen können, der sich als Schüler des Aristoteles ausgibt. Denn wer, der in dessen Schriften bewandert ist, weiß nicht, dass jedes Ding so handelt, wie und insofern es ist? Die in der Einbildungskraft existierende Gestalt hat aber ein äußerst geringes Sein, nämlich ein geistiges; und sie ist nichts anderes als Erscheinungen oder Gesichte und Bilder. Daher können sie nichts bewirken als vergegenwärtigen und abbilden, und zwar auf geistige Weise. Wenn du denkst, sie täten darüber hinaus noch etwas, dann handeln sie über ihren Akt, über ihre Natur und ihre Kräfte hinaus. Dass sie aber nichts anderes tun, als die Dinge zu vergegenwärtigen, deren gewisse Abbilder sie sind, geht daraus ganz klar hervor, dass das Lebewesen solche Phantasmen in sich weder ergreift noch flieht, sondern die wirklichen Dinge verfolgt und meidet, die außerhalb seiner liegen und die jene vergegenwärtigen. Die Natur selbst hat gelehrt, dass nicht diese zu fliehen oder zu erstreben sind, da sie nichts anderes sind als Bilder und gewisse Darstellungen von Dingen, die zu fliehen und zu erstreben sind. Gewiss meinte Aristoteles, die Gegenstände seien bewegende, nicht bewegte Dinge und bewegten wie Ziele; dass Abbilder von Gegenständen anders bewegten als durch Vergegenwärtigung, hat er niemals und nirgends behauptet. Wer hat jemals das Bild des Fürsten der Türken [p. 76] wie einen Feind gefürchtet oder geglaubt, es werde ihm dadurch Gefahr bereitet? Wer aber denkt nicht, wenn er es ansieht, bei sich, wie groß die Grausamkeit und Macht jenes Fürsten oder Tyrannen sei? Gleichwohl hat die Gestalt irgendeiner Sache nicht mehr Kräfte, als das Bild des türkischen Kaisers jene Macht besitzt, gestützt auf welche der Türke seine Nachbarn erschreckt. Wie dieses Bild uns den Türken vergegenwärtigt und keine andere Kraft besitzt, so stellen auch jene Gestalten uns die zu erkennenden Dinge vor; dies ist ihre ganze und einzige Macht.

Betrachten wir auch dies: Aus welcher Materie sollen jene Gestalten die Dinge selbst hervorbringen? Denn was immer entsteht, entsteht nicht nur als etwas, sondern auch von etwas, aus etwas und in etwas. Als Baumeister haben wir die der Einbildungskraft eingeprägte Gestalt; was entstehen soll, wissen wir, denn wir setzen ja schon, dass außerhalb von uns das entsteht, was wir in uns vorgestellt haben, nämlich die durch die Gestalt vergegenwärtigten Dinge. Aus welcher Materie aber jene Dinge hervorgebracht werden und an welchem Ort sie erzeugt werden, ist noch nicht erklärt. Freilich ist auch dies höchst bewundernswert, dass Pomponatius die Gestalt, die nichts Reales ist, wie man in den Schulen sagt, zum Werkmeister der Dinge macht, etwa das Bild des Goldes zur bewirkenden Ursache wahren Goldes. Wenn Pomponatius wusste, dass dies wahr ist, hat er höchst unmenschlich gehandelt, weil er es die Alchemisten nicht lehrte, damit sie fortan nicht unter so großer eigener Gefahr vergeblich in giftige Asche bliesen. Noch schwerer sündigte er, weil er jene goldene Medusa nicht den unglücklichsten Menschen zeigte, die nichts anderes als Gold denken, ob sie wachen oder schlafen, damit sie, sie fester anschauend, ganz zu Gold würden und endlich jenen ihren heiligen Hunger stillten. Noch bewundernswerter ist, dass sie Gold aus keiner Materie herstellt. Die Gestalt selbst wird nicht in Gold verwandelt, denke ich, da sie nichts Reales ist. Auch wird sie nicht sich selbst verwandeln, da in ihr keine Verschiedenheit der Natur ist. Aber auch aus dem Geist wird sie es nicht errichten, wie ich meine, da nicht im ganzen Gehirn so viel vorhanden ist, dass aus ihnen, verdichtet, ein Körnchen Gold gemacht werden könnte. Wird sie es also aus den Säften [p. 77] oder gar aus dem Gehirn selbst erschaffen? Jene würden dann zur Ernährung, dieses aber zu den Handlungen des Lebens ungeeignet. Wenn aber jemand ohne Materie dadurch, dass er angestrengt und fest vorstellt, erlangen kann, was er begehrt, dann handeln sowohl Ärzte als auch Kranke höchst töricht, weil jene lieber durch die Fähigkeiten der größtenteils unangenehmen Heilmittel heilen und diese lieber durch sie genesen wollen, statt durch die Kräfte der Einbildungskraft. Ja, alle Künste sind dann unnütz und töricht, alle Bemühungen der Menschen vergeblich, Reichtum, Wissen und Tugenden werden umsonst mit Mühen und Gefahren gesucht, da eine feste und angespannte Einbildungskraft all dies leisten kann. Wenn dies gesetzt ist, wäre die Phantasie nicht nur unter den natürlichen Dingen die edelste, sondern geradezu göttlich und sogar ein gewisser Gott. Denn aus einem Nicht-Körper Körper hervorzubringen, ist die Handlung schöpferischer Macht, die Gott keinem Geschöpf mitgeteilt hat. Inzwischen steht fest, dass Pomponatius, auch wenn er die Geister als Werkzeuge ansetzt, keine Materie erwähnt, aus der durch die bereits genannten Werkzeuge die Dinge herausgeführt würden. Höchst bewundernswert ist, dass Aristoteles sagt, die Gestalten seien τρόπον τινά, das heißt „in gewisser Weise“, den Dingen ähnlich, Pomponatius aber behauptet, die Dinge selbst könnten von ihnen erzeugt werden, zumal Aristoteles erklärt, in welcher Hinsicht sie ähnlich seien, nämlich insofern sie die erkannten τὰ πράγματα, das heißt „Dinge“ oder „Sachverhalte“, vergegenwärtigen. Wenn sie die Dinge hervorbringen könnten, die sie vergegenwärtigen, würde das Begehren niemals etwas außer ihnen erstreben. Es erstrebt aber nicht die Phantasmen, die es in sich hat, sondern jene außerhalb liegenden Dinge, die die in der Phantasie empfangenen Abbilder nur bezeichnen.

FURNIUS: Dennoch beweist er seine Meinung durch Erfahrungen und überdies durch Vernunftgründe. Aristoteles, sagt er, berichte im neunten Buch der Tiergeschichte, im vorletzten Kapitel, dass siegreiche Hennen Kamm und Schwanz aufrichten, den Hähnen ähnlich werden und versuchen, auf herankommende Tiere zu steigen, sodass schwer zu erkennen sei, ob sie Hähne oder Hennen seien. Aber auch manche Hähne seien beobachtet worden, die das Amt der Mütter übernehmen, und einige seien von Geburt an so verweichlicht hervorgegangen, dass sie andere herankommende Hähne duldeten. Bald darauf schreibt er vieles aus Marsilio Ficino über die vier Affekte der Seele ab; unter diesen scheint nicht verächtlich zu sein, was er über die Begierde Schwangerer, Bezauberungen und das Verlangen Gefräßiger aufzählt. Schließlich beweist er es mit folgendem Vernunftgrund: Die Ideen sind im göttlichen Geist, in den Intelligenzen und in unserer Seele κατ᾽ ἀναλογίαν, das heißt „der Analogie nach“. Wie also Gott durch die Ideen die Welt ohne Werkzeuge erschaffen hat und die Ideen der Intelligenzen durch die Himmel als ewige Werkzeuge wirken, so führen die Ideen unserer Seele durch vergängliche Werkzeuge, nämlich Geist und Blut, ihre Wirkungen aus.

ERASTUS: Das ist gewiss ein vortrefflicher und ganz peripatetischer Vernunftgrund, versteht sich! Wer hätte je zugestanden, dass die Idee, insofern sie Idee oder Urbild ist, eine bewirkende Ursache sei? Gewiss haben alle Philosophen, selbst die Platoniker, die Verteidiger der exemplarischen Ursache, diese von der bewirkenden Ursache unterschieden. Denn sie ist keine bewirkende Ursache, sondern ein Vorbild, nach dem eine wirkende Ursache etwas verfertigt. Oben habe ich aus Aristoteles gelehrt, dass die ärztliche Kunst nicht das Prinzip der Heilbehandlung ist, sondern Norm und Regel, ebenso wie das Bild eines Hauses im Geist des Baumeisters nicht die bewirkende Ursache des Bauens oder des Hauses ist, sondern das Vorbild, nach dessen Ähnlichkeit der Baumeister das Haus errichtet. Wenn aber die Ideen in Gott erschaffen, so unterscheiden sie sich aufs Weiteste von den Ideen unserer Seelen, die nichts anderes sind als Abbilder von durch die Sinne wahrgenommenen Dingen. Deshalb können sie nicht miteinander verglichen werden. Denn die Idee in Gott, über die Intelligenzen und ihre Ideen werden wir an ihrem Ort später etwas sagen, ist kein Akzidens in Gott; in uns aber ist sie ein Akzidens, und zwar ein geistiges, kein reales, das bald da ist, bald unzählige Male abwesend ist. Dieser Vernunftgrund ist also nicht nur sophistisch, sondern völlig abgeschmackt und eines Beschwörers Pomponatius aufs Würdigste.

FURNIUS: Du bestreitest, dass die Idee oder das Urbild wirkt, obwohl die Erfahrung selbst, die Lehrmeisterin der Dinge, uns das Gegenteil zeigt. Was denn? Verschließt du nicht täglich mit deinem Ring Briefe, indem du das Bild der Gravur dem Wachs einprägst? Hier bildet doch gewiss das Bild des Rings ein ähnliches Bild im Wachs [p. 79] aus.

ERASTUS: Von mir ist richtig gesagt worden, dass kein Bild, insofern es nur Bild ist, etwas anderes bewirkt als zu vergegenwärtigen. Denn Bild sein heißt Darstellung sein. Wenn es darüber hinaus etwas wirkt, ist es nicht mehr bloß Bild, sondern besitzt eine andere Natur, die mit dem Wesen des Bildes verbunden ist. So ist in einem goldenen oder eisernen Ring nicht bloß ein Bild, sondern eine Ungleichheit und Härte der Teile. Einige Teile sind nämlich erhaben, andere vertieft. Von diesen, nicht vom Bild, insofern es Bild ist, werden auch die Teile des Wachses teils stärker, teils weniger eingedrückt, sodass sie ein Bild wiedergeben, das demjenigen im Ring ähnlich ist. Du wirst klar verstehen, dass sich die Sache so verhält, wenn du ein Bild entweder in Wasser oder in sehr weiches Wachs eindrückst und mit diesem anderes Wachs siegeln willst. Du wirst vergeblich arbeiten, wie offenkundig ist. Der Grund ist, dass die Teile des Wassers und des Wachses nicht hart sind wie die des Eisens, Goldes oder der Steine. Wenn der Eindruck in das Wachs aber nicht von der Härte der Materie geschähe, in der das Bild ist, sondern vom Bild, insofern es Bild ist, dann könntest du mit demselben Bild, auch wenn es in noch so weicher Materie vorhanden wäre, ein ähnliches Bild in jede beliebige Materie eingraben.

FURNIUS: Das bestreite ich nicht.

ERASTUS: Mit den Erfahrungen, die er vorbringt, beweist er ebenso viel. Denn folgt etwa daraus, dass irgendeine kämpfende Henne gesiegt hat, dass die Gestalten der Phantasie die vorgestellten Dinge hervorbringen? Wer hat Pomponatius gesagt, jene Henne habe sich Sieg und die Natur des Hahns eingebildet? Oft siegen Hennen, ja täglich siegen irgendwelche, und dennoch verändern sie dadurch nicht ihre Natur. Wenn dies irgendwann geschehen ist, geschah es nicht wegen der Einbildung eines Triumphes aufgrund des Sieges, sondern wegen der männlichen Natur der Henne, die Ursache des Sieges war; nicht aber hat der Sieg erst eine solche Natur hervorgebracht. Auch wäre es nicht unmöglich, obwohl es selten geschähe, dass eine Henne in einen Hahn verwandelt wird oder eine der Natur des Hahns verwandte Beschaffenheit erlangt, wenn wahr ist, was Hippokrates im sechsten Buch der Epidemien, Plinius Buch 7, Kapitel 4, Livius im vierten Buch des Punischen Krieges und Amatus Lusitanus, zweite Centurie, Heilung 39, über Frauen geschrieben haben, die in Männer oder Mannweiber verwandelt wurden. Gewiss werden zu allen Zeiten und an allen Orten viele Mannweiber geboren. [p. 80] Es gibt keinen Grund, warum nicht auch bei anderen Gattungen der Analogie nach bisweilen etwas Derartiges eintreten könnte. Was er aus Marsilio über die Affekte der Seele anführt, bewegt mich wenig. Denn was er Wahres sagt, habe ich schon zuvor gezeigt, insofern es von der Phantasie bewirkt wird. Was er Falsches berichtet, kann unter seine übrigen Fabeln gerechnet werden. Denn jener Mann war, wie den Platonikern, so auch allem platonischen Aberglauben mehr als genug ergeben und allzu leichtgläubig.

FURNIUS: Auch ich schätze solche Dinge nicht hoch; aber was über das Verlangen Schwangerer, über das der Gefräßigen und über Bezauberungen gemeinhin geglaubt und festgestellt ist, macht wenigstens Pomponatius’ Ursache wahrscheinlich. Denn dass wir überzeugt werden, die Einbildungskraft sei, insofern sie Einbildungskraft ist, bei Empfängnissen wirksam oder wenigstens gleichsam ein Urbild und eine Idee, nach deren Ähnlichkeit die bildende Kraft den Fötus formt, dazu werden wir nicht nur durch das bewegt, was gemeinhin berichtet und geschrieben wird und was jemand mit einem wahrscheinlichen Grund bestreiten könnte, sondern weit mehr durch ein Beispiel der Heiligen Schrift, an dessen Wahrheit und Gewissheit niemand zweifeln darf. Denn in Genesis, Kapitel 30, lesen wir, dass Jakob sein Eigentum auf diese Weise vermehrte, indem er verschiedenfarbige Ruten in jene Tränkrinnen legte, zu denen die Schafe zum Trinken geführt wurden. Aus derselben Ursache leiten die meisten die Ähnlichkeit der Kinder her. Ja, aus diesem Grund, so meinen sie, brüteten Hennen und Pfauen, wenn man weiße Tücher oder mit anderer Farbe bemalte vor ihnen aufspanne, auf die sie während der Brutzeit beständig blickten, weiße oder anders gefärbte Küken aus.

ERASTUS: Was die Hennen und Pfauen betrifft, ist falsch, was geschrieben wird. Es ist auch nicht nötig, dass ich dich auffordere, dies zu erproben, was viele, die es versuchten, aufs Äußerste über die Trägheit und Nachlässigkeit der Schriftsteller staunen ließ, die beliebige Dinge aus anderen ohne Prüfung abschreiben; denn du kannst es mit jener glücklichen Begabung, die dir verliehen ist, aus der Vernunft erkennen. Denn die Wärme des brütenden Tieres gibt den [p. 81] Eiern nicht die Form, sondern stärkt nur die den Eiern eingepflanzte Wärme, damit sie ihrer Natur gemäß das hervorbringe, zu dessen Hervorbringung sie gemacht ist. Wenn sie Form und Natur gäbe, würde Henne, Gans, Ente oder Pfau niemals aus den untergelegten Eiern andere Jungtiere ausbrüten als solche ihrer eigenen Gattung. Es steht aber durch Erfahrung fest, dass Hennen und andere Vögel Hühnchen, Entchen, Gänschen, Pfauen und andere Junge ausbrüten, wenn ihnen Eier jener verschiedenen Gattungen zum Bebrüten untergelegt werden. So verdauen auch die Wärmen unserer Mägen, durch äußere Wärme unterstützt, die aufgenommenen Speisen glücklicher, jede gemäß ihrer Natur, nicht gemäß der Natur der hinzutretenden Wärme. Denn äußere Wärme stärkt nur die inneren Wärmen der Eier und Mägen, wenn sie träge und erstarrt sind, und erregt sie zum Handeln; sie verleiht ihnen nicht die Natur des Handelns. Daher bringt sie, indem sie die Wärme eines Gänseeis erregt und vermehrt, eine Gans hervor; die eines Enteneis eine Ente, die eines Hühnereis eine Henne; für sich allein wirkt sie nichts anderes, als dass sie erwärmt. Du wirst gerade dies ganz klar verstehen, wenn du diese zwei Dinge bei dir erwägst: erstens, dass dieselbe Wärme, die aus befruchteten Eiern verschiedener Gattung so verschiedene Jungtiere erzeugt, aus unfruchtbaren Eiern nichts erzeugt, sondern diese durch dieselbe Bebrütung, durch die sie jene, wenn ich so sagen darf, lebendig macht, faulen lässt. Zweitens, dass dies ebenso die Wärme des Feuers, der Sonne, des Mistes und der Öfen vermag. Denn die Wärme der Sonne, des Feuers und des Mistes bringt die Eier vieler Tiere zur Reife; die Wärme der Öfen, die der Hennenwärme entspricht, brütet überall ebenso erfolgreich Küken aus.

Über die Ähnlichkeit der Geborenen ist die Sache sehr zweifelhaft. Wenn die Einbildungskraft hier aus eigenen Kräften etwas vermag, so tut sie dies eher zur Zeit der Gestaltung als der Empfängnis. Denn nicht nur die Einbildungskraft, sondern auch andere Vermögen der Seele scheinen dann so gehindert und schwach zu sein, als erlitte das Lebewesen etwas Epileptisches; dies habe ich bei Aristoteles und bei einigen, die noch älter sind als er, angemerkt gelesen. Gewiss haben die Verständigeren dies vor allem auf die Eigentümlichkeit des Samens zurückgeführt; ihrer Ansicht stimmt alles in der Sache selbst [p. 82] bei. Denn Tiere, die Einbildungskraft besitzen, bringen, selbst wenn sie blind empfangen und das Männchen weder sehen noch sich vorstellen können, wie Stuten und Hündinnen, dennoch Fohlen und Welpen hervor, die den Männchen ähnlich sind. Dasselbe geschieht auch bei jenen, die beinahe ganz der Einbildungskraft entbehren. Füge hinzu, dass bei Vögeln fast immer Männchen den Männchen und Weibchen den Weibchen ähnlich hervorgehen; das geschähe gewiss nicht, wenn die Einbildungskraft in ihnen etwas veränderte. Wenn aber bei Menschen ein Abstinenzler, einer, der Käse oder Zwiebeln oder irgendetwas anderes verabscheut, sich enthält oder einen Nachkommen erzeugt, der dieselbe Sache wie der Vater verabscheut, oder der weder der Mutter noch sich selbst, sondern irgendeinem der Vorfahren, den die Frau vielleicht niemals gesehen hat, etwa dem Großvater oder Urgroßvater, ähnlich ist, muss dies nicht der Einbildungskraft der Mutter zugeschrieben werden, der solche Dinge vielleicht niemals in den Sinn kamen, sondern dem Samen. So werden Menschen mit Steinleiden, Podagra usw. geboren, wegen der Qualität des Samens, nicht wegen der Einbildungskraft der Mutter, die diese Krankheiten weder sich noch ihren Kindern wünscht.

Was die Tat des Patriarchen Jakob betrifft, so war dies ein Wunder und geschah nicht auf natürliche Weise, wie aus Kapitel 31 ersichtlich ist. Denn wenn die Einbildung des Pomponatius wahr wäre, hätte die Gestalt der verschiedenen Stäbe, die in die Phantasie der Schafe eingeprägt war, nicht verschieden gefärbte Schafe, sondern verschieden gefärbte Stäbe hervorbringen müssen. Jene Gestalt erzeugte aber keine Schafe, sondern die Haut der Schafe wurde entsprechend der Verschiedenheit der Stäbe verschieden gemacht. Dass dies eher ein göttliches als ein natürliches Werk war, zeigt auch hinreichend, dass weder Jakob noch irgendjemand anders vor oder nach jener Zeit es mit gleichem Erfolg versucht hat, obwohl völlig glaubhaft ist, dass sehr viele es ausprobieren wollten. Auch hätten die von Laban in die Wassertröge gelegten verschiedenfarbigen Stäbe nicht dieselbe Wirkung gehabt, weil Gott beschlossen hatte, die Herde diesem zu nehmen und Jakob zu übergeben. Doch wozu bedarf es der Worte? Mögen ausdrücklich in der Phantasie vorhandene Merkmale der Dinge diese Kraft haben, dass sie nämlich Urbilder sind, nach deren Gestalt Empfängnisse gebildet werden, obwohl gezeigt wurde, dass sie keine Ursachen sind, so müsste dennoch nach einem Werkmeister gesucht werden. [p. 83]

FURNIUS: Der Hervorbringer ist die bildende Kraft.

ERASTUS: Doch diese Kraft bedarf keines Urbildes, sondern wie sie im Samen des Lattichs vorhanden ist und ohne Urbild Lattich erzeugt und bildet, so vollendet sie auch im menschlichen Samen ihr Werk, sodass sie nicht nötig hat, auf ein Urbild zu schauen. Sodann hat sie keinerlei Wirksamkeit außerhalb des eigenen Körpers, ja außerhalb des Samens, in dem sie vorhanden ist. Denn wie die Kraft, die sich im Samen des Lattichs findet, in einem anderen Samen, etwa dem des Fenchels, keine Kräfte hat, so kann die bildende Fähigkeit, die in der einen Frau vorhanden ist, nicht in einer anderen vorhanden sein und dort wirken. Denn wie eine Seele einen einzigen Körper informiert und außerhalb desselben nicht einmal gedacht werden kann, insofern sie Form ist, so ist auch die bildende Potenz, die eine Kraft jeder einzelnen Seele ist, außerhalb des eigenen Körpers nicht vorstellbar. Daher wird durch all diese Beispiele, selbst wenn man sie in höchstem Maße als wahr zugesteht, nichts anderes bewiesen als dies: dass die durch heftigeres Begehren erregte Seele im eigenen Körper verschiedene Bewegungen hervorruft. Daran habe weder ich je gezweifelt, noch kenne ich jemanden, der daran zweifelte. Gewiss würden uns, wenn wir anderer Argumente ermangelten, allein die Melancholiker vortrefflich lehren, was über diese Sache zu denken ist. Nicht dies wird gefragt, ob der verschieden aufgewühlte Geist Geister und Säfte verschieden affiziert und entsprechend deren verschiedener Bewegung verschiedene Krankheiten im Körper hervorruft, sondern ob das Lebewesen das, was es denkt oder sich vorstellt, durch Vorstellung außerhalb seiner erzeugen und einem fremden, oft auch weit entfernten Körper einprägen kann. Was die Schwangeren betrifft, ist völlig gewiss, dass niemals eine durch ihre Begierde und ihr Verlangen, mögen sie noch so stark sein, einen fremden Körper verändert hat. Wenn es in der Macht der Frauen stünde, lieber fremde als ihre eigenen Föten mit Zeichen begehrter Dinge zu kennzeichnen, würden keine ihre eigenen, sondern alle fremde kennzeichnen. Damit du uns aber nicht Bilder schöner Dinge entgegenhältst, sollst du wissen, dass wir von hässlichen Dingen sprechen. Und gewiss tragen Kinder häufiger Zeichen von Schreckbildern [p. 84] als Gestalten begehrter Dinge.

FURNIUS: Auch ich glaube nicht, dass Schwangere durch die Einbildung der von ihnen begehrten Dinge fremde Empfängnisse zeichnen. Dass sie aber ihren eigenen Föten die Gestalten beliebiger Dinge einprägen, ist offenkundiger, als dass es geleugnet werden könnte. Im Übrigen ist der Fötus kein Teil des Körpers, sondern gleichsam ein fremder Körper; deshalb scheint keineswegs geleugnet werden zu dürfen, dass ein heftiges Begehren auf einen fremden Körper einwirken könne.

ERASTUS: Niemand leugnet, dass durch heftigere Affekte der Seele die Geister und das Blut unruhig bewegt werden und dass der Körper durch diese unruhige Bewegung schwer affiziert wird. Dies geschieht deshalb, weil die Geister den Begierden der Seele dienen und gehorchen, da sie deren erstes Werkzeug sind. Die Einbildungskraft bewegt das Begehren ohne körperliches Werkzeug; dieses aber bewegt den Körper durch ein körperliches Werkzeug: ὅδε κινεί ὅρεξιν, ἡ δὲ σωματικὸν ἐστίν, das heißt sinngemäß: „Jenes bewegt das Begehren; dieses aber ist körperlich.“ Sie bewegt jedoch die eigenen Geister, nicht abwesende und fremde; deshalb geht oder läuft kein anderer, wenn ich es will, selbst wenn ich es aufs Heftigste wollte. Denn meine Seele hat ihre eigenen Geister als Werkzeug, denen sie, wenn sie gegenwärtig sind, befiehlt; die unter der Herrschaft einer anderen Seele stehenden Geister kann sie nicht bewegen, da sie sie nicht berührt und mit ihnen keine Übereinstimmung hat. Sie erzeugt nämlich für sich selbst ihre eigenen Werkzeuge innerhalb des eigenen Körpers, den sie formt und außerhalb dessen sie keine Macht hat. Ja, sie hat nicht einmal ihre eigenen Geister, wenn sie durch Wärme, Kälte, Bewegung oder andere Dinge etwas verwirrt sind, als gehorsame Werkzeuge. Und da alle Handlungen, von denen hier die Rede ist, durch Geister geschehen, nicht durch beliebige, sondern durch passende, die bei willkürlichen Bewegungen vom Willen, bei geschlechtlichen und ähnlichen Dingen von der Einbildungskraft bewegt werden, wie oben gesagt wurde, muss man fragen: Wodurch wird die Seele, wenn man annimmt, dass sie einen fremden Körper bewegt, diesen bewegen? Entweder durch ihre eigenen Geister oder durch fremde. Durch keine von beiden kann sie es. Es bleibt also, dass sie fremde Kör- [p. 85] per nicht einmal bewegen kann.

Dass sie aber durch fremde Geister fremde Körper nicht bewegen kann, bedarf keines Beweises; vielmehr ist es nun schon überreich bewiesen. Diese Meinung widerlegt sich durch ihre eigene Widersinnigkeit und Ungerechtigkeit selbst. Es wäre nämlich ebenso, als wenn ich deine Sachen und deine Dienerschaft gegen deinen Willen zu deinem eigenen Verderben missbrauchte. Dass sie aber auch mit ihren eigenen Geistern keinen Körper außerhalb jenes Körpers, dessen Form sie ist, bewegen kann, ist, wie ich mich erinnere, oben bereits deutlich genug gezeigt worden. Denn sie dürfen nicht hinausgehen; und wenn sie über die Haut hinausgelangt sind, unterstehen sie nicht mehr der Leitung der Seele, haben keinen Lenker und können in der Luft nicht bewahrt werden, da sie ja oft innerhalb des Körpers aufgelöst werden und dem Lebewesen plötzlichen Tod bringen. Da ferner zwischen Bewegendem, Bewegtem und Werkzeugen notwendig Übereinstimmung und Verhältnis bestehen müssen, wird der Geist, der in mir ist und meinen Körper bewegen kann, deshalb so sein, weil dieselbe Ursache, die den ganzen Körper so und so groß gemacht hat, auch die Geister in solcher Zahl und Beschaffenheit erschaffen hat. Denn nicht eine andere Ursache hat am Anfang den Körper geformt und eine andere ihm später die Geister eingepflanzt, sondern beides ist von einem einzigen Werkmeister hervorgebracht worden und wird bis zum Ende, wie auch immer, das Leben von ein und derselben Ursache erhalten, jedes seiner Natur entsprechend. Ja, wenn genau gesprochen werden soll, waren die Geister die Hervorbringer der Glieder. Denn mit deren Dienst hat die bildende Kraft entsprechend ihrer Qualität und Menge aus der zugrunde liegenden Materie, soweit sie konnte, die Glieder geschaffen, die ihrem Werkzeug entsprachen.

Es steht ferner fest, dass es kaum, ja kaum überhaupt, geschehen kann, dass wir zwei Menschen finden, die in ihrer Mischung völlig gleich sind; dies zeigen die unglaubliche Verschiedenheit der Begabungen, Gedanken, Pläne, Handlungen und Sitten, die ungleichen Gestalten der Körper und die unähnlichen Neigungen sehr deutlich. Selbst wenn ich dir also im höchsten Maß zugestände, dass unversehrte Geister von meinem Körper zu deinem übertragen werden und die Befehle ihrer Seele ausführen wollten, bliebe dennoch ungewiss, ob zwischen deinem Körper [p. 86] und meinen Geistern jene Übereinstimmung bestünde, die zur Erregung einer Bewegung erforderlich ist. Denn wie nicht jede beliebige Seele jeden beliebigen Körper beseelen kann und sich auch nicht jedes beliebig beschaffenen Geistes geordnet bedienen kann, niemand nämlich wäre wahnsinnig, niemand würde überhaupt von Krankheiten geplagt, niemand würde auch sterben, wenn die Seele in jedem beliebigen Körper wohnen und die Tätigkeit beliebiger Geister passend gebrauchen könnte, so ist auch nicht der Geist jedes beliebigen Körpers geeignet, ihn zu bewegen; vielmehr müssen Körper und Geister aus derselben Materie erhalten sein. Diese Sache erklärt Aristoteles im ersten Buch Über die Seele, Kapitel 3, auf göttliche Weise, indem er die Alten tadelt, die die Seele dem Körper anpassten und dennoch nicht lehrten, in was für einem Körper sie zu wohnen geeignet sei, obwohl feststeht, dass jede beliebige Materie ihre eigene Form hat; und dass ἄλλως τῶν κοινωνιῶν τὸ μὲν ποιεῖν, τὸ δὲ πάσχειν· καὶ τὸ μὲν κινεῖν, τὸ δὲ κινεῖσθαι notwendig ist, das heißt sinngemäß: „bei Verbindungen das eine tätig, das andere leidend, das eine bewegend, das andere bewegt sein muss“; und dass nicht jedes beliebige Ding jedes beliebige ihm begegnende bewegen kann, wie die Pythagoreer fabuliert hätten. Schließlich sagt er abschließend: ὡς ἄρα πλήσιον δὲ λέγουσιν ὥσπερ εἴ τις φάσι τὴν τεχνικὴν εἰς αὐλὸς ἐνδύεσθαι. δεῖ γὰρ τῶν μὲν τεχνῶν χρῆσθαι τοῖς ὀργάνοις, τὴν δὲ ψυχὴν τῷ σώματι, das heißt sinngemäß: „Sie reden ungefähr so, als ob einer sagte, die Kunst des Flötenspiels kleide sich in Flöten ein; denn die Künste müssen ihre Werkzeuge gebrauchen, die Seele aber den Körper.“

Du täuschst dich auch, wenn du meinst, der Embryo sei gleichsam ein fremder Körper. Da er nämlich mit demselben Blut ernährt wird wie der übrige Körper und ihm durch Arterien und Venen, durch die er mit dem Körper verbunden ist, dieselben Geister eingegossen werden, leidet er mit Recht mit dem Körper mit. Er leidet aber umso leichter und spürt die Bewegungen der Geister umso schneller, je zarter jene Masse im Vergleich zu den übrigen Gliedern ist. Ein Beweis dafür sei dir, dass ein schon erwachsener und ausgebildeter Fötus nur höchst selten, um nicht zu sagen niemals, gezeichnet wird. Dann nämlich ist die Gefahr am größten, wenn die bildende Kraft mit der Hervorbringung der Teile und Glieder beschäftigt ist. Da sie sich zu dieser Zeit nicht nur der im Samen selbst befindlichen, sondern auch der durch Arterien, Venen und Nerven einströmenden Wärme und des Geistes bedient, ist es nicht verwunderlich, wenn Bewegungen, die im Geist der Mutter geschehen, bis zum Fötus abgeleitet werden. Daher geschieht es, dass Kinder häufiger Zeichen plötzlicher Furcht [p. 87] und Schrecken aufnehmen als Zeichen begehrter Dinge. Denn die Geister, die dem unvernünftigen Begehren dienen, sind oft Ursache solcher Zufälle. Daher wird das Lebewesen fast in demselben Augenblick erschüttert und zittert, in dem der Sinn durch ein Geräusch oder einen furchtbaren Anblick unerwartet getroffen wird, bevor es möglich ist zu überlegen, inwieweit das, was so begegnet, zu fliehen sei. Daher geschieht es, dass wir uns, wenn die Sache erkannt ist, oft unserer Bestürzung schämen. Die Ursache dieser plötzlichen Bewegung erklärt Aristoteles im Buch Über die Bewegung der Tiere, Kapitel 8, höchst elegant und nennt sie gegen Ende des Buches παρα τὸν λόγον γενομένας κινήσεις, das heißt „Bewegungen, die wider die Vernunft geschehen“ oder „vernunftwidrige Bewegungen“. Du wirst Aristoteles’ Meinung und die Tragweite seiner Gründe nicht schwer erfassen, wenn du dich daran erinnerst, dass alle Seelenvermögen Fähigkeiten ein und derselben Substanz sind, und wenn du aufmerksam beachtest, was er dort sagt.

Hierher gehören die Bewegungen gewisser Teile bei der Vorstellung geschlechtlicher Dinge und der Widerwille des Magens bei der Erwähnung oder dem Anblick einer Speise, die Übelkeit hervorruft. Ich weise deshalb darauf hin, damit du nicht mit den meisten meinst, solche Zeichen seien eher Sprösslinge des Verlangens als plötzlicher Furcht und Erschreckung. Daraus wirst du auch dieses Zweite erkennen: dass jene Zeichen, die bei Kindern erscheinen, selten aus einer stärkeren Einbildungskraft, häufiger aber aus einem plötzlichen Vorfall entstehen, an den die Frau kaum je vorher oder nachher gedacht hat. Dazu kannst du noch hinzufügen, dass keine Frau ihr Kind mit hässlichen Zeichen gebären würde, wenn sie durch Einbildung einprägte. Keine wünscht nämlich, dass ihr Sohn mit einem hässlichen Zeichen versehen in dieses Licht komme, sondern sie fürchtet vielmehr das Gegenteil, nämlich dass ihnen gegen ihren Willen etwas Derartiges widerfahre. Daher ist es heller als das Mittagslicht, dass die Geister dann der Einbildungskraft nicht dienen und etwas völlig anderes tun, als das Begehren befohlen hat. Daraus erkennt jeder, dass es nicht das Werk der Einbildungskraft ist, dass der eine eher zur Musik, der andere zur Philosophie, ein anderer zur Medizin, zum bürgerlichen Leben oder zum Kriegsdienst geneigt geboren wird, auch wenn Paracelsus dies kühn behauptet. Wenn also der Geist, der innerhalb des eigenen Körpers existiert, dem Begehren [p. 88] der Frau nicht gehorcht, wie willst du mich glauben machen, dass er außerhalb des Körpers das Befohlene tun werde? Diese Dinge geschehen fast auf ähnliche Weise, wie auch die unerwartete Bestürzung, von der gesprochen wurde, und Ohnmachten eintreten; sie würden niemandem widerfahren, wenn die Geister unserem Willen schlechthin gehorchten.

Aus dem eben Gesagten geht offenkundig hervor, dass Folgendes wahr ist: Erstens, dass schwangere Frauen keine anderen als ihre eigenen Kinder mit jenen Zeichen zeichnen, von denen die Rede ist. Zweitens, dass dieselben ihren Föten diese Gestalten, besonders hässliche, wider Willen einprägen, es sei denn vielleicht irgendeine besonders unmenschliche Bestie habe alle Menschlichkeit abgelegt, und dass sie einzig wünschen, ohne jede Hässlichkeit zu gebären. Fabelhaft ist also, was Paracelsus im Buch über den Tartar behauptet: Lahme, Bucklige, Verdrehte und andere würden durch die Einbildung des inneren Menschen so erzeugt. Denn weder die äußere noch die innere Frau, sofern es einen solchen Menschen überhaupt gibt, wünscht ein missgestaltetes Kind. Drittens: Sehr viel häufiger und leichter werden noch zarte Föten durch plötzliche Schrecken von einer hässlichen und furchtbaren gesehenen Gestalt gezeichnet. Viertens folgt aus dem Berichteten, dass die Geister der Einbildungskraft und dem Willen in dieser Hinsicht keineswegs gehorchen, da sie den Fötus außer und gegen das Verlangen der Mutter entstellen. Fünftens: Solche Zeichen werden dem Embryo fast nur eingeprägt, während er im Mutterleib gestaltet wird, weil die Materie dann noch voll von Geistern ist, die leicht Eindrücke aufnehmen. Wenn der Fötus nämlich vollkommen gebildet und größer geworden ist, nimmt er eine neue Form nicht viel weniger schwer auf als der Körper der Mutter. Dann nämlich wird er durch heftige und plötzliche Erschütterung eher von irgendeiner Krankheit affiziert oder ganz getötet oder vor der festgesetzten Zeit geboren. Solange er aber noch ungeformt ist, wird ihm sehr leicht jede beliebige Gestalt ohne weiteren Schaden eingeprägt. Sechstens: Diese Eindrücke entstehen durch Geister, die plötzlich erschüttert und ungeordnet bewegt werden, bevor die Vernunft die Gefahr abmisst; daher ist diese Bewegung eher natürlich als wil- [p. 89] lentlich. Zuletzt: Durch dieses Beispiel wird deine Ursache in keiner Weise gestützt, in der gesagt wird, die Einbildungskraft verändere fremde Körper; dass dies unmöglich ist, wurde dargelegt. Dieses Beispiel aber würde, selbst wenn es schlechthin zugestanden würde, nichts weiter beweisen, als dass durch intensive Begierden die Geister ungeordnet bewegt und die Säfte verwirrt werden, woraus verschiedene Krankheiten von Körper und Seele entstehen.

FURNIUS: Auch Pomponatius gesteht zu, dass zwischen Handelndem, Leidendem und Werkzeug eine Übereinstimmung erforderlich ist. Er bestreitet aber, was du behauptest, nämlich dass ein fremder Körper nicht so disponiert sein könne, dass er der Handlung fremder Geister gehorche. Wenn dies gesetzt ist, ist seine Meinung nicht so absurd, wie sie dir erscheint.

ERASTUS: Selbst wenn dies, was wir als unmöglich erwiesen haben, in höchstem Maße bewiesen werden könnte, wäre diese These dennoch absurd. Erstens steht nämlich fest, dass meine Seele keine Geister lenkt, die in einem fremden Körper existieren, und auch die Seele eines anderen keine Geister bewegt, die innerhalb meiner Haut enthalten sind. Denn die Herrschaft jeder Seele wird innerhalb der Grenzen des eigenen Körpers eingeschlossen, es sei denn vielleicht, du meinst mit Plinius, Buch 7, Kapitel 52, dass unsere Seelen auch nach Verlassen ihrer Körper umherschweifen. Jede Seele bewegt also die innerhalb ihres Körpers enthaltenen und ihr eigenen Geister. Auf welche Weise also wird sie mit diesen ihren Geistern einen fremden Körper bewegen? Gewiss gehen die eingeborenen Geister nicht hinaus, oder wenigstens dürfen sie nicht hinausgehen. Zweitens werden sie von der umgebenden Luft bald verändert, verdorben und zerstreut, sobald sie aus dem Körper entwichen sind. Drittens haben sie keine bleibenden Kräfte der Seele in sich, sondern die Seele bedient sich ihrer beinahe so, wie der Handwerker sich des Hammers bedient. Denn wie das Licht der Sonne, das den Tieren Kräfte verleiht, verschwindet und zurückweicht, wenn die Sonne abwesend ist, so sind die Kräfte der Seele den Geistern und Gliedern gegenwärtig, wenn die Seele gegenwärtig ist, und werden entzogen, wenn sie abwesend ist. Es steht aber fest, dass meine Seele den Geistern, die außerhalb des Körpers entwichen sind, nichts mitteilt. Daher können sie, selbst wenn man dächte, sie hätten etwas an Kräften empfangen, solange sie noch im Körper waren, dies außerhalb des Körpers nicht mehr bewahren, als die Luft das Licht der Sonne bewahren kann, wenn die Sonne [p. 90] weicht, oder der Hammer die Kunst des Schmieds, wenn der Schmied fortgeht. Schließlich ist nichts gewisser, als dass allein jene Geister und allein jener Körper von der Seele regiert werden, den sie formt und belebt. Gewiss, sooft irgendein Glied ungeeignet wird, von der Seele Leben aufzunehmen, wird es von ihr niemals bewegt und regiert werden können. Sie kann nicht einen toten Körper, nicht einen fremden, nicht einen sehr schlecht temperierten bewegen, formen und regieren, sondern einen lebendigen, eigenen und ihr entsprechenden, den sie selbst für sich geschaffen und belebt hat. So bewegt sie auch die Geister nur dann passend, wenn sie sie selbst passend für sich erzeugt hat; und nicht einmal diese gebraucht sie recht, wenn sie aus irgendeinem Anlass ungeeignet geworden sind. Daher können keine anderen ihren Bewegungen und Handlungen entsprechen als jene, die sie sich selbst aus der passenden und vertrauten Materie des von ihr geformten Körpers erzeugt hat. Und selbst wenn wir uns im höchsten Maß vorstellen, entweder die Geister anderer wanderten zu uns oder unsere gingen zu anderen über, könnten jene dennoch weder die Seele bewegen, zu der sie gelangt sind, es sei denn, sie trügen zugleich die Gestalt, die sie anderswo empfangen haben, zum Verstand oder zur Phantasie hinüber. Die Seele kann sich auch jener fremden Geister nicht mehr bedienen als jeder beliebigen Luft, die in den Körper eintritt. Aus sehr schwerwiegendem Grund also, der weit mehr Gewicht hat, als er zu haben scheint, tadelt Aristoteles die Alten, weil sie nichts über den Körper bestimmten, der die Seele aufnimmt. Daher ist die Phantasie des Pomponatius in jeder Hinsicht abgeschmackt, leer, stumpfsinnig, falsch und töricht; sie verdient nicht nur, mit Geißeln hinausgetrieben, sondern mit furchtbaren Verwünschungen ausgepfiffen zu werden.

FURNIUS: Hier frage ich nichts weiter. Über das Verlangen der Gefräßigen möchte ich kurz wissen, was du denkst.

ERASTUS: Über den Speichel der Gefräßigen brauche ich nichts anderes zu sagen, als dich zu mahnen, dass du nicht zulässt, dass jener Speichel dir den Geschmack der Wahrheit verfälscht. Wenn bisweilen etwas dieser Art geschieht, dann ist es gewiss von solcher Art, wie Aristoteles es im Buch über die Weissagung durch Träume mit folgenden Worten berichtet: „Wir meinen, Blitze fielen und Donner entstünden, obwohl nur kleine [p. 91] Geräusche in den Ohren vorhanden sind; ebenso meinen wir, die Zunge werde von Honig und süßen Geschmäcken übergossen, wenn nur ein dünner Schleim herabfließt.“ Denn diejenigen, die sich etwas mit solcher Heftigkeit einbilden, können leicht wie Schlafende getäuscht werden.

FURNIUS: Was also? Wirst du auch leugnen, dass menstruierende Frauen, wenn sie blanke Spiegel aus der Nähe betrachten, diese durch eine blutige Wolke mit den aus den Augen ausgesandten Geistern überziehen?

ERASTUS: Ganz und gar. Denn die Geister in den Augen können von den aus dem Menstrualblut aufsteigenden Dämpfen nicht so gefärbt werden, dass sie noch so glänzende Spiegel mit blutroter Farbe bemalen. Diese Geister müssen ganz rein sein und bleiben. Sodann: Wer sollte glauben, dass die Geister so plötzlich aus den Augen hervorbrechen, dass sie die Spiegel gleichsam mit einer Wolke bedecken? Ein Lebewesen könnte nicht lange leben, und oft würde uns der Geist verlassen, wenn wir etwas aufmerksam betrachten, falls so viele Geister zugleich ausflögen, ohne die die Seele auf keine Weise im Körper wohnen kann. Wie viele würden erst durch die anderen, offeneren und zahlreicheren Öffnungen des Körpers hinausgehen, wenn eine solche Menge aus den Augen ausströmt? Ich sage dir: Das Sehen geschieht durch Aufnahme der Gestalten, nicht durch Ausstoßung von Geistern, die bei einem richtig beschaffenen Lebewesen nicht aus dem Körper hinausgehen, sondern innerhalb desselben der Seele so lange dienen, bis sie verdünnt aufgelöst werden. Wenn sie hinausgehen, ist ihre Bewegung der Natur nicht gemäßer als der Ausfluss von Blut durch Nase oder andere Teile. Ich leugne also, dass Spiegel beim Vorübergehen gefärbt werden. Ferner leugne ich, dass sie, wenn sie gefärbt werden, von Geistern gefärbt werden, die aus den Augen oder anderen Teilen hervorkommen. Wenn es geschieht, dann geschieht es durch Dämpfe, die aus Nase, Mund oder anderen Teilen austreten. Du wirst es erproben können, wenn du willst, da du ja Frau und heiratsfähige Töchter hast. Befiehl ihnen zur Zeit der Monatsblutung, sich so lange du willst aufmerksam und aus nächster Nähe in die blankesten Spiegel zu betrachten, achte nur darauf, dass sie diese nicht mit Mund oder Nase anhauchen, und du wirst bald sehen, was uns Männer, die sonst die größten sind, in einer ganz klaren und sehr leicht zu prüfenden Sache vorsetzen: nicht Wolken, sondern Possen. Ja, du wirst deutlich sehen, dass der Spiegel bisweilen durch den Atem beschmutzt wird, wenn man den Atem nicht anhält; mit roter Farbe gefärbt aber wirst du ihn nicht sehen. [p. 92]

Wie aber sollte der Atem färben, wenn er selbst nicht gefärbt ist? Doch gesetzt, der blutige, aus aufgewühltem Blut aufsteigende Hauch bemale den Spiegel mit roter Farbe: Wie niemand sich wundert, dass Feuer, das Wärme in sich hat, erwärmt, und dass faulige und giftige Ausdünstungen verderben und vergiften, da sie diese Qualitäten in sich enthalten, so müsste sich auch niemand wundern, dass rote Dämpfe mit roter Farbe färben. Bewundernswert wäre vielmehr dies: dass Geister, die allein mit einer Gestalt, die nichts Reales ist, bemalt sind, Dinge hervorbringen, deren Kräfte sie nicht in sich haben, sondern nur deren geistige Gestalt oder Bild, und dies in einem fremden und oft weit entfernten Körper; während man zugleich leugnet, dass der Hauch menstruierender Frauen durch eine reale Qualität die glänzendsten Spiegel verunreinige, wenn die Frauen die Spiegel nicht aus nächster Nähe anhauchen. Ich gestehe freimütig, dass ich nicht sehe, warum, wenn man annimmt, Blut werde zu irgendeiner Zeit erregt, es notwendig Spiegel eher durch Blut verunreinigen sollte, das durch den Monatsfluss bewegt ist, als durch Blut, das aus anderen Ursachen aufgewühlt ist. Denn ich sehe im Menstrualblut, aus dem nach Ansicht einiger fast allein der Fötus gebildet wird, nicht eine so große Bösartigkeit, wie sie manche ihm fälschlich zuschreiben, und mit ihnen euer Paracelsus, der im Buch über die Gebärmutter schreibt, es sei von allen Dingen der Venus das schädlichste.

FURNIUS: Dennoch scheint, da feststeht, dass Augenkranke und Leute mit Augenentzündung die Augen derer verunreinigen, die sie starr ansehen, nicht wahrheitswidrig zu sein, was über die Verunreinigung der Spiegel geschrieben wird. Auch von Basilisken sagt man, sie töteten jeden durch den Blick, durch giftige Strahlen, die aus ihren Augen ausgesandt werden.

ERASTUS: Was die Basilisken betrifft, wirst du selbst sehen, ob du das, was über sie im Umlauf ist, nicht für Fabeln hältst. Du weißt, glaube ich, was in den vergangenen Jahren in einer berühmten Reichsstadt zu diesem Gegenstand geschehen ist. Wenn es diese Schlangen in der Natur gibt, woran, wie ich sehe, alle verständigen und nicht allzu leichtgläubigen Menschen aller Zeiten gezweifelt haben, dann können sie wie andere sichtbare Dinge ihre Gestalten hervorbringen. Wenn sie den Augen schaden, schaden sie durch ausströmende giftige Ausdünstungen, nicht durch Geister. Obwohl [p. 93] es wahrscheinlicher heißt, dass sie durch Zischen und Ausatmen aus dem Mund verderblich schädigen. Die ganze Geschichte oder vielmehr Fabel ist, glaube ich, ebenso wahr wie der Zusatz glaubwürdig ist, dass sie sterben, wenn sie sich in einem vorgehaltenen Spiegel oder Glas selbst sehen. Denn sie sehen im Glas nichts als ihre Gestalt, die nichts anderes vermag als zu vergegenwärtigen. Und selbst wenn wir zugäben, dass sie giftig sei, wäre sie dem Basilisken dennoch nicht tödlich, da sie ja ein ihm vertrautes Gift enthielte, das kurz zuvor aus seinen Augen hervorgegangen wäre. Ausgezeichnete Fabeln also und Erdichtungen unkundiger Menschen sind es, was nicht unberühmte Autoren über diese Dinge unbedacht überliefert haben.

Menschen, die an Augenentzündung leiden, haben in den Häuten der Augen viel verdorbenes Blut angehäuft; dieses muss durch Ausdünstung aufgelöst werden, da es widernatürlich an diesem Ort gesammelt worden ist. Diese fauligen Geister also, die aus dem Auge ausdünsten, können ein empfindlicheres Auge durch Ansteckung verletzen, ebenso wie die Augen von Augenkranken, da sie voll von Schleim und fauligen Säften zu sein scheinen. Bei menstruierenden Frauen aber ist in den Augen kein Blut widernatürlich angehäuft. Auch ergießt sich während dieser Zeit kein Blut in die Hirnventrikel, das die durch die Augen ausströmenden Geister dort dann färben könnte. Vielmehr strebt es weit mehr zu den untersten Teilen des Körpers und wird zur Gegend der Gebärmutter getragen. Füge hinzu, dass Blut, wenn es in Dampf aufgelöst ist, so fein und dünn ist, dass es sich ohne Hindernis mit den für das Sehen bestimmten Geistern mischen kann; es ist dann nicht mehr so rot, dass es gegenüberliegende Körper mit purpurner Farbe befleckte.

[4. Über die Faszination und die ihr verwandten Affektionen]

Furnius: Hier will ich mich nicht abmühen. Denn auch wenn du alles andere leugnest, bin ich doch völlig überzeugt, dass du die Faszination nicht leugnen wirst.

Erastus: Wenn „faszinieren“ bedeutet, allein durch die Heftigkeit der Imagination, verbunden mit einem intensiven Verlangen zu schaden, jemanden außerhalb seiner selbst durch Anschauen oder durch böse Verwünschung zu verletzen, dann leugne ich ohne Zögern, dass ein Mensch von einem Menschen fasziniert werden kann. Das ist, meine ich, hinreichend bewiesen worden, als wir zeigten, dass die Imagination außerhalb des Lebewesens nichts vermag, und zugleich darlegten, welches ihre Aufgabe im eigenen Körper ist.

Furnius: Eine erstaunliche Sache! Weder Plinius noch Gellius noch Solinus noch Heliodor noch Plutarch noch anderen, wie ich sehe, schenkst du Glauben. Denn diese Autoren bejahen offenkundig die Faszination. Gellius schreibt nämlich mit Solinus im neunten Buch, Kapitel vier, in Afrika habe es Menschen gegeben, die, wenn sie Saatfelder, Bäume, Vieh oder Menschen nachdrücklicher gelobt hätten, diese gewiss zum Absterben gebracht hätten, auch wenn keine andere Ursache des Untergangs vorhanden gewesen sei. Heliodor sagt, die Ursache sei die umgebende Luft, welche die Eigenschaften, mit denen sie erfüllt ist, zu den im Inneren verborgenen Eingeweiden trage. So seien viele von der Ansteckung der Pest ergriffen worden, die bei dem Erkrankten nicht anwesend waren. Derselbe berichtet zusammen mit Plutarch vom Charadrios-Vogel, den manche für unseren Pirol oder Goldamsel halten: Wenn er von einem Gelbsüchtigen gesehen werde, ziehe er die gelbe Galle an sich und befreie den an der Krankheit Leidenden. Ja, Plutarch behauptet sogar, der Neid lasse auszehren, und zwar auf diese Weise, dass er den eigenen Körper verunreinige, aus dem dann Ausflüsse zu anderen gelangten und sie schädigten. Was die Faszination durch das Kraut des Igels betrifft, wenn eine Ziege es im Maul hält, wage ich nicht einmal zu berichten, was derselbe Autor, und zwar nicht nur einmal, erzählt. Was Plinius im siebten Buch, Kapitel zwei, über die Triballer, die skythischen Frauen und andere Bewohner am Pontus sagt, die er mit Plutarch Thebier nennt und von denen er behauptet, sie könnten, selbst wenn sie durch Kleider beschwert seien, nicht untergehen, weiß ich, dass du es nicht ignorierst.

Erastus: Zu den Fabeln Heliodors muss ich nichts sagen. Aber auch er selbst, indem er die Ursache auf die umgebende Luft zurückführt, die in sich die Samen der Pest und anderer ansteckender Krankheiten enthält und sie durch die Sinnesorgane zu den Eingeweiden führt, widerspricht unserer Ansicht nicht. Auch du, denke ich, lachst über die Fabeln des Gellius. Wer kann sich nämlich im Geist vorstellen, dass Saatfelder, Bäume und Tiere, weil sie von jemandem gelobt werden, zugrunde gehen? Mehr Schein hat es, wenn sie sagen, aus zornigen Augen ströme etwas Schädliches aus. Ich jedenfalls kann mir nicht einmal vorstellen, wie sie dies durch irgendeine wahrscheinliche Auslegung entschuldigen könnten.

Wenn du sagst, es sei durch die beistehende Macht Gottes geschehen, der einige so habe strafen wollen, dann wird dem entgegenstehen, dass sie berichten, dies sei eine eigentümliche und dauernde Eigenschaft ganzer Familien gewesen. Gott aber teilt seine Gaben nicht so aus; auch konnten weder die Apostel noch andere heilige Menschen Wunder wirken, sooft es ihnen beliebte, sondern nur sooft, wann und wie es Gott gefiel. Wenn wir sagen, einige seien durch den grausamen und wilden Blick erschreckt worden, nämlich zartere kleine Kinder, die zu Krankheit geneigt und dafür bereit waren, und seien daraufhin von Krankheit ergriffen worden — denn es scheint nicht unmöglich, dass ein kleines Kind durch den widerwärtigen und grimmigen, hässlichen und zornigen, angestrengteren Blick einer alten Frau erschreckt wird und aus diesem Anlass zu kränkeln beginnt, besonders wenn es zuvor für Krankheit disponiert war —, dann wird dem nicht nur entgegenstehen, dass sie meinten, auch Erwachsene würden infiziert, sondern vor allem dies: Sie behaupten, Pflanzen würden verdorben, in die keine Furcht und kein Schrecken fallen kann. Dass auf diese Weise einige fasziniert werden können, scheint auch Aristoteles im zwanzigsten Problem gemeint zu haben, wenn er fragt, warum die Raute für ein Mittel gegen Faszinationen gehalten werde. Auch die Dinge, die wir zur Zeit der Pest geschehen sehen, zeigen dies.

Furnius: Was aber, wenn wir sagen, schädliche und tödliche Geister, die aus den Augen jener hervorbrechen, seien die Urheber der Übel?

Erastus: Davon wird sogleich die Rede sein; jetzt wollen wir das Übrige beurteilen. Wenn wir Plinius aus den verlogensten Griechen, die ganze Wagenladungen von Lügen abschrieben, Glauben schenken wollten, dann gäbe es nichts, weder von Gott noch von griechischen Menschen Erdichtetes, was wir nicht für wahr und schön halten müssten. Wir müssten glauben, dass tote und verdorrte Polei-Minze, an einem Balken aufgehängt, um die Wintersonnenwende wieder Leben empfange und Blüten hervorbringe. Ebenso, dass ein Kraut, von einem gewissen Xanthus balam genannt, ein getötetes Drachenjunges wieder zum Leben erweckt habe; durch dasselbe sei ein gewisser Tillo, der von einem Drachen getötet worden war, aus der Unterwelt zu den Lebenden zurückgeführt worden. Ja sogar ein anderes Kraut, iuba, habe einem bereits toten Menschen das Leben zurückgegeben. Doch diese und andere, noch gröbere und absurdere Lügen als diese heiße ich dich jetzt beiseitelassen; erwäge nur, welcher Art jene Dinge sind, die wir an der von dir angeführten Stelle lesen, damit du siehst, dass sie unwürdig sind, dass wir längere Mühe auf ihre Widerlegung verwenden, da sie sich selbst vortrefflich umstürzen.

Wir müssen uns erinnern, dass Gott den Menschen wehrlos und nackt gemacht hat, und damit politisch und gesellig, nicht wild, grimmig, grausam, Drohungen und Mord gegen den Nächsten atmend. Ja vielmehr hat er nicht nur unseren Seelen eingeprägt und gewollt, dass es mit uns geboren werde, sondern überdies durch strengste Gesetze dafür gesorgt, dass niemand andere verletze. Mit welchem Wahnsinn also sollte man glauben, einige seien von Gott so gemacht worden, dass sie aus den Augen das gegenwärtigste Gift, sogar mit Zunge und Stimme anderen den Untergang bringen?

Groß, glaube mir, und verabscheuenswert ist dieser Aberglaube; er hat auch jetzt noch in den Gemütern vieler Wurzeln.

Furnius: Plinius’ Meinung scheint dadurch wahrscheinlich gemacht zu werden, dass jene zauberischen Frauen doppelte Pupillen in den Augen hatten; dies hat auch Cicero behauptet.

Erastus: Eine doppelte Pupille vermag nicht mehr als eine einfache, außer dass sie ein doppeltes Bild aufnimmt, so wie beide Augen beim Menschen zwei Bilder, nämlich jedes Auge je eines, aufnehmen; die Seele beurteilt sie dennoch gleichsam als ein einziges Bild einer einzigen Sache. Von Aristoteles und seinen Anhängern ist gesagt und bewiesen worden, dass das Sehen durch Aufnahme von Bildern geschieht, nicht aber durch Aussendung von Geistern oder Strahlen. Selbst wenn dies aber geschähe, würde daraus doch nicht folgen, dass aus zwei in einem Auge enthaltenen Pupillen mehr Geister herausflögen als aus einer einzigen. Denn die Geister werden nicht in den Augen erzeugt, sondern durch den Sehnerv eingegossen. Daher kann ein Auge aus einer doppelten Pupille bestehen, während der zu jenem Auge gelangende Sehnerv weder verdoppelt noch größer als gewöhnlich ist.

Dies ist wahrscheinlicher: Weil solche Augen schrecklich und hässlich sind, besonders bei einer zornigen und hässlichen Alten, sind einige zarte Knaben, die für Krankheit bereit waren, durch den Anblick solcher Augen erschreckt in eine Krankheit gefallen, in die sie vielleicht wenig später aus einem anderen Anlass geraten wären. Wer weiß nicht, dass Schielende, besonders wenn sie schreckliche und gleichsam funkelnde Augen haben, wenn sie mit zornig gerichteten Augen ein Kind oder andere Kleinmütige ansehen, Schrecken einjagen? Ich weiß, dass die in der Dunkelheit leuchtenden Augen von Katzen, Eulen und einigen anderen Tieren sogar verständige Männer erschreckt haben. Wer sollte sich wundern, dass bei einem kränklichen und ängstlichen Menschen die Bestürzung zur causa procatarctica und prophasis, wie Hippokrates sagt, irgendeiner Krankheit wird? Unser Volk jedenfalls lässt kaum andere Ursachen von Krankheiten gelten als Zorn, Schmerz, Furcht, Schrecken und ähnliche plötzliche Erregungen des Gemüts. Gewiss wirst du kaum eine Frau in reifem Alter finden, die nicht irgendwann bemerkt hätte, dass kleine Kinder, auf die zuvor beschriebene Weise erschreckt, in Wehklagen ausbrechen und bisweilen erzittern.

Furnius: Niemand kann leugnen, dass dies vielen geschieht; deshalb werde ich auch nicht bestreiten, dass jene alten Frauen auf diese Weise einige bezaubert haben, sofern solche überhaupt in der Natur der Dinge gelebt haben. Aber was antwortest du auf Plutarch?

Erastus: Plutarch gibt nach seiner Gewohnheit sowohl seine eigene als auch die Meinung anderer wieder. Wenn es zum Beweis kommt, führt er die Ursachen auf aporrhoiai, gewisse Ausflüsse, zurück, die er jedoch nicht als beseelt und mit Plan und Willen handelnd festsetzt. Weil dies an sich lächerlich ist und von uns oben sehr fest widerlegt wurde, übergehen wir es jetzt mit Recht. Gewiss wird er keinen Grund anführen können, weshalb er seine Imaginationen den Bildern Demokrits vorziehen sollte. Auf welche Weise nämlich und durch welche Ausflüsse sollte Galle aus unseren Körpern zu sich gezogen werden? Und selbst wenn dies zugegeben wird, wird dadurch die Krankheit doch nicht beseitigt, die in einer Unmäßigkeit oder Verstopfung der Leber besteht. Welche Sache sendet oder trägt jene Ausflüsse zu uns, wenn der Charadrios den Kranken nicht ansieht? Denn er soll, wie man sagt, die Augen abwenden. Wie soll auch die unter der Haut des ganzen Körpers zurückgehaltene Galle zu den Augen übergehen?

Was er nun vom gegenseitigen Anblick Liebender berichtet, kann hier auf keine Weise angewandt werden. Denn wir disputieren nicht über Affekte des Gemüts, die im eigenen Körper Veränderung hervorrufen, sondern wir fragen dies: ob sie einen fremden Körper verwirren und durch sich selbst schädigen. Die Körper und Seelen Liebender werden nicht vom Blick des Geliebten affiziert, sondern von ihrer eigenen Liebe oder vielmehr ihrem eigenen Wahnsinn. Stell dir nämlich vor, der Geliebte sehe den Liebenden an, sodass dieser nicht weiß, dass er angesehen wird: Dann wird er nichts erleiden. Wenn er sieht, dass er angesehen wird, wird er nicht affiziert, weil er gesehen wird, sondern weil er selbst sieht und nicht richtig beurteilt, was er sieht. Da nämlich viele andere denselben sehen und auch von demselben gesehen werden, aber dennoch nicht bewegt werden, liegt dies daran, dass sie anders urteilen als jener Tor. Jeder ist selbst die Ursache seines Irrtums und seiner Krankheit, nicht ein anderer. Denn er nimmt nicht die Liebe auf, mit der der Geliebte ihn vielleicht liebt, sondern nur das Bild der Gestalt, die er für schöner hält als andere. Daher werden weder Blinde noch Kinder noch andere, die vor solchen Dingen Abscheu haben, in irgendeiner Sache verändert, ob sie selbst andere ansehen oder von anderen angesehen werden.

Furnius: Aber Plutarch scheint zusammen mit mehreren anderen als Ursachen aporrhoiai, also gewisse Ausflüsse, anzusetzen, die an einer verderblichen Qualität teilhaben und durch deren Berührung die Geister und Säfte anderer Körper verdorben werden.

Erastus: Ich habe niemals geleugnet, dass aus den Körpern bestimmter Menschen etwas Schädliches ausdünstet und fremde Körper verunreinigt. Wenn es beliebt, diese Sache Faszination zu nennen, wird der Streit nicht über die Sache, sondern über den Namen gehen. Eine solche Infektion ist der Faszination zwar verwandt; doch näher kommt ihr jene frühere, soeben erläuterte. Wenn etwas Ansteckendes aus Körpern ausdünstet, die von Krätze, Lepra, Elephantiasis, Schwindsucht oder Pest befallen sind, nennen wir es Ansteckung; keineswegs sagen wir, es sei Faszination. Denn fasziniert werden meist diejenigen genannt, denen von einem anderen, der dennoch nicht an demselben Übel leidet, durch Verwünschung oder Wunsch, durch Imagination, vor allem aber durch den Blick der Augen irgendeine Krankheit zugefügt wird. Aus Ansteckung entstanden nennt man hingegen eine Krankheit, wenn einer, der an einer fauligen und ansteckenden Krankheit leidet, durch schädliche Ausdünstungen andere mit einer ähnlichen Krankheit befällt. Und man glaubt, dass jene Faszinierenden nur diejenigen verletzen, die sie zuvor mit ihren Augen und ihrer Ansteckung bezeichnet haben, den übrigen aber meist nichts schaden.

Umgekehrt verunreinigen diejenigen, die von einer ansteckenden Krankheit ergriffen sind, beliebige ihnen Begegnende, sofern die faulige Ausdünstung entweder äußerlich auf sie trifft oder innerlich an ihnen haften bleibt, vor allem aber jeweils die Liebsten: Ehepartner, Kinder, Brüder, Freunde, Hausgenossen, also diejenigen, deren Temperament dem eines jeden ähnlicher ist. Beide stimmen darin überein, dass sie nicht dadurch schaden, dass sie Gift oder ein tödliches Arzneimittel darbieten. Sie unterscheiden sich aber darin, dass die Faszinierenden nach allgemeinem Glauben wissend, umsichtig und wollend nur bestimmten Menschen Verderben bereiten, nämlich denen, denen sie das Übel bestimmt haben; die anderen aber unwissend und unwillentlich diejenigen verletzen, die sich ihnen nähern.

Füge auch dies hinzu: Die Faszinierenden werden vor allem durch die Geister der Augen für schädlich gehalten, als ob die Ursache des Übels hauptsächlich in der Imagination oder im Gehirn wohne, während Ursprung und Quelle des Übels bei der Ansteckung in jedem beliebigen Körperteil und auch im ganzen Körper bestehen können. Außerdem schaden diese nur, wenn die fauligen Ausdünstungen in die Körpergänge aufgenommen werden; jene aber verletzen die, die sie wollen, selbst wenn sie nur deren Kleider berührt haben. Schließlich ist derjenige, der durch Ansteckung schadet, zuvor selbst geschädigt und haucht aus einem fauligen Saft faulige Ausdünstung aus; die Faszinierenden aber müssen nicht krankhaft affiziert sein und haben daher keine fauligen und an sich schädlichen Geister. Wenn sie nämlich solche hätten, wären sie ohne Unterschied für alle verderblich. Doch schaden sie keinen anderen als denen, denen sie zu schaden wünschen. Also werden die Faszinierenden durch ihren Willen pestbringend; in sich selbst sind sie nicht so beschaffen. Deshalb unterscheiden sich Faszination und Ansteckung sehr stark.

Furnius: Wenn ich dich richtig verstanden habe, meinst du, dass von drei Weisen, auf die Menschen gleichsam durch Faszination geschädigt werden können, nur eine eigentlich Faszination genannt werden darf. Die erste und häufigste ist die, wenn jemand eine finstere und faulige Ausdünstung ausatmet, die Körper, an denen sie zufällig haften bleibt, mit einem ähnlichen Fehler beflecken kann, ob der Kranke dies will oder nicht. Diese Weise nanntest du Ansteckung. Die zweite ist seltener: wenn jemand durch den finsteren und schrecklichen Blick einer hässlichen und zornigen Alten oder eines anderen von Schrecken getroffen wird und aus diesem Anlass in eine Krankheit fällt, welcher Art auch immer diese sei. Diese Weise hast du ohne Namen gelassen. Die dritte, von der du meinst, dass sie schließlich Faszination genannt werden könne, ist die, wenn jemand mit Willen und Wahl einem bestimmten und bezeichneten Menschen durch Augen, Stimme oder Berührung zu schaden sucht, ohne dass irgendeine andere Sache angewandt wird. Ich sehe zwar, dass diese Weisen offenbar verschieden sind, sodass sie nicht durch eine einzige Definition umfasst werden können; und daher gestehe ich zu, dass es eine Faszination der dritten Weise nicht gibt, sofern angenommen wird, dass sie ohne Dazwischentreten von Geistern geschieht. Wenn aber festgesetzt wird, dass sie unter Dazwischentreten von Geistern geschieht, wie es den meisten von allen erschienen ist, kann ich dir noch nicht zustimmen.

Erastus: Du sagst richtig, dass sehr viele behaupten, das Fahrzeug der Faszination seien die Geister. Dies rührt daher, dass sie nicht unterschieden haben zwischen der eigentlich so genannten Faszination und der Ansteckung, die sie unter der Faszination mitbegriffen haben. Denn entweder verstehen sie unter Geistern beliebige Dämpfe und Ausflüsse, oder die eigentlich so genannten Geister, besonders die animalischen, da sie vor allem aus den Augen hervorzugehen scheinen. Wenn sie Dämpfe verstehen, die aus fauligen und schmutzigen Körpern oder Säften ausdünsten, dann ist es Ansteckung, nicht Faszination. Denn sie erheben sich aus jedem beliebigen Ort, der Fäulnis in sich enthält, und fließen durch alle Poren des Körpers oder der Haut aus; sie gehen nicht allein aus den Augen hervor. Auch gehorchen sie nicht der das Körperliche regierenden Kraft, sodass sie eher einen bestimmten und bezeichneten Menschen als jeden beliebigen, der ihnen begegnet, anfeinden und schädigen würden. Denn wenn die Natur sie regieren könnte, hätte sie niemals zugelassen, dass sie verdorben würden. Nachdem sie gegen ihren Willen und Widerstand verdorben sind, wirken sie auch gemäß der erworbenen Beschaffenheit, besonders wenn sie aus dem Körper ausgestoßen sind. Wer nämlich wäre so wahnsinnig zu meinen, die Natur, die nützliche und gute Säfte nicht vor Fäulnis bewahren konnte, könne sie nun, da sie verfault, widerspenstig, feindlich und verderblich geworden sind, regieren und außerhalb des Körpers dorthin lenken, wohin sie will? In der Tat sehen wir allzu oft, dass sie solche, auch wenn sie nicht verfault, sondern nur unmäßiger geworden oder auf andere Weise gestört sind, nicht mehr so regiert wie zuvor.

Furnius: Du sprichst so, als müssten ausfließende ansteckende Ausdünstungen notwendig faulig sein. Doch ist dies weder wahr, noch sind alle fauligen Ausdünstungen ansteckend. Man kann hier also antworten, die faszinierenden Dämpfe seien noch nicht faulig, sondern gehorchten noch der leitenden Natur. Ja vielleicht führt die Seele durch die animalischen Geister selbst, die die Gestalt der Faszination in sich tragen, ihr Verlangen aus.

Erastus: Du wirst kaum etwas sagen können, das weiter von der Wahrheit entfernt ist, als dass der Geist, das erste Werkzeug der Seele, von derselben außerhalb des Körpers ausgesandt werde, um dort nach Art eines Amtsdieners ihre Befehle auszuführen. Die Seele bemüht sich einzig darum, sie im Körper zu bewahren, da sie ohne sie weder etwas tun noch im Körper verbleiben kann. Ja, ich sage dir: Die Geister sind weder dazu gemacht, hinauszugehen, sondern dazu, der den Körper formenden Seele zu dienen, noch können sie mit einem eingeprägten Bild des auszuführenden Werkes hinausgehen. Denn sehr viele müssten zugleich hinausgehen, wenn sie sowohl das Bild hinübertragen als auch gemäß diesem einen fremden Körper verändern sollen.

Gegen diese Meinung sprechen alle Argumente, welche die Philosophen gegen diejenigen ausgedacht haben, die meinten, das Sehen geschehe durch Aussendung eines Geistes aus den Augen. Diese hier aufzuzählen wäre allzu lang und unnütz. Wer nämlich sollte glauben, dass feine, subtile, bewegliche, ja in jedem Augenblick erzeugbare und verderbliche Geister außerhalb des Körpers hinausgehen und nicht sogleich aufgelöst werden? Zerstreut nicht ein heftigerer Affekt der Seele, ein stärkerer Schmerz, eine reichlichere Entleerung sie oft wider Willen und trotz Widerstandes der Seele so sehr, dass das Lebewesen zusammenbricht und, solange sie sich wieder sammeln, eher einem Toten als einem Lebenden ähnlich erscheint? Und die, die im Körper befindlich so leicht zerstreut und der Herrschaft der Seele entzogen werden, sollen wir meinen, dass sie außerhalb des Körpers durch die Luft unversehrt und verbunden getragen werden und den Befehlen einer abwesenden Seele gehorchen?

Außerdem muss gefragt werden, wen wir ihnen als Führer für die Reise voransetzen sollen. Denn von Natur aus, glaube ich, werden sie nicht ohne Irrtum in eine bestimmte und bezeichnete Herberge und in keine andere gehen, es sei denn, du machtest sie vielleicht, wie Scaliger treffend sagt, zu irgendwelchen Mopsen oder Tages, die erraten, an welchen Ort sie sich wenden müssen. An dieser Stelle gerät Pomponazzi in seinem zehnten Kapitel seines Buches Über die Beschwörungen wunderbar ins Stocken und gesteht offen, diese Frage sei überhaupt äußerst schwierig. Nachdem er ängstlich und sorgenvoll alles versucht hat, schreibt er gegen Ende des Kapitels die Kraft der Bestimmung dem Werkzeug zu. Wer mehr von jener unglücklichen Erörterung sehen will, möge bei diesem Autor selbst lesen. Wir werden kurz und offen darlegen, dass sie weder von der Seele des Faszinierenden noch von dem, der die Faszination erleiden sollte, noch von sich selbst gelenkt werden können.

Dass die Seele des Faszinierenden dies nicht leisten kann, geht daraus hervor, dass keine Seele ihre Geister so affiziert, dass sie ihnen ihre Kräfte auf diese Weise mitteilt, sodass diese in ihnen fest und dauerhaft verbleiben. Denn wie die Sonne, wenn sie die Luft erleuchtet, der Luft beim Weggehen kein Licht zurücklässt, so affiziert die Seele, indem sie den Geistern beisteht und sie bewegt, diese, lässt ihnen aber nichts von ihrer Kraft zurück, wenn sie aufhört, sie zu bewegen. Wenn nämlich die eigene Kraft der Seele in einer anderen Sache fest haften könnte, könnten unbelebte Dinge die Werke eines beseelten Dinges oder der Seele ausüben. Dass aber Geister, die außerhalb des Körpers existieren, unbeseelt sind, bezweifelt, denke ich, niemand. Denn jede Seele ist die Form eines bestimmten Körpers und ist nicht außerhalb desselben, solange sie ihn formt. Deshalb wäre es weit widersinniger zu sagen, die außerhalb des Körpers durch die Luft getragenen Geister behielten diese Kraft der Seele fest an sich, als wenn man sagte, ein Messer, das durch die beistehende Macht des Künstlers wirkt und keine in sich verbleibende Kunst bewahrt, habe, nachdem es vom Künstler bewegt worden ist, eine dauerhafte Kunst des Schneidens bewahrt und könne diese von selbst ausüben.

Aber auch durch die Kraft der Seele des Leidenden werden sie nicht angezogen. Erstens nämlich zieht die Seele nicht einen fremden Geist an oder bewegt ihn, sondern ihren eigenen. Sodann: Wenn sie ihn anziehen könnte, könnte sie doch nicht wissen, wo und wann er in der Luft umherirrte und seine Anziehung durch eine bestimmte Seele erwartete. Denn wenn er von jeder beliebigen angezogen werden könnte, würde er notwendig oft irren und nicht an den Ort gelangen, an dem ihm befohlen worden war, das Aufgetragene auszuführen. Schließlich: Wenn sie es wüsste, würde sie ihn noch viel weniger anziehen, damit sie sich nicht selbst Untergang und Verderben zuzöge. Denn dies tut die Form eines jeden Körpers: Sie bewahrt ihr Subjekt und in diesem sich selbst. Wenn er aber der anziehenden Seele gehorcht, weicht die Faszination aus und wird aufhören, Böses zu tun; oder er wird sehr bald wie ein undankbarer und schädlicher Gast wieder hinausgeworfen werden.

Dass er nun auch nicht durch eigene Kräfte den vorherbestimmten Ort suchen und finden, sich gegen die Angriffe der entgegenkommenden Luft schützen und durch sich selbst das alles leisten kann, ist sowohl von selbst bekannt als auch aus dem eben Gesagten deutlich und klar ersichtlich. Wenn nämlich die Geister in sich die Macht hätten, sich selbst an einen bestimmten Ort zu begeben oder zu lenken und dort die befohlenen Dinge auszuführen, ja sogar fremde Körper nach dem Willen einer anderen Seele zu bewegen, wer könnte daran zweifeln, dass sie an Vernunft teilhaben müssten? Aber außerhalb des Körpers können sie weder beseelt sein, noch dürfen sie aus ihrem Körper hinausgehen, von einer Seele jedenfalls, die den Körper richtig regiert, werden sie niemals ausgestoßen, noch können sie, wenn sie hinausgehen, sich bewahren. Es bleibt also, dass diese Weise, durch ausgesandte Geister zu faszinieren, unmöglich ist.

Furnius: Zugegeben, die Geister gehen nicht hinaus. Wird deshalb nichts gefunden werden, wodurch die Faszination hinübergetragen wird?

Erastus: Nichts; denn es ist unmöglich, dass Affekte und Eigenschaften ohne den Körper, in dem sie sind, hinübergehen. Das aber, wodurch jemand durch Faszination geschädigt wird, ist irgendeine Eigenschaft oder ein Affekt. Daher ist notwendig, dass es mit irgendeinem Körper hinüberwandert, der aus dem Körper des Infizierenden ausfließt. Die Ausflüsse unseres natürlich beschaffenen Körpers aber sind Ausatmungen, die aus der zerstreuten Substanz der Glieder und aus verdünnten und in Hauch verwandelten Säften emporgehoben werden, besonders aus solchen, die der Natur entweder durch Menge oder durch Beschaffenheit Beschwerde bereiten und von ihr nicht verbessert werden können. Denn die in den einzelnen Gliedern eingepflanzte Wärme verwandelt, während sie die Werke der Ernährung vollbringt, einige Teile in Hauch und treibt sie zusammen mit den zu Dampf verdünnten Exkrementen durch alle Poren der Haut hinaus. In Krankheiten stößt sie bisweilen schädliche Säfte unverzüglich aus dem Körper hinaus, bevor sie so verdünnt sind, dass sie durch Hauch oder unmerkliche Transpiration verdaut und ausgeschieden werden können. Wenn sie sie aus ihm hinausgestoßen hat, treibt sie sie nicht weiter und regiert sie nicht mehr. Außer diesen Dingen geht nichts aus unseren Körpern hervor, wenn die Seele es will und besorgt, sofern sie nicht gehindert ist. Die Geister treibt sie nicht aus, sondern bewahrt sie, da sie gleichsam für alle Handlungen der Natur notwendig sind, eifrig, soweit sie kann.

Furnius: Dies habe ich nun verstanden. Doch sehe ich noch nicht, dass daraus folgt, nichts fließe aus außer jenen deinen fauligen Dämpfen, den Trägern der Ansteckung.

Erastus: Ich gestehe, dass täglich viele Ausdünstungen aus allen Teilen ausatmen, gutartig und frei von schädlicher Fäulnis. Doch wer diesen jene Fähigkeit zuschreibt, stößt viel schwerer an als derjenige, der sie den animalischen Geistern zuschreibt. Wenn nämlich die feste Imagination, verbunden mit heftigem Verlangen zu schaden, fasziniert, muss von diesen das Bild der Schädigung übertragen werden. Deshalb ist notwendig, wenn jene Ausdünstungen es hinübertragen, dass sie dieses zuvor von der Seele in sich eingeprägt haben. Sie selbst können es sich nämlich weder selbst anfertigen noch ein von einem anderen angefertigtes auflegen.

Nun aber ist es gewisser als gewiss, dass die Seele die Bilder ihrer Vorstellungen und Imaginationen zuerst im Geist, besonders im phantastischen, ausdrückt, am allerwenigsten aber in jenen Dämpfen, die aus zerstreuten Säften oder aus aufgelöster Substanz der Teile hervorgehen. Dafür werde ich gegenwärtig zwei Gründe anführen. Der erste ist, dass derartige Dämpfe Exkremente sind, mögen sie aus der zerstreuten Substanz der Teile oder aus Säften und anderen verdünnten Exkrementen emporgehoben gedacht werden. Denn wenn ein Teil in Hauch aufgelöst ist, ist er zum Exkrement und unnütz geworden. Die Seele aber bemüht sich, Exkremente auszuscheiden, nicht sie mit den Bildern ihrer Gedanken zu schmücken. Der zweite Grund ist, dass die Seele derartige Bilder nicht im ganzen Körper bildet, sondern nur in einem geeigneten Werkzeug, so wie sie das Sehen nirgends außer in den Augen ausübt. Jene Dämpfe aber brechen aus dem ganzen Körper hervor; aus den Augen kommt nur der kleinste Teil hervor. Daher sprechen diejenigen stimmiger, die faszinierende Geister aus den Augen herausführen, da diese aus dem Gehirn und aus dem Sitz der Imagination hervorgehen können. Daraus geht hervor, dass die aus dem ganzen Körper ausströmenden Dämpfe keineswegs Träger der Bilder sind. Ebenso offenkundig ist, dass nicht einmal die Geister dieselben übertragen, da auch sie selbst nicht auswandern können. Aber auch durch sich selbst fliegen sie nicht hinüber. Und selbst wenn sie aufs Äußerste hinüberspringen könnten, könnten sie doch nichts anderes tun als darstellen. Es muss also völlig falsch sein, was immer abergläubische Menschen mit Paracelsus über Faszination, Neid, Liebe, Hass und Imagination daherreden.

Furnius: Ich will nicht, dass Affekte der Seele aus einem in einen anderen durch Faszination übergossen werden, und ich habe die Autoren, die solches behaupten, nicht deshalb angeführt, sondern allein aus dem Grund, damit der Faszination leichter Glauben geschenkt werde: jener nämlich, durch die, wie man sagt, einige alte Weiber und gewisse andere vor allem noch zarte kleine Kinder durch Aussendung verderblicher Dämpfe auszehren oder sie durch andere hineingeschickte Krankheiten quälen.

Erastus: Diese Ansicht ist um nichts besser als jene. Denn wenn ein hinübergehender Dampf nicht durch ein eingeprägtes Bild, sondern durch eine erworbene krankhafte Qualität den Körper verdirbt, an dem er haftet, war er selbst zuvor von einer solchen Qualität affiziert. Denn ein krankhafter Affekt, der in mir ist, kann keinem anderen mitgeteilt werden, wenn nicht irgendein Körper aus mir, der an demselben Affekt Anteil hat, in den anderen hinüberwandert.

Furnius: Ich bestreite, dass dies ausnahmslos gilt, dass derjenige, der durch Ausatmung einen anderen infiziert, zuvor an derselben Krankheit leidet. Denn sehr viele, die nicht an der Pest litten, haben andere mit der Pest befleckt.

Erastus: Ich weiß, dass Kleider und Tiere bisweilen die Pest in irgendein Haus hineintragen, ohne selbst krank zu sein. Auch die Luft befleckt andere, ohne selbst die Krankheit zu fühlen. Wir sprechen nicht von diesen, sondern von Menschen. Ein Mensch, sage ich, kann keinen vergifteten Dampf ausatmen, wenn er nichts Vergiftetes in sich hat. Wenn die Ausatmung nicht im Menschen, sondern außerhalb von ihm eine tödliche Qualität erworben hat, dann war nicht derjenige, aus dem sie hervorging, der Urheber der Ansteckung. Wenn er mit seinem Kleid oder ein Tier mit seinen Haaren Samen der Pest aufgenommen und sie in Gegenwart eines anderen abgeschüttelt hat, und dieser von ihnen verletzt wurde, dann wird man mit Recht sagen, jener habe nicht an der Pest gelitten; aber jener litt dennoch daran, von dem jene Samen ausgegangen sind und der Kleider hatte, die die Samen des Übels in sich trugen. Wenn derselbe diese Samen mit Haut oder Körper so aufgenommen hätte, wie er sie mit den Kleidern aufnahm, hätte er auf dieselbe Weise gelitten, sofern nicht eine stärkere Natur sie zuvor von sich abgewehrt hätte.

Die Wahrheit dieser Sache erscheint daraus, dass Pestkranke, wenn die Natur des Erkrankten das Gift überwunden hat, die Mitwohnenden und Näherherankommenden nicht mehr beflecken, als wenn sie sonst an einem fauligen Fieber litten. Der Dampf also, der andere vergiftet, hat, wenn er die bösartige Qualität im Körper erworben hat, aus dem er ausatmete, sie von einer ähnlichen Qualität erworben, die in einem oder mehreren Teilen haftet. Wenn diese im ersten Menschen nicht ebenso offenbar, schwer und grausam war wie im später Befallenen, so muss dies der Beschaffenheit seines Temperaments und seinen größeren Kräften zugeschrieben werden. Oft nämlich wütet dieselbe Krankheit in verschiedenen Menschen nicht mit derselben Kraft, sondern erscheint in den einen milder, in den anderen grausamer. Im Übrigen wird jene Mitteilung von Affekten, die durch einen ausdünstenden Geist geschieht, Ansteckung genannt, nicht Faszination, wie aus dem Vorigen klar ist. Außerdem steht aus demselben fest, dass aus den Augen weniger solcher Dämpfe ausatmet als aus anderen Teilen, außer vielleicht allein die Augen sind krank oder stärker als andere Teile, wie es bei Augenentzündungen geschieht. Bewiesen ist auch dies: dass diese Dämpfe nicht an einen bestimmten Ort oder Menschen gelenkt werden können, noch dem einen schädlich, dem anderen aber unschädlich sind, sondern allen gleichermaßen verderblich, außer insoweit Temperament und Natur eines jeden Widerstand leisten. Also wird dieser und nicht jener von ihnen affiziert, nicht weil der, von dem der Dampf ausfloss, wollte, dass jener und nicht dieser affiziert werde, sondern weil jener zur Krankheit geneigter war. Schließlich kann derjenige, aus dem die verdorbenen Dämpfe hinausgehen, ihnen nicht befehlen, dass sie eher in diese als in jene Richtung getragen werden und einem bestimmten Menschen schaden, während andere unverletzt bleiben. Wenn dies in unserer Macht stünde, würden wir niemals zulassen, dass die, die wir lieben, durch irgendeine Ansteckung infiziert werden; und zur Zeit der Pest würde niemand seine Kinder und andere an sicherere Orte wegschicken.

Furnius: Ich wollte fragen, weshalb, da du ansteckende Dämpfe faulig genannt hast, nicht alle fauligen Geister durch Ansteckung schaden; aber weil die Antwort teils aus dem siebten Problem des Aristoteles, teils aus dem Gesagten ersichtlich ist, lasse ich es gern beiseite. Ich gestehe indessen, dass ich durch deine Argumente genötigt bin, mit Geist und Füßen auf deine Seite zu treten: dass es nämlich keine Faszination gibt, die eigentlich so genannt wird, sondern dass das, was andere der Faszination zugeschrieben haben, auf eine der beiden anderen Weisen zurückgeführt werden kann.

Erastus: So verhält es sich, sooft etwas Derartiges von Menschen getan wurde oder getan wird. Denn was von einer anderen und größeren Kraft vollbracht wird, die dem Menschen beisteht, ist, auch wenn man meint, es sei vom Menschen vollbracht worden und es von Unkundigen Faszination genannt wird, dennoch keine Faszination und verdient auch nicht, so genannt zu werden, wie aus ihrem Begriff hinreichend dargelegt worden ist. Unter diesem Namen standen Mose, die Propheten, die Apostel und viele andere heilige Männer in schlechtem Ruf, wie aus der Lektüre heidnischer Schriftsteller bewiesen wird, da sie aus fremder Kraft Wunder und Zeichen hervorgebracht haben, die die törichte Heidenwelt für durch magische Macht vollbracht hielt. In ähnlicher Weise irren auch jene, die meinen, was gewisse verlorene Menschen durch Dämonen bewirken, werde durch irgendwelche eingepflanzten Eigenschaften ohne Frevel und Sünde geleistet. Nichtsnutzige Geister pflegen, sooft sie mit Gottes Zulassung durch Erregung der Geister und Säfte eine Krankheit entzündet haben, höchst unglücklichen alten Weibern einzureden, sie selbst seien die Urheberinnen solcher Werke gewesen.

Furnius: Das mahnst du gut an. Denn ich wollte dich kurz zuvor fragen, welchen Unterschied du zwischen Faszination und anderen Beschwörungen setztest. Du scheinst nämlich jene als eine bestimmte Art dieser zu bestimmen.

Erastus: Du urteilst völlig richtig. Denn wer durch Blick, Stimme oder Berührung schadet oder sich einbildet zu schaden, ohne dazwischentretende Ansteckung und ohne dass irgendeine andere Ursache dazwischenkommt, schadet nicht durch eigene, sondern durch teuflische Macht. Göttliche Handlungen nehmen wir stets aus. Daher schadet er nicht durch natürliche Fähigkeit, sondern durch eine größere Gewalt, und das heißt beschwören. Wenn jemand zu diesem Zweck Verwünschungen oder Zauberlieder, Worte, Charaktere, Bilder und andere Dinge verwendet, die zwar an sich nicht schädlich sind, aber wegen einer von Dämonen eingegossenen Kraft für schädlich gehalten werden, so heißt derjenige, der solches tut, nicht faszinieren, sondern beschwören. Der Unterschied liegt fast nicht in der Sache, sondern in den Werkzeugen; der Werkmeister ist in beiden Fällen ein und derselbe, nämlich der Teufel. Doch nachdem wir dies an seinen Ort verwiesen haben, wollen wir das erledigen, was vorgenommen war.

Furnius: Dasselbe gefällt auch mir. Fahre also fort.

Erastus: Es scheint nur noch Weniges von dieser Erörterung übrig zu sein. Bevor ich es mit dem Übrigen verknüpfe, will ich die Hauptpunkte des Gesagten kurz wiederholen. Es ist von uns gezeigt worden, dass die Imagination, sei sie als Vermögen der Seele genommen, sei sie als imaginierte Gestalt angesetzt, sei sie für beides, das heißt für den Akt der Phantasie selbst, gebraucht, weder den eigenen Körper noch einen fremden, was bei weitem schwieriger ist, bewegen kann oder darf, außer insofern sie durch die Darstellung angenehmer oder unangenehmer Dinge das Begehren zur Verfolgung oder zur Flucht bewegt. Ich habe die Meinung des Aristoteles dargelegt, als er sagte, die Imagination sei eine Veränderung; zugleich habe ich gezeigt, dass Pomponazzi völlig geirrt hat, als er jenes Zeugnis des Aristoteles zur Bestätigung seiner eigenen Phantasie anführte. Auch die Erfahrungen, die sowohl von ihm selbst als auch von anderen angeführt wurden, habe ich als leer und untauglich erwiesen. Schließlich habe ich aufs Deutlichste gelehrt, dass das, was die Alten und die Neueren über die Faszination geschrieben haben, entweder falsch und nichtig ist oder andere Ursachen hat.

Deshalb scheint nun nichts anderes übrig zu sein, als dass wir die gegenwärtige Erörterung abschließen und wahrheitsgemäß sagen, dass alles, was die Platoniker, Avicenna, al-Ghazālī, al-Kindī, Pomponazzi, Paracelsus und andere Abergläubische über die Kräfte der Imagination vorgebracht haben, indem sie diese zur Ursache der oben genannten Wunder machten, gleichermaßen falsch und gottlos ist.

Und um von Paracelsus zu sprechen: Wie wird die Imagination ein Gestirn genannt werden können, das nach eigenem Gutdünken alles formt, wenn ihre Kraft keine andere ist als die des Darstellens? Auf welche Weise wird das Lebewesen in Wirklichkeit das sein, was es sich zu sein imaginiert? Wenn dies wahr ist, warum sind dann Melancholiker, die aufs hartnäckigste eben das imaginieren, was sie zu sein meinen, nicht tatsächlich Töpfe, Schafe, Hühner, Vögel, Gesunde, Tote, Könige und ich weiß nicht was sonst noch? Vielleicht konnte auch Paracelsus, der anderen ein Leben von sechshundert und mehr Jahren versprach, ja ein Leben, das bis zum Ende der Welt dauern sollte, das siebenundvierzigste Jahr deshalb nicht vollenden, weil er sich vorgestellt hatte, innerhalb dieser Zeit sterben zu müssen. Durch fortwährende Trunkenheit gehindert, konnte er, wie ich meine, Venus und Merkur nicht durch Imagination vom Himmel herabziehen, damit ihm nicht Unsterblichkeit, mit der sie, wie er schreibt, viele Sterbliche beschenkt hätten, sondern ein längeres Leben verliehen würde.

Was er von der Ausgießung der Strahlen dahergeschwatzt hat, ist eher des Lachens als der Widerlegung würdig. Denn die Phantasie ist weder ein Körper noch ist sie in einem strahlenden Körper enthalten, sofern wir hier von Strahlen sprechen. Die animalischen Geister aber, deren Dienst sie gebraucht, werden von der natürlich affizierten Seele nicht ausgesandt, und sie gehen selbst nicht ohne Schaden für das Lebewesen hinaus. Widersinnig ist, dass er Menstruationsblut in den Himmel erhebt, aus dem dann dort irgendein Vulkan Kreuze anfertige, die auf Kleider herabzusenden seien. Im Buch über den Tartar oder die unsichtbaren Krankheiten beschreibt er den Vorgang mit diesen Worten: „Die Imagination der Frau erhob das Menstruationsblut in den mittleren Himmel und formte dort daraus das, was sie damals bildlich sah. Diese Dinge fielen danach unmerklich auf die Menschen herab. Daher wurden Kreuze auf den Kleidern gesehen“ usw.

Auch die Rute verdient er dafür, dass er behauptet, unsere Gedanken und Imaginationen würden verkörpert, flögen zu den Gestirnen in die Himmel hinauf und infizierten diese mit ähnlicher Verderbtheit; nachdem sie dort genügend durchgekocht und schädlich gemacht worden seien, würden sie wiederum zu uns herabgeworfen. Der Geißel würdig ist jenes, dass er behauptet, wir könnten durch Imagination die Himmelsgestirne zwingen, und dass er die Kraft der Charaktere, Bilder, magischen Worte, ja der ganzen Magie aus dem Himmel herleitet. Darüber werden wir später an seinem Ort sprechen.

Was nun? Übersteigt es nicht allen Glauben und alle Vorstellung der Menschen, dass er schreibt, ein gewisser von Krankheit darniederliegender und beinahe toter Mann habe das Leben, die Kräfte, die Sinne und die Natur eines kräftigen Jünglings durch Imagination von jenem zu sich herangezogen, und ein gewisser Archasus habe die Gelehrsamkeit und Klugheit anderer durch die Kräfte der Phantasie zu sich herbeigerufen? Man kann fragen, ob er meint, Leben, Sitten, Wahrnehmungskraft, Gesundheit, Stärke und Wissen des Geistes hätten aus ihrem Subjekt in ein anderes hinüberwandern können. Wenn er dies verneint, überführt er sich selbst einer unverschämten Lüge. Wenn er es bejaht, muss er entweder meinen, all dies seien Körper gewesen, oder zugestehen, dass ein Akzidens, nachdem es sein Subjekt verlassen hat, in ein anderes übergegangen sei. Dies aber widerspricht nicht nur der Wahrheit und der rechten Philosophie, sondern auch dem Urteil aller gesunden und verständigen Menschen, die seit Erschaffung der Welt gelebt haben.

Wenn er im Übrigen leugnet, dass Sitten, Natur oder Temperament, Kräfte, Gesundheit und Wissen Qualitäten seien, und behauptet, sie seien Körper, dann ist er unwürdig, von Gelehrten genannt zu werden, geschweige denn, dass seine ungeheuerlichen Lügen widerlegt würden. Dass er dies aber bisweilen gemeint hat, beweist schon dies, dass er behauptet, beliebige Imaginationen und Affekte der Seele entarteten zu Körpern, und dass er oft sagt, Krankheiten seien Körper. Wer derartige Ungeheuerlichkeiten in längerer Rede bekämpft, tut gewiss nichts anderes, als sich selbst den Wissenden zum Gelächter darzubieten. Daher will ich, anderes beiseitelassend, nur dies wissen: Wie sollte derjenige nicht zweimal Mensch gewesen sein, der all dies von einem anderen in sich hinüberzog? Denn wer Natur, Begabung, Kräfte, Sinne und Leben eines anderen hat, hat auch dessen Menschsein. Er hatte damals also ein doppeltes Menschsein, es sei denn, du sagtest vielleicht, durch eine Verwandlung sei jener andere in einem Augenblick aus einem jungen Mann ein Greis, aus einem Kräftigen ein Schwacher, aus einem Gesunden ein Kranker, aus einem Lebhaften ein Sterbender, schließlich aus Nireus ein Thersites geworden. Wenn du dies verneinst, war derselbe zugleich Greis und Jüngling, kräftig und schwach, gesund und krank, zur selben Zeit in demselben Teil. Kann etwas Ungeheuerlicheres als diese Missgeburten erdacht werden?

Doch könnte man dies noch verzeihen und darüber lachen, wenn er nicht überdies verbrecherisch Gottloses gelehrt hätte. In der Tat ist es ein Verbrechen, das durch keine noch so harte Strafe gesühnt werden kann, dass er mit Pomponazzi und anderen Atheisten behauptet, Propheten würden von den Gestirnen erzeugt und ihr Aufgang könne im Himmel vorhergesehen werden, bevor sie geboren seien; und dass er festsetzt, fast alle Kraft der Wunder gehe daraus hervor, dass einige durch ihre Imagination die Macht der Gestirne sich unterwerfen. Auch Albertus Magnus überlieferte, Steine, die mit bestimmten Figuren bezeichnet seien, hätten die Kraft der Weissagung und der Offenbarung von Geheimnissen; und in solchen Possen ist er überhaupt maßlos. Pomponazzi ist sogar zu solcher Kühnheit fortgeschritten, dass er behauptete, auch die Auferstehung der Toten könne durch die Kräfte der Natur bewirkt werden, sofern man annehme, dass die Seelen unsterblich seien; und dass er unverschämt versicherte, die Religionen würden gemäß den Umläufen des Himmels notwendig wechseln, sodass bald diese, bald jene hervortrete, Zuwachs gewinne, gelte, herrsche und regiere.

Furnius: Über die ruchlosen Unflätigkeiten Pomponazzis bemühen wir uns nicht. Was aber die Vorahnung der Zukunft betrifft: Da diese nichts von dem, was im Geist ist, außerhalb des Lebewesens hervorbringen will, sondern nur danach strebt, Zukünftiges zu sehen und zu erkennen, bevor es eintritt, wird sie von deinen zuvor vorgebrachten Argumenten nicht angegriffen. Wenn daher die Vorahnung künftiger Dinge, wie du behauptest, ein Wunder ist, wird wenigstens auf diese Weise ein scharfsinniger Mensch durch Imagination etwas Wunderbares tun.

Erastus: So verhält es sich. Jene Argumente zeigen nämlich nur, dass dies falsch ist: dass die in der Phantasie existierenden Bilder die Dinge selbst seien oder würden, oder dass sie die Kraft der Dinge, deren Abbilder und Bilder sie sind, bewahrten; und dass durch Imagination und Begierde außerhalb des Lebewesens die imaginierten Dinge erzeugt würden, wie sie töricht meinen. Über das Amt des Prophezeiens habe ich in dem Büchlein, das gegen den Wahn der Astrologen veröffentlicht wurde, zwar kurz, doch gründlich und klar disputiert; und vielleicht wird einiges hinzugefügt werden, wenn wir später über die Divination handeln. Gegenwärtig werde ich nur gleichsam kosten lassen, was unseren Gegenstand näher berührt. Denn die Vorahnung künftiger kontingenter Dinge ist wahrhaft wunderbar. Damit du also erkennst, dass auch dieses Wunder nicht von der Imagination ausgeht, werde ich diese Sache kurz durchgehen und gleichsam nur mit dem Finger darauf hinweisen.

Prophetie ist also, wie feststeht, eine Vorhersage oder Voraussicht künftiger kontingenter Dinge. Denn das Vorauswissen notwendiger Dinge hat nichts besonders Bewundernswertes. Auch dies steht fest: Unsere Erkenntnis geht von den erkannten Dingen aus, insofern sie ihre Begriffe in uns erwecken; und nichts wird von uns erkannt, wovon wir nicht Abbilder oder Vorstellungen oder Begriffe haben. Drittens steht fest, dass keine Vorstellungen unseres Geistes wahr sind, denen nicht Dinge außerhalb der Seele entsprechen. Viertens steht fest, dass jedes Ding so wirkt, wie es existiert. Darüber hinaus steht auch dies fest, dass zukünftige Dinge schlechthin nicht existieren. Aus diesen Punkten folgt notwendig, dass zukünftige Dinge keine Begriffe und keine Bilder in unserer Seele erwecken. Wovon wir aber keine Begriffe in uns haben, das kennen wir auch nicht. Daher erkennen wir entweder künftige kontingente Dinge nicht, bevor sie geschehen oder existieren, oder etwas Existierendes erschafft deren Begriffe in uns. Im Übrigen kann keine natürliche Sache durch sich eine andere Vorstellung in uns erzeugen als die ihrer selbst. Wer könnte nämlich, sofern er ist, in uns das Bild einer anderen Sache bilden als seiner selbst, und zwar einer nicht existierenden Sache? Nichts wirkt nämlich über seine Natur hinaus.

Furnius: Du nimmst dir zwei Dinge, die wir dir keineswegs zugestehen werden: nämlich erstens, dass es in der Imagination keine Abbilder gebe, die nicht von äußeren Dingen eingeprägt sind, obwohl jeder sich höchst wunderbare Gestalten bilden kann, denen keine äußere Sache entspricht. Das andere ist, dass eine einzige Gestalt nicht zwei Dinge darstellen könne, als stünde nicht fest, dass das Abbild oder der Begriff einer Ursache zugleich das Bild ihrer Wirkung miterzeugt. Da beides falsch ist, wirst du im Folgenden vergeblich arbeiten.

Erastus: Ich weiß wohl, dass die Phantasie ungeheuerliche Bilder bilden kann. Aber ich bestreite dir, dass sie anderswoher geschöpft sind als aus den Dingen; ich gestehe dir gern zu, dass sie verkehrt zusammensetzt, was nicht verbunden werden darf. Die Phantasie nimmt die Ideen eines Menschen und ebenso eines Pferdes getrennt voneinander auf. Wenn sie diese zusammensetzt und einen Hippokentauren bildet, erfindet sie nicht Gestalten, die nicht von den Sinnen aufgenommen wurden, sondern verbindet widersinnig und falsch, was die Natur so nicht verbinden wollte.

Auf das Zweite ist die Antwort ebenso leicht und rasch. Durch keine Kraft kann es geschehen, dass das Bild irgendeiner Sache etwas anderes darstellt als die Sache, deren Bild es ist. Da aber von den Ursachen einige ihre Wirkung tatsächlich hervorbringen, andere nur der Möglichkeit nach, geschieht es bei den ersteren, dass Ursache und Wirkung zwar zugleich in der Imagination dargestellt werden, aber nicht durch ein einziges Bild der Ursache. Wenn man zum Beispiel sieht, dass Feuer die Hölzer, von denen es genährt wird, verbrennt, wird dem Geist ein doppeltes Bild dargeboten, nämlich das des Feuers und das des Verbrennens der Hölzer; doch wird beides nicht durch das eine Bild des Feuers dargestellt. Du wirst dies daraus verstehen, dass ein Kind, das nicht weiß, das Feuer zu fürchten, nichts fürchtet und glühende Kohlen berührt und die Hand in Flammen ausstreckt. Wenn es sich aber verbrannt hat, nähert es sich ihm künftig nicht leicht. Daraus ist offenbar, dass das eine Bild des Feuers nichts anderes darstellt als eine solche Substanz.

Wir sprechen hier auch nicht von Ursachen, die ihre bestimmten Wirkungen notwendig hervorbringen, oder von solchen, die sie bereits tatsächlich bewirken, sondern von natürlichen kontingenten Dingen und somit von noch nicht tatsächlich wirkenden Ursachen. Wir disputieren nämlich über die Vorahnung künftiger kontingenter Dinge lange bevor sie begonnen haben, zu geschehen und hervorgebracht zu werden. Was bereits geschieht, ist nicht schlechthin zukünftig, sondern existiert in gewisser Weise. In Frage steht dies: ob das Bild einer Sache, die noch nicht tatsächlich eine bestimmte Wirkung hervorbringt, sondern nur eine Möglichkeit besitzt, die auf unzählige Weisen gehindert werden kann, denn wenn sie nicht gehindert werden könnte, wäre sie nicht kontingent, damals jene vielleicht erwartete Wirkung darstellen kann. Wer sieht nicht, dass dies unmöglich ist? Denn was der Möglichkeit nach etwas ist, ist genau dies nicht wahrhaftig, solange es der Möglichkeit nach dasselbe bleibt. Was aber der Sache nach nicht existiert, kann auch nicht wirken. Es wird also ein Bild seiner selbst hervorbringen, sofern es etwas tatsächlich ist, nicht aber sofern es der Möglichkeit nach irgendetwas ist.

Gibt es jemanden, der so töricht und stumpfsinnig ist, dass er, wenn er einen Baumeister sieht, der noch nicht baut und von niemandem zum Bauen verpflichtet wurde, zugleich zu sehen meint, was für ein Haus er nach tausend Jahren, für wen, wann und an welchem Ort bauen wird? Gewiss kann das Bild des Baumeisters ihm dies nicht zeigen.

Ich will zusammenfassend sprechen. Es ist völlig notwendig, dass das Bild einer zukünftigen kontingenten Sache in der Imagination des Sehers entweder von der zukünftigen Sache selbst ausgedrückt ist, oder von der Ursache derselben Sache, die noch nicht wirkt, hervorgebracht wird, oder von einer höheren Ursache bewirkt wird, oder von dem Seher selbst erdichtet ist. Das Erste ist unmöglich; denn sie würde wirken, bevor sie geboren würde, und wäre, bevor sie entstünde. Das Zweite haben wir als ebenso widersinnig und unmöglich gezeigt. Wenn es von einer höheren Ursache ausgegangen ist, kann es außer Gott keine geben, dem allein die zukünftigen Dinge bekannt sind. Doch so sieht er die Zukunft nicht durch die Kraft der Imagination voraus, sondern durch göttliche Macht. Wenn du meinst, es sei vom Seher erdichtet, wird es keinen Grund geben, weshalb es so eintritt, wie jener träumte, dass es eintreten werde. Wenn nämlich die Sache deshalb eintreten muss, weil er sie sich so vorgestellt hat, sagt er nicht nur Zukünftiges voraus, sondern bewirkt es auch. Was hindert also, dass uns diese Imaginationskünstler am Ende Wirkungen liefern, was immer Lukian in seinen Erzählungen berichtet hat? Du wirst dich auch nicht entschuldigen, wenn du antwortest, dies gehe über die Kräfte der Natur hinaus. Denn es ist beinahe eher möglich, dass mit dem Körper eines Stieres ein einem Menschenkopf ähnlicher Kopf verbunden werde, als durch die Kräfte der Phantasie Zukünftiges vorauszusehen oder die in ihr aufgenommenen Bilder in Körper zu verwandeln, Himmel und Erde zu regieren und sogar die Gestirne wie ein Zugtier zu ihrem Gehorsam zu zwingen.

Aus dem eben Gesagten wie aus dem oben Erörterten ist, meine ich, hinreichend offen ersichtlich, mit welch unerträglichem, ja geradezu frevelhaftem Irrtum jene Menschen, wenn sie es unwissend tun, zu bemitleiden, wenn sie es aber wissentlich sagen, zu verabscheuen sind, wenn sie den Kräften der Imagination zuschreiben, was Gott allein eigen ist. Mit ähnlichem Frevel schreiben sie derselben die Kraft zu, Wunder zu wirken, worüber wir zuvor vielleicht allzu ausführlich gehandelt haben.

Betrachte, bitte, mit welch nichtigen Vermutungen Avicenna beweisen will, dass die Materie der unter dem Mond gelegenen Welt unserer Imagination mehr gehorche als den entgegengesetzten Kräften, die sie verwandeln. Wenn jemand, sagt er, über einen auf die Erde gelegten Balken gehen will, tut er dies ohne Gefahr; wenn er über denselben Balken, der an einem hohen Ort angebracht ist, über einen Graben oder Wasser gehen will, fällt er aus der Gefahr der Imagination heraus. Wer hat je geleugnet, dass durch die Imagination, die eine Gefahr darstellt, dem Lebewesen Furcht eingeflößt wird und durch diese die Geister mit einer gewissen Gewalt zusammengezogen werden und die Kraft der Muskeln gewissermaßen erschüttert oder vermindert wird? Wenn der Balken an einem ebenen Ort ausgestreckt ist, fehlt die Ursache der Furcht. Daher tragen die Muskeln den Körper so, dass das Lebewesen nicht leicht fallen kann. Oft stellen wir uns Schreckliches vor, das aber jenseits des Meeres ist und uns nicht schaden kann; von diesem werden wir, wie ich aus Aristoteles angemahnt habe, nicht anders affiziert, als wenn wir ein Gemälde betrachteten. Also erschüttern diejenigen Dinge unser Gemüt, von denen wir meinen, dass sie uns schaden werden, nicht jene, von denen wir überzeugt sind, dass sie uns nicht verletzen können.

Derselbe führt auch das Gähnen an, das jedoch nichts anderes tut, als die Natur gleichsam an ihre Aufgabe zu erinnern. Diejenigen also, die einen anderen gähnen sehen, gähnen meistens, weil die Materie beinahe immer bereit ist. Es urinieren aber nicht immer diejenigen, die andere urinieren sehen, weil sie nicht immer Urin in der Blase gesammelt haben. Doch weil über diese ganze Sache hinreichend disputiert worden ist, werden wir zu anderem übergehen, sofern dir nichts anderes scheint. Denn was er außer dem bereits Gesagten an verschiedenen Stellen zur Stützung dieser Meinung vorgebracht hat, ist von uns oben, wie du dich wohl erinnerst, erwogen und widerlegt worden.

Furnius: Das missfällt mir nicht. Dennoch möchte ich beim Übergang zu anderem noch etwas über die Meinung Avicennas von dir hören, dessen Ansicht du mir eben wieder in Erinnerung gerufen hast. Denn dies scheint wahrscheinlicher als anderes: dass er jene ganze Macht der Intelligenz zuschreibt, die sich der Mensch durch Imagination gewissermaßen gewinne und freundlich sowie gehorsam mache, sodass nun nicht so sehr die Imagination als vielmehr die mit ihr verbundene Intelligenz als Werkmeisterin und Ursache jener wunderbaren Dinge bezeichnet werden muss. Die Weise, auf welche die Seelen an den Ideen der Intelligenzen teilhaben, erklärt Marsilio Ficino mit diesen Worten: „Die höheren Geister wirken also auf die unseren, als auf ihnen gleichförmige, allein durch die Einflüsse ihrer Bilder, wie ein Gesicht auf einen Spiegel; und indem sie auf sie wirken, formen sie sie und machen sie ähnlich, bis zu dem Punkt, dass die Seelen oft beinahe ebenso wunderbar wirken, wie die himmlischen zu wirken pflegen.“ Und kurz darauf: „Dann kommen Wunderzeichen, Träume, Weissagungen, Orakel.“

Erastus: Diese törichte Erdichtung scheint einer Widerlegung nicht würdig, da sie nicht nur jedem Sinn für Frömmigkeit, sondern auch jeder Gelehrsamkeit aufs Fernste fremd ist. Dennoch verfiel der Araber Avicenna ihr so sehr, dass er, wie es scheint, einen Abweichenden nicht in die Gemeinschaft der Philosophen aufgenommen hätte. Sie stützt sich auf einige falsche Voraussetzungen. Erstens setzt sie in den Gestirnen gewisse Dämonen oder Intelligenzen an, die dort wohnen und sich an Würde und Kräften voneinander unterscheiden. Zweitens nimmt sie an, diese Intelligenzen könnten die Materie der elementaren Welt nach ihrem Belieben, wenn auch mit ungleicher Kraft, sogar ohne dazwischentretende Umwandlung verändern. Denn wenn die geringeren sie nur unter Vermittlung einer solchen Umwandlung veränderten, so veränderten die edleren sie ohne diese. Ebenso nimmt sie an, unsere Seelen würden bald von einer dieser Substanzen, bald von verschiedenen anderen und unähnlichen mit Kräften und Eigenschaften begabt, durch die sie sich voneinander unterscheiden. Viertens nehme die Materie den edleren Ursachen stärker Gehorsam entgegen. Fünftens seien jene körperlosen Substanzen edler als die gegensätzlichen Kräfte, durch die wir die Materie verändert sehen.

So meint er, es geschehe, dass eine Seele, die unter dem günstigen Gestirn Jupiters entstanden sei, andere an Adel überrage und nicht nur als Seele wirke, sondern auch als von den Kräften Jupiters durchströmt tätig sei und daher hier jede Materie gehorsam habe, um zu vollbringen, was immer die Intelligenz Jupiters vermöge. Gleichwohl bedürfe diese Seele einer starken und angespannten Imagination, durch die sie den Ort, nachdem der Schritt disponiert ist, in ihren Gehorsam ziehe; schließlich müsse sie sich von den Leidenschaften des Körpers lösen und gleichsam frei herrschen. Dass diese veränderliche Materie unserer Seele gehorche, suchte er durch einige Experimente zu bestätigen, die sich der vorliegenden Sache nicht einmal um viele Myriaden von Schritten nähern: durch das Gehen über einen Balken, durch die siegreiche Henne, durch die venerische Ansteckung, durch die Ähnlichkeit von Kindern mit den Eltern, durch die Imagination und Begierde Schwangerer, durch das Gähnen usw.; darüber haben wir bereits reichlich gesprochen.

Diese Phantasie hat manches mit den Platonikern und Astrologen gemeinsam, über die an ihrem Ort disputiert wird. Gegenwärtig will ich nur das in wenigen Worten auflösen, was die Imagination näher betrifft. Ich glaube nicht, dass es nötig ist, Ficinos Ansicht im Einzelnen zu widerlegen, da sie weder mit der Philosophie übereinstimmt noch mit den Heiligen Schriften zusammenpasst. Ja, weil sie mit diesen in geradem Gegensatz steht, scheint sie eher verabscheut als widerlegt werden zu müssen. Nicht nur an dieser Stelle schreibt er der Seele göttliche Kraft zu, sondern auch anderswo häufig. Ausdrücklich aber bekennt er sich in der gegenwärtigen Sache zu Avicenna, al-Ghazālī und den Platonikern. Denn er sagt auch, Platon meine, aus unserem Geist würden, wenn er seine unversehrte Kraft auf ein bestimmtes Werk anwende, so wie das Feuer mit allen Kräften seiner Natur das ihm Nahegebrachte verbrennt, sehr leicht Wunderbares hervorgehen, mehr noch als aus Feuer und Himmel. Was soll man dazu sagen, dass er meint, durch diese Philosophie würden die Worte Christi vom Glauben, der Berge versetzt, bestätigt? Schön stimmt Paracelsus irgendwo mit ihm in der Auslegung dieser Worte überein. Wirst du einen Priester Gottes, als welcher er erscheinen wollte, und nicht vielmehr einen Billiger und Vorsteher ägyptischer Heiligtümer in ihm sehen, da er so zügellos gegen die Frömmigkeit wahnsinnig ist? Sicher ist: Keine unter dieser Sonne, ich spreche von Philosophen, waren größere und dienstfertigere Verehrer der Dämonen als die Platoniker. Und sollen wir sagen, durch deren verabscheuungswürdige Lügen würden die Worte der Wahrheit bestätigt? So sehr war Ficino diesen scheußlichen und geradezu teuflischen Fabeln ergeben, dass er lieber den stinkenden Speichel der Platoniker leckte, als den süßesten Honig der Wahrheit zu kosten. Gottlos glaubte er, von Gottlosen getäuscht, die Himmel oder deren Geister oder Dämonen könnten Wunder wirken.

Doch lassen wir dies und handeln wir allgemein von der Sache selbst, die nicht nur auf eine einzige Weise als falsch erwiesen werden kann. Erstens nämlich kann eine Intelligenz, die eine körperlose Substanz ist und nicht in die Sinne fällt, nicht durch Imagination erfasst werden. Die Bilder der Phantasie aber, oder ihre Anfänge und Teile, um es so zu nennen, werden von den Sinnen in sie abgeleitet. Gewiss können wir körperlose Dinge eben deshalb, wie sie eigentlich beschaffen sind, nicht erfassen, außer soweit wir durch Verneinung körperlicher Eigenschaften und gleichsam durch eine gewisse Analogie etwas über sie erschließen. Es ist also unmöglich, dass wir von irgendeiner Intelligenz oder einem himmlischen Geist ein wahres Abbild und wahres Bild in der Phantasie ausgedrückt haben. Ja, auch wenn wir unsere eigenen Seelen und die Engel, die Diener Gottes, in Gedanken erfassen wollen, wie sie beschaffen sind, bilden wir uns gewisse körperliche Dinge ein, nämlich Gestalt und Figur. Und gewiss haben sie, wenn sie sich auf Gottes Befehl hin dem Menschen bisweilen offenbaren mussten, solche Formen angenommen.

Auch möchte ich wissen, welcher Werkzeuge sie sich bedienen, um Bilder in der Phantasie zu erzeugen, da sie selbst nicht sinnlich wahrnehmbar sind. Für jede Tätigkeit nämlich, die über die Substanz des Wirkenden hinausgeht, bedarf es eines Werkzeugs, wie Aristoteles im Buch Über die Entstehung der Tiere treffend angemahnt hat. Auch ist es von selbst bekannt und von allen zugestanden, dass eine geschaffene körperlose Substanz ohne körperliches Werkzeug nicht auf eine körperliche Substanz wirken kann. Ein anderes Werkzeug aber kann nicht gedacht werden als der Himmel. Dieser aber wirkt nur durch Bewegung und Licht. Das Licht aber, da es nur erwärmen und erleuchten kann, kann keine Ideen unkörperlicher Dinge einführen. Und selbst wenn es dies könnte, würde es sie in allen oder gewiss in den meisten erzeugen. Denn wenn auch nicht alle geeignet sind oder nicht alle imaginieren, so begehren doch wenigstens Philosophen oft, sie in der Imagination zu erfassen. Hinzu kommt, dass es keiner Gegenstände bedürfte, wenn von jenen Geistern durch den Himmel Phantasmen hervorgebracht werden könnten. Auch Blinde und Taube könnten dann eine sichere Kenntnis von Farben und Sprachen haben.

Zweitens: Selbst wenn jene ihre eigenen Ideen in der Phantasie bilden könnten und dies zu tun pflegten, würde uns dennoch nichts anderes zuteil, als dass wir ihre eigenen Naturen im Geist erblickten. Denn es ist so bewiesen worden, dass ein geistiges Bild nichts anderes vermag, als die Sache darzustellen, deren Bild es ist, dass du daran künftig nicht zweifeln kannst.

Drittens ist gewiss, dass jene Intelligenzen ebenso wenig durch die Bilder wirken, die sie in unsere Phantasie einprägen würden, wie körperliche Dinge durch dieselben wirken. Wer, bitte, ist bisher so wahnsinnig, dass er meint, das Feuer erwärme, verbrenne, schmelze, verflüssige und dergleichen durch das Bild, das es in meiner Phantasie erregt hat? Solche Bilder seiner selbst gießt jedes Ding zahllos in alle Teile der Luft aus. Da also kein wahrscheinlicher Grund angegeben werden kann, weshalb das Feuer durch eines und nicht durch alle anderen gleichermaßen dasselbe vollbringe, müsste das Feuer durch unendlich viele solcher Bilder alles dergleichen vollbringen. Doch weder in der Luft noch im Wasser noch in Spiegeln noch in unserem Gehirn werden die genannten Wirkungen des Feuers wahrgenommen. Es vollbringt sie also nicht durch diese Bilder, sondern durch die ihm eingepflanzte und wirkliche Wärme. Ich schweige schon davon, dass jene Bilder auf geistige Weise sehr verschiedene Dinge berühren, nicht alle ein und dasselbe. Daraus ist hinreichend klar: Da sie nirgends etwas anderes tun als abbilden oder darstellen, ist dies, und keine andere, ihre Kraft, Eigenschaft und Natur.

[5. Über gewisse Intelligenzen als Beweger der himmlischen Sphären]

Viertens ist nach Übereinstimmung aller Menschen, die über diese Sache irgendetwas erdacht haben, gewiss, dass jene Geister auf diese unteren Dinge nicht wirken, außer durch die Werkzeuge der Sphären, die sie bewegen sollen. Deshalb würde es nicht genügen, das Bild irgendeiner Sache in der Phantasie zu haben, sondern es müsste auch die Kraft jener ganzen Sphäre im Schädel enthalten sein. Aber auch dies wäre ohne Frucht, wenn das Bild oder die Idee im Gehirn nicht dieselbe Macht hätte, die außerhalb desselben die ihrer Sphäre beistehende Intelligenz besitzt.

Ja vielmehr hat Aristoteles an keiner Stelle gelehrt, noch beweisen die Platoniker, obwohl sie sowohl dies als auch anderes kühn behaupten, dass jene himmlischen Geister die Hervorbringer und Werkmeister der einzelnen Dinge seien, die hier entstehen und vergehen, es sei denn insofern sie ihre Sphären bewegen und je nach Verschiedenheit der Bewegung, des Lichts und der Wärme diese sublunaren Dinge zwar verschieden, aber dennoch alle gleichermaßen allgemein affizieren. Daher kann niemand den Intelligenzen nach Aristoteles’ Meinung mehr zuschreiben, als was sie durch Bewegung oder vielmehr durch Licht und Wärme des Himmels bewirken können. Diese aber können die Materie, je nachdem sie geeignet oder ungeeignet ist, auf diese oder jene Weise bewegen und verändern; anders bilden und umgestalten können sie sie nicht. Aus dem genannten Grund können sie auch nicht einzelne Dinge hervorbringen, die durch natürliche Kraft geschehen, noch viel weniger können sie durch natürliche Werkzeuge Dinge außerhalb und über Ordnung und Kräfte der Natur hervorbringen. Wenn du willst, dass ich alles mit einem einzigen Wort umfasse: Durch seine Wärme gibt der Himmel den Dingen Wirklichkeit, wie eine Henne, die auf Eiern verschiedener Art sitzt, mit ein und derselben Wärme Küken verschiedener Art ausbrütet.

Ein Zeichen dafür ist, dass die himmlischen Gestirne erst nach der Erschaffung der Pflanzen und Tiere gemacht und unterschieden wurden, wie aus dem Buch Genesis hervorgeht. Um die Träume der Platoniker kümmere ich mich nicht, da sie nicht mit Argumenten kämpfen, sondern mit Aberglauben, der in ihren Phantasien genährt wurde; sie scheinen vom Teufel dazu geschaffen zu sein, Erdichtungen zu verfertigen und verderblichste Aberglauben auszudenken, zu vermehren, zu bestätigen und zu verbreiten.

Schließlich sind und waren jene Intelligenzen oder bewegenden Geister der Himmel niemals von Gott geschaffen. Die Himmel werden nach der Ordnung und Weise bewegt, nach der sie von ihrem Schöpfer bewegt zu werden befohlen wurden, und sie überschreiten seine Gebote nicht. Denn derselbe, der befahl, gab zugleich die Macht, eben dies, was er befahl, ohne Irrtum und Ermüdung zu vollbringen. Auch wirken sie in die sublunaren Dinge durch keine andere Natur, die nichts anderes ist als die ordentliche Macht Gottes, die allen Dingen entsprechend ihrem jeweiligen Zustand eingegeben wurde; und sie verrichten ihre Aufgaben, wie sie befohlen sind. Dieser Befehl mischt die Elemente und ist nicht nur in der Erde wirksam für die Dinge, die aus Fauligem entstehen, indem er aus dem Einzelnen bildet, was gebildet werden soll, sondern auch im Samen der Pflanzen, Tiere und sogar Menschen ist er Urheber der Hervorbringungen. Welche andere Kraft als die göttliche hätte unseren Seelen, von denen wir in Übereinstimmung mit den Heiligen Schriften glauben, dass sie von Gott geschaffen und den bereits vorbereiteten Körpern eingegossen werden, einen geeigneten Körper bilden und gestalten können, nämlich den jeweils eigenen?

Daher ist dieser Befehl Gottes jene bildende Kraft, die alles richtig und weise vollendet. Schließlich ist er jene Macht, durch die natürliche Dinge das tun, was, wann und wie die einzelnen Dinge zu tun befohlen wurden. In den himmlischen Dingen wollte er keinen Irrtum vorhanden sein lassen; in diesen unseren Dingen wollte er, dass bisweilen etwas Kontingentes geschehe. Jene werden so bewegt, dass sie, wenn er es nicht befiehlt, niemals von den festgesetzten Wechseln abweichen; diese aber kämpfen stets miteinander, und deshalb ändern sie häufig ihren Lauf.

Dies wollte ich gegenwärtig kurz und gleichsam im Vorübergehen über die abgeschmackteste und verbrecherische Einbildung Avicennas sagen, damit du wenigstens zu erkennen beginnst, an welchen Absurditäten sie leidet, abgesehen davon, dass sie ausdrücklich dem Wort Gottes widerspricht. Nebenbei hast du auch bemerkt, wie unkundig nicht nur in den früheren Jahrhunderten, sondern auch in unserem Zeitalter, in dem Gott der Welt so großes Licht verliehen hat, sowohl Philosophen als auch, was weit schändlicher ist, Theologen die Hervorbringung sehr vieler Dinge auf die Kräfte von Intelligenzen zurückgeführt haben, von denen gewiss ist, dass sie weder existieren noch von Aristoteles mit jenen Kräften ausgestattet wurden.

Gott gebraucht den Dienst guter und böser Engel nach seinem guten und heiligen Willen. Dass er aber den Himmelssphären jeweils einzelne Engel vorgesetzt habe, von denen sie bewegt würden, wird nur derjenige behaupten, der entweder beschlossen hat, offen Falsches zu verteidigen, oder die Heiligen Schriften nicht hinreichend aufmerksam gelesen hat. Dasselbe sah auch Aristoteles, als er die Augen des Geistes von diesen vergänglichen Dingen höher erhob und sich auf einem anderen Weg als jenem, der von sinnlich Wahrnehmbarem seinen Ausgang nimmt, der Betrachtung der Gottheit zuwandte. Denn im Buch Über die Welt an Alexander behauptet er beständig, Gott bewege durch seine Kraft alle Himmel, schneller oder langsamer entsprechend der Weite des Raumes, in dem die einzelnen Sphären sich drehen, und entsprechend der Größe und der eigenen Verfassung jeder einzelnen. Nachdrücklich verneint er, dass er diese Aufgabe anderen übertragen habe. Seine Worte lauten:

„Erhabener aber und ehrwürdiger ist es, dass er selbst am obersten Ort gegründet ist, seine Kraft aber durch den ganzen Kosmos hindurchgeht, Sonne, Mond und die übrigen sichtbaren Dinge herumführt und Ursache der Erhaltung auf der Erde wird. Denn weder hinsichtlich ihrer Bewegung noch hinsichtlich der von anderen ausgehenden Wirksamkeit verhält es sich so wie bei den Herrschern unter uns, die wegen ihrer Schwäche vieler Hilfsmittel bedürfen; sondern eben dies ist das Göttlichste, mit Leichtigkeit und einfacher Bewegung durch sie alles nach den Ideen zu vollenden. Denn gemäß der von oben ruhmvoll durch die sichtbaren Dinge geführten Bewegung bewegen sich die Sterne stets und der gesamte Himmel.“

In diesen und anderen Worten desselben sechsten Kapitels ist ganz offenkundig enthalten, was wir gesagt haben. Und sie stimmen gewiss so mit den hochheiligen Schriften überein, dass nichts anderes getadelt werden könnte, als dass Aristoteles die Macht Gottes dort zu setzen scheint, wo Gott nicht sei; das heißt, dass er Gott so im Himmel einzuschließen schiene, dass er nicht zugleich überall im ersten Akt oder der Substanz nach gegenwärtig sei.

Über diese ganze Sache habe ich bisher niemanden zweifeln hören, und ich wundere mich, dass die Scholastiker diese Frage übergangen haben, es sei denn vielleicht, sie hätten sich überzeugt, Aristoteles habe anders gedacht. Du darfst dich nicht wundern, dass die Scholastiker, denen nicht so sehr daran gelegen war, die Wahrheit zu erforschen, als Aristoteles zu einem Theologen zu machen, über den gegenwärtigen Zweifel nichts entschieden haben, zumal sie dem Autor des Buches Über die Ursachen nicht geringeren Glauben schenkten als Aristoteles und glaubten, beide stimmten in der Lehre völlig überein. Wenn du aber bei dir bedenkst, durch welche Gründe Aristoteles dazu geführt wurde, den einzelnen Himmelssphären einzelne Geister zuzuschreiben, wirst du sehr leicht finden, wonach du fragst.

Zunächst setzte er fest, dass eigentlich nur Körper bewegt werden. Sodann, dass nichts von sich selbst zuerst in Bewegung gesetzt werde, und daher auch bei den Lebewesen etwas anderes bewege und etwas anderes bewegt werde. So würden von den Körpern die einen von einem äußeren Beweger bewegt, nämlich die unbeseelten, die anderen von einem inneren, nämlich die beseelten. Und damit er nicht eine unendliche Anzahl von Körpern ansetzen müsse, bestimmte er, der Himmel werde von einem inneren Beweger umgetrieben, das heißt, er sei beseelt. Da er ferner sah, dass die Lebewesen von sich selbst bewegt werden, wenn sie von etwas Begehrenswertem erregt sind, meinte er, die Himmel würden auf dieselbe Weise umgetrieben. Dieses Begehrenswerte und Erstrebte aber schließt er daraus, dass er meinte, die Himmel würden mit gleichförmiger, gleichmäßiger und ewiger Bewegung bewegt, als unbeweglich, unveränderlich, unkörperlich und intelligibel. Und obwohl er festgesetzt hatte, dass die Seele nicht durch sich selbst bewegt werde, leugnete er doch nicht, dass sie akzidentiell, wenn der Körper bewegt wird, bewegt werde. Da er daher urteilte, das Bewegende einer ewigen und völlig gleichförmigen Bewegung müsse ganz unbeweglich sein, das heißt weder durch sich noch akzidentiell bewegt werden, verneinte er, dass es körperliche Kräfte seien, und behauptete, sie bewegten als etwas Begehrenswertes, was die Griechen orektón nennen. Dies aber hätte nicht geschehen können, wenn die Himmel der Seele entbehrten.

Hierher gehört jene ganze Erörterung, in der er beweist, dass jede Fähigkeit der Körper endlich sei und nicht in unendlicher Zeit gleichmäßig bewegen könne. Er war fest davon überzeugt, dass die Himmel ewig seien und daher durch ewige Bewegung bewegt würden; und daraus schloss er, dass sie von einer unendlichen und unbeweglichen Sache auf die genannte Weise bewegt würden. Aus diesen Gründen glaubte er geschlossen zu haben, der erste Beweger, ob er Gott oder eine andere Intelligenz gemeint habe, ist an dieser Stelle nicht unsere Aufgabe zu untersuchen, sei eine unkörperliche Kraft und forme keinen Körper, sondern bewege, insofern er gut und begehrenswert ist. Weil er auch glaubte, dass es mehrere Sphären gebe und jede durch eigene und besondere Bewegung gedreht werde, meinte er, jede einzelne habe etwas Eigenes und Besonderes als Begehrenswertes, das sie als Ziel ihrer Bewegung erstrebe.

Du siehst also, dass Aristoteles so weit davon entfernt ist zu meinen, jene Intelligenzen bewegten, formten und gestalteten diese unteren Dinge, verwandelten sie und seien die nächsten Ursachen der Wunder, die hier geschehen, dass er nicht einmal behauptete, der Himmel werde von ihnen anders bewegt, als insofern sie als etwas Gutes und Begehrenswertes verstanden werden. Wenn er gemeint hätte, sie führten die Himmel dadurch herum, dass sie auf eine andere Weise tätig seien, als ein Ziel bewegt, hätte er sie vergeblich als beseelt angesetzt. Hinzu kommt, dass Aristoteles für ganz gewiss hielt, jene Geister verstünden nichts Neues und kennten diese unteren, veränderlichen Dinge keineswegs. Auch alle alten Peripatetiker verneinten, dass der erste Geist den zweiten verstehe; noch viel weniger gestanden sie zu, dass er die besonderen Veränderungen dieser unruhigen Welt wahrnehme. Welcher Wahnsinn ist es also, nach Aristoteles’ Lehre jene getrennten Geister zu Urhebern der Wunder zu machen, die hier geschehen? Wer nicht einmal meinte, Gott tue ohne die Himmel und außerhalb der gewohnten Weise der Natur etwas, sollte der gemeint haben, anderen Geistern wohnten größere Kräfte inne?

Ähnlich verhält es sich mit den Seelen, die sie den Sphären angeheftet haben. Denn sie können nichts ohne ihre Sphäre tun; sondern wie unsere Seelen in ihren Körpern wirksam sind, außerhalb derselben aber nichts vermögen, so hätten auch die Seelen der Himmel hier nur das getan, was durch die Sphären bewirkt werden kann. Da deren Tätigkeit sehr allgemein ist, bewirkt sie nichts Einzelnes, bevor sie nicht von einer individuellen Ursache zusammengezogen, begrenzt und auf eine bestimmte Wirkung festgelegt worden ist. Wenn aber die getrennten Geister nach Aristoteles’ Meinung die fließenden und veränderlichen Dinge nicht verstehen, wie sollten sie dieselben hervorbringen? Wie sollten sie auch Bilder ihrer selbst in unsere Seelen einprägen, nach Art eines Gesichts, das seine Ähnlichkeit in einem materiellen Spiegel hervorbringt? Unser Intellekt macht die durch die Sinne aufgenommenen Bilder, indem er sie erleuchtet, tatsächlich intelligibel, während sie zuvor nur der Möglichkeit nach solche waren, weil sie nämlich materiell sind; aber ein Bild seiner selbst kann er den Sinnen nicht einprägen. Noch weniger werden dies Geister können, die von jeder Verbindung mit Materie getrennt sind.

Doch genügt es gegenwärtig dargelegt zu haben, dass die Schüler des Aristoteles den von der Materie getrennten Geistern nicht zu Recht die Kraft des Schaffens und die Macht, Wunder hervorzubringen, zuschreiben. Und wenn Aristoteles dies gelehrt hätte, müsste es uns nicht sehr bewegen, da wir wissen, dass die Himmel geschaffen sind und durch eine vom Schöpfer ihnen eingegebene Fähigkeit und durch Gottes Befehl, keineswegs aber durch eine beistehende Intelligenz bewegt werden. Der, der sie machte, befahl, dass sie durch ihre eigene Bewegung umgetrieben würden; und derselbe, der befahl, gab ihnen zugleich, dass sie es könnten, sodass sie dieses Werk der Intelligenzen keineswegs bedürfen. Außerdem wissen wir, dass Himmel und Gestirne einer rationalen Seele entbehren und daher nicht durch Willen oder vernünftiges Begehren nach Art der Menschen gedreht werden.

Furnius: Du hast mir von Herzen jeden Skrupel genommen, und ich freue mich sehr, dass ich richtiger unterwiesen worden bin. Nun verstehe ich nämlich auch jene Dinge vollständiger, die du, wie ich mich erinnere, oben sparsam und zurückhaltend berührt hast. Wenn es dir gefällt, wollen wir daher zu anderem hinabsteigen.

Erastus: Es war nur dies vorgenommen: zu zeigen, dass durch Kraft und Macht der Imagination keine Wunder hervorgebracht werden können, was dein Paracelsus frecher als fast alle anderen zu behaupten gewagt hat. Doch durch eine gewisse Folge der Dinge veranlasst, haben wir auch einiges andere teils berührt, teils erklärt, was an einem anderen Ort hätte dargelegt werden müssen. Denn was ich dich über die Vorahnung künftiger Dinge leicht berühren lassen wollte, hätte an seinen eigenen Ort verwiesen werden sollen. Was von uns über Faszination gesagt worden ist, gehört eigentlich zur wirkenden Magie. Aber es ist gut, dass du wolltest, dass diese ganze Sache erklärt werde, damit wir sie im Folgenden nicht wiederholen müssen.

Es bleibt also, dass wir zeigen, dass durch die Kräfte der Magie keine Wunder bewirkt werden können, damit offenkundig werde, dass Gott allein der Hervorbringer von Wundern ist, wie wir zu Recht behaupten.

Furnius: Wenn ich die Wahrheit gestehen muss, gibt es nichts, dessen Erklärung ich begieriger erwarte als die der Magie, deshalb, weil ich seit frühester Kindheit, wenn ich auch die fernste Erinnerung wiederhole, bemerkt habe, dass sehr viele dieser Kunst von den meisten viel beimessen. Obwohl Magier im gemeinen Urteil für ehrlos gehalten wurden, weiß ich doch sicher, dass sie bei Mächtigen und Fürsten in besonderer Ehre standen. Daher meinte ich, es werde nicht so sehr die Kunst verdammt als vielmehr der Missbrauch und die Mutwilligkeit gewisser Künstler.

Erastus: Ich hoffe, du hast schon verstanden und wirst weiterhin noch klarer verstehen, dass die ganze Kunst, sofern sie dieses Namens würdig ist, leer, nichtig, falsch und verabscheuenswert ist.

Furnius: Ich weiß, dass es eine gewisse ehrlose Magie gibt, die auch ich nicht für billigungswürdig hielt. Ich spreche aber nicht von dieser teuflischen, die Teufel herbeiruft und sich offen ihres Dienstes bedient, sondern ich möchte über die natürliche verstanden werden, die gleichsam für der ganzen Philosophie Gipfel und eine gewisse Vollendung gehalten wird.

Erastus: Ich kenne diese Entschuldigung. Aber es ist besser, dass wir zuerst sehen, was Paracelsus über die Magie gedacht und geschrieben hat, und danach die Sache selbst betrachten. Denn so wird erscheinen, ob es irgendeine lobenswerte Art der Magie gibt, wie sehr viele zu meinen scheinen.

In seinen Büchern erwähnt er sie häufig und empfiehlt sie überall, mit Ausnahme einer oder zweier Stellen, in denen er von der wahnsinnigen und verdammten Magie spricht. Im Buch Über die verborgene Philosophie schreibt er, sie sei die verborgenste Kunst und die Wissenschaft übernatürlicher und der Vernunft unbegreiflicher Dinge. Denn unsere Vernunft sei, sagt er, im Vergleich zu ihr Torheit. Deshalb hätten die Theologen sie lernen, nicht tadeln müssen, da es in der Schrift viele Geheimnisse gebe, die die Vernunft nicht fasse. Welcher von den Theologen, so fragt er, hat jemals ohne Magie entweder einen Dämon ausgetrieben oder einen Geist zu sich gerufen oder von sich weggetrieben? Wer, sage ich, hat, ohne der Magie kundig zu sein, je einen Kranken völlig geheilt oder etwas Ähnliches vollbracht, geschweige denn Berge versetzt? Allein der Glaube werde in ihr gebraucht, keinerlei Zeremonien. Von dieser spreche Christus, wenn er sage: „Wenn ihr Glauben hättet wie ein Senfkorn“ usw. Der Missbrauch habe danach Beschwörungen hervorgebracht, wie es von den Hexen geschehen sei, die durch ihren falschen Glauben Geister und auch Aszendenten selbst den weit Entfernten hineinschicken. Sie fertigten ein Bild und schlügen im Namen dessen, den sie verletzen wollten, einen Nagel in Zahn, Fuß, Auge usw.; und auf diese Weise nähmen sie denen, denen sie wollten, die Kraft der Augen, Füße, Zähne usw., ja töteten sie sogar.

Anderswo sagt er, sie sei eine wahre Wissenschaft, durch welche die Kraft der Himmelswesen durch den Magier hierher in die Mitte herabgezogen und auf das Subjekt gerichtet werde, das er wolle. Auf diese Weise bewirke derselbe, dass Worte, Charaktere, Bilder usw. nicht weniger wirksam seien als medizinische Tränke. Durch die Wohltat dieser Kunst, schreibt er im Buch Über das lange Leben, habe Adam so viele Jahre Leben und Gesundheit bewahrt. Ich erinnere mich auch, dass von uns oben gesagt wurde, er setze zwischen Magiern und Heiligen keinen anderen Unterschied als den, dass diese durch göttliche Kraft vollbrächten, was jene durch die Arbeit der magischen Kunst leisteten.

Die Grundlagen dieser Kunst seien, versichert er in dem oben angeführten Buch, Pyromantie, Nekromantie, Geomantie und mehrere andere dieser Art, und außer diesen gewisse Gebete, Imagination und Glaube. Wenn es dir beliebt, füge hinzu, was Pomponazzi, der Beschwörer, sagt: Seine Magie sei an sich gut und werde daher zu Recht Wissenschaft genannt, weil sie eine gewisse Vollendung des Geistes sei; nur eine solche Weise, sie zu erlernen, sei verboten. Aus dem Umstand, dass jener Magier Apollonius von Tyana, wie man liest, einige von den Toten auferweckt habe, schließt er ernstlich, dass sowohl Magie als auch Nekromantie Wissenschaften seien. Dies führe ich hier deshalb an, damit offenbar werde, wie schön Pomponazzi mit Paracelsus zusammenklingt.

Jetzt fällt mir ein, dass ich auch bei Paracelsus gelesen habe, die Nekromantie sei keineswegs teuflisch, sondern eine ganz natürliche Kunst, aus den Gestirnen geboren. Auch meint er im Buch über die Ursachen der unsichtbaren Krankheiten, die ägyptischen Magier, die Gegner des Mose, hätten durch die Kraft natürlicher Künste Schlangen, Frösche und anderes hervorgebracht, was ich oben zu berichten vergessen hatte. Über die Podagra sagt er auch, Stürme würden natürlich hervorgerufen und Donner erzeugt. Die Magier aber, die nach Judäa kamen, um Christus zu begrüßen, seien, wie er im Buch Über das lange Leben meint, wenn mich die Erinnerung nicht täuscht, von nicht natürlicher Pferdekraft getragen worden. Im Buch Über die Öffnung der Haut nennt er die Magie die größte und vortrefflichste Kunst, ähnlich der Kabbala der Juden. Genug hast du aus Paracelsus gehört; wer mehr wünscht, möge selbst lesen. Aus anderen Liebhabern dieses Wahnsinns werde ich nichts anführen, weil es weder nötig ist noch viel zu unserer Sache beiträgt. Denn alle wissen, was Albertus und andere über den Aberglauben gemeint haben, um von den Platonikern und Arabern zu schweigen.

Daher gehe ich zur Erklärung der Magie über. Man sagt, der Name der Magie sei bei den Persern entstanden. So nämlich sagt Apollonius von Tyana in seinen Briefen: μάγος ὀνομάζεται τὸς θεοὺς ὡς ἔφερον. Andere leiteten ihn von den Magusäern ab, bei denen nach Suidas zuerst das Studium der Magie und Astrologie begonnen habe. Die meisten meinen, er habe bei den Persern dasselbe bezeichnet wie bei den Griechen „Philosoph“, bei den Assyrern „Chaldäer“, bei den Ägyptern „Priester“, bei den Lateinern „Weiser“. Um es mit einem einzigen Wort zu sagen: Wenn man Platon, Cicero und anderen glauben darf, war der Magier bei den Persern dasselbe wie ein Ausleger und Verehrer göttlicher Dinge. Gleichwohl glaube ich nicht, dass sie sich nur mit der Auslegung heiliger Dinge beschäftigt haben, sondern ich meine, dass sie auch Wunderbares getan haben, was wir aus den Heiligen Schriften deutlich entnehmen. Ja sogar Strabon schreibt im sechzehnten Buch, unter die Magier seien Astrologen, Nekromanten, νεκρομάντας, Hydromanten, Lekanomanten und andere solche gezählt worden. Auch Cicero behauptet, die Magier hätten zu weissagen und zu prophezeien gepflegt. Daraus erkennen wir klar, dass sie nicht nur mit der Auslegung heiliger Dinge beschäftigt waren, sondern auch Größeres versucht haben, es sei denn vielleicht, jemand meinte, die Hervorbringung wunderbarer Dinge sei ein Teil der persischen Theologie gewesen.

Furnius: Es ist nicht widersinnig, so zu urteilen. Denn auch unsere Theologen sind oft durch Wunder berühmt geworden.

Erastus: Es ist gut, dass du nicht sagst: immer. Denn eben daran zeigt sich notwendig, dass für das Studium und die Kenntnis der Theologie nicht erforderlich ist, dass Wunder hervorgebracht werden. Bei den Persern war die Wundertätigkeit, die thaumatopoiia, so sehr der goldene Teil ihrer Weisheit, dass niemand für einen Magier gehalten wurde, der keine Gaukeleien auszuüben verstand. Daher meine ich, dass diejenigen sich irren, die die Magie der Perser von der berüchtigten Magie unterscheiden und meinen, sie sei besser gewesen. Gewiss war der erste Urheber der persischen Magie, Zoroaster, von dem die einen berichten, er sei Cham gewesen, andere, er sei dessen Sohn, der Enkel Noahs, gewesen und habe in den Zeiten des Ninus und Abrahams geblüht, zugleich auch Theologe. Welche Art von Theologie er aber den Völkern eingeflößt habe, lese, wer will, bei Plutarch im Buch Über Isis und Osiris, damit er erkenne, woher die allerschmutzigste Häresie der Manichäer ihren Ursprung gezogen hat. Auch Eusebius schreibt über ihn im ersten Buch der Praeparatio evangelica, Kapitel sieben, er habe Gott den Kopf eines Sperbers zugeschrieben.

Doch um gegenwärtig der Kürze wegen alles Übrige zu übergehen: Allein die Heiligen Schriften lehren uns reichlich, dass Magier bei Ägyptern, Assyrern und Persern für diejenigen gehalten wurden, die Wunderbares und alles die Kräfte der Natur Übersteigende hervorbringen könnten. Auch heute definieren sie sie nicht anders als durch die Hervorbringung bewundernswerter und die Ordnung der Natur überschreitender Dinge.

Furnius: Ich bemühe mich nicht darum, welcher Art die Magie der Perser gewesen sei, sondern ich möchte über die natürliche Magie etwas Gewisseres erfahren.

Erastus: Gleich werden wir dazu kommen; jetzt ist noch einiges über die Erfindung der Magie hinzuzufügen. Sie konnte aber keine anderen Erfinder und Lehrer haben als bösartige Geister. Dies wird zunächst aus den Heiligen Schriften deutlich erkannt. Da sie nämlich die Magie verdammen und befehlen, Magier mit der Todesstrafe zu belegen, ist es ganz gewiss, dass sie nicht von Gott, sondern vom Widersacher Gottes ausgedacht wurde. Sodann beweist dasselbe die Autorität der alten Theologen. Denn der heilige Petrus erklärt bei Clemens im vierten Buch der Recognitiones kundig, trefflich, wahr und ausführlich, von wem sie erfunden und durch wen sie verbreitet worden sei. Eusebius Pamphili behauptet im vierten Buch der Praeparatio evangelica, Kapitel elf, die Zauberkünste seien von Dämonen eingerichtet worden. Diese nämlich und ihren Vorsteher verehrten alle Übeltäter aufs Äußerste. Und im fünften Buch, Kapitel sieben, zeigt er dasselbe durch das Zeugnis des Porphyrius. Denn er schreibt, sie hätten angezeigt, an welchen Dingen sie Freude hätten und wodurch sie angelockt würden. Dazu hätten sie die Menschen gelehrt, wodurch sie gezwungen würden, was sie sich dargebracht wünschten, an welchen Orten sie sich aufhielten, welche Tage man meiden müsse, wie die Gestalten der Bildnisse beschaffen sein sollten und überhaupt alles Derartige. Dass sie auch Charaktere und Figuren liebten, zeigt er mit den Worten der Proserpina. Auch Augustinus behauptet im zweiten Buch Über den Gottesstaat, die magischen Künste hätten von den Dämonen ihren Ursprung genommen, je nachdem sie durch Beschwörungen verehrt werden wollten. Mit diesen stimmt Lactantius Firmianus im zweiten Buch Über den Ursprung des Irrtums, Kapitel fünfzehn, überein.

Füge hinzu, dass die Magier selbst und die Beflissenen der Magie offen bekennen, sie hätten diese ganze Wissenschaft von Dämonen geschöpft. Von Porphyrius ist gesprochen worden. Von Proklos, Plotin, Jamblichos, Platon und allen anderen Platonikern würde ich vergeblich sprechen, da es allen bekannt ist. Apuleius schreibt im Buch Über den Dämon des Sokrates, zu den Dämonen gehörten die Weissagungen der Auguren, Haruspices, Seher, Träume und die Wunder der Magier. Auf diese als Urheber und Lehrer verweisen auch die Araber. Unter ihnen erzählt Almadal, er habe in den ältesten Büchern der Barbaren gelesen, wie Johannes Franciscus Pico im zweiten Kapitel des Buches Über die Vorerkenntnis der Dinge bezeugt, ein gewisser Magier habe auf einem Berg, ich weiß nicht welchem, über einen Zeitraum von dreißig Jahren die Charaktere aller Engel notiert und durch eine ununterbrochene Arbeit von fünfzig Jahren in ein Buch und in eine Ordnung gebracht.

Und wozu bedarf es der Worte? Was die Magier tun, tun sie entweder durch die Kräfte der Natur oder durch irgendeine größere Macht. Wenn das, was sie tun, die Kräfte der Natur nicht übersteigt, werden sie nicht zu Recht Magier genannt. Aber solche wurden von Gott auch weder getadelt und verdammt noch mit dem Tod zu bestrafen befohlen. Sie versuchen also, gestützt auf eine höhere Macht, ihre Wunder zu vollbringen. Außer der Fähigkeit der Natur gibt es aber keine andere Kraft als die Gottes und der guten und bösen Engel. Es steht fest, dass Magier das, was sie zu tun bestreben, nicht durch das Wirken Gottes oder guter Engel tun. Deshalb gebrauchen sie die Kraft und Hilfe böser Dämonen. Wer aber außer diesen hätte die Menschen gelehrt, durch welche Zeichen, Stimmen, Figuren, Zeremonien und Dinge sie herbeigerufen und, wie es scheint, gezwungen werden wollten?

Du siehst also offenkundig, dass durch Magie keine Wunder hervorgebracht werden können, da sie ganz auf den Kräften der Dämonen beruht. Von diesen haben wir oben gezeigt, dass sie Dinge nicht anders verändern können als gemäß der Befähigung, die sie in ihrer ersten Schöpfung von Gott empfangen haben.

[7. Über die wirkende Magie und ihre Arten]

Furnius: Wieder gleitest du zur profanen Magie ab, von der ich mit dir nicht handle.

Erastus: Es ist eine erstaunliche Sache: Du willst, dass ich großartig über irgendeine Sache spreche, die weder jemals gewesen ist, noch ist, noch jemals sein wird. Eben dies sagte ich: Wenn sie die hervorragendste Kenntnis der Naturphilosophie wäre, dann hätte ein jeder so viel von ihr gewusst, wie er die übrigen in dieser Kenntnis übertroffen hätte. Die höchsten Philosophen aber waren jeder Magie unkundig; und diejenigen, die mit ihrer Philosophie Magie verbanden, kannten keine andere als jene verabscheuungswürdige, deren ganze Kraft in Zeremonien, barbarischen Worten, Bildern, Gebeten, Exorzismen, Charakteren und anderen derartigen Aberglauben besteht. Haben uns jene Männer etwa eine andere Magie gelehrt? Ich glaube nicht. Also wird gelehrt werden können, dass sie keine andere gekannt haben, auch wenn niemand leugnet, dass es in jenem Zeitalter hervorragende Philosophen gegeben hat.

Nenne mir, wenn du kannst, irgendeinen Philosophen, der etwas über Magie schriftlich hinterlassen hat, das nicht zur abergläubischen und berüchtigten Magie gehört. Wenn weder du noch irgendjemand anders dies zeigen kann, wirst du vergeblich daran arbeiten, uns jene natürliche Magie als eine von der Naturphilosophie unterschiedene Kunst einzureden. Wenn du aber sagst, sie sei von Philosophen überliefert worden, werde ich dir bestreiten, dass sie Magie ist. Denn kein Teil der Naturphilosophie lehrt die Hervorbringung wunderbarer Werke, die die gewohnte Weise der Natur verlassen. Gewiss betrachtet die Naturphilosophie die Eigenschaften natürlicher Körper; was die Kräfte der Natur übersteigt, berührt sie nicht. Auch wurde Aristoteles niemals für einen Magier gehalten, obwohl er den Teil der Naturphilosophie so glücklich und reichhaltig ausgearbeitet hat, dass ihn bisher niemand erreichen, geschweige denn übertreffen konnte. Ich schweige nun davon, dass dein Paracelsus schreibt, die Magie behandle außer Einwirkungen auf den übernatürlichen Körper, die einige Beschwörungen und Aberglauben nennen, nichts. Dem kann auch noch hinzugefügt werden, dass Plinius sie nach Meinung der Alten aus Theologie, Astrologie und Medizin zusammengeschustert hat, ohne irgendeine Erwähnung der Physik.

Furnius: Wenn wir sagen, die Magie sei eine natürliche Kunst, die lehre, wunderbare Werke zu tun, meinen wir damit, dass jene Werke durch die Kraft natürlicher Dinge hervorgebracht werden. Daher sei sie natürlich, ob nun behauptet wird, die Betrachtung dieser Dinge gehöre zum Arzt oder zum Naturphilosophen. Wir nennen sie natürlich, wie wir auch die Medizin als eine natürliche Kunst bezeichnen.

Erastus: Aus dem Erwähnten steht fest, dass die Naturlehre kein Teil der Magie ist. Nun ist noch anzumahnen, dass auch die Medizin zur Herstellung wunderbarer Dinge nichts beiträgt. Ich glaube nämlich nicht, dass hier eine lange Beweisführung nötig ist. Denn niemals sind hervorragende und berühmte Ärzte, sofern sie ihre Kunst nach rechter Methode ausübten, für Magier gehalten worden. Wer hat Hippokrates, von dem Paracelsus an mehr als einer Stelle bekennt, dass er ein ausgezeichneter Arzt gewesen sei, oder Galen irgendeiner Magie beschuldigt? Beide verabscheuten die Magie. Was Galen betrifft, wird daran niemand zweifeln, der ihn aufmerksam im neunten und zehnten Buch Über die Kräfte der einfachen Arzneimittel, in den Kapiteln über Jaspis, über Speichel und über Wolfskot, liest. In der Vorrede zum sechsten Buch desselben Werkes nennt er Magisches μύθους, γραῶν γοητείας, ληρώδεις, μαγγανείας περιέργους ἔξω τῆς ἰατρικῆς τέχνης, καὶ ψευδεῖς, also Dinge, die unwürdig sind, von den Beflissenen der Medizin berührt zu werden. Xenokrates von Aphrodisias tadelt er unter diesem Namen, weil er vor Magie nicht zurückgeschreckt sei.

Hippokrates aber sagt im Buch über die heilige Krankheit von denen, die diese Krankheit zuerst heilig nannten: „Sie scheinen mir Menschen solcher Art gewesen zu sein, wie heute μάγοι τε καὶ καθάρται καὶ ἀγύρται καὶ ἀλαζόνες sind, die heucheln, sie seien besonders fromm und wüssten etwas darüber hinaus.“ Wenn es also irgendeine Magie gibt, von der die Medizin ein Teil ist, so haben jene Männer sie völlig ignoriert. Die ärztliche Kunst aber beherrschten sie so, dass sie allen Beflissenen dieser herrlichsten Kunst wie Sonne und Mond, die glänzendsten Lichter des Himmels, voranleuchten.

Noch deutlicher wird die Sache daraus, dass der Arzt, wie feststeht, Nachahmer und Diener der Natur ist. Denn die Naturen sind die Heilerinnen der Krankheiten, nicht die Ärzte, wie Hippokrates kundig geschrieben hat. Wenn daher bei Heilungen etwas Wunderbares geschieht, darf es nicht dem Arzt zugeschrieben werden. Die Summe lautet: Die Medizin lehrt nicht, Wunder zu tun, sondern die Bewegungen der Natur zu beobachten, damit die angemessenen unterstützt und die fehlerhaften gehemmt werden. Wer aber meint, unsere Naturen wirkten Wunder, wie sie die Magie verspricht, der ist selbst ein Wunder und Ungeheuer. Gewiss wollten diejenigen, die in unserer Kunst die übrigen übertroffen und durch die glückliche Heilung von Krankheiten einen berühmten Namen erlangt haben, keineswegs Magier genannt werden, sondern feine und gelehrte Ärzte. Die Magie verspricht, was sonst unmöglich scheint, und zwar in kürzester Zeit. Daher sagt Galen, wenn er irgendein Heilmittel empfiehlt, es helfe gleichsam schnell, nach Art einer Beschwörung. Doch selbst ausgezeichnete und gelehrte Ärzte heilen nicht schneller, als die Naturen kranker Körper ihre Bewegungen vollbringen. Also ist offenkundig, dass auch die wahre Medizin, aus der die Magie entstanden sein soll, nichts zu ihr beiträgt.

Furnius: Ich glaube, dies wollten die Autoren sagen, wenn sie erklärten, sie sei aus der Medizin entstanden: Die Ärzte hätten die Eigenschaften, Kräfte, Verwandtschaften und Feindschaften der Dinge vor anderen gefunden, erforscht und notiert. Denn keine anderen beschäftigen sich mehr mit dieser besonderen Kenntnis aller Dinge; und auf diese Weise hätten sie anderen Anlass und Stoff gegeben, sorgfältiger zu forschen. Man sagt nämlich, der Magier vermähle den Himmel mit der Erde, das heißt, er rufe den unteren Dingen von den himmlischen umfassendere Kräfte herab.

Erastus: Dies scheint Plinius’ Meinung zu sein: Die Ärzte hätten begonnen, Krankheiten mit Heilmitteln dieser Art zu behandeln. Wenn nämlich einige nichts hatten, sagt Hippokrates, was, wenn es verabreicht wurde, nützte, erfanden sie dergleichen, damit ihre Unwissenheit nicht offenbar würde und sie den Eindruck erweckten, etwas Weiteres zu wissen. Er sagt, sie führten all dies aus Gründen der Göttlichkeit an, um sich selbst eine sichere Behandlung einzurichten, damit, wenn der Kranke gesund würde, ihnen Ruhm und Geschicklichkeit zugeschrieben werde; wenn er aber stürbe, ihre Entschuldigungen gesichert seien. Aus diesem Grund, schreibt er, hätten sie verschiedene Vorwände anzuführen gepflegt: man dürfe nicht Fuß über Fuß legen, kein schwarzes Gewand tragen, nicht Hand über Hand legen und anderes dergleichen.

Auf diese Weisen und durch diese Künste scheint die Magie zuerst aus der Medizin entstanden zu sein, indem unerfahrene Nebelkrämer eine Entschuldigung für ihre Unwissenheit suchten. Wenn doch heute nicht ähnliche Hindernisse sowohl von anderen als auch von den Schülern des Paracelsus vorgebracht würden! Aus diesem Grund haben sie vorgeschrieben, Kräuter müssten zu bestimmten Stunden gesammelt, anderes auf andere Weise zubereitet werden, damit, wenn die Heilung nicht gelänge, ein Ausweg offenstünde. So, sage ich, haben Plinius, Hippokrates, Galen und andere verstanden, dass sie aus der Medizin entstanden sei, und so verstehen auch wir es klar.

Andere erdichteten aus demselben Grund, damit die Sache wahrscheinlicher und gewisser erschiene, Heilmittel empfingen von den Gestirnen bewundernswerte Kräfte, die den natürlichen und angeborenen Kräften weit überlegen und vortrefflicher seien. Und damit der Betrug nicht entdeckt werden konnte, versicherten sie, diese müssten nur zu bestimmten Stunden und gleichsam Augenblicken bereitet werden. Auf diese Weise geschah es, nachdem die Erdichtung Gefallen gefunden hatte, dass in dieser Magie stets die Astrologie den ersten Rang innehatte: nicht insofern sie weissagt, sondern insofern man meinte, die Gestirne verliehen den dem Wandel unterworfenen Dingen göttliche Kräfte. Und es war nicht schwer, dies Menschen einzureden, da sie glaubten, die Gestirne seien die Ursachen aller zukünftigen Dinge, und sehr viele meinten, sie seien Götter. Auch sonst steht fest, dass die Astrologie das Fundament und gleichsam eine überaus reiche Quelle aller abergläubischen und gottlosen Künste gewesen ist.

Was aber die gegenwärtige Untersuchung betrifft, ist es wahr, dass Ärzte die Kräfte natürlicher Dinge sorgfältiger als viele andere erforschen. Doch dass sie diese Dinge mit dem Himmel vermählen, damit sie von ihm mit neuen und größeren Kräften ausgestattet werden, als sie aus ihrer Natur besitzen, ist völlig falsch. Du hast vor kurzem gehört, wie Hippokrates diese Possen einschätzt, und was Galen über jene dachte, die lehrten, Kräuter seien unter einer bestimmten Stellung des Himmels oder unter dem Gemurmel bestimmter Namen zu sammeln.

Damit du diese Nichtigkeit klarer siehst, antworte mir auf meine Fragen. Stell dir vor, jemand schmelze, bilde, schmücke und schnitze in einer bestimmten Stellung der Gestirne irgendein Metall und eine bestimmte Gestalt ein, und denke dir, es erlange so zum Beispiel die Kraft, Fallsüchtigen zu helfen. Ich frage dich also: Meinst du, diese Gestalt des Himmels lasse ihre Kräfte nur in dieses Metall, das der Magier jetzt behandelt, senkrecht herab, oder glaubst du, sie breite sie über die ganze Hemisphäre aus?

Furnius: Ich glaube, sie verbreitet sich weithin und berührt viele Dinge nach Art des Sonnenlichts. Denn da diese Kräfte nach Art von Strahlen aus den ganzen Körpern der Gestirne hervorgehen und alle sichtbaren Gestirne größer sind als die Erde, können wir nicht anders denken. Füge hinzu, dass der Künstler niemals gewiss sein könnte, ob der Himmel abgewichen und eher auf einen anderen Körper gefallen wäre, wenn jene himmlischen Kräfte gleichsam nach Art von Fäden herabflössen. Ich meine jedoch, diese Bilder seien zu verfertigen, wenn die Figuration über der Erde steht.

Erastus: Darüber ein anderes Mal. Zweitens frage ich, ob du meinst, jene gleiche Kraft teile allen Dingen, die sie berührt, ihre Kräfte mit, oder nur dem Metall, das der Magier bearbeitet.

Furnius: Wenn du die aus dem Himmel herabgefallene Kraft selbst betrachtest, ist sie für alle dieselbe. Aber nicht alles ist auf dieselbe Weise geeignet, sie aufzunehmen. Die Sonne ist für Lehm und Wachs dieselbe, obwohl durch ein und dieselbe Macht der Sonne jenes gehärtet, dieses geschmolzen wird.

Erastus: Drittens frage ich, ob du meinst, dass himmlische Einflüsse die sublunaren Dinge wegen deren verschiedener Naturen verschieden affizieren, oder wegen etwas anderem.

Furnius: Ich meine, dass die Dinge wegen ihrer jeweiligen eigenen Natur auf eigentümliche Weise verändert und affiziert werden. Denn jedes Ding nimmt die Handlung des Wirkenden so auf, wie es sie aufzunehmen geeignet ist. Denn ein einziges Wirkendes könnte Dinge, die verschieden sind, nicht zugleich hervorbringen, wenn die leidenden Dinge gemäß der Natur des Wirkenden verändert würden. Dennoch füge ich hinzu, dass diese Natur durch Kunst unterstützt und gleichsam zur leichteren Aufnahme disponiert wird.

Erastus: Meinst du also, dass die Natur des Metalls, das der Magier schmilzt und formt, durch Schmelzung und Formung verändert wird?

Furnius: Keineswegs.

Erastus: Gemäß seiner Natur nimmt es also die himmlischen Einflüsse zuvor auf und wird sie auch danach aufnehmen.

Furnius: Durchaus.

Erastus: Ich möchte auch dies wissen: Erscheinen am Himmel die für die Einritzung einer solchen Figur wirksamen Figurationen häufiger?

Furnius: Wenn sie nur einmal erschienen, könnte es keinerlei Erfahrung dieser Sache geben; und vergeblich würden wir gelehrt, dergleichen herzustellen, wenn niemals Gelegenheit gegeben wäre. Solche Figurationen kehren also wieder, manche häufiger, manche seltener.

Erastus: Vergeblich und faulig ist also die kunstmäßige Zubereitung, da die Materie dieselbe Fähigkeit schon zuvor aufgenommen hat und auch künftig aufnehmen wird.

Furnius: Du irrst ganz und gar. Denn sie konnte die aus den Gestirnen kommende Macht nicht aufnehmen, bevor sie so zubereitet wurde.

Erastus: Aber du sagtest, sie nehme sie wegen ihrer Natur auf, und diese werde durch die Zubereitung weder gegeben noch genommen.

Furnius: Aber ich fügte hinzu, dass außerdem jene Figuration der Kunst nötig sei.

Erastus: Über diese Sache werden wir wenig später ausführlich handeln. Jetzt will ich, dass du annimmst, dass die Gestirne wegen der Verzierung durch Kunst diesen Dingen weder mehr noch weniger geben können.

Furnius: Wenn ich dies zugestehe, hast du freilich gesiegt. Aber an diesem Angelpunkt dreht sich die ganze Sache. Deshalb wirst du dies von mir nicht erlangen, bevor du gezeigt hast, dass es wahr ist.

Erastus: Nachdem dies also an seinen Ort verwiesen ist, werde ich nur jenes sagen: Wenn jedes Ding gemäß seiner Natur Kräfte aus dem Himmel empfängt und die Zubereitung die Natur weder gegeben noch genommen hat, dann ist notwendig, sofern es jetzt anders empfängt als zuvor, dass die Kunst irgendein Hindernis beseitigt hat. Sie hat aber nichts weggenommen außer vielleicht einigen Schmutz. Wer meint, durch diesen würden die verborgenen Kräfte des Himmels gehindert, ist jeder Astrologie unkundig. Denn sie sagen, diesen Kräften stehe nichts entgegen, sondern sie drängen durch beliebige Felsen hindurch und erschaffen, formen und begaben mit Kräften in der Tiefe der Erde. Der Künstler hat die Gestalt verändert und vielleicht die Materie weicher gemacht. Aber dies und Ähnliches fördert oder verzögert die Handlungen des Himmels nicht. Auch dringt die himmlische Kraft in geschmolzene Materie nicht leichter ein als in zusammengewachsene und harte, wie aus dem Gesagten klar ist. Leer ist daher diese Zubereitung und wird vergeblich angewandt. Denn ich glaube nicht, dass ihr den Himmel zu einem Lebewesen macht, das durch die Schönheit der Gestalt oder des von ihm geliebten Charakters wie durch Bitten bewegt und überredet zu werden pflegt.

Aber ich frage weiter: Können die Gestirne, nachdem das Bild eingeprägt ist, ihre Kräfte weiterhin der Materie mitteilen?

Furnius: Nichts hindert daran.

Erastus: Die Lehre der Astrologen enthält, dass in jedem Augenblick Figurationen von verschiedenster Kraft aufsteigen, sodass Kinder, die nahezu zur selben Zeit, aber doch nicht im selben Augenblick geboren sind, notwendig eine nach der Kraft höchst verschiedene und sehr oft ganz entgegengesetzte Gestalt ihres Ursprungs haben. Wenn dies wahr ist, kann derjenige, der das Metall bereitet und geformt hat, niemals gewiss sein, ob die wenig später aufsteigende Gestalt des Himmels jede Wirksamkeit der früheren aufhebt. Wenn aber die Lehre der Astrologen falsch ist, wovon ich so sicher bin, wie ich sicher weiß, dass ich ein Mensch bin, dann ist notwendig auch die Meinung der Magier falsch. Deshalb wird notwendig alles zusammenstürzen, was sie auf dieses Fundament gebaut haben. Sie haben aber alles Ihre darauf gebaut. Daher ist die Magie nichts anderes als bloße und gottlose Nichtigkeit.

Furnius: Was, wenn jemand sagt, die kunstmäßige Figuration habe dies bewirkt: dass sie die Kraft, die sie bei der Zubereitung vom Himmel her geschöpft hat, danach zu jeder Zeit so bewahre, dass sie von einer nachfolgenden nicht zunichtegemacht und ausgelöscht werden könne? Ich erinnere mich, dass Paracelsus etwas Ähnliches über irgendeine Persicaria überliefert: „Sie hat“, sagt er, „keinen Verkehr mehr mit den Gestirnen, sobald sie gepflückt ist; solange sie aber lebt und der Erde anhaftet, zieht sie vom Himmel her Kraft an sich.“

Erastus: Eine treffliche Entschuldigung, freilich! Du bekennst, dass die Natur durch Werke der Kunst nicht verändert worden ist und dass der Himmel die sublunaren Dinge nach der Natur eines jeden affiziert. Daher musst du auch dies bekennen: dass die Wirkung des Himmels durch die Kunst nicht gehindert wird. Wer, bitte, außer gottlosen Magiern und abergläubischen Astrologen, wird als verständiger Mensch meinen, der Künstler könne die Wirkung des Himmels hindern und verbieten, auf die sublunaren Dinge zu wirken, wie Gott wollte und befahl, dass sie wirke? Wer Naturen verändert, umschreibt und begrenzt die Wirkung des Himmels nicht; sondern weil alle Dinge je nach Verschiedenheit ihrer Naturen verschieden leiden, bewirkt er, dass sie nun anders leiden als zuvor. Hier aber setzen wir, dass nichts Natürliches verändert worden ist.

Was aber, wenn ich beweise, dass jene Kräfte, die ihr fälschlich als den Gestirnen eingepflanzt erdichtet, kaum einen Augenblick dauern?

Furnius: Ich wünsche es zu hören.

Erastus: Du wirst mir, wie ich hoffe, von selbst zugestehen, dass jene verborgenen Mächte keine elementaren Qualitäten sind, sondern ganz verborgene, unsinnliche und geistige.

Furnius: So ist es.

Erastus: Du wirst auch bekennen, dass sie bestimmten Gestirnen eigentümlich sind. Wenn sie nämlich allen gemeinsam wären, wäre es töricht zu meinen, durch eine bestimmte Stellung bestimmter Sterne werde mehr verliehen als durch beliebige andere, wie auch immer sie zusammentreffen.

Furnius: Ich bekenne es.

Erastus: Du wirst also zugestehen, dass sie wesentlich sind, nicht akzidentell, da die Gestirne durch Akzidenzien nicht in derselben Weise verändert werden wie diese flüchtigen und beinahe von Augenblick zu Augenblick wandelbaren Dinge.

Furnius: Ich gestehe zu, dass die besonderen Kräfte der einzelnen Gestirne aus ihren Wesenheiten hervorgehen; und da nicht die Wesenheit aller dieselbe ist, sind auch die Eigenschaften nicht in allen dieselben. Dennoch bestreite ich entschieden, dass den Akzidenzien hier nichts zuzuschreiben sei. Denn der Stern des Mars hat zum Beispiel zwar eine andere Macht als der des Merkur; dennoch wird diese vermehrt, gestärkt, vermindert, gehindert und abgestumpft, je nachdem er auf diese oder jene Weise seine Strahlen mit den Strahlen der übrigen mischt.

Erastus: Erfahrene Astronomen meinen, dass die Strahlen nicht im Himmel gemischt werden, sondern hier auf der Erde, in der sie wie in einem Punkt zusammenfallen. Aber uns genügt, dass diese Wirkungen aus den Eigenschaften der Sterne und den Mischungen der Strahlen entstehen, wegen ihres gegenseitigen Aspekts, wie ihr sagt.

So also schließe ich: Die verborgenen, unsinnlichen und geistigen Kräfte der Dinge, die aus deren Wesenheit hervorgehen, können von der Wesenheit eben dieser Dinge nicht getrennt werden. Denn wenn man denkt, dass sie in einer anderen Sache haften, werden sie nicht mehr wesentlich und eigentümlich sein. Wie nämlich die Wesenheit des einen nicht die Wesenheit des anderen sein kann, so kann die eigene Kraft und Fähigkeit einer Wesenheit nicht außerhalb der Wesenheit erdacht werden, deren Eigentümlichkeit sie ist. Daher kann die Fähigkeit zu lachen, zu sprechen und zu zählen nicht in einem anderen Körper gedacht werden als in einem, der mit rationaler Seele begabt ist. Auch kann das Licht der Sonne nicht ohne die Sonne gefunden werden, sondern notwendig geht und kommt es mit ihr. Die Kräfte der Himmelskörper aber, von denen wir hier handeln, sind nicht elementar und nicht sinnlich wahrnehmbar, sondern verborgen, eigentümlich, spezifisch oder individuell, unsinnlich und ganz geistig. Also gehen sie mit ihren Sternen fort und kehren mit ihnen zurück; sie bleiben in einer anderen Sache ebenso wenig eingeprägt und befestigt zurück, wie das Licht der Sonne in der Luft bleibt, wenn sie selbst weicht.

Also sind diese Kräfte viel unbeständiger als das Licht der Sonne. Dieses erleuchtet nämlich, unter welchem Aspekt auch immer die übrigen Gestirne die Sonne ansehen, die Luft in der Zeit, in der die Sonne über der Erde ist, in gleicher Weise, sofern keine Wolken oder andere Körper dazwischentreten. Die übrigen Planeten aber werden stärker gehindert und mit viel verschiedenerer Bewegung bewegt. Sind diese aber verändert, ist es unmöglich, dass die früheren Kräfte bestehen bleiben, sofern nur die Setzungen der Astrologen wahr sind, wie wir jetzt annehmen. Daher wird ein Bild, das unter einer bestimmten Konstellation hergestellt wurde, die Fähigkeit jener Konstellation nicht mehr bewahren, als ein Hammer oder Messer die Kunst des Künstlers bewahrt, nachdem er es aus der Hand gelegt hat. Die Feder, mit der jemand schreibt, besitzt keine Kunst des Malens mehr, sobald sie aus der Hand des Schreibenden gefallen ist. Noch weniger geeignet sind jene Bilder, solche himmlischen Kräfte aufzunehmen, als die Feder geeignet ist, die Kunst des Schreibens zu bewahren. Denn häufiger ist die Hand bei ihrem Werk als die Figurationen des Himmels, die selten geschehen und kaum einen Augenblick dauern.

Du siehst also, wie unglücklich ihr eure Bilder verheiratet? Die Mitgift, die ihr erwartet, ist schnell zugrunde gegangen und allzu schlüpfrig. Die Magier müssen einen anderen, beständigeren Bräutigam suchen, der eine festere und sicherere Mitgift verspricht und die Ehe nicht so leicht auflöst.

Furnius: Es ist nicht völlig wahr, dass die himmlischen Kräfte nicht beständig bleiben. Lässt die Sonne nicht nach sich Wärme in Luft und Erde zurück?

Erastus: Wir handeln hier nicht von sinnlich wahrnehmbaren Qualitäten der Elemente, sondern von unsinnlichen und geistigeren als das Licht selbst. Gott wollte, dass die Sonne durch ihr Licht eine den Elementen entsprechende Wärme erzeuge. Diese erzeugt sie also nicht in einem Augenblick, sondern in der Zeit. Ihr aber sprecht von Kräften, die in einem Augenblick und ohne Bewegung, Widerstand und Umwandlung des Leidenden eingegossen werden. Daher ist hier ein größerer Unterschied als zwischen Licht und Finsternis.

Doch es ist besser, meine ich, dieses Argument, das sonst durch sich hinreichend klar ist, überdies durch das Zeugnis der Heiligen Schrift zu bestätigen, damit allen jeder Ausweg versperrt werde. Denn Gott verbietet, und zwar untersagt er unter schwerster Strafe, die Wahl von Stunden und Tagen vorzunehmen. Der aber wählt wahrhaft und eigentlich Stunden und Tage, wer immer unter bestimmten Konstellationen des Himmels Derartiges tut und glaubt, zu anderen Zeiten und Stunden habe es keinen Raum. Deshalb wird nicht nur in seiner Hoffnung getäuscht, wer solche Dinge versucht, sondern, was weit schwerer wiegt, er fällt unter die Strafe, die Gott selbst solchen auferlegt hat.

Furnius: Wenn diejenigen gegen das Gesetz Gottes sündigen, die eine bestimmte Zeit wählen, dann vergehen sich alle Ärzte, die lehren, die einen Kräuter seien im Frühling, andere im Sommer, andere im Herbst zu sammeln. Schwer gesündigt hat Hippokrates, der verbietet, Arzneien zu verabreichen, wenn bestimmte Gestirne auf- und untergehen. Es irren alle Menschen, die zu verschiedenen Zeiten verschiedene Geschäfte beginnen und vollenden.

Erastus: Als Gott die Wahl von Tagen und Stunden verbot, befahl er damit nicht, dass wir die sinnlich wahrnehmbaren Qualitäten der Luft nicht beobachten sollten. Er wollte nämlich nicht, dass wir im Winter Samen der Erde anvertrauen oder zu unpassender Zeit ernten; sondern er befahl dies: dass wir wegen der verschiedenen Bewegungen und Stellungen der Gestirne, die man Konstellationen nennt, nicht meinen sollten, eine Stunde sei glücklicher als eine andere. Daher irren die Ärzte nicht, die zu verschiedenen Zeiten Kräuter sammeln, trockene zu anderen, feuchte zu anderen, warme zu anderen, kalte zu anderen. Auch irren diejenigen nicht, die manche in der Blüte, andere nach entstandenem Samen, wieder andere, bevor sie ausgewachsen sind, sammeln. Noch viel weniger wird Hippokrates angeklagt werden können, der unter dem Hundsstern und vor dem Hundsstern Entleerungen verbot. Denn er wollte nicht, dass wir den Stand dieser Gestirne am Himmel betrachten, sondern befahl, die Veränderungen der Luft zu beachten, die in jenen Zeiten gewöhnlich einzutreten pflegen. Der Grund ist bei anderem ähnlich.

Die Summe lautet: Gott missbilligt nicht, ja lobt und gebietet, die sinnlich wahrnehmbaren Veränderungen der Luft zu beachten. Um dieser Sache willen hat er den Himmel so verschieden bemalt, dass die Menschen nach verschiedenem Auf- und Untergang bestimmter Gestirne die Zeiten des Jahres unterschieden. Du weißt ja wenigstens, dass vor den Zeiten Julius Caesars beinahe alle Völker des bewohnten Erdkreises die Jahreszeiten nach Auf- und Untergang der helleren und bekannteren Gestirne abzugrenzen pflegten. Wenn du es von anderswoher nicht erkannt hast, konntest du es aus Galens Kommentaren zu den Büchern der Epidemien des Hippokrates lernen. Klug handeln auch diejenigen, die zu bestimmten Zeiten Holz schlagen, das dauerhaft sein soll, insofern sie erfahren haben, dass es zu einer Zeit mehr Feuchtigkeit enthält als zu einer anderen.

Alle diese beobachten sinnlich wahrnehmbare Veränderungen; sie urteilen nicht, allein gewisse Tage oder Stunden seien geeignet, weil nämlich eine bestimmte Stellung der Sterne am Himmel sei, sondern weil sie sehen und fühlen, dass in der Luft und anderen Dingen eine bestimmte Beschaffenheit vorhanden ist. Der Landmann sündigt nicht gegen das göttliche Gesetz, wenn er die Früchte nach sinnlich wahrgenommener Reife erntet. Auch der Winzer verletzt das Gesetz Gottes nicht, wenn er die Trauben zu einer bestimmten Zeit liest, zu der er sie durch Geschmack, Gesicht und Berührung als reif erkennt. Entsprechend verhält es sich mit anderem. Dies ist daraus offenbar, dass die Bauern keinen bestimmten Augenblick oder eine bestimmte Stunde beachten, in der sich die Planeten auf diese oder jene Weise gegenseitig ansehen, sondern urteilen, dass jene ganze Zeit geeignet ist, die eine den auszuführenden Dingen entsprechende Temperatur besitzt. Als Gott also verbot, Tage und Stunden zu beobachten, verbot er nicht, eine sinnlich wahrnehmbare und passende Beschaffenheit der Luft zu wählen, die den auszuführenden Dingen entspricht; sondern er setzte fest, dass wir nicht in der Zeit selbst wegen der Rücksichten auf Himmel und Gestirne oder wegen anderer solcher Ursachen eine glückliche oder unglückliche Ursache suchen sollten. Wahrhaft überschreiten also dieses Gesetz Gottes alle, die zu behaupten wagen, zu einer bestimmten Stunde werde wegen eines bestimmten Schematismus der Gestirne etwas glücklich begonnen, das entweder zuvor oder danach nicht in gleicher Weise günstig sein werde, wegen der dann herrschenden ungünstigen Gestirne.

Furnius: Wenn du kannst, bitte ich dich, mit anderen, festeren Argumenten zu zeigen, dass der Himmel den Dingen keine bewundernswerten Kräfte verleiht. Denn ich kann mich bei den angeführten noch nicht beruhigen.

Erastus: Obwohl ich beschlossen hatte, diese Sache unten zu disputieren, wo von der Divination gehandelt werden wird, beschwert es mich doch nicht, jetzt das anzuführen, was diesem Vorhaben dient. Nimm es also so: Der Himmel hat jene Kräfte, über die der gegenwärtige Streit geht, nicht in sich. Deshalb kann er diese irdischen Dinge auch nicht mit ihnen begaben. Dass er diese Fähigkeiten nicht besitzt, wird daraus hinreichend ersichtlich, dass er eine körperliche, allgemeine und gemeinsame Ursache ist. Diese ist allen Dingen dieselbe und verleiht allen dasselbe, was sie irgendeinem einzelnen mitteilt.

Welche Natur ferner eine gemeinsame Ursache hat, habe ich oben am Beispiel der Henne erklärt, die auf verschiedenen Eiern sitzt. Dasselbe will ich jetzt kurz wiederholen, weil derjenige, der dies richtig versteht, sich aus dem ganzen Labyrinth der Astrologomagier sehr leicht befreit. Setze also, dass eine Henne auf verschiedenen Eiern sitzt, fruchtbaren und unfruchtbaren. Und die fruchtbaren seien verschiedener Art: von Hühnern, Gänsen, Enten, Fasanen, anderen Vögeln, Seidenraupen, Schlangen. Setze, wenn du willst, auch Steinchen und Samen von Kräutern und was du sonst noch willst, seien ihr zugleich untergelegt. Wenn nun, sage ich, die Henne auf all diesen sitzt, wird sie sie mit einer und derselben Wärme genau erwärmen, nicht mit einer anderen und wieder anderen. Diese eine und dieselbe Wärme also, die in ihnen existiert, erzeugt durch eine einzige Handlung, nämlich Erwärmung, höchst verschiedene Wirkungen. Denn sie lässt unfruchtbare Eier faulen, fruchtbare aber belebt sie; und aus ihnen brütet sie Küken, Entchen, Gänschen, andere Vögelchen, Seidenraupen und Schlangen aus, Lebewesen von höchst verschiedener Natur, Kraft, Sitte und Gestalt. Steinchen aber und anderes, was durch diese Wärme nicht wesentlich verändert zu werden geeignet ist, lässt sie unverändert, obwohl sie es auf dieselbe Weise erwärmt hat wie die Eier.

Deswegen ist und heißt sie eine gemeinsame Ursache, weil sie nämlich dem einen nur so viel verleiht wie den anderen, das heißt, weil sie durch eine einzige Fähigkeit oder Handlung alles gleichermaßen affiziert. So erzeugt die Wärme der Henne in allen unterlegten Dingen gemeinsame und eine Wärme. Eine nenne ich sie, insofern sie von einer Ursache ausgeht; nicht eine aber, insofern sie in verschiedenen Subjekten geteilt ist.

Die erste Eigenschaft einer gemeinsamen Ursache ist also, dass sie durch jene eine Fähigkeit, aufgrund deren sie gemeinsam genannt wird, auf dieselbe Weise und mit derselben Kraft wirkt, das heißt, in alles eine und dieselbe Wirkung einprägt. Denn wenn sie dem einen etwas anderes verleiht als den anderen, wird sie schon nicht mehr allen gemeinsam sein. So erzeugt die Wärme der Henne in allen unterlegten Dingen gemeinsame und eine Wärme. Die zweite ist, dass die Dinge, deren Ursache sie zu sein heißt, geeignet sind, jene gemeinsame Wirkung aufzunehmen. Denn Wirkendes und Leidendes beziehen sich aufeinander; und etwas kann nicht wirkend genannt werden, wenn nicht ein Leidendes vorhanden ist. Die dritte ist, dass das gemeinsame Wirkende ohne Verbindung der besonderen Wirkenden keine der besonderen Wirkungen durch sich erzeugt. So wird die Wärme der Henne niemals eine Gans oder ein Hühnerküken erzeugen ohne geeignete Eier. So wird die Sonne niemals ein Pferd oder einen Menschen erzeugen ohne Pferd oder Mensch. Denn die gemeinsame Ursache ist nur eine helfende Ursache, ohne welche die besonderen Wirkenden ihre Wirkungen nicht hervorbringen können. Sie erregt nämlich, stärkt und befestigt die einem jeden Ding eingepflanzte Fähigkeit.

Wenn du dies auf den Himmel überträgst, von dem niemand zweifelt, dass er die allgemeinste und gemeinsamste Ursache der unteren Dinge ist, wirst du sehr leicht die Wahrheit erkennen. Zunächst ist gewiss, dass der Himmel zu jeder einzelnen Zeit allen Dingen eine und dieselbe gemeinsame Fähigkeit herabsendet, nicht einem Ding eine, den anderen eine andere verleiht. Auch wenn sie nämlich je nach verschiedener Lage der Dinge mehr oder weniger von ihm affiziert werden, nehmen doch alle eine einzige Kraft auf.

Furnius: Und was anderes sagte Paracelsus im Buch Über die große Philosophie, als er behauptete, der Einfluss des Himmels sei gleichsam ein zusammengeschichtetes Feuer aus jeder Art von Holz, das jedes Ding nach seiner jeweiligen Disposition koche? Er behauptet dort, die Sonne habe eine einzige Eigentümlichkeit, wie das Feuer die Fähigkeit zu erwärmen.

Erastus: Die Worte dieses Menschen bewegen mich nicht, da er, was er einmal richtig gesagt hat, niemals festhält, sondern nach dessen Verwerfung Falsches und Absurdes an seine Stelle setzt und das Falsche meist durch Falsches vermehrt. Die Natur aller Dinge zwingt uns, so zu denken, wie wir gesagt haben. Sodann ist gewiss, dass alle diese sublunaren Dinge die himmlische Kraft aufnehmen. Drittens steht fest, dass der Himmel ohne besondere Ursachen hier keine besonderen Wirkungen hervorbringt, sondern nur seine gemeinsamen Kräfte allen gleichermaßen mitteilt.

Furnius: Als ob wir nicht täglich sähen, dass die Himmel aus fauliger Materie sowohl Tiere als auch Pflanzen erzeugen.

Erastus: Dass vom Himmel aus fauliger Erde Mäuse, Frösche, Würmer und Kräuter erzeugt werden, ist nicht das Werk des Himmels allein, sondern mit dem Himmel wirkt die Eigentümlichkeit der Materie und die in ihr eingepflanzte Wärme, die eine solche Kraft besitzt. Denn wie die eingepflanzte Wärme der Eier, wenn sie nicht durch eine passende äußere Wärme gehegt und vermehrt wird, aus der ihr zugrunde liegenden Materie kein Lebewesen hervorbringen kann, auch wenn diese zur Erzeugung eines Lebewesens geeignet ist, so bedarf auch die Wärme, die in fauligen Dingen ist, der Hilfe und Unterstützung der himmlischen Wärme. Das Lebewesen aber bildet nicht die Wärme des Himmels, sondern die in der Materie eingepflanzte Wärme, die von jener vermehrt und befestigt wird. Daher kommt es, dass er nicht aus jeder beliebigen fauligen Materie jedes Beliebige erzeugen kann, so wie die Wärme der Henne nicht aus jedem Ei ein beliebiges Küken ausbrüten kann. Wenn nämlich entweder hier ohne die den Eiern eingeborene Wärme oder die himmlische Wärme ohne den angeborenen und inneren Geist eines jeden Dinges erzeugen könnte, würde die Henne aus jedem beliebigen Ei jeden beliebigen Vogel erzeugen, und der Himmel würde aus jeder beliebigen Sache Beliebiges hervorbringen. So viel also verleiht die allgemeine und gemeinsame Kraft der Himmel den Dingen im Besonderen, wie die einzelnen Dinge schon zuvor besaßen, indem sie ihre Wärme stärkt und bewirkt, dass sie gemäß den ihnen vom Schöpfer eingepflanzten Kräften wirken.

Furnius: Was wirst du schließlich schließen?

Erastus: Dies will ich zeigen: Der Himmel bringt, weil er eine allgemeine und gemeinsame Ursache ist, zu jeder Zeit eine einzige Wirkung in alle Dinge ein, von der die einzelnen angetrieben oder unterstützt werden, das zu tun, was sie ihrer Natur gemäß tun können. Diese gemeinsame Kraft wird von den Peripatetikern Wärme genannt, die durch die verschiedene Bewegung der Himmel den sublunaren Dingen verschieden mitgeteilt wird; daher entstehen die Verschiedenheiten der Jahreszeiten und die Unähnlichkeiten der Dinge. Jene besonderen Kräfte haben die Platoniker erdichtet, die den einzelnen Sternen einzelne Dämonen zugeschrieben und sie zu Werkmeistern solcher Dinge gemacht haben. Deren Meinung folgt Paracelsus, der sie Geister, Aszendenten, Werkleute und ich weiß nicht mit welchen anderen Namen benennt. Den Körpern des Himmels und der Sterne solche Mächte zuzuschreiben, hat kein Gelehrter gewagt. Mit der Lehre der Peripatetiker stimmen die Heiligen Schriften sehr schön überein, die den Gestirnen keine andere Fähigkeit zuschreiben als zu erleuchten, Tag und Nacht zu unterscheiden, die Jahreszeiten zu verändern und anzuzeigen; dass dies durch Licht und Wärme des Himmels vollbracht wird, bezweifeln nicht einmal die eselhaftesten Menschen, denen auch nur ein klein wenig Vernunft übrig ist.

Furnius: Die Heiligen Schriften verneinen nicht, dass im Himmel andere, enger gefasste Kräfte sind.

Erastus: Sie weisen den Himmeln keine zu, die nicht Licht und Wärme zugeschrieben werden können und müssen. Wenn du behauptest, andere seien darin, werde ich fragen, ob sie gemeinsam oder besonders und eigentümlich seien. Wenn du sagst, sie seien gemeinsam, kehrt die frühere Frage zurück. Denn sie werden in diesen sublunaren Dingen eine gemeinsame Wirkung hervorbringen, nichts Besonderes bewirken. Dinge aber unterscheiden sich nicht durch das, was sie gemeinsam haben, sondern durch das, was den einzelnen eigentümlich ist. Daher werden sie keine besonderen Kräfte einführen.

Wenn du behauptest, sie seien eigene, werden höchst widersinnige und falsche Folgen eintreten. Um nämlich das oben gesetzte Beispiel von der Bleiplatte beizubehalten, die zur Heilung Fallsüchtiger hergestellt wurde, frage ich dich: Berührt die Kraft der Figur, unter der die Platte bereitet wird, auch andere Dinge, oder steigt sie allein in die Platte herab? Dies kann nicht gesagt werden, wie aus dem oben Gesagten klar ist. Da sie also alle anderen Dinge berührt, aber keinen anderen ihre Kraft verleihen kann, wird sie zum größten Teil müßig sein, das heißt den anderen Dingen vergeblich gegenwärtig sein. Vergeblich wird auch jene Figuration insgesamt sein, sooft zufällig kein Magier in jenem Augenblick daran denken wird, eine Platte zu bereiten. Außerdem werden die elementaren Dinge nicht jeweils ihrer eigenen Natur gemäß von den Mächten der Himmel verändert werden, während der größte Teil der Dinge von solchen verborgenen Kräften überhaupt nichts erleiden wird. Wenn du nämlich behauptest, sie erlitten etwas, machst du die Kraft gemeinsam.

Furnius: Zugegeben, durch diese Fähigkeit bewegen sie nicht; durch andere bewegen sie dennoch. Denn sie haben nicht nur eine einzige Macht zu bewegen. Deshalb können sie nicht als vergeblich geschaffen und müßig angesehen werden.

Erastus: Diese Fähigkeit wird gewiss dann vergeblich wirken, was immer wir von den anderen meinen mögen. Sodann frage ich dich: Wer hat den Menschen gesagt, dass in den Sternen diese besonderen Kräfte sind? Denn die allgemeinen nehmen wir mit den Sinnen wahr und verstehen sie mit dem Geist.

Furnius: Die Erfahrung hat es gelehrt, wie das meiste andere. Du hast, glaube ich, jenen vornehmen Mann nicht schon vergessen, der kürzlich gestorben ist und offenbar mehreren mit einem bleiernen Charakter geholfen hat, der am Hals aufgehängt wurde. Freilich gestehe ich, dass diese nicht unter einer bestimmten Stellung der Sterne hergestellt wurden, sondern unter gewissem Gemurmel sowie unter Auferlegung von Fasten und Gebeten an einem bestimmten Tag umgehängt wurden.

Erastus: Vielleicht hatte der Arzt Menecrates, dessen bei Athenaios Erwähnung geschieht, eine derartige Platte hergestellt, deretwegen er wegen der Heilung dieser Krankheit als Gott gegrüßt und verehrt werden wollte. Ich sage dir frei heraus: Was die Astrologen von der Erfahrung solcher Dinge faseln, sind allerfaulste Lügen. Es ist bereits reichlich gezeigt worden, dass die Himmel derartige Kräfte nicht besitzen. Auch die Platte hat diese heilsame Kraft nicht aus sich selbst. Noch viel weniger konnte sie sie durch Kunst empfangen, wie sogleich einzusehen ist. Wenn also etwas Derartiges geschah, ging es von einer anderen Kraft aus, nämlich von einem bösen Dämon.

Weil ich aber nicht glaube, dass Dämonen eine wirkliche Epilepsie beseitigen können, heilte jener diejenigen, die er befallen hatte, als ob sie an der Fallsucht litten. Diese, sage ich, hörte er zu befallen auf, wenn eine solche Platte angehängt wurde. Ein klares Zeichen ist, dass sie unendlich vielen gar nichts nützte. Daher wurde entweder jemand zufällig gesund, oder er schien aus dem eben genannten Grund in besserem Zustand zu sein. Jener Vornehme heilte gewiss wenige und vielleicht keine Erwachsenen, sondern beinahe nur Knaben; diese werden oft von dieser Krankheit ergriffen und werden auch ohne Anwendung irgendeines Heilmittels davon befreit. Niemand weiß nicht, dass diese meist leicht durch Heilmittel geheilt werden. Die Platte wurde also zufällig umgehängt, als sie entweder von selbst oder durch die Kräfte von Arzneien zu gesunden begannen.

Denn eine solche Platte war entweder Ursache der Gesundheit oder Zeichen oder Zufall. Ursache konnte sie nicht sein. Denn Blei ist nicht mit dieser Kraft begabt. Auch empfing sie sie nicht durch Kunst, wie von selbst bekannt ist. Auch vom Himmel konnte sie nicht gegeben werden, wie bewiesen worden ist. Da sie also von nirgendwoher mit dieser Fähigkeit begabt werden konnte, war sie auch keine Ursache. Wenn sie aber ein Zeichen war, war sie kein natürliches, wie klar ist. Auch war es nicht von Gott eingesetzt, der solche Dinge verdammt. Sie war also ein Zeichen für den Dämon, durch das er aufgrund eines verborgenen Vertrags zur Heilung eingeladen wurde. Wenn du bestreitest, dass sie ein Zeichen war, bleibt nichts anderes übrig, als dass sie ein Zufall war, so wie wenn jemand nach einem Donnerschlag von Fieber befreit wird, während die Natur die Krankheit überwindet und das Schädliche auszutreiben versucht.

Also ist jetzt sehr fest bewiesen, teils durch Vernunftgründe, teils durch die heiligen Zeugnisse des heiligen Wortes Gottes, dass der Himmel jene verborgenen Kräfte nicht besitzt, von denen die Astrologomagier sagen, sie würden ihren Bildern von ihm eingegossen. Ist aber diese Ehe gelöst oder dieser Weg der Ausstattung mit Mitgift aufgehoben, so ist jene natürliche Magie aus der Mitte beseitigt, die man für eine gewisse Kunst hielt, die Wunderbares wirke, von Medizin und Naturphilosophie unterschieden sei, aber aus deren Ehe und einer gewissen Verbindung mit dem Himmel entstehe.

Schon dies hätte uns lehren können, dass sich die Sache nicht anders verhält, als wir gesagt haben: dass alles, was über Magie als eine gesonderte Kunst schriftlich vorliegt, zur ruchlosen und verbrecherischen Magie gehört. Ich nehme stets aus, was jener Neapolitaner an Wahrem und Gewissem zusammengetragen hat über die Formung von Früchten, ihre Erhaltung, die Weise des Einmachens, über verschiedene Pfropfungen und anderes dergleichen. Diesem hat er vieles beigemischt, das so wahr ist, wie es wahr ist, dass trockene und tote Poleiminze, an einem Balken aufgehängt, um die Wintersonnenwende wieder grün werde und blühe. Das mahne ich deshalb an, damit niemand meint, ich billige schlechthin alles. Im Übrigen darf dies nicht mit dem Namen Magie bezeichnet werden: erstens, weil es von erfahrenen und begabten Bauern richtiger ausgeführt wird als von einem höchst gelehrten und ganz vollendeten Philosophen; sodann, weil es nicht über und außerhalb der Ordnung der Natur geschieht; ferner, weil es nicht jene Bewunderung seiner selbst enthält, die Magisches besitzt oder wenigstens nach allgemeiner Meinung besitzen soll; schließlich, weil das meiste nicht schneller geschieht, als es die Weise der Natur zulässt. Alle Menschen aber meinen, dass das, was durch die Kraft von Beschwörungen vollbracht wird, schnell vollbracht werde. Daher habe ich oben auch daran erinnert, dass Galen die Wirksamkeit von Heilmitteln, die wirksam und schnell handeln, mit den Kräften von Beschwörungen verglichen hat.

Furnius: Wahrhaftig hast du bewirkt, dass ich heftig zu zweifeln beginne, ob es irgendeine natürliche Magie gibt, durch die Wunderbares hervorgebracht wird. Wenn feststeht, dass künstliche Zubereitung nichts zur Aufnahme edlerer und göttlicherer himmlischer Kräfte beiträgt, so fürchte ich sehr, dass die magische Ehe wirklich magisch ist, das heißt leer und gauklerisch, und dass die Braut ohne Mitgift bleibt.

Erastus: Dass keine andere Magie als Bewirkerin von Wundern gefunden wird als die verbotene und berüchtigte, habe ich deutlich gezeigt. Nun verlangt die Ordnung des Vorhabens, dass wir einiges über ihre Arten sagen.

Die hauptsächlichen Teile der Magie sind also zwei: die wirkende, die Wunderbares hervorbringt, und die weissagende. Über die weissagende wird später zu sprechen sein; jetzt ist über die wirkende zu disputieren, die wir goēteía und epōdḗ genannt haben, weil sie sich Zauberliedern und Exorzismen bedient. Von dieser können so viele Arten angesetzt werden, wie es Werkzeuge gibt, deren sich die Magier zu bedienen pflegen. Sie gebrauchen ferner barbarische Namen, Gebete, Exorzismen, auch heilige Worte, verschiedene Zeremonien, Charaktere, Bilder und Figuren. Wir werden vor allem über diejenigen Arten disputieren, die der ärztlichen Kunst näherstehen. Zuerst werden wir betrachten, was Bilder, Figuren und Charaktere leisten. Nebenbei werden wir auch über andere periápta, also Amulette, und sogenannte Bindungen einiges anmerken. Danach werden wir über Worte, sowohl heilige als auch barbarische, sprechen. Schließlich werden wir über Liebestränke, die zur pharmakeía gerechnet werden, und über die Kräfte der Hexen beim Heilen und Schädigen etwas hinzufügen.

Furnius: Es gefällt mir in jeder Hinsicht, zumal ich besonders zu hören wünsche, wie viel die Kunst in dieser Sache der Natur zu Hilfe bringen kann.

Erastus: Ich muss zeigen, dass kunstmäßig hergestellte Bilder vom Himmel nicht mehr empfangen, als die Materie, aus der sie gemacht sind, aufnehmen kann. Obwohl bei gerechten Beurteilern der Dinge nicht viele Argumente nötig sind, wollen wir das Vorgenommene doch durch einige Gründe bekräftigen, die teils aus der Natur des Himmels, teils aus der Befähigung der leidenden Dinge, teils aus den Kräften der Künste genommen sind.

Wir haben also oben gezeigt, dass der Himmel eine allgemeine und gemeinsame Ursache ist und daher eine einzige Wirkung hervorbringt, die allen Dingen gemeinsam ist. Daraus folgt notwendig, dass die besonderen Kräfte, durch welche die Dinge sich voneinander unterscheiden, den Dingen nicht vom Himmel eingegeben werden, sondern allen schon zuvor gemäß der Natur eines jeden innewohnen. Da er nämlich allen eine und dieselbe Qualität einprägt und durch diese die einzelnen Dinge stärkt und gleichsam aus dem Schlaf erweckt, damit jedes gemäß den Kräften seiner Natur wirke, muss jedes zuvor seine eigene Natur besitzen, so wie Eier notwendig mit einer gewissen eigenen fruchtbaren Wärme und einem eigenen Geist ausgestattet sein müssen, aus denen die Henne durch ihr Brüten ein Küken ausbrüten soll.

Da der Himmel diese Naturen der einzelnen Dinge nicht gegeben hat, sondern sie nur durch seine allgemeine Fähigkeit ordnet und lenkt, sieht jeder, dass der Himmel den Bildern nichts Eigenes und Besonderes gibt, sondern nur das in die Materie einprägt, was er zu jeder Zeit auch in alle anderen Dinge einprägt. Wer anders denkt, setzt voraus, dass der Himmel den Dingen ihre Formen und Kräfte gibt; dies ist durch die vorhergehenden Argumente als falsch und unmöglich erklärt worden. Gewiss verleiht der Himmel diesen Dingen weder Materie noch Form ohne Hilfe einer nächsten und wahren Ursache. Daher verleiht er auch nicht die Eigenschaften, die alle entweder der Materie oder der Form oder dem Zusammengesetzten gehören.

Und wozu sind hier mehr Worte nötig? Die Heilige Schrift, die nicht zu täuschen weiß, lehrt, dass jedem Ding seine Natur und seine Kräfte und Eigenschaften bei der Schöpfung von Gott eingegeben wurden; und dass ihm überdies die Macht mitgeteilt wurde, sich zu erhalten und mit denselben Kräften fortzupflanzen. Aus denselben Schriften geht deutlich hervor, dass allen Metallen und Pflanzen, die in der Erde und aus der Erde entstehen, jeweils ihre eigene Natur, Kräfte und Eigenschaften vom Schöpfer verliehen worden sind, bevor er die Gestirne geschaffen hatte. Und nachdem er diese geschaffen hatte, befahl er ihnen nicht, den Dingen neue Kräfte einzuflößen, sondern durch ihr Licht und ihre Wärme, die allgemeinsten und gemeinsamsten Kräfte, die Entstehung der Dinge zu lenken, Tag und Nacht zu scheiden, die Jahreszeiten zu unterscheiden und so Entstehen und Vergehen der Dinge in einer ganz bewundernswerten und geradezu wunderbaren Abfolge zu ordnen.

Mit dieser Bestimmung der Heiligen Schrift, von der kein Geschöpf abzuweichen erlaubt ist, stimmt die Auffassung des Fürsten der Peripatetiker, Aristoteles, überein. Ihm folgten seine Schüler, soweit sie nicht durch platonische Phantasmen wahnsinnig gemacht oder durch den Wahn der Astrologen und Magier verblendet waren.

Sodann verstehen alle, die nicht ganz roh sind, dass Wirkung und Leiden nur bei solchen Dingen vorkommen, die derselben Gattung angehören. Dass natürliche und künstliche Dinge nicht nur in den nächsten, sondern in ganzen Gattungen verschieden sind, ist viel bekannter, als dass es in Zweifel gezogen werden müsste. Natürliche Dinge haben nämlich das Prinzip ihrer Bewegung und Ruhe, durch das sie aus sich bewegt werden und ruhen, in sich selbst. Künstliche Dinge aber haben dieses Prinzip außerhalb ihrer selbst. Daher können natürliche Körper nicht auf künstliche Körper wirken, insofern sie solche sind; sondern wenn sie auf sie wirken, wirken sie auf sie, insofern sie natürliche Materie haben. Die Körper des Himmels und der Gestirne aber sind natürliche Körper und wirken mit natürlichen Kräften. Daher verändern sie künstliche Dinge nur insofern, als sie in natürlicher Materie bestehen.

Wer ist so roh und töricht, dass er meinte, der Himmel wirke auf ein Kleid, insofern es diese oder jene Form vom Künstler empfangen hat? Der Himmel verändert zwar Kleider, insofern sie aus Wolle, Leinen oder Fellen gemacht sind; insofern sie aber in einer bestimmten Figur bestehen, erleiden sie von ihm nichts. Das wissen Unkundige, die verstehen, dass Motten in Fellen entstehen und andere Kleider zerrissen, angenagt, zerfetzt und faul werden, nicht wegen der Form, sondern wegen der Materie. Deshalb bewahren sie Leinenes anders auf, Wollenes anders und wiederum aus Fellen Gemachtes anders, wie sehr auch allen ein und dieselbe künstliche Form innewohnen mag. Da also offen ist, dass der Himmel und andere natürliche Ursachen wegen der in irgendeiner Materie hervorgebrachten Form dieselben Dinge weder mehr noch weniger verändern, als wenn sie entweder keine oder irgendeine andere Form hätten, ist auch dies offenkundig: Bilder empfangen vom Himmel nicht mehr Kräfte, als wenn ihre so geformte Materie niemals geformt worden wäre.

Was jene Dinge betrifft, von denen sie sagen, sie würden vom Himmel mit derartigen Kräften ausgezeichnet, ist die Schwierigkeit dieselbe. Denn nichts kann gewisser sein, als dass alle Dinge vom Himmel nichts erleiden, wofür sie keine Möglichkeit und Befähigung des Leidens von natürlichen Ursachen besitzen. Es steht ferner fest, dass künstliche Dinge, insofern sie solche sind, dieses Prinzips entbehren. Denn wie natürliche Dinge durch natürliche, so können künstliche nur durch künstliche Dinge an sich bewegt werden. Daher kann ein Künstler eine quadratische Form in eine runde oder viereckige verwandeln, ohne Veränderung der zugrunde liegenden Materie, so wie eine natürliche Ursache die Materie verschieden verändern kann, ohne dass die kunstmäßige Figur leidet. Obwohl bei der Veränderung des einen häufig auch das andere verändert wird, steht doch fest, dass dies akzidentiell geschieht. Im Übrigen ist gewiss, dass der Himmel keine andere Fähigkeit als eine natürliche hat. Daher kann er Irdisches auch nicht auf andere Weise bewegen als durch natürliche Kräfte; und diese können vom Himmel nur leiden, insofern sie den Bewegungen der Natur unterworfen sind. Diesen Bewegungen aber sind sie nicht insofern unterworfen, als sie mit künstlichen Formen ausgezeichnet sind, sondern insofern sie mit Natur ausgestattet sind. Daher können sie wegen der vom Künstler eingeprägten Form nichts vom Himmel erleiden.

Hinzu kommt, dass Dinge, die von Künstlern anders geformt werden, ihre Natur nicht verändern. Wenn du nämlich zum Beispiel einem Magneten die Gestalt eines Löwen oder eines Stieres oder einer Fliege oder irgendeines anderen Lebewesens einschneidest, wird er jetzt weder mehr noch weniger Magnet sein als zuvor. Ein Beweis ist, dass er wegen der Einritzung das Eisen weder leichter noch schwerer anziehen wird als zuvor, sofern er keine andere Veränderung erlitten hat. Was aber jetzt dieselbe Natur hat, die es zuvor hatte, wird vom Himmel auf dieselbe Weise bewegt, was diese verborgenen und geistigen Qualitäten oder Kräfte betrifft.

Auch dieses Argument darf nicht verachtet werden: Ordnung, Figur und Zusammensetzung sind keine wirkenden Prinzipien. Gewiss aber wird der Materie bei der Bildung der Bilder durch die Kunst nichts anderes verliehen als Ordnung, Figur und eine gewisse Zusammensetzung. Daher ist auch aus diesem Grund klar, dass die Materie vergeblich figuriert wird.

Galen schreibt über den Jaspis, er habe erfahren, dass dessen Kraft ohne die Einritzung des Königs Nechepsos ebenso wirksam gewesen sei wie mit ihr. Wenn wir die Kräfte der Kunst betrachten, werden die Magier ebenso viel Schutz finden. Denn wenn die Kunst die Handlungen der Himmel unterstützt, unterstützt sie dadurch, dass sie Hindernisse beseitigt. Die Natur verändert sie bei der Bildung von Bildern nämlich nicht. Man muss also sehen, welche jene Hindernisse sind, die den Himmel hindern. Der Himmel aber ist eine natürliche Ursache und von Gott dazu gemacht, mit seiner Kraft das ganze Gefüge dieser sublunaren Welt zu regieren und zu lenken, wie kurz zuvor gesagt wurde. Also widersteht keine natürliche Qualität der Handlung des Himmels so, dass er nicht auf die einzelnen Dinge wirkte, was er wirken muss.

Was von den elementaren Qualitäten zu denken ist, weiß ich wohl. Aber weil von diesen gegenwärtig bei uns nicht die Rede ist, übergehe ich diese Erklärung absichtlich. Wir sprechen von geistigen und unsinnlichen Kräften, denen weder Harte widerstehen noch Weiche zu sehr nachgeben; von denen man sagt, sie drängen bis in die Tiefe der Erde durch härteste Felsen und durch noch so dichte und feste Erden hindurch. Füge hinzu, dass bei diesen Herstellungsprozessen weder die Härte noch andere eigene Qualitäten der Metalle aufgehoben werden. Und selbst wenn dies bei Steinen und Metallen nützte, geschähe es doch bei Wachs und anderer weicher Materie vergeblich.

Die Summe lautet: Die verborgenen Handlungen des Himmels können durch jene Qualitäten der Materie, welche die Kunst zu verändern pflegt, weder verzögert noch gefördert werden. Auch die Magier selbst schreiben die Weise der Aufnahme himmlischer Kräfte nicht eher anderen Qualitäten zu als der Figur, den eingeschriebenen Charakteren und Ähnlichem. Wärme und Kälte erwähnen sie höchst selten oder niemals, während sie das Obige unablässig betreiben, wiederholen und einschärfen.

Aber sag, bitte, auf welche Weise meinst du, dass die Himmel durch die Kunst unterstützt werden? Die himmlischen Kräfte, da sie gewisse natürliche Qualitäten sind, haften nicht allein an der Oberfläche, sondern nehmen auch die tieferen Teile ein. Deshalb, selbst wenn man meinte, die künstliche Figur nütze, würde sie nur so weit beitragen, dass die himmlische Kraft allein in der Oberfläche aufgenommen würde, keineswegs aber in die Tiefe eindränge. Denn die Kunst bildet nur die Oberfläche aus, sie berührt nicht die in der Tiefe gelegenen Teile. Wenn sie nach Art der Natur durch das Innere der Materie hindurchdringen könnte, müsste sie nicht schon Nachahmerin und gleichsam Affe der Natur, sondern vielmehr Natur genannt werden. Sie ist aber Nachahmerin und Affe der Natur, weil sie in den äußeren Teilen der Natur Ähnliches macht, das Innere aber nicht berührt.

Furnius: Ich zweifle nicht, entschieden zu behaupten, dass von dir fälschlich gesagt wird, die Kunst schmücke allein die Oberfläche für die Aufnahme der himmlischen Kräfte und mache sie geeignet. Denn sehr oft verändert sie auch das Innere, nämlich sooft sie Feuer gebraucht, um Metalle zu schmelzen, geronnene Säfte zu verflüssigen, Flüssigkeiten zu kochen oder Ähnliches zu vollbringen.

Erastus: Niemand bezweifelt, dass die Kunst, wenn sie natürliche Qualitäten als Werkzeuge gebraucht, das Innere der Materie gemäß der Natur und den Kräften jener Qualitäten bisweilen verändert. Aber diese Veränderung ist natürlich, nicht künstlich, und sie kommt der Kunst akzidentiell zu. Denn sie verändert nicht deshalb das Ganze, weil sie auch die tieferen Teile bilden und ihnen eine bestimmte Gestalt einführen wollte, sondern damit sie die äußeren Teile passender formen könne.

Gegenwärtig sprechen wir von Bildern, Figuren und Charakteren, die eingeschrieben oder auf andere ähnliche Weise eingeprägt werden. Obwohl die Begründung bei denen, die gegossen oder anders geformt werden, nicht sehr unähnlich ist. Damit der Künstler diesen leichter Gestalten oder Formen in die Materie einführen kann, schmilzt er sie, verflüssigt sie, macht sie weich, reinigt, mischt oder disponiert sie anders; nicht aber, damit er die in der Tiefe gelegenen Teile auf dieselbe Weise wie die äußeren forme. Der Himmel aber bedarf für die Einprägung der Kräfte, von denen wir handeln, dieser Veränderungen nicht. Deshalb teilt er wegen ihrer seine Fähigkeiten den sublunaren Dingen weder leichter noch schwerer mit. Wenn nämlich Weichheit, Schmelzung, Reinigung und derartige Qualitäten zur Aufnahme einer bestimmten Macht aus dem Himmel vorbereiteten, würden Charaktere und Figuren vergeblich eingeschnitten. Ohne diese jedoch werden sie von allen für unwirksam gehalten. Auch besteht nach dem Urteil schon der Alten kein anderer Unterschied zwischen astronomischen und magischen Bildern als der, dass bei diesen die Dämonen offen angerufen werden, bei jenen aber stillschweigend und verborgen durch Charaktere als Zeichen des Bundes eingeladen und gemahnt werden.

Daher ist klar, dass jene Materien aus keinem anderen Grund eher geschmolzen, verflüssigt oder anders verändert werden, als damit sie leichter figuriert werden. Und gewiss ist, dass diese natürlichen Qualitäten nicht allein an der Oberfläche haften, sondern auch die unterliegenden Teile einnehmen. Denn Wärme, Kälte, Farbe, Geschmack, Geruch und die übrigen natürlichen Dinge sind nicht nur in der Oberfläche, sondern im zugrunde liegenden Körper. Dies ist ihnen so eigentümlich, dass dasjenige weder als natürliche Affektion gelten darf noch kann, was nur der Oberfläche anhaftet.

Wenn du daher überhaupt behauptest, einige Dinge empfingen wegen der künstlichen Figur jene bewundernswerten Mächte vom Himmel, wird nicht nur das folgen, was ich gesagt habe, dass nämlich derartige Kräfte allein auf die Oberfläche gesprengt werden, sondern auch dies wird sich ergeben: dass derartige Mächte nicht natürlich sind. Daher werden sie etwas Mathematisches oder etwas Künstliches sein. Beides ist unmöglich. Denn es ist nicht vorstellbar, wie eine natürliche Ursache durch natürliche Handlung eine künstliche Wirkung hervorbringe. Durch welche Maschine wird ferner eine mathematische Figur vom Himmel auf die Erde herabgeführt werden? Oder Ursache welcher Handlung wird sie sein, wenn zugestanden wird, dass sie herabgezogen wird? Gewiss hat kein gelehrter Philosoph jemals zugestanden, dass Quantitäten Prinzipien des Wirkens seien. Wenn du dennoch darauf bestehst, dass sie vorhanden seien, wirst du bekennen müssen, dass die Kraft teuflisch ist, da sie nicht natürlich ist. In so viele Schwierigkeiten verwickeln sich die, die den Astrologomagiern leichtfertig glauben.

Wie fest, gewiss, solide und wahr das ist, was ich vorgebracht habe, sieht man deutlich daraus, dass die scharfsinnigsten Astrologen und Magier niemals eine beständige Weise finden konnten, auf die sie ihre Bilder mit so großen Fähigkeiten ausstatteten. Der Conciliator zählt, wenn er fragt, woher sie ihre Wirksamkeit empfangen, fünf Meinungen auf; unter ihnen ist die der Theologen, die meinen, dergleichen werde von Dämonen bewirkt. Diese, die allein wahr ist, billigt er selbst am wenigsten. Denn er zieht zwar Avicennas Wahn, der es den Kräften der Seele zuschreibt, der wahren Meinung der Theologen vor, wird aber auch durch ihn nicht befriedigt. Die dritte Meinung ist, dass die himmlischen Intelligenzen durch das Licht gleichsam als Werkzeug zur rechten Zeit in geeignete, passend disponierte Materie einsprengten. Ebendiese verteidigt jener gottlose und profane Pomponazzi gegen Thomas von Aquin im zwölften Kapitel seines frevelhaften Buches Über die Beschwörungen. Sie ist aber von uns so widerlegt worden, dass es nicht nötig ist, mehr hinzuzufügen.

Die vierte und fünfte Meinung, die er den übrigen voranstellt, sind rein und unvermischt astrologisch. In jener setzt er fest, die Bilder erhielten ihre Wirksamkeit aus der Geburtskonstellation des Herstellers; in dieser, weil der Himmel zur Herstellung eines bestimmten Bildes zu einer bestimmten Zeit bewege, von dem Gutes oder Böses bewirkt werde, das jenem, für den es bereitet wird, aufgrund der Qualität seiner Geburtskonstellation widerfahren müsse. Auf diese Weise versucht er das Argument zu umgehen, das beweist, dass Natürliche nicht auf Künstliches wirkt. Die Kunst werde nämlich auf diese Weise, sagt er, in die Natur als allgemeines Prinzip zurückgeführt. Wer sieht nicht, dass all dies töricht, stumpfsinnig und falsch ist? Aus dem oben Gesagten ist klar, dass der Himmel keinem Ding eine besondere Natur und Qualität verleiht, sondern allen etwas Gemeinsames beiträgt. Außerdem hat er die gottlose Lehre der Astrologen in der Verteidigung Savonarolas gegen Stathmion widerlegt, und zwar mit solchen Gründen, die kein Verständiger zu widerlegen versuchen wird.

Furnius: Gern möchte ich hören: zuerst, was du Albertus antworten wirst, der beinahe dasselbe wie der Conciliator behauptet; sodann, was du auf Pomponazzis Argumente antworten wirst, mit denen er sich gegen Thomas verteidigt. Gewiss scheint Albertus im Buch Über die Mineralien seine Meinung recht wahrscheinlich zu vertreten, wo er sagt, dies sei das Prinzip der Magie: dass nämlich alles, was entweder von der Kunst oder von der Natur geschieht, von den Himmelskörpern bewegt werde. Hinsichtlich der Natur stehe die Sache fest. Hinsichtlich der Kunst, weil man zweifeln konnte, beweist er es ungefähr so: Es müsse etwas geben, das den Menschen dazu angeregt habe, jetzt etwas zu tun, nicht früher oder später. Außer dem Himmel aber könne nichts angeführt werden, wie die Weisen behaupten, und zwar zu Recht. Denn es gebe im Menschen ein doppeltes Prinzip des Handelns: Natur und Wille. Dieser aber werde, wie feststeht, von jener gezogen, sofern er nicht Widerstand leistet. Dadurch geschehe es, dass, wenn jene von den Gestirnen bewegt wird, sie diesen mit sich zieht, und so der Wille, von der Natur angelockt, beginnt, Bilder zu verfertigen. So sehen wir bei Kindern die Kräfte des Himmels, bevor sie den Verstand gebrauchen, wenn wir bemerken, dass sie zu der einen Kunst geeigneter und geneigter sind als zu beliebigen anderen. Gewiss aber ist, dass das, was als Ursache einer bestimmten Wirkung besteht, bisweilen zu Recht Ursache einer zweiten Wirkung genannt wird. Daraus folgt, dass die Gestirne, indem sie eine gewisse bewegende Ursache der Kunst sind, auch den Wirkungen der Kunst etwas an Kräften einflößen.

Nach diesen Voraussetzungen argumentiert er so für das Vorgenommene: Was in der Ordnung der Erzeugenden Prinzip ist, flößt den Folgenden seine Kraft ein. Die Figuren des Himmels sind die ersten der Figuren und daher die Prinzipien der übrigen. Deshalb empfangen diese etwas an Kräften von jenen. „Ich spreche“, sagt er, „von Figuren, nicht mathematischen, sondern natürlichen und in der Materie befindlichen.“ Mit welchen Argumenten Pomponazzi sich gegen Thomas verteidigt, weiß ich nicht, begehre es aber zu hören.

Erastus: Du hast Albertus’ Meinung richtig erfasst. Ungern disputiere ich gegen diesen Menschen und zitiere ihn nicht gern. Offen und unverhüllt ist er ein Magier oder gesteht zumindest, aus berüchtigten Magiern abgeschrieben zu haben, was er seinen Büchern aufgestrichen hat; das tut er an eben dieser Stelle, die du angeführt hast, offen. Aber dir muss ich willfahren, nachdem wir es so beschlossen haben.

Er setzt ein Prinzip der Magie an, das nicht nur umstritten, sondern völlig falsch ist. Prinzipien aber müssen so wahr sein, dass das, was aus ihnen geschlossen wird, von ihnen allen Glauben empfängt. Daher wird man schon aus diesem einen Punkt erkennen können, was von der gesamten Magie zu halten ist. In der Tat ist mehr als hinreichend gezeigt worden, dass der Himmel, der eine natürliche Ursache ist, natürlich wirkt, und zwar auf natürliche Dinge. Denn Wirkendes und Leidendes müssen in einer Gattung enthalten sein. Auch leidet ein Leidendes von einer natürlichen Ursache nur, sofern es von Natur dazu fähig ist zu leiden. Die Kunst aber verleiht keinen Dingen Natur und macht sie nicht fähig, natürlich leiden zu können. Und um jetzt von anderem zu schweigen: Wer ist so von Sinnen, dass er meinte, irgendein Ding erwerbe durch eine künstliche Figur eine natürliche Möglichkeit, von einer natürlichen Ursache etwas aufzunehmen? Wenn die Figur dies leisten könnte, könnte sie Natur geben. Ja vielmehr kann die Materie nicht einmal die Figur von der Kunst empfangen, wenn sie nicht zuvor durch ihre Natur dazu fähig gewesen ist. Oben ist gesagt worden, dass kunstmäßige Figuren nur an der Oberfläche bestehen, etwas Mathematisches sind und den Befähigungen der Natur nichts geben, nichts entreißen oder entziehen.

Sodann ist gezeigt worden, dass Himmel und Gestirne nicht Ursachen der einzelnen Handlungen sind und irgendwelchen Dingen nichts Besonderes mitteilen, sondern allen und einzelnen eine und dieselbe Kraft verleihen, durch die die einzelnen Dinge gestärkt und unterstützt werden, das zu vollbringen, wozu sie durch ihre eigene Natur gemacht sind. Es ist also Wahnsinn zu meinen, die Gestirne flößten einer Sache eher als anderen irgendwelche besonderen Kräfte ein, da sie zu jeder Zeit dem Ganzen ein und dasselbe beitragen. Die himmlische Kraft ist für die natürlichen Dinge das, was die aus dem Herzen hervorgehende Lebenskraft für die Glieder unseres Körpers ist. Ist etwa jemand so wahnsinnig, dass er meint, die Augen empfingen vom Herzen eine andere Fähigkeit als jene, die von demselben die Ohren und alle übrigen Teile empfangen? Wer meint, es sei so, ist nicht bloß im Wahn, sondern der Vernunft gänzlich beraubt. Eben dasselbe teilt das Herz allen Teilen zugleich mit, nämlich die Lebenswärme, durch deren Unterstützung die einzelnen Teile das tun, was Gott sie zu tun befohlen hat. Da diese Wärme zu jeder Zeit eine ist, kann sie überall nur eines wirken, nämlich erwärmen, auch wenn die durch sie gestärkten unterschiedlichen Teile sehr verschiedene Handlungen hervorbringen. Das Auge sieht, das Ohr hört, der Bauch verdaut, der Fuß dient dem Gehen, und schließlich tut jedes einzelne für sich, was es tun muss.

So, sage ich, affiziert der Himmel zu jeder Zeit die sublunaren Dinge, dass er allen eine einzige gemeinsame Fähigkeit mitteilt und keinem eine besondere gibt; auch wenn jedes Ding, nachdem es sie empfangen hat, gemäß den Kräften und der Eigentümlichkeit seiner Natur wirkt. Was sich nämlich zu vielem gleich verhält, bewegt oder bewirkt nichts Besonderes, wenn es nicht durch etwas zusammengezogen und auf eine einzige bestimmte Sache festgelegt wird. Wenn es von allen zugleich verschieden bestimmt und begrenzt wird, wirkt es zugleich Verschiedenes; wenn es sich selbst überlassen ist, vermag es nur eines zu wirken. Da also der Himmel die natürlichen Dinge, die von ihm bewegt zu werden fähig sind, nicht mit neuen Kräften ausstatten kann, sondern allein diejenigen erregen kann, die in einem jeden schon zuvor enthalten sind, wie, bitte, wird er in eine künstliche Figur, die jeder Möglichkeit des Wirkens entbehrt, jene bewundernswerten Fähigkeiten einflößen? Stumpfer und dümmer als ein Esel ist, wer dies sieht und den Irrtum der Magier nicht erkennt.

Ich bestreite also, dass die Kunst oder die künstlichen Dinge, insofern sie solche sind, vom Himmel bewegt werden. Ich bestreite, dass der Himmel den Menschen dazu antreibt, anregt oder einlädt, eher diese oder jene Sache zu tun als irgendeine andere, die er zu tun fähig ist. Dass ich dies zu Recht bestreite, sehen auch Blinde. „Aber es gibt etwas“, sagt er, „das jetzt anregt, nicht früher.“ Was folgt dann? Bewirkt allein der Himmel, dass wir jetzt etwas tun, was wir zuvor nicht taten? Also werden wir nicht einmal Urin lassen, essen, trinken, schlafen, irgendwohin gehen können, ja nicht einmal etwas ansehen oder hören, wenn nicht eine besondere Stellung der Gestirne uns hierzu antreibt? Dieser Wahnsinn übersteigt allen Glauben, wenn sie die Ursachen unserer Handlungen und Gedanken, die hier unendlich sind, im Himmel suchen. Fort mit diesen Bestien! Aber du sagst, die Weisen, Ptolemäus und solche andere, hätten es gesagt. Ich hätte mich gewundert, wenn du andere genannt hättest. Dass Astrologen und Magier schon seit Langem aufs Engste miteinander verbunden sind, wusste ich bereits. Dass der Wille oft von der Natur gezogen wird, steht fest; aber zu denken, die Natur werde vom Himmel auf einzelne Dinge hin gebeugt, ist nicht nur falsch, sondern auch gottlos. Auch haben Kinder ihre Neigungen nicht von Antrieben des Himmels her, sondern jedes ist durch die Eigentümlichkeit seiner Natur stärker zu der einen Sache als zu einer anderen geneigt, um hier von der göttlichen Vorsehung nichts zu sagen.

Es ist nun klar, dass die Gestirne weder die Kunst noch den Künstler, insofern er der Kunst kundig ist, bewegen, sondern insofern er Mensch ist, und zwar auf allgemeine und gemeinsame Weise. Obwohl aber, wenn die Fundamente untergraben und herausgerissen sind, das Gebäude notwendig baufällig ist und von selbst zusammenstürzt, wollen wir doch auch die Wände untersuchen, nachdem das Fundament erschüttert ist.

Was in irgendeiner Gattung Prinzip ist, sagt er, flößt den übrigen seine Kraft ein. Dies ist wahr, wenn es wirklich ein wirkendes Prinzip ist oder den Charakter einer wahren Gattung hat. Dass aber die Figuren der Himmelskörper zeitlich und der Größe nach die ersten der Figuren seien, wird vielleicht irgendein Philosoph zugestehen; ich gestehe es nicht schlechthin zu. Denn die Gestirne sind nach den Planeten vollendet und geschaffen worden, wie die Schrift lehrt. Die Größe der Figur tut nichts zur Sache. Sodann ist die Figur kein Prinzip des Wirkens und verleiht daher anderen nichts an Kräften. Drittens kann nicht gelehrt werden, welche Figur außer der kugelförmigen im Himmel enthalten sei. Schließlich: Da er selbst sagt, er spreche von der natürlichen Figur, was hat dies mit künstlichen Figuren zu tun, über die die Erörterung angestellt ist? Die magischen und astrologischen Künste gebrauchen nicht Figuren, die vom Himmel erzeugt sind, sondern vom Künstler figurierte. Ich frage dich: Wenn du dies bedenkst, hast du dann nicht Mitleid mit dir selbst?

Furnius: Es steht jedoch fest, dass auch Dämonen bei gewissen ihren Wirkungen die Zunahmen und Abnahmen des Mondes beobachten. Daraus lässt sich schließen, dass es nicht ganz nichts ist, was Astrologen und Magier vom Himmel vorschreiben.

Erastus: Ich weiß, dass im Evangelium jemand mondsüchtig genannt wird, der von einem Dämon besessen war. Aber sowohl Hieronymus als auch Chrysostomus werden dir antworten, dass jene solche Dinge deshalb beobachten, um die Geschöpfe Gottes in schlechten Ruf zu bringen; sodann, um uns einzureden, es seien in den Gestirnen derartige Kräfte, wie die Magier sie sich durch das Wirken der Dämonen erdichtet haben, und uns so leichter von Gott und seiner rechten Verehrung abzubringen; schließlich, weil sie die Materie nicht anders verändern können, als sie bewegt zu werden geeignet ist, kann es geschehen, dass sie ihre Pläne nach den Bewegungen des Mondes und der Sonne einrichten. Denn von diesen Gestirnen fließt die vorzüglichste Macht herab. Wie nämlich die Sonne die Jahreszeiten, so verändert der Mond gewissermaßen den Monat.

Furnius: Hier wünsche ich nichts weiter. Über Pomponazzis Verteidigung möchte ich noch etwas hören.

Erastus: Das Argument des Thomas war jenes, das ich oben vorgebracht habe: dass Figur Ordnung und Zusammensetzung sei und den Kräften der Materie weder etwas nehme noch etwas hinzufüge. Obwohl dieses Argument des Thomas fest und wahr ist, ist es doch nicht wahrer oder fester als die anderen, die wir darüber hinaus angeführt haben. Und da sie sich aus diesem nicht herauswickeln können, verraten sie deutlich genug die Falschheit ihrer Sache.

„Erstens“, sagt er, „widerspricht es der gemeinsamen Gewohnheit. Ptolemäus nämlich und die Astrologen, die ihm entweder vorausgingen oder folgten“, er selbst nennt sie Weise, „hätten dies nicht gesagt, wenn sie es nicht als wahr erkannt hätten.“ Und es stehe fest, dass es sehr viel ausmache, unter welcher Stellung des Himmels Hölzer gefällt, Samen der Erde anvertraut, Getreide gedroschen und mehrere andere Dinge dieser Art ausgeführt würden. Danach bestätigt er es durch Vernunft so: Einige Metalle seien dem Saturn, andere Jupiter ähnlich. Ähnliche Dinge aber stimmten in Eigenschaften überein. Mehr ähnlich seien ferner diejenigen Dinge, die in Figur und Qualität übereinstimmen, als diejenigen, die nur in einem von beiden übereinstimmen. Wenn also die Figur nicht von Natur vorhanden sei, müsse sie von der Kunst hinzugefügt werden, da die Kunst der mangelhaften Natur helfe. So täuschten auch Vogelsteller Vögel, wenn sie Vögel formten, die wirklichen Vögeln in Qualitäten, Figur und Größe höchst ähnlich seien.

Dies sind die herrlichen Argumente des atheistischen Menschen. Was er von der Gewohnheit sagt, ist falsch, wenn er von der rechten Gewohnheit frommer und verständiger Menschen spricht. Wenn er sagt, es gebe mehr Magier, Astrologen und Abergläubische als Fromme und Gute, werde ich es nicht bestreiten; aber ich werde bestreiten, dass diese Gewohnheit der Wahrheit vorgreifen dürfe. Daher betrifft es uns nicht, dass er Ptolemäus und andere Astrologen anführt.

Was er von den übrigen Dingen berichtet, schützt seine Sache nicht, wie oben gezeigt wurde. Denn Hölzer faulen nicht wegen des Schnitts leichter oder schwerer, sondern wegen der Feuchtigkeit, die sie zu einer Zeit reichlicher in sich enthalten als zu einer anderen. Wenn der Vergleich gelten soll, müssten sie aber wegen der Figur des Schnittes eine solche Qualität annehmen, wie sie behaupten, Metalle oder andere Dinge nähmen wegen der Figur die Kräfte des Himmels auf. Dies aber ist so falsch, dass nichts falscher sein kann. Sodann wurde oben gesagt, dass Bauern nicht die Stellung des Himmels beobachten, die sie nicht kennen, sondern die Qualität der Luft, die sie teils durch die Sinne, teils durch die Veränderungen des Mondes bemerken. Daher fällen sie Hölzer für den Bau gewöhnlich vor der Frühlings-Tagundnachtgleiche, solange sie saftarm sind und deshalb weniger leicht faulen können, zur Zeit des abnehmenden Mondes. Sie beobachten aber, wie ich sagte, nicht Minuten der Stunden und besondere Zusammenkünfte der Gestirne, sondern haben in allen Jahren ungefähr dieselbe Zeit als für diese Sache geeignet erfahren, unter welchem Aspekt auch immer die kleineren Gestirne untereinander übereinstimmen oder streiten.

Was er sodann voraussetzt, dass gewisse Metalle in Qualitäten, etwa in der Farbe, bestimmten Planeten ähnlich seien, sieht, glaube ich, jeder, wie faulig es ist. Wenn es uns nämlich erlaubt wäre, auf diese Weise zu schließen, hätte Messing dem Gold höchst ähnliche Kräfte. Aber was rede ich vom Messing? Wie viele Dinge gibt es, die der Farbe nach dem Gold und dem Licht der Sonne ähnlich sind, in denen aber außerdem nichts mit Gold und Sonne gemeinsam und ähnlich gefunden wird. Sehr wahnsinnig und verrückt muss der sein, der sich durch solche Hypothesen täuschen lässt.

Was sollen wir über die Figur sagen? Erstaunlich ist die Unverschämtheit und Frechheit dieser Nebelkrämer. Besseres sind sie gewiss nicht, wenn sie wissentlich und bewusst solches ausschütten; und dies müssen wir von Pomponazzi, der der peripatetischen Philosophie nicht unkundig war, urteilen. Wer hat ihnen gesagt, dass der Stern des Saturn die Figur eines ganzen Kreuzes, eines halben Kreuzes oder irgendeiner anderen Sache habe? In der Tat ist es unerträglicher Übermut, frech zu behaupten, diese bestimmte Figur sei eher diesem als jenem Stern eigen und angeboren. Wie die Natur von der Kunst unterstützt wird, werden Ärzte, Bauern und andere Ähnliche richtiger sagen als verbrecherische Magier oder abergläubische Astrologen. Was nun? Ist es nicht höchst lächerlich, dass er meint, die im Himmel erdichteten Intelligenzen würden von solchen Bildern beinahe so angelockt und getäuscht, wie törichte Vögel von gemalten Vögeln getäuscht werden? Da sich die Gegner bei der Auflösung eines einzigen Arguments so hässlich bloßstellen, was meinst du, wird geschehen, wenn sie gezwungen werden, auf unsere anderen Argumente gründlich zu antworten?

Furnius: In diesem Teil bin ich gänzlich zufriedengestellt. Daher werde ich künftig das Buch unseres Theophrastus, das er über Charaktere geschrieben hat, für nutzlos halten.

Erastus: Im Buch Über die verborgene Philosophie sagt er, nicht allen Charakteren sei zu trauen, sondern allein denen, in denen Wahrheit enthalten sei. Zwei von diesen setzt er aus den Namen Adonai und Tetragrammaton an; von ihnen behauptet er, sie gälten gegen alles und hätten die Kraft aller anderen in sich, wenn sie auf eine Hostie geschrieben und mit der Speise gegeben würden. Die Israeliten und Nekromanten hätten, behauptet er, mit diesen beiden Charakteren Wunderbares vollbracht.

Furnius: Ich habe reichlich verstanden, wie viel ich den Charakteren zuschreiben soll. Daher kannst du fortfahren und über die Kräfte der Worte vorbringen, was du meinst. Ich glaube aber, du wirst niemals leugnen, dass man immer geglaubt hat, in Worten liege eine bei weitem sehr große Kraft, auch wenn ich nicht meine, dass man sie mit Theophrastus immer gebrauchen müsse. Denn in dem eben angeführten Buch sagt er: Beschwörungen vermögen durch sich etwas; der Weise dürfe sie dennoch nicht gebrauchen, da sie mit Gott und seinem Wort, ja sogar mit dem Licht der Natur im Streit lägen. Böse Geister könnten durch sie bedrängt, aber nicht unterdrückt werden.

Erastus: Paracelsus sagt überall vieles, beweist aber nichts. Wir wollen daher die Possen übergehen und die Sache selbst behandeln. Worte sind teils natürlich, teils künstlich, wie die Bilder. Denn die Materie der Worte ist, wie die der Bilder, natürlich, nämlich die Stimme; deren Materie ist der Klang. Die Form aber ist eine bestimmte Artikulation. Diese wird von den dem Lebewesen eingepflanzten Werkzeugen dem Geist, der aus Brust und Lungen aufsteigt, nicht anders eingeprägt, als einem äußeren Stoff durch äußere Organe ein im Geist empfangenes Bildnis eingeschnitten wird. Und wie ein Bild irgendeine Sache darstellt, so bezeichnen auch Worte, sofern sie nicht barbarisch und unbekannt sind, die Empfindungen des Geistes. Sie bezeichnen aber nicht von Natur, sondern aufgrund von Übereinkunft und Vereinbarung der Menschen. Wenn sie nämlich von ihrer Natur her etwas Bestimmtes bezeichneten, dann gäbe es, wie die Natur aller eine und gemeinsam ist, auch eine einzige und gemeinsame Bedeutung. Wir essen, trinken, hungern, schlafen und üben alle übrigen natürlichen Handlungen aus, ohne dass wir dazu eines Lehrers bedürfen, an welchem Ort auch immer wir geboren und erzogen sind, weil sie uns nämlich von Natur innewohnen. In dieser Sache besteht kein Unterschied zwischen einem Griechen, Lateiner, Perser, Skythen oder Inder, auch wenn sie unter sehr verschiedenen Gestirnen geboren sind. Worte aber haben und verstehen nicht alle dieselben, sondern die Verschiedenheit ist beinahe unendlich. Daher geschieht es, dass nicht nur verschiedene Völker verschiedene Namen und Wörter gebrauchen, sondern auch dieselben Wörter bei verschiedenen Völkern sehr verschiedene Dinge bezeichnen. In voneinander abweichenden Sprachen finden sich viele ähnliche Wörter, die dennoch nicht in jeder von ihnen dasselbe bezeichnen. Füge hinzu, dass Taube zu sprechen wüssten, obwohl sie niemanden sprechen gehört hätten, wenn uns die Rede angeboren wäre und ihre Bedeutung natürlich wäre.

Aus alledem sehen wir ganz deutlich, dass die Worte nicht vom Himmel sind und nicht durch Natur bedeuten, sondern künstlich sind und allein durch Festsetzung und Übereinstimmung bestimmter Menschen zu Kennzeichen und Zeichen unserer Gedanken gemacht wurden. Die Gedanken sind, weil sie uns von Natur innewohnen, bei allen dieselben. Aber ihre Zeichen haben so viele und so große Unterschiede, wie die Unterschiede der Sprachen zahlreich und groß sind.

Aus dem Erwähnten folgen notwendig zwei Dinge. Das eine ist: Wenn Himmel und Gestirne die Kräfte, über die wir miteinander handeln, in sich selbst besäßen und anderen Dingen mitteilen könnten, hätten sie dennoch einem Wort nicht mehr mitteilen können als allen anderen. Denn insofern die Worte artikuliert sind, sind sie nicht natürlich, sondern künstlich. Diese aber erleiden, insofern sie solcher Art sind, durch Natur und natürliche Dinge an sich keine Veränderung.

Das andere ist: Worte können, insofern sie Stimmen oder artikulierte Klänge sind, keine anderen Kräfte haben als jene, welche die ersten Festsetzer und die anderen, die in dieser Festsetzung übereinstimmen, ihnen geben wollten. Sie wollten aber nur, dass sie Kennzeichen und Bedeutungen der Dinge seien, damit die einen den anderen erklärten, was sie im Geist dachten. Deshalb können sie nichts anderes leisten als eben dies. Ich spreche aber von bekannten und bedeutenden Worten. Denn die barbarischen und ägyptischen, die auch einst die Magier gebrauchten und die weder Griechen noch Ägypter damals verstanden, sind für uns keine Zeichen, sondern für Dämonen, wie Jamblichos in seiner Antwort an Porphyrios behauptete. Vergebliche Mühe treibt also, wer in ihnen selbst eine Kraft und Macht sucht, die Wunderbares bewirkt.

Oben wurde auch jenes gesagt, dass Quantitäten keine Prinzipien des Wirkens sind. Die Rede aber ist eine gewisse gegliederte Quantität. Daher tut sie durch sich nichts anderes als bedeuten. Nicht weniger wahr wurde gesagt, dass eine natürliche Handlung zwischen solchen Dingen nicht stattfinden kann, die keine gemeinsame Materie haben. So ist nämlich die Wärme, die im Feuer ist, der Kälte, die im Geist ist, nicht entgegengesetzt; und diese leidet nicht von jener so, wie die im Wasser befindliche Kälte leidet. Es steht aber fest, dass Worte und die wunderbaren Dinge, die nach Meinung der Magier und anderer Abergläubischer durch die Kraft von Zauberliedern bewirkt werden, keine gemeinsame Materie haben, aufgrund deren jene wirken und diese leiden könnten.

Außerdem: Auf welche Weise berühren die Worte die Dinge, die sie bewirken? Gewiss geschieht keine natürliche Handlung, wenn das Wirkende nicht das Leidende berührt, entweder durch seinen Körper oder durch seine Kraft oder durch irgendeine Qualität. So sagen wir, der Himmel berühre diese unsere Dinge durch sein Licht, das die Wirksamkeit besitzt, Wärme zu erzeugen. Dass Worte aber auf keine Weise berühren können, besonders abwesende Dinge, ist bekannter, als dass jemand daran zweifeln könnte oder ich es wortreich beweisen müsste. Sie werden nicht so zu weit entfernten Dingen hinausgeschossen, wie ein Pfeil vom Bogen oder von der Sehne hinausgeschossen wird.

In Worten ist gewiss außer der Materie nichts natürlich. Denn die Form ist, wie gezeigt wurde, künstlich; und sie hat keine andere Kraft und Macht als die, Begriffe des Geistes zu bezeichnen und auszudrücken. Und weil sie aufgrund einer gewissen Vereinbarung und Übereinstimmung der Menschen bedeuten, nicht schlechthin, sind sie nur denen deutliche und sichere Zeichen, die sie verstehen. Für Unkundige einer Sprache sind sie nicht mehr Zeichen als der Gesang von Vögeln oder andere unbekannte Klänge. Wenn daher aus der Form Kräfte entstünden, würden sie nur bei den Verstehenden gelten. Doch alle Magier gebrauchen sehr oft barbarische Stimmen, die weder sie selbst noch irgendein anderer Sterblicher versteht. Also folgt, dass sie wegen der Dämonen gesprochen werden. Wenn wir aber meinen, nicht einmal diese verstünden sie, dann wirken sie nicht wegen ihrer Bedeutung und Form.

Die Materie aber, die der Geist ist, der aus der Brust durch die Luftröhre im Kehlkopf geformt wird, hat weder eine andere Kraft als jene, die andere Dämpfe unseres Körpers besitzen, noch kann sie etwas außerhalb des Menschen berühren. Denn sogleich außerhalb des Mundes wird sie in die Luft zerstreut. Wenn jene Materie der Ausatmung irgendeine besondere Kraft besäße, würde sie unter jeder künstlichen Form gleichermaßen wirken. Deshalb wäre es nicht von Bedeutung, welche Worte gebraucht würden; ja nicht einmal Worte wären nötig. Denn allein die Ausatmung oder das Ausblasen würde genügen. Und dieses hätte umso größere Kräfte, je größer die Menge ist, in der es so hervorgeht, als bei der Bildung und Aussprache von Worten. Alle Magier aber behaupten, in gewissen bestimmten Worten allein, nicht in irgendwelchen anderen, lägen Kräfte dieser Art. Wiederum ist also klar, dass Worte nichts dergleichen bewirken.

Wenn wir sogar zugäben, dass Worte durch ihre Kraft gewisse entfernte Dinge berühren, würden wir dennoch erkennen, dass sie der Macht entbehren, jene wunderbaren Dinge zu wirken. Denn diese Macht läge ihnen entweder insofern inne, als sie Worte sind, oder insofern sie in einer bestimmten Materie bestehen, wie gesagt wurde. Keines von beiden wird aber zugestanden. Denn wenn sie wirksam wären, insofern sie Worte sind, könnten alle Worte dasselbe. Doch nicht alle können es; ja dieselben sind weder immer noch in allen Dingen wirksam. Was die Materie betrifft: Da sie in beinahe jedem Augenblick eine andere ist, muss sie, je nach der Beschaffenheit des Blutes, das im Herzen ausgearbeitet wird, und je nach den verschiedenen und unähnlichen Affektionen des Herzens, beinahe unendlich variieren. Wiederum werden wir also im Schlamm stecken bleiben, da wir niemals sicher sein können, wann jene Dispositionen natürlich so beschaffen sind.

Füge auch dies hinzu: Obwohl alle Magier behaupten, jene Kräfte lägen nur in bestimmten Worten verborgen, gebrauchen nicht alle dieselben Worte bei der Heilung derselben Krankheit oder bei der Wirkung derselben Sache, sondern die einen diese, die anderen jene, und sehr oft lächerliche und über allen Glauben der Menschen hinaus untaugliche, wie du selbst wohl weißt. Du siehst, wie weise und wahr von Aristoteles und anderen Philosophen gesagt wurde, dass Dinge nicht durch unsere Bejahung oder Verneinung wahr oder falsch sind; unsere Rede ist dann wahr, wenn sie mit den Dingen übereinstimmt. Wer wahre Rede gebrauchen will, muss diese jenen anpassen, nicht jene dieser gleichförmig machen. Dies ist deshalb so, weil Worte, wie nun schon so oft gesagt wurde, keine Kraft des Bewirkens haben, sondern nur des Darstellens und Bezeichnens.

Ich schließe also: Worte können auf keine Weise als Urheber und Ursachen wunderbarer Werke gelten. Wenn sie aber keine Ursachen sind und dennoch bisweilen die gewünschte Wirkung folgt, ist notwendig, dass sie entweder gewisse Zeichen jener Wirkung waren oder ein Akzidens, wie wenn es donnert, während ich gehe. Natürliche Zeichen können sie nicht sein. Denn was immer ein natürliches Zeichen irgendeiner Sache ist, ist entweder deren Ursache oder Wirkung oder wird von derselben Ursache hervorgebracht, von der das geschieht, was es bezeichnet. Dass sie aber weder erste noch zweite noch instrumentelle Ursachen wunderbarer Dinge sind, ist gezeigt worden. Dass sie nicht Wirkungen sind, ist an sich bekannt. Denn nach der Voraussetzung der Magier gehen die Worte der Sache zeitlich voraus. Sie setzen ja, dass sie Ursachen seien. Dass nicht beides von einer Ursache geschieht, nämlich vom Menschen, ist völlig offenkundig. Denn der Mensch könnte zugleich mit den Worten Wunder tun, ohne dass die Worte zu deren Hervorbringung etwas beitrügen. Der Regenbogen zum Beispiel ist bisweilen ein Zeichen der Heiterkeit, weil er von derselben Ursache entsteht, von der die Heiterkeit herbeigeführt wird; zur Heiterkeit trägt er nichts bei. So wird auch Rauch bisweilen aus derselben Ursache, nämlich aus dem Feuer wegen der Materie, erregt, von der die Wärme ausgeht, obwohl er die Kraft des Feuers zu wärmen nicht unterstützt, sondern eher hindert.

Wenn sie also Zeichen sind, dann sind sie künstliche, zwischen Parteien durch gewisse gegenseitige Übereinstimmung eingesetzte. So bezeichnet ein bestimmter Trompetenton für die Hörenden und Verstehenden etwas. Diese Zeichen werden deshalb zwischen Parteien eingesetzt, damit entweder die eine oder beide an irgendeine bestimmte Sache oder Pflicht erinnert werden. In der gegenwärtigen Sache müssen sie Zeichen einer bestimmten Zusage sein, durch die derjenige, dem sie vorgelegt werden, daran erinnert wird, dass er das tun muss, was sie als Zeichen verlangen. Vergeblich nämlich wird ein Zeichen einer künftigen wunderbaren Sache vorgelegt, wo kein Bewirker ist.

Dass Gott aber nirgendwo versprochen hat, er wolle bei Aussprache irgendwelcher bestimmter Worte oder bei Vorlegung bestimmter Zeichen und Charaktere wegen der ausgesprochenen Worte oder vorgelegten Charaktere dies oder jenes tun, wird nicht einmal der verbrecherischste Magier zu bestreiten wagen. Dass auch unter Menschen kein solcher Vertrag geschlossen ist, ist aus sehr vielem offenkundig. Erstens, weil sie oft von niemandem verstanden werden. Sodann, weil sie Menschen, die die bezeichnete Sache nicht bewirken können, vergeblich vorgelegt wären. Drittens, weil sie meist gegenüber unbelebten Dingen ausgesprochen werden. Viertens, weil häufig die Menschen, denen der Magier Böses zu schaffen versucht, nicht wissen, dass sie ausgesprochen wurden, und daher durch sie nicht gemahnt werden können. Und wenn sie es wüssten, würden sie nicht ausführen, sondern ganz und gar versuchen, den Vorsatz des Magiers zu verhindern.

Was bleibt also übrig, außer dass es Zeichen sind, durch welche der böse Dämon eingeladen wird, das zu vollbringen, was er mit irgendeinem Magier vereinbart hat? Oben ist nämlich aus Porphyrios gezeigt worden, dass Dämonen angegeben haben, an welchen Zeichen, Worten, Dingen, Bildern usw. sie Freude hätten, durch welche Riten sie herbeigerufen werden wollten und wie sie schließlich gezwungen werden könnten. Auch dies wurde gesagt: Jamblichos habe Porphyrios, als dieser nach barbarischen und unbekannten Namen fragte, geantwortet, den Teufeln seien deren Bedeutungen bekannt. Kurz wurde auch erwähnt, was der Araber Almadal hierüber schriftlich hinterlassen hat.

Wenn sie aber Zeichen für Dämonen sind, ist es uns nicht erlaubt, sie zu gebrauchen. Doch müssen sie meist auch leer sein, da gezeigt worden ist, dass Dämonen der Macht entbehren, Wunder zu wirken. Wenn du aber nicht willst, dass sie auch den Dämonen als Zeichen vorgelegt werden, dann ist notwendig, dass du bekennst, sie seien Akzidenzien, und zugestehst, dass sie jeder Macht, wunderbare Dinge zu bewirken, entbehren; eben dies hatte ich zu zeigen übernommen.

Furnius: Es ist hinreichend deutlich und fest gezeigt worden, dass dergleichen aus eitler Leichtgläubigkeit der Menschen unter Mitwirkung des Dämons eingeführt wurde; darüber haben schon einst verständige Männer auch unter den Heiden gelacht. Weil dennoch einiges entgegengehalten werden zu können scheint, möchte ich, dass mir darauf geantwortet wird.

Erastus: Ich werde nach Kräften antworten; bring du es nur frei vor.

Furnius: Wenn in den Worten keine Kraft der Beschwörung liegt, wie werden dann durch diese wilde Tiere aufgehalten und gefangen, Hausmäuse, die wir Ratten nennen, schließlich Schlangen gezwungen? Sodann kann gefragt werden, ob es, wie einst die Magier, wie wir bei Plutarch im siebten Buch der Symposiaka, Frage 5, lesen, den von bösen Genien Besessenen befahlen, die ephesischen Namen mitzusprechen, nun erlaubt sei, dieselben durch heilige Namen zu heilen. In der Tat meinen einige, dass das, was wir Numeri 5 über die Wasser der Eifersucht lesen, hierher gehöre.

Erastus: Diese Dinge bedürfen keiner anderen Antwort als der, die schon gegeben wurde. Offensichtlich ist bewiesen worden, dass in den Worten diese Kraft nicht liegt, da sie nichts anderes können, als die Gedanken des Geistes auszulegen. Und was sie auf diese Weise vermögen, vermögen sie bei denen, die sie verstehen. So überzeugen Redner, die geschmückt und kunstvoll sprechen, Menschen von vielem. Schlangen aber und Tiere werden so nicht durch Worte überzeugt und gezwungen, da sie diese nicht verstehen. Daher ist es eine größere Kraft, die solches tut. Dies geht schon daraus hervor, dass die Worte nicht wirksam sind, wenn sie von jedem beliebigen ausgesprochen werden, und auch nicht immer. Wenn aber jene Kraft in den Worten läge, wäre sie ihnen immer gegenwärtig.

Die Summe lautet: Dämonen, wie gesagt, täuschen so die Sterblichen. Und sie reden ihnen ein, die Worte leisteten das, was sie selbst tun, nachdem sie durch jene Worte gleichsam als Zeichen eines Vertrags herausgefordert wurden. Es ist auch nicht verwunderlich, dass er auch heute gern an Schlangen seine betrügerischen Künste ausübt, da er schon gleich seit Gründung der Welt gezeigt hat, dass er in ihnen stark ist und herrscht. Die Magier trieben auf dieselbe Weise durch ephesische Namen Dämonen aus, indem jene vorgaben, vertrieben zu werden, und auf diese Weise eine gottlose Meinung in den Menschen bestätigten.

Uns ist es nicht erlaubt, das Wort Gottes so schändlich zu missbrauchen. Es ist uns nicht deshalb vom Himmel gegeben worden, damit wir durch seine Aussprache, sein Anhängen oder Schreiben Dämonen vertreiben, sondern damit wir aus seiner Lektüre, seinem Hören und seiner Betrachtung lernen, was Gottes Wille gegen uns ist und was er seinerseits von uns fordert, wie der Apostel in 2 Timotheus 3 bezeugt und die Schrift an sehr vielen anderen Stellen behauptet. Wer das Wort Gottes außerdem für andere Zwecke verwendet, handelt gottlos und ruchlos und wird der göttlichen Strafe nicht entgehen, Exodus 20.

Was wir bei Mose in der Beschreibung der Wasser der Eifersucht über das Abschaben der Worte lesen, hatte eine offenkundige Verheißung Gottes. Ihm gefiel es, durch ein solches Wunder Frauen von Ehebrüchen abzuschrecken. Wenn aber an einem anderen Ort dieselben Zeremonien gebraucht worden wären, hätten sie dennoch nicht dieselben Kräfte gehabt. Gewiss schreibt die Schrift die ganze Handlung so klar Gott zu, dass man töricht sein muss, wenn man daran zweifelt, ob jene Worte, insofern sie Worte waren, diese Macht besaßen.

Furnius: Wenn die Sache sich so verhält, wie ich nun gewiss überzeugt zu glauben gezwungen bin, aus welchem Anlass, meinst du, haben sonst gelehrte Menschen jene bewundernswerten Kräfte auf Worte zurückgeführt? Sie scheinen durch irgendeinen wahrscheinlichen Grund bewegt worden zu sein; diesen würde ich gern hören.

Erastus: Ich werde es kurz sagen, obwohl es schon zuvor in der Erörterung über die Bilder gesagt worden ist. Die Platoniker, die von allen Gelehrten die abergläubischsten und dienstfertigsten Verehrer der Dämonen waren, schreiben offen den Dämonen alles Derartige zu. Sie setzen gewisse Ordnungen fest und meinen, die einen beföhlen, die anderen gehorchten. Daher hätten Worte Kraft, insofern irgendeiner von den Befehlenden durch sie beschworen werde oder freiwillig aufgrund eines Vertrags entweder selbst tue, was der Magier wünscht, oder anderen befehle, das Befohlene auszuführen. Daher kommt es, dass solche Worte entweder unbekannt und allein den Dämonen bekannt sind, oder Bitten, Anrufungen, Gebete, Befehle, Beschwörungen enthalten und überhaupt an verstehende Substanzen gerichtet werden.

Plotin ist wechselhaft, indem er es bald auf Freundschaft und Zwietracht der Dinge, bald auf die Einheit und Verbindung des Universums, bald auf das Eine, das alles lenkt und das sie Weltseele nennen, bald auf die Macht der Seele, bald schließlich auf die Klänge und Figuren der Stimmen zurückführt. Ficino, von dessen Wahnsinn berauscht, glaubte, Worte erhielten aus ihrer Verbindung Kräfte, wie materielle Dinge aus ihrer Mischung. Und weil er leicht sah, dass dies jeden Augenblick widerlegt werden könnte, fügt er hinzu, es komme entweder aus der gegenwärtigen Stellung der Gestirne oder aus der Geburtskonstellation des Menschen oder aus einer besonderen Macht der Seele. Schließlich fügt er hinzu: „Ich aber vermute, dass vielleicht listige Dämonen vortäuschen, sie würden durch gewisse magische Vorrichtungen angelockt oder vertrieben.“ Ich würde dies widerlegen, wenn er nicht selbst seine Zweifel und sein Zögern ein wenig verraten hätte und wenn es nicht schon zuvor gründlich aufgelöst worden wäre.

Dies also füge ich hier allein hinzu: Alle Philosophen stimmen darin überein, dass der Himmel nichts auf den Intellekt vermag. Ist dies gesetzt, so ist klar: Der Himmel kann keinem Menschen geben, dass die durch Worte hervorgebrachten Darstellungen unserer Gedanken etwas anderes bewirken, als wozu der Intellekt sie gebildet hat, nämlich dass sie Darstellungen dessen seien, was er in sich selbst als begriffen bewahrt. Faulig und geradezu gottlos sind daher alle Possen, die Astrologomagier und Magastrologen über die Stellung der Sterne und die Geburtskonstellation erdichten.

Jener profane Pomponazzi begnügte sich nicht damit, zusammen mit den übrigen diese Kraft den Sternen und den Bewegern der Himmel zuzuschreiben, sondern er wollte noch eine furchtbare Lästerung hinzufügen. Denn er sagt, Worte und Gebete empfingen ihre Kräfte daher, dass die Himmelskörper der einen Religion mehr günstig seien als den anderen, nämlich zu verschiedenen Zeiten. Jede Religion entstehe aus dem Wechsel der Himmelsbewegungen, nehme zu und sterbe, nach Art der übrigen Dinge, die Entstehung und Verfall unterworfen sind. Jede habe eine bestimmte Periode, in der sie gelte und gut sei und die Himmel gnädig und günstig habe. Von diesen würden beim Aufgang einer neuen Religion Menschen von hervorragender Kraft oder sterbliche Götter erregt und hervorgebracht, denen sie Macht über Wunder verleihen, da sie erkennen, dass eine so große Veränderung ohne Wunderzeichen nicht geschehen könne. Diese neuen Götter oder Söhne Gottes müssten bei der neuen Abfolge einer Religion oder eines Gesetzes, wie er es nennt, so verdorben werden, wie wir bei der Erzeugung eines Menschen sehen, dass das Menstruationsblut zugrunde geht, behauptet er. Auch seien beim Aufkommen des türkischen Wahns oder irgendeiner anderen Gottlosigkeit nicht weniger Wunder vollbracht worden, als zu Beginn der christlichen Religion hervorgebracht worden seien. Daher seien Worte und gewisse Zeichen, die einst mit wunderbarer Macht begabt waren, nun wertlos; und was damals untätig gewesen sei, sei jetzt mit geradezu göttlichen Kräften geschmückt. So hätten weder Bilder noch Worte überall und immer dieselbe Geltung, weil der Himmel jetzt diesem und keinem anderen Urheber und Gründer einer Religion günstig sei und daher nicht immer dieselben Kräfte denselben Worten oder Charakteren oder Figuren einflöße.

Was, bitte, hätte von einem Menschen Furchtbareres gesagt werden können? Kann irgendein Liebhaber der Frömmigkeit dies lesen, ohne zu erschaudern? Ich glaube nicht. So wetteifert er mit Paracelsus an Gottlosigkeit, dass nicht leicht zu sagen ist, welcher verbrecherischer sei. Nicht mit Argumenten sind solche teuflischen Phantasmen zu widerlegen, sondern mit ihren Urhebern zu verfluchen. Beinahe dies allein kann in jenem Buch gebilligt werden, dass er behauptet, niemand heile durch Worte und Charaktere ohne Aberglauben. Auch wenn dies wahr ist, ist es doch nicht aus dem von ihm vorgebrachten Grund wahr.

Schließlich nimmt Augerius Ferrerius den Worten und Charakteren zwar ihre Kraft, aber nur bei Gelehrten und solchen, die Einsicht besitzen. In höchster Torheit meint er, in deren Seelen liege eine so große Kraft, dass sie, was sie sich fest eingeredet hätten, machtvoll bewirkten, sofern die Seele des Leidenden nicht widerstehe. Bei Ungelehrten werde durch die Meinung, die sie über heilige Worte und Charaktere gefasst hätten, eine feste Überzeugung erworben; und ihretwegen könnten sie bei Heilungen angewandt werden, damit das Misstrauen ihrer Seelen besiegt werde.

Dieser Mann könnte ertragen werden, wenn er mit Hippokrates gesagt hätte, allein das Vertrauen des Kranken trage zur Vertreibung der Krankheit bei. Wenn er aber meint, die beständige und feste Überzeugung des Arztes sei in einem fremden Körper wirksam, irrt er weit ab. Wir haben oben nämlich gezeigt, dass es unmöglich ist, dass eine menschliche Handlung, die im Handelnden verbleibt und die man in den Schulen treffend immanent nennt, insofern sie in ihm bleibt und nicht von ihm in ein Leidendes übergeht, etwas außerhalb des Handelnden bewirkt. Wer nun nicht sieht, dass Begriffe und Überzeugungen keine übergehenden oder ausgehenden Handlungen sind, ist der Augen des Geistes ebenso wie des Körpers beraubt. Was hilft also dem Kranken, was ich bei mir selbst wünsche?

Furnius: Gewiss habe ich das Urteil dieses Mannes gebilligt, und ich meine auch jetzt, dass ein heftiger und beständiger Wille der Seele nützt, insofern er diesem gemäß Heilmittel anwendet.

Erastus: Das brennende Verlangen des Arztes bewirkt, dass er alles sorgfältiger und genauer betrachtet und tut; dass er auf diese Weise dem Kranken nützt, bezweifelt niemand. Die Heilmittel, die den Kranken berühren, wirken auf ihn kräftig oder weniger kräftig entsprechend ihrer Natur; durch das Verlangen unserer Seele erwerben sie nichts und bringen sie nichts hervor. Was die Affekte des Kranken betrifft, so macht es gewiss sehr viel aus, ob er vertraut oder verzweifelt. Niemand zweifelt nämlich, dass die Affekte der Seele den eigenen Körper verändern; darüber ist oben genug disputiert worden. Mehr als anderen aber vertraut derjenige, der überzeugt ist, von einem behandelt zu werden, der sowohl die Krankheit erkannt als auch die Kunst des Heilens gründlich gelernt hat. Dieses Vertrauen aber durch Charaktere, magisches Murmeln und heilige Worte einführen zu wollen, ist nicht nur töricht, sondern auch abergläubisch und gottlos. Gewiss ist es ein unerträglicher Missbrauch des hochheiligen Wortes Gottes; daran, dass ich dies oben ebenfalls angemahnt habe, erinnere ich mich.

Hinreichend klar, meine ich, siehst du aus unseren Gründen, die niemand je hat erschüttern können oder künftig erschüttern können wird, und auch aus der unglaublichen Vielfalt der Weisen, auf die Astrologen, Magier und andere Abergläubische sagen, sowohl Figuren als auch Worte erlangten neue und ungewöhnliche Mächte, aus dem Erörterten also siehst du hinreichend klar, dass all dies eitel, falsch, gottlos und magisch ist und daher von uns nicht zu billigen, sondern zu meiden und zu verabscheuen ist.

Furnius: Nun endlich sehe ich, dass weder Bildern, Figuren, Charakteren und Zeichen noch Worten, Zauberliedern, Beschwörungen oder Exorzismen, noch Bindungen, noch Amuletten oder angehängten Worten, seien sie heilig, profan oder barbarisch und unbekannt, und Figuren Glauben zu schenken ist, sondern dass all dies als gottlos, eitel, abergläubisch und verabscheuungswürdig gelten muss.

Erastus: Dies war uns vorgenommen zu zeigen: dass niemand durch die Kräfte der Magie Wunder tun kann. Dies ist, meine ich, hinreichend bewiesen. Aufgrund des Zusammenhangs haben wir sodann auch jenes gezeigt: dass es einem Christen und Beflissenen der Frömmigkeit nicht erlaubt ist, dergleichen zu gebrauchen; ja, dass niemand es ohne offenkundige Gottlosigkeit verwenden kann, auch wenn er nicht weiß, woher jene Kräfte kommen. Es ist nämlich erklärt worden, dass sie vom Dämon ausgehen. Denn auch wenn diejenigen, die dergleichen tun, oft nicht wissen, dass sie Verkehr mit dem Dämon haben, tun sie durch den Gebrauch dieser Dinge doch nichts anderes, als dass sie stillschweigend an den mit ihm geschlossenen Vertrag erinnern. Darin also unterscheidet er sich von anderen Übeltätern und Magiern, dass er nicht, wie diese, offen vom Teufel Hilfe fordert.

Auch macht es keinen Unterschied, ob sie heilige oder profane Worte, Dinge und Zeichen gebrauchen. Ja, es ist ein schwereres Verbrechen, Heiliges auf diese Weise zu missbrauchen, als Profanes. Denn, um das oben Gesagte zu übergehen, es ist weit schwerer, aus heiligen Dingen oder Worten, die uns von Gott dazu gegeben sind, dass sie unserer Rettung dienen und uns zur wahren Erkenntnis seiner führen, Sakramente des Teufels zu machen, als profane Dinge zu gottlosen Zwecken umzuwenden. In der Tat bemüht sich jener tausendkünstige alte Betrüger, in allem Gottes Einrichtungen nachzuahmen, teils um den Schöpfer mit Schmach zu treffen, teils um uns leichter zu täuschen. Deshalb: Wie Gott aufgrund des Bundes und aus freier Barmherzigkeit wegen seines eingeborenen Sohnes, nicht durch die Kraft der Sakramente, den Glaubenden die Sünden vergibt, so will auch der böse Dämon scheinen, sich den Seinen zu gewähren und zu geben, was sie erbitten, nicht aus der Würde der dargebotenen Dinge, sondern aufgrund der Zusage oder des mit ihnen eingegangenen Bundes und der gottlosen Leichtgläubigkeit der Abergläubischen. Aus keinem anderen Grund bewirkt er eher das, um dessentwillen dergleichen geschieht, sooft Gott es zulässt, als um zu erklären, dass er den Glauben halten wolle. Da sich also diejenigen, die solches gebrauchen, auch wenn sie es häufig unklug tun, gleichsam durch gewisse Sakramente an die Teufel binden, müssen wir Christen all dies mit großem Eifer meiden.

Furnius: Es ist erstaunlich, dass Gott bösen Geistern erlaubt, dergleichen zu wirken, da auf diese Weise uns eine Gelegenheit zum Irrtum geboten zu werden scheint.

Erastus: Die Ratschlüsse Gottes dürfen wir nicht immer erforschen, sondern es ziemt sich für uns, oft darin zu ruhen, dass bei Gott keine Ungerechtigkeit ist; und daher tut er gerecht, was immer er tut, auch wenn wir es nicht sehen können. Soweit wir wissen können, erlaubt er den Dämonen bisweilen dergleichen wegen des Handelnden, manchmal wegen des Leidenden, sehr häufig wegen beider. Daher folgt die Wirkung manchmal wegen der Untreue des einen oder beider. Sehr oft geschieht es wegen eines ausdrücklich oder stillschweigend geschlossenen Vertrags gegen Gottes offenes Gebot. Bisweilen bestraft Gott den Unglauben, damit diejenigen, die der Lüge glauben, stärker verstrickt werden und den Lohn ihrer Treulosigkeit und Trägheit davontragen, Römer 1. Meist lässt er dergleichen geschehen, um unseren Glauben und unsere Geduld zu prüfen, wie Mose in Deuteronomium 13 trefflich dargelegt und die Geschichte des heiligen Mannes Hiob gezeigt hat. Satan selbst aber tut, wie gesagt, alles, um Unkundige zu täuschen, Abergläubische zu verstricken und alle anderen vom wahren Vertrauen auf Gott und von seiner rechten Verehrung abzubringen.

Furnius: Ich stimme dir leichter zu, weil ich einst gehört und gelesen habe, dass dies alles von den Theologen verdammt wird. Glauben habe ich ihnen aber deshalb nicht geschenkt, weil sie ihre Meinung weder ausreichend zu beweisen schienen noch selbst vor allem zurückschreckten. Dennoch möchte ich von dir noch hören, ob es einem frommen Menschen nicht erlaubt sei, dergleichen zur Befreiung sowohl anderer als auch seiner selbst zu gebrauchen, wenn er zum Beispiel krank ist, sooft er mit dem Dämon weder einen Vertrag geschlossen hat noch daran dachte, ihn zu schließen. Denn vielen scheint derjenige nicht so schwer zu sündigen, der solche Heilmittel immer um des Guten willen, niemals um des Bösen willen gebraucht.

Erastus: Ich verstehe, was du willst. Paracelsus meinte, wir könnten unter Wahrung der Frömmigkeit auch von Dämonen Hilfe erbitten. Du fragst also, ob er in dieser Sache richtig gedacht habe.

Furnius: So ist es. Denn im Buch Über die verborgene Philosophie schreibt er, jener missbrauche den Namen Gottes keineswegs, der dergleichen zum Nutzen, nicht zum Verderben der Menschen gebrauche, was immer die Sophisten schreien mögen. Ja, das ganze fünfte Buch über die Ursachen der unsichtbaren Krankheiten verwendet er auf diese Erörterung, um zu zeigen, dass solche Hilfen, Heilmittel und Heilungen von Gott ausgehen, auch jene, die durch böse Dämonen ausgeführt werden. Er beweist dies daraus, dass die Schrift uns auch von unseren Feinden Gedeihliches und Glückliches verspreche. „In gleicher Weise“, sagt er, „ist der von Gott unterstützt, der von einem Räuber, und der, der vom Teufel selbst aus einer Grube herausgezogen wird.“ Ebenso: „Auch soll der Liebhaber Gottes nicht anders denken, als dass, wenn der Teufel ihm Silber oder Gold anbietet, wenn er ein Heilmittel zeigt, wenn er aus dem Kerker führt, dies auf Gottes Befehl geschieht; obwohl er auch den Verkehrten beisteht, damit die Schrift erfüllt werde, die befiehlt, Heil und Frieden von den Feinden zu erwarten.“ Ebenso: „Wer sollte mich tadeln, wenn ich dem anwesenden Teufel befehle, ein Pferd aus einer Grube herauszuziehen, und er mir gehorcht? Wer sollte nicht vielmehr meinen, ich habe Herrschaft über unreine Geister?“ Kurz gesagt, in jenem ganzen Buch tut er nichts anderes, als zu zeigen, dass es nichts ausmache, woher und durch welche Mittel du Hilfe zu bringen versuchst, sofern du nicht zu schaden suchst. Denn auch Dämonen heilten Kranke, indem sie göttlichem Befehl gehorchten. Ich würde mehr anführen, wenn aus diesen Dingen nicht hinreichend klar würde, was ich will.

Erastus: Nicht einmal diese waren nötig, da seine Gottlosigkeit aus dem oben Angeführten sichtbar ist. Wer alles abschreiben wollte, müsste ganze Bücher übertragen. Im Übrigen ist aus den Heiligen Schriften sehr leicht einzusehen, dass niemand solche Dinge ohne Beleidigung Gottes und schwerste Wunde des eigenen Gewissens gebrauchen kann.

Ich will jetzt nicht von denen handeln, die Dämonen offen im eigenen oder fremden Namen befragen und von ihnen etwas erbitten. Denn dieses Verbrechen ist so scheußlich und ungeheuerlich, dass niemand daran zweifeln kann. Auch nicht von jenen, die wissentlich und bewusst unerlaubte Dinge gebrauchen und mit magischem Aberglauben Heilmittel sammeln und bereiten. Ich sage: Schwer sündigen alle, die Dinge gebrauchen, denen Gott keine derartige Kraft gegeben hat, das heißt, die außerhalb und jenseits der von Gott eingerichteten Ordnung heilen oder geheilt werden wollen, nämlich durch Worte, Charaktere, Arzneien, die bei einem bestimmten Anblick der Gestirne gesammelt oder bereitet wurden, durch Aufhängungen unwirksamer Dinge und anderes dieser Art.

Es steht fest, dass Gott Arzneien jeder Art aus der Erde geschaffen und den Arzt gemacht hat, damit er mit ihnen Krankheiten aus den Körpern der Kranken vertreibe, jedoch nicht ohne Anrufung des göttlichen Namens. Wer wünscht, von Krankheiten befreit zu werden, sündigt ebenso wenig, wie ein Hungriger Gott beleidigt, wenn er mit Danksagung Brot isst, um den Hunger zu stillen und das Leben zu erhalten. Keiner von beiden verletzt die göttliche Ordnung, sondern beide tun allein das, was Gott zugestanden und geordnet hat.

Wenn aber ein Kranker dem Arzt und den Heilmitteln allzu sehr vertraut und nicht zugleich, ja nicht zuerst, die göttliche Hilfe erfleht, sündigt er ganz und gar gegen Gott. „Mein Sohn“, sagt der Ecclesiasticus, „unterlass es nicht, Gott in deiner Krankheit anzurufen, und er selbst wird dich heilen. Weiche von der Schuld und reinige das Herz von jeder Sünde, und danach gib dem Arzt Raum.“ Nicht weniger stößt der Arzt an, der seiner Kunst mehr als recht ist zuschreibt. Denn auch er selbst ist gehalten, glücklichen Ausgang von Gott zu erwarten und zu erbitten. Dies lehrt derselbe Jesus Sirach in Kapitel 38 deutlich: „Gott selbst“, sagt er, „heilt durch diese Dinge und nimmt den Schmerz vom Menschen weg. Der Apotheker mischt daraus seine Mischungen, und seine Werke haben kein Ende; aber Gedeihen strömt von ihm, Gott, über die ganze Erde aus.“ Auch er selbst betet zum Herrn, dass er seine Behandlung gelingen lasse. Und er beleidigt Gott, wenn Gott nicht zuerst angerufen wird, wie aus der Geschichte des Königs Asa hervorgeht, 2 Chronik 16. Denn von ihm wird geschrieben, obwohl er sonst fromm war, habe er in seiner Krankheit, von der wir aus der Geschichte schließen, dass sie langwierig war, nicht den Herrn gesucht, sondern die Ärzte.

Furnius: Ich habe gehört, die Schrift spreche von der Befragung, weil sie gewohnt waren, in allen Dingen Gott durch Propheten oder Priester zu befragen, wie wir es 1 Könige 14 und 2 Könige 1 und 20 geschehen sehen.

Erastus: Für uns macht es keinen Unterschied, was du in diesem Teil meinst, obwohl die Schrift eher von der Heilung als vom Ausgang der Krankheit zu sprechen scheint. Dies genügt: Gott wird beleidigt, wenn wir nicht in jeder Not vor allem zu ihm Zuflucht nehmen. Denn er selbst ist der wahre Urheber der Gesundheit, und den Arzt und die Heilmittel gebraucht er wie Werkzeuge. Die Ehre gebührt also ihm, nicht den Werkzeugen, wie wir den Künstler zu loben pflegen, nicht den Hammer, auch wenn ohne ihn das Werk von ihm nicht hätte hervorgebracht werden können. Weniger noch gebührt das Lob der Heilung dem Arzt und den Arzneien, weil Gott, wenn er gewollt hätte, ohne diese hätte heilen können; während ein Künstler ohne seine Werkzeuge nichts vollbringen kann.

Wenn Gott also beleidigt wird, wenn wir den von ihm geschaffenen Heilmitteln mehr vertrauen, als recht ist, wie sollte er uns nicht aufs Schwerste zürnen, wenn wir durch Dinge, die von einem bösen Dämon erdacht sind, Gesundheit zu erlangen suchen? Ein schweres Verbrechen ist es, Gottes Geschöpfe in schlechten Ruf zu bringen; dies tut jeder, der den von Gott geordneten Mitteln teuflische Erdichtungen vorzieht, die entweder keinerlei Wirksamkeit haben oder diese durch dessen Wirken haben, wenn Gott es nach seinem gerechten Urteil zulässt. Viel schwerer ist es, wenn wir sogar die Heiligen Schriften, die Werkzeuge unserer Frömmigkeit und unseres Heils sind, missbrauchen und zu gewissen Sakramenten oder Werkzeugen Satans machen, zum Verderben dessen, der sie gebraucht.

Furnius: Was, wenn derjenige, bei dem sie angewandt werden, nicht weiß, dass sie abergläubisch und nicht natürlich sind?

Erastus: Ich glaube, er sündigt weniger; dennoch aber entsteht dem Teufel eine größere und sicherere Hoffnung auf Macht über den Menschen. Denn selbst wenn die Krankheit durch Kräfte der Natur vertrieben worden ist, wird er dann, wenn erkannt wird, welcher Art jene Dinge gewesen sind, einreden, es sei durch deren Kraft geschehen. Treffend sagt Nazianzenus: „Du bedarfst keiner περιάμματα καὶ ἐπωσμάτων, durch die der Böse mit einschleicht.“ Gewiss schleicht er durch dergleichen ein und gelangt zu einer Art Besitzrecht, oder er freut sich wenigstens, dass ihm Gelegenheit zu größerer Hoffnung gegeben wird.

Wer solche Dinge gebraucht, sündigt also auf vielfache Weise. Erstens, weil er die Geschöpfe Gottes gleichsam in schlechten Ruf bringt und vernachlässigt. Zweitens, weil er Hilfe außerhalb der göttlichen Ordnung sucht. Drittens, weil er die Überzeugung hat, dem Teufel seien Kräfte des Helfens beigegeben. Viertens, weil er wenigstens stillschweigend Verkehr mit ihm hat und ihm gleichsam die Türen für größere Unternehmungen öffnet. Schließlich, weil er ihm mehr vertraut als Gott.

Furnius: Was, wenn er andere Heilmittel vergeblich versucht hat?

Erastus: Die Regel bleibt unbewegt: Man darf nichts Böses tun, damit Gutes geschehe. Sodann: Was geziemt sich weniger für einen christlichen Menschen, als Hilfe gegen den Willen Christi, seines Schöpfers und Bewahrers, bei dessen Feind zu suchen? Ist dies nicht eine Art Abfall? Konnte Christus nicht Hilfe bringen? Gewiss konnte er es. Dass er es also nicht tat, muss uns ein Argument dafür sein, dass es bei ihm nicht nützlich ist. Denn so groß ist seine Frömmigkeit, Milde, Güte, Barmherzigkeit und Liebe gegen uns, dass er nicht will, dass uns etwas widerfahre, was unser Heil nicht wahrhaft fördern kann. Wenn er also, obwohl er durch jene Mittel angerufen wird, die er uns überliefert und empfohlen hat, nicht wirkt, weil er versteht, dass es so besser ist, werden wir dann wagen, durch verbotene Mittel erlangen zu wollen? Kein Wunder ist es, wenn er denen zürnt, die solches wagen, und zulässt, dass sie vom Teufel einigermaßen gequält werden.

Unsere Auffassung bestätigen alle orthodoxen alten Schriftsteller: Clemens, Justinus, Origenes, Eusebius, Chrysostomus, Hieronymus, Augustinus an vielen Stellen, gewisse Konzilien, wie auch die Decreta bezeugen, in denen diese ganze Sache aus den Alten disputiert wird, Decretum II, causa 26. Dasselbe meinten alle kundigeren und besseren Scholastiker; wenige, die abergläubischer und magischer waren, lehrten anders. Wer es sehen will, suche es bei den genannten Autoren.

Eine einzige Stelle will ich aus Tatian dem Assyrer anführen, weil sie die Sache schön erklärt. „Kein Leiden“, sagt er, „wird durch eine verborgene Gegnerschaft einer anderen Sache aufgehoben; und ein Kranker wird nicht durch Amulette geheilt, etwa durch angehängte Häutchen. Das sind Angriffe der Dämonen. Und wer krank ist oder liebt oder hasst oder Rache begehrt, die ziehen sich diese als Helfer heran. Die Dämonen aber gebrauchen folgende Kunstweise: Wie die Gestalten der Buchstaben und die Verse, die daraus geschrieben werden, nicht durch sich bezeichnen können, was geschrieben wird, sondern die Menschen sich diese als Zeichen ihrer Gedanken eingesetzt haben, sodass sie aus deren bestimmter Verbindung, je nachdem die Ordnung der Buchstaben festgelegt ist, die Sache verstehen, so bewirken auch verschiedene Wurzeln und die Anwendung von Sehnen und Knochen nicht von ihrer Natur her etwas, sondern sie sind gleichsam eine elementare Einrichtung der Bosheit der Dämonen, die vorgeschrieben haben, wozu jedes Einzelne gelten soll. Wenn sie aber sehen, dass von Menschen der Dienst oder ihre Heilung gebraucht wird, kommen sie hinzu und bringen sie in Knechtschaft.“

Diese glänzende Stelle aus dem sehr hervorragenden und gelehrten Buch des Johannes Wier Über die Blendwerke der Dämonen hier einzufügen, gefiel mir deshalb, weil sie nicht nur umfasst, was wir über diese Sache disputiert haben, sondern auch, was Augustinus und andere richtig geschrieben haben. „Kein natürliches Leiden“, sagt er, „wird durch die verborgene Gegnerschaft einer anderen Sache aufgehoben.“ Richtig verstanden ist dies völlig wahr. Denn natürliche πάθη werden durch Veränderung und Umwandlung aufgehoben und eingeführt, nicht durch verborgene Übereinstimmung und Gegnerschaft ohne wechselseitige Handlung und Leiden sinnlicher Qualitäten.

Furnius: Aber beinahe alle schreiben mit Nachdruck, der Magnet ziehe in Gegenwart eines Diamanten kein Eisen an; ebenso nach Bestreichung mit Öl oder Saft von Zwiebeln. Dasselbe geschehe bei sehr vielem anderem.

Erastus: Diese Dinge würden mit dem Unsrigen nicht im Streit stehen, selbst wenn sie ganz und gar wahr wären.

Furnius: Zweifelst du also daran, ob sie wahr sind?

Erastus: Sehr. Und vom Diamanten weiß ich aus sicherer Erfahrung, dass es falsch ist. Vor vielen Jahren sah dies auch jener Conciliator, der Astrologomagier, damit du weniger zweifelst. Kürzlich hat es in der Geschichte der Aromata und einiger einfacher Arzneien, die bei den Indern wachsen, D. Garcia da Orta, Arzt des Vizekönigs von Indien, bestätigt. „Öfter“, sagt er, „wollte ich es erproben, fand aber, dass es eine Erdichtung sei; ebenso auch jenes, was man vom Diamanten erzählt, der dem Kopf einer Frau, nachdem dieser aufgeschnitten wurde, untergelegt werde. Fabelhaft ist auch, was man meint, dass seine Schärfe durch Blei abgestumpft werde wegen der Beimischung von Quecksilber mit Blei. So weit ist es davon entfernt, dass berichtet werden könnte, er weise den Schlag eines Hammers zurück, dass er vielmehr durch einen Hammer zu Feilstaub zerrieben und durch einen eisernen Stößel sehr leicht zerstoßen wird.“

Dies erwähne ich jetzt deshalb, damit du dich erinnerst, dass der größte Teil dessen, was wir über diese verborgene Antipathie und Sympathie der Dinge geschrieben finden, leer und falsch ist. Ich habe jedenfalls unter den sehr vielen Dingen, bei denen ich einen Versuch machen konnte, keines als wahr gefunden, außer dem, was einen Grund hat, der auch unerfahrenen Bauern bekannt ist. Selbst wenn der Diamant die Wirkung des Magneten hinderte, würde er deswegen doch dessen Affekt und Eigenschaft nicht aufheben. Denn wenn jener entfernt wäre, würde er wie zuvor ziehen.

Über Zwiebelsaft und Öl habe ich nichts Sicheres und Erprobtes; aber wenn ein guter Magnet zur Verfügung steht, werde ich es versuchen. Dennoch zweifle ich nicht daran: Wenn hieran etwas Wahres ist, hängt es von einer offenkundigen Ursache ab; ich vermute, dies auch bei Cardano gelesen zu haben.

Doch zur Sache. Auch ein Kranker wird nicht durch Amulette, etwa durch angehängte Häutchen, geheilt. Ich weiß, dass nichts Wahreres gesagt werden kann. Aber auch unsere bisher dargelegten Gründe lehren dies vortrefflich.

Furnius: Wirst du auch bestreiten, dass ohne Aberglauben angehängte Substanzen wirksam sind?

Erastus: Wenn die angehängten Substanzen der Ursache irgendeiner Krankheit durch eine offenkundige Qualität entgegenstehen, durch die sie diese aufheben und zerstreuen können, streite ich nicht. Wenn du aber meinst, es geschehe durch verborgene Kraft und wegen Antipathie, habe ich schon gesagt, was ich denke. Galen lacht über jemanden, der behauptet hatte, Asthmatiker würden durch getrunkenen Storchenkot befreit: Wenn er befehlen würde, diese Arznei öfter zu trinken, sagt er, sagte er etwas Wahrscheinliches. Denn Asthma würde nicht einmal dann, wenn ein Spatel in die Brust eingeführt und mit ihm der Schleim herausgezogen werden könnte, durch eine einzige Einführung völlig geheilt. Etwas Ähnliches sage auch ich: Wenn die Ursache einer Krankheit, etwa der Fallsucht oder des Fiebers, von einer aufgehängten oder angebundenen Substanz zerstreut werden kann, werde ich es gern glauben. Doch groß und flüchtig müssen die Dinge sein, die dies leisten, während die Materie reichlich, dick und hartnäckig ist. Vielleicht haben solche Dinge in der Abnahme bisweilen etwas zum Werk beigetragen oder schienen der Natur geholfen zu haben, die Reste zu vertreiben. Von Edelsteinen weiß ich ganz sicher, dass die Dinge bloße Possen sind, die über deren verborgene Kräfte, was den ärztlichen Gebrauch und das Heilen betrifft, erzählt werden; bei den offenkundigen Kräften verhält es sich anders.

Furnius: Ich meinte stets, gewisse Heilmittel, die um den Hals oder an andere Teile gebunden werden, vertrieben Krankheiten durch verborgene Kraft, der ganzen Substanz nach, wie der Magnet Eisen an sich zieht.

Erastus: Gäbe es nicht das Beispiel des Magneten, hätten diejenigen, die alles, dessen Ursachen sie nicht verstehen, auf diese Fähigkeiten zurückführen, keine Ausflucht. Aber aus einem einzigen Wunder der Natur, wenn ich so sagen darf, darf man nicht mehrere derselben Art einführen. Denn nicht, weil der Zitterrochen denen, die ihn berühren, Erstarrung bringt, muss es auch Kräuter oder Steine geben, die, wenn sie berührt werden, auf ähnliche Weise wirken. Der Magnet zieht sinnlich wahrnehmbar Eisen an, Heilmittel aber tun dies nicht in gleicher Weise. Jener Stein zieht an, was gezogen werden kann, nämlich Substanz; magische oder aufgehängte Heilmittel aber sollen Krankheiten anziehen oder vertreiben, das heißt Qualitäten, die nicht bewegt werden können. Wenn sie die Ursache der Krankheit sinnlich wahrnehmbar ausleerten, würde ich gern Glauben schenken.

Doch ich kehre zu Tatian zurück, der erklärt, wie Dämonen durch Kräuter, Worte, Zettel, Sehnen, Knochen, Haare, Charaktere usw. angelockt werden, nämlich so, wie Buchstaben uns bedeuten: aufgrund von Festsetzung. So sagt er, sie selbst würden durch diese Dinge angelockt, nicht weil sie durch solche Dinge beim Handeln unterstützt würden, sondern weil sie sie sich zu Zeichen gemacht haben, wie Menschen die Worte. All dies ist von uns zuvor bewiesen worden und kann an sich bekannt sein. Denn Ursachen sind sie nicht; das verstehen auch die Rohesten. Es gibt nämlich keinen Unkundigen, der nicht meinte, dass sie, die solches versprechen, einer höheren und größeren Macht bedürfen. Deshalb müssen sie Zeichen sein. Sie sind aber nicht von Gott eingesetzt, da er dergleichen verboten hat. Auch nicht von Menschen; daran hat, glaube ich, niemand je gezweifelt. Also folgt, dass sie Zeichen jener Dinge sind, die die Dämonen versprochen und die sie sich selbst vorgeschrieben haben.

Furnius: Von großer Hoffnung bin ich herabgefallen. Ich sehe nämlich, dass in Worten, Zeichen, Charakteren, Bildern, Figuren, Bindungen, Amuletten, die Ärzte περιάμματα, περίαπτα und φυσικά nennen, und im Sammeln von Kräutern nichts Wahres ist, sondern dass all dies abergläubisch beachtet wird. Und hierüber bin ich gänzlich zufriedengestellt, zumal ich weiß, dass hervorragende Ärzte und Philosophen dergleichen verachtet haben. Denn Theophrast hält im neunten Buch der Pflanzengeschichte solche Dinge für absurd und von Menschen erdichtet, die ihre Künste empfehlen wollten. Derselbe meinte bei Plutarch in der Vita des Perikles, Perikles sei in sehr schlechter Verfassung gewesen, weil er sogar diese Torheit an sich zugelassen hatte, dass er sich ein Amulett anbinden ließ. Auch sagt man, Kaiser Caracalla habe Amulette gegen Fieber schwer verurteilt. Über die Ärzte Hippokrates und Galen, so erinnere ich mich, ist von uns oben besonders gesprochen worden. Die übrigen Griechen waren zu diesen Aberglauben geneigter; unter ihnen sind Aetius und Trallianus weiter abgeglitten.

Mir bleibt noch ein kleiner Skrupel über das Sammeln von Kräutern, worüber oben ebenfalls etwas vorgebracht wurde. Denn die Ärzte meinen, es mache sehr viel aus, wann entweder Kräuter gesammelt oder Heilmittel den Kranken dargereicht werden.

Erastus: Beim Sammeln der Kräuter schreiben die Ärzte vor, darauf zu achten, zu welcher Jahreszeit eine jede am kräftigsten ist, das zu leisten, weswegen sie gebraucht wird. So befehlen sie, die einen bei heiterem und trockenem, andere bei regnerischem, andere bei warmem oder kaltem Himmel zu sammeln; und die einen im Frühling, andere im Sommer, wieder andere zu einer anderen Zeit, weil sie zu bestimmter Zeit in ihrer Kraft zu stehen pflegen. So achten sie bei der Darreichung von Arzneien auf die Zeiten der Krankheiten zusammen mit der Beschaffenheit der Luft und des Ortes, an dem die Kranken darniederliegen. Gegen dies hat niemals ein Gesunder, Paracelsus sei wahnsinnig gewesen, bedarf bei mir keines Beweises, irgendetwas disputiert. Wer wollte nämlich leugnen, dass die Kraft der Luft vor Sonnenaufgang oder beim Sonnenaufgang eine andere ist als am Mittag? Auch die Tiere nehmen den Unterschied von Nacht und Tag wahr.

Die Ärzte beachten also sinnlich wahrnehmbare Qualitäten der Luft, nicht augenblickliche Bewegungen der Gestirne, die einander astrologisch betrachten; allein diese zu beobachten verbieten die Heiligen Schriften, und die Medizin verneint, dass sie zu beachten seien.

Dass auch Zauberlieder beim Sammeln vergeblich oder gottlos gesprochen werden, ist klar. Denn wenn sie an die Kräuter gerichtet werden, ist die Mühe eitel, da sie weder hören noch verstehen. Wenn sie an einen verstehenden Geist gesprochen werden, wird es entweder Gott sein oder ein anderer. Wenn es Gott ist, bedarf es weder bestimmter Worte noch einer bestimmten Stunde. Denn Gott achtet nicht auf Worte und Silben, sondern auf die Seele des Bittenden. Es ist ihm nicht darum zu tun, mit welchen Worten wir ihn um etwas bitten, sondern mit welchem Affekt und welchem Vertrauen, da er die Herzen erforscht und nicht gezwungen ist, sich mit Zeichen zu begnügen. Nicht weniger erhört er Seufzende und allein im Denken Bittende als solche, die Gebete mit der Stimme ergießen. Und da er allein weiß, was, wann, wem, wie viel und auf welche Weise er geben muss, gibt er jedem, so viel er als nützlich erkennt. Aus diesem Grund wollte er, dass wir irdische Dinge von ihm unter Bedingung verlangen. Denn vieles, von dem wir meinten, es werde uns nützlich sein, wäre schädlich, wenn es einträte.

Die Summe lautet: Wer von Gott etwas erbittet, hat keine bestimmten Worte und keine Beobachtung einer bestimmten Zeit nötig. Füge hinzu, dass wir, wie schon gesagt wurde, von Gott nicht fordern dürfen, er solle durch uns Wunder tun oder natürlichen Dingen größere Kräfte einflößen, als es ihm von Anfang an zu geben gefallen hat. Wenn du gute Engel anrufst, werden sie dich nicht erhören, wenn du von ihnen erbittest, was von Gott allein erbeten werden muss. Denn er allein kann Kräfte verleihen, die größer sind als natürliche. Wenn du von Dämonen erbittest, ist die Bitte unerlaubt und gottlos.

Daher steht für mich nun fest: Die Magie ist, insofern sie sich heiliger, profaner, barbarischer Worte, Gebete, Befehle, Beschwörungen, Exorzismen, Lobpreisungen, Gelübde, Charaktere, Figuren, Bilder, der Beobachtung bestimmter Gestirne und Stunden, Bindungen, Aufhängungen usw. bedient, eitel, nichtig, gottlos und mit strengsten Strafen zu zügeln. Ja, auch dies ist erklärt worden: Es ist offenkundiger Aberglaube, wenn irgendwelchen Dingen Kräfte zugeschrieben werden, die sie von ihrer Natur her nicht haben können; etwa wenn Korallen, Johanniskraut oder anderen Dingen die Fähigkeit zugeschrieben wird, Dämonen und Gespenster zu vertreiben, Donner, Blitze und Stürme entweder hervorzurufen oder abzuwehren, Furcht und Traurigkeit zu vertreiben, widrige Übel abzuwenden, Hass einzuführen, Gnade und Gunst von Fürsten und anderen zu verschaffen und sehr vieles von dieser Art. Gewiss müssen gröber als Esel sein, wer meint, dergleichen wohne natürlichen Dingen natürlich inne. Ich spreche von Verständigen und solchen, die über diese Sache ernsthaft nachgedacht haben.

Wer nämlich sollte meinen, körperliche Dinge hätten Herrschaft und Wirkungskraft über unkörperliche Substanzen? Gott allein regiert, zügelt und zwingt Dämonen. Vor deren Gewalt schützt er uns durch seine Kraft überall gegenwärtig und durch den Dienst seiner Engel; er verteidigt uns nicht durch die Kräfte von Kräutern und Edelsteinen, die nur auf Dinge ihrer eigenen Gattung, mit denen sie Materie gemeinsam haben, entsprechend ihrer Natur wirken. Auch wurde gesagt, dass Körperliches nichts über Geister vermag und daher nichts von dem bewirken kann, was vom Geist ausgeht. Deshalb ist alles derartige falsch und abergläubisch.

Furnius: Aber einige Magier gebrauchen doch auch natürliche Dinge; daher haben sie einen Teil pharmakeía genannt.

Erastus: So ist es. Zu diesem Teil gehören die Philtra, die Liebestränke; ebenso die Vergiftungen oder Giftmischereien, von denen wir gegenwärtig nicht sprechen.

Furnius: Vergiftungen im eigentlichen Sinn gehören, das gestehe ich, nicht zum gegenwärtigen Vorhaben; die Betrachtung der Liebestränke scheint mir aber keineswegs fernzuliegen.

Erastus: Hieraus werden wir uns mit wenigen Worten lösen können, wenn wir uns nur an das oben Gesagte erinnern. Was ich selbst über Liebestränke gelesen habe, ist entweder Gift, das Raserei hervorruft und eher den Tod als Liebe bringt, oder es ist eitel und abergläubisch. Von der ersten Art findest du bei den Alten einiges; es ist nicht nötig, Dinge zu erwähnen, von denen es besser wäre, wenn sie niemals ans Licht gekommen wären.

Dies steht fest: Arzneien verändern die Seelen nicht, wenn sie nicht zuvor die Temperatur des Körpers verändern. Diese aber so weit zu verändern, dass notwendig die Affekte und Sitten verändert werden, und zwar plötzlich, ist überhaupt gefährlich. Ich schweige davon, dass es völlig unmöglich ist, die Natur oder das Temperament eines jeden so zu verändern, dass eher Liebe als irgendeine andere Leidenschaft folgt.

Zur anderen Art gehören gewisse lächerliche Dinge: Abschabungen von Füßen, Schmutz der Ohren, Speichel und andere Exkremente des Körpers, von denen man glaubte, sie erregten unter Anwendung gewisser Zeremonien Liebe, nachdem die Leichtgläubigkeit der Menschen durch den bösen Dämon bestärkt worden war. Es ist ganz und gar gewiss, dass weder diese noch jene Dinge durch sich Liebe oder Hass erregen können; das konntest du aus der Erörterung über Faszination und anderes entnehmen. Wenn sie etwas zu bewirken schienen, bewirkt es der Dämon und redet ein, es sei durch die Kraft solcher Dinge vollbracht worden.

Immer sind mehr Menschen in Wahnsinn und Krankheiten gestürzt worden, als zur Liebe gezwungen wurden. Cardano führt einiges aus Agrippa an; wir brauchen es nicht zu wiederholen. Was Satan in dieser Sache mit Zulassung des Herrn vermag, wirst du aus dem von Hieronymus beschriebenen Leben des Hilarion erkennen können, wenn du mehr sehen möchtest.

Die Summe lautet: Einiges wird zur Erregung von Liebe verabreicht, das etwas Giftiges besitzt, und es bringt nicht Liebe, sondern Wahnsinn und Tod. Einiges ist zwar weniger schädlich, aber eitel und abergläubisch, da es aus sich keine Kraft besitzt, sondern bisweilen durch Mitwirkung des Dämons eine Wirkung zu erlangen scheint. Beides wird daher gottlos angewandt. Was von der Liebe gesagt wurde, ist gleichermaßen von Hass und den anderen Affekten der Seele zu verstehen. Diese werden nicht durch die Kräfte von Arzneien eingeführt, sondern durch jene Dienste, die geleistet oder verweigert werden und die in dieser Welt vorzüglich wirken.

Da aber über die wirkende Magie genug gehandelt worden ist, wollen wir nun kurz die weissagende betrachten.

[8. Über Lamien oder Hexen: nicht unnütz zu wissen]

Furnius: Über die Lamien, die die Griechen auch Empusen und μορμολυκείας, die Lateiner Sagas, Giftmischerinnen und Hexen nennen, haben wir bisher nichts behandelt.

Erastus: Ich meine, sie sind unter die Magier zu zählen, da sie offen einen Bund mit dem Dämon schließen.

Furnius: Dennoch besteht ein Unterschied zwischen ihnen. Denn Magier gebrauchen eine Kunst, die sie, wie sie sagen, aus Büchern gelernt haben; Hexen aber scheinen ohne Kunst und Bücher Wunderbares zu vollbringen. Sodann wissen die Magier nicht immer, dass sie durch ihre Kunst so schwer sündigen, da sie meinen, durch die Kraft heiliger Worte, ja Gottes, Satan zu zwingen; die Hexen aber übergeben sich ihm schlechthin selbst und überlassen sich unter bestimmten Bedingungen seinem Willen. Füge hinzu, dass Magier nichts ohne gewisse festgelegte Worte und Exorzismen tun. Hexen aber gebrauchen dergleichen nicht oder nicht immer dieselben wie jene. Daher möchte ich genauer verstehen, ob sie etwas vermögen und wie viel sie vermögen.

Erastus: Die Antwort ist leicht: Sie vermögen nichts von dem, was sie sich anmaßen. Denn was sie vermögen und tun, das tut der Teufel, dem sie sich übergeben haben, sooft Gott es zu tun zulässt. Oben ist hinreichend gezeigt worden, dass die Kräfte der bösen Dämonen begrenzt sind. Er befiehlt ihnen, gewisse Dinge anzuwenden, denen jene Kräfte fehlen, von denen er ihnen einredete, sie seien von ihm eingegossen; nicht weil er ihrer bedürfte, sondern damit er sie leichter täusche, und damit er, wenn er die Wirkung nicht geben kann, eine bereitere Entschuldigung habe.

So antworte ich also: Hexen können die wunderbaren Werke, von denen man im Volk glaubt, dass sie sie tun, keineswegs leisten. Denn aus ihren eigenen Naturkräften können sie es nicht, wie feststeht. Auch können sie es nicht von einer körperlichen Sache empfangen, da solche Dinge menschliche Seelen nicht verändern und die von Natur eingepflanzten Kräfte nicht überschreiten oder aufheben können. Daher können sie weder durch Berührung noch durch Anhauch, weder durch Stimme, Murmeln, Worte, noch durch Wink und Wunsch der Seele, noch durch andere Werkzeuge des Körpers, denen eine schädliche Fähigkeit fehlt, verletzen, wenn du ihre natürlichen Kräfte abschätzt. Denn das Werkzeug hat nicht mehr Kräfte und Kunst zum Handeln, als ihm vom Künstler mitgeteilt wird. Deshalb haben zum Beispiel Worte keine größere Kraft, als die Seele, von der sie ausgehen, mitteilen kann.

Es bleibt also, dass sie anderswoher mit so großen Mächten begabt werden. Gott aber oder die guten Engel begaben sie nicht damit, weil sie von Gott zum Teufel abgefallen sind und sich als Feindinnen Gottes, der Frömmigkeit und aller Freunde Gottes bekennen. Füge hinzu, dass sie von Gott und seinen heiligen Engeln nichts erbitten. Daher folgt, dass sie durch die Kraft Satans handeln, was sie handeln. Von diesem aber ist oben gezeigt worden, dass er über die Kräfte der Natur hinaus nichts vermag. Daher sind die meisten Dinge, die über ihre Kräfte berichtet werden, Fabeln, und zwar abergläubische: dass sie durch die Luft getragen würden durch die Kraft irgendeiner Salbe, auf Stöcken sitzend; dass sie durch verschlossene Türen einträten; dass sie in Tiere verwandelt würden; dass sie Stürme erregten; dass sie Krankheiten denen einflößten, denen sie wollten; dass sie durch Wink, Worte, Stimme und Darreichung keineswegs schädlicher Dinge töteten.

Furnius: Du erzählst Erstaunliches, und nicht alles, was du aufgezählt hast, ist glaubwürdig. Dass der Teufel begrenzte Kräfte hat, bestreiten wir nicht. Aber dass du ihn so weit entblößt und verarmst, dass er weder Stürme in der Luft erregen noch anderes dergleichen tun könne, damit weichst du allzu weit von der Wahrheit ab. Etwas anderes beweist die Geschichte Hiobs; etwas anderes lehrt Paulus in Epheser 6; etwas anderes zeigt die Apokalypse; etwas anderes schließlich erklärt die Erfahrung. Ich habe oft von Theologen gehört, Satans Macht sei so groß, dass er, wenn er nicht von Gott zurückgehalten würde, die Welt beinahe umstürzen könnte.

Erastus: Von der Macht und Ohnmacht der Geister spricht die Schrift verschieden, und wir mit ihr. Daher muss von denen, die nicht irren wollen, klug unterschieden werden. Wenn wir ihre Natur betrachten und abschätzen, mit welchen Kräften sie vom Schöpfer begabt und geschmückt wurden, sind sie größer, als wir leicht glauben können. Ferner ist es die beständige Meinung aller Theologen, dass die Dämonen beim Fall ihre Natur bewahrt, aber nur das Licht der Gnade und der göttlichen Gunst verloren haben; und deshalb seien sie mit ganz außerordentlichen Kräften begabt geblieben. Dass sie diese nicht nach ihrer Willkür zu unserem Verderben und Untergang gebrauchen, bewirkt die göttliche Macht und Güte, die nicht zulässt, dass sie vollbringen, was sie können und begehren. Dann aber lässt er es zu, wenn er beschlossen hat, sie gleichsam als Diener zu seiner Ehre und zum Heil der Seinen zu gebrauchen. Als er also Hiob heimsuchen sollte, konnte er die Luft aufwühlen; sonst konnte er es nicht tun.

Dies lehrt die ganze Schrift: Überall macht sie Gott allein zum Urheber von Regen, Tau, Trockenheit und heiterem Wetter und befiehlt, von ihm allein eine zuträgliche Beschaffenheit der Luft zu erbitten. Und was könnte in dieser Sache und Frage deutlicher gesagt werden als das, was wir bei Jeremia, Kapitel 14, lesen? „Gibt es etwa unter den Nichtigkeiten der Völker solche, die regnen machen? Und werden die Himmel Regengüsse geben? Bist nicht du es, Jahwe, unser Gott? Darum warten wir auf dich. Denn du hast all dies gemacht.“ Daher sagen wir, er könne vieles, wenn wir den Adel, die Vortrefflichkeit und die Macht der Natur abschätzen, die er empfangen hat. Wir verneinen es aber, wenn wir seine umschriebene und gezügelte Macht betrachten.

Furnius: Doch auf diese Weise wird die Schwierigkeit nicht gelöst. Denn auch wir können ohne göttliche Zulassung nichts, und dennoch tun wir vieles außer und gegen Gottes Willen.

Erastus: Es gibt eine zweifache Zügelung, eine allgemeine und eine besondere. Was die allgemeine Einschränkung betrifft, kann der Mensch in diesen äußeren Dingen, die zum Gebrauch des äußeren Lebens gehören, mehr als die Dämonen. Denn ein Mensch kann Geld von jedem Ort stehlen, wenn er durch keine körperliche Befestigung gehindert wird. Dämonen können es nicht nur nicht wegnehmen, sondern nicht einmal von solchen annehmen, die es ihnen anbieten. In dieser Sache leuchtet Gottes höchste Weisheit besonders hervor. Denn wenn sie die Schätze der Könige wegnehmen könnten, da sie alle Riegel entfernen, Verschlossenes öffnen, Schweres bewegen und das, was von Ort zu Ort bewegt werden kann, übertragen könnten, würden sie beinahe die ganze Welt durch die Austeilung von Reichtümern verderben. Doch dies ist ihnen nicht zugestanden, während es dem Menschen allgemein zugestanden ist. Dieser wird aber durch andere Dinge gehindert, durch Befestigungen, Mauern und Schlösser; wenn diese verschlossen sind, vermag er nichts. Dargebotenes aber kann er immer und von allen annehmen, wenn er nicht eigens von Gott gehindert wird.

Und wie ein Dieb aufgrund allgemeiner Zulassung fremdem Gut nachstellt, so trachtet ungefähr der Dämon nach unserem Heil. Aber wie jener durch körperliche Dinge abgewehrt wird, so wird dieser durch göttliche Kraft und den Dienst der guten Engel abgeschreckt. Daher erlaubt Gott beiden manches im Allgemeinen und manches im Besonderen. Wer dies richtig unterscheidet, wird sich leicht aus der gegenwärtigen Frage herauswickeln. Denn in einigen Dingen kann der Mensch im Allgemeinen mehr, in anderen mehr Satan. Dieser kann sich nämlich heimlich in die Phantasie einschleichen, wenn er nicht durch besondere Kraft Gottes gehindert wird; Gold und Silber kann er nicht wegnehmen. Der Mensch dagegen kann sich nicht in die Phantasie eines anderen eindrängen, Gold und Silber aber kann er durch List, Kunst, Diebstahl oder Gewalt rauben. Beide werden jedoch von Gott nicht nur allgemein, sondern auch besonders so gezügelt, dass keiner die Grenzen überschreiten kann, die ihm auf beide Weisen vorgeschrieben sind.

Die alten Theologen urteilten richtig, dass Dämonen mit den der Substanz eingepflanzten Kräften, wenn es ihnen von Gott erlaubt wird, das vollbringen können, was durch örtliche Bewegung und durch eine passende Verbindung von Wirkenden und Leidenden untereinander geschehen kann; dass sie aber die Naturen der Dinge gegen die von Schöpfer eingegebene Befähigung der Materie auf keine Weise verändern können. Was Menschen, sich selbst überlassen, zu bewirken vermögen, gibt es, glaube ich, niemanden, der es nicht weiß.

Furnius: Ich verstehe diese Sache hinreichend und zwar viel richtiger als bisher. Aber es bleibt etwas anderes von, wie ich meine, größerem Gewicht. Du sagst, Hexen könnten weder durch sich etwas bewirken, noch durch die Werkzeuge, die sie zu gebrauchen pflegen, schaden, noch auch durch das Wirken des Dämons verletzen. Wenn sich die Sache so verhält, was ich jetzt nicht leugnen kann, wird man bekennen müssen, dass diejenigen höchst ungerecht handeln, die befehlen, diese Elenden als höchst schädliche Seuchen zu zügeln, da sie unschuldig sind an den Verbrechen, deren sie sich selbst nicht selten schuldig bekennen.

Erastus: An welchen Verbrechen, sagst du, seien sie unschuldig?

Furnius: An Mord, Verwüstung der Saaten, Faszinationen, Schadenszaubern, Eindringen durch verschlossene Türen, Einschickung von Krankheiten und anderem dergleichen, was, wie du sagtest, weder von ihnen noch von Dämonen ohne besondere Zulassung Gottes bewirkt werden kann.

Erastus: Du schließt nicht richtig. Denn daraus, dass sie nichts davon in Wirklichkeit bewirken können, folgt nicht, dass sie freizusprechen seien. Denn es gibt außerdem andere Gründe, weshalb sie bestraft werden zu müssen scheinen.

Furnius: Welche sind diese?

Erastus: Diese Erörterung gehört nicht zum gegenwärtigen Vorhaben, in dem wir nur untersuchen, ob diese Heilmittel irgendeine Wirksamkeit haben und ob wir sie bei unversehrter Frömmigkeit und Gewissen gebrauchen können.

Furnius: Ich weiß. Aber weil auch dies heute gefragt wird und du sie in diesem Teil für unschuldig erklärst, möchte ich wissen, weshalb sie nicht ungerecht mit der Todesstrafe belegt werden.

Erastus: Der Grund ist vor allem das Gebot Gottes, das befiehlt, Zauberinnen zu töten, Exodus 22.

Furnius: Richtig. Aber die Hexen sind nicht in der Klasse der Giftmischerinnen begriffen, wie aus dem bereits Erörterten klar ist. Denn Gottes Gesetz ist nicht von Melancholischen zu verstehen, die sich einbilden, sie besäßen Kenntnis der Zauberkunst, obwohl sie ihrer entbehren, sondern von wahren Magiern und Giftmischern. Es steht aber fest, dass die Lamien unserer Zeit irre alte Frauen sind, keine Kunst gelernt haben, keine Bücher besitzen, nicht lesen können, schließlich töricht sind. Nicht weniger steht fest, dass sie keine Formeln von Beschwörungen und Exorzismen beachten und keine solchen hersagen, sondern durch Imagination verletzen, obwohl sie in Wirklichkeit nicht verletzen können. Sie haben eine verdorbene Phantasie, die mit verschiedenen Bildern bemalt ist, durch die sie, gleichsam wahnsinnig, sich selbst ebenso wie andere täuschen. Ein ganz sicherer Beweis ist, dass von ihnen in den Heiligen Schriften keine Erwähnung ist und dass von Christus und den Aposteln nirgends geschrieben wird, sie hätten jemanden geheilt, der von solchen Lamien verhext und verletzt worden wäre. Durch diese und ähnliche Argumente werde ich dazu gebracht zu meinen, dass den Unglücklichen ein ganz außerordentliches Unrecht geschieht.

Erastus: Ich aber halte diese deine Gründe für weit zu schwach, als dass sie jemanden bewegen müssten. Dass wir gesagt haben, sie täten keine Wunder, ist wahr. Dass du deswegen meinst, sie müssten freigelassen werden, ist ein Irrtum. Denn das Gebot Gottes befiehlt, Wahrsager, Weissager, Gaukler und Magier jeder Art und jedes Standes zu bestrafen, nicht nur deshalb, weil sie jemanden verletzt oder Schaden zugefügt hätten, sondern weil sie gegen Gottes Gebot eine gottlose Kunst gelernt und ausgeübt haben.

Wer ist so unerfahren in allen Dingen, dass er nicht wüsste, dass viele Astrologen, Auguren und Wahrsager gerade unter diesem Namen von Gott mit der Todesstrafe verurteilt werden, weil sie diese Künste betrieben haben, auch wenn sie niemals durch eine Tat jemanden verletzt haben? Gewiss beschaffen alle, die einfach Künste der Weissagung bekennen, wie Auguren, Haruspices, Astrologen und andere Wahrsager, niemandem Böses, sondern kündigen nur vorher an, was Vögel, Eingeweide, Himmel oder Schicksale beschlossen hätten. Doch Gott erklärt nicht nur diejenigen, die solches bekennen, sondern auch die, die sie befragen, für strafwürdig und verflucht, auch wenn sie nie offen mit Dämonen einen Bund geschlossen und nicht einmal daran gedacht haben, von Wahrheit und Frömmigkeit abzufallen.

Deshalb behaupte ich jetzt nichts, was gegen das Erörterte streitet, sondern sage völlig Übereinstimmendes. Aber ich will schärfer mit dir verhandeln. Meinst du nicht, dass Gott allen jenen die Todesstrafe festgesetzt hat, die Mose im gegenwärtigen Satz „Malefici“ nennt?

Furnius: Ganz gewiss.

Erastus: Gestehst du zu, dass dort Nekromanten, Skiomanten und Gaukler eingeschlossen sind? Wenn du es bekennst, ist es gut; wenn du es bestreitest, werde ich deine Meinung leicht aus den Worten der Schrift, Exodus 7, und an anderen Stellen wiederholt, widerlegen.

Furnius: Ich gestehe es zu.

Erastus: Diese aber befahl Gott nicht deshalb zu bestrafen, weil sie Schaden angerichtet oder vollbracht hätten, was sie begehrten, sondern weil sie ruchlose Künste gelernt und Gemeinschaft mit Dämonen eingegangen hatten. Sie nämlich rufen, eher von einer gewissen Neugier als wegen irgendetwas anderem geleitet, Schatten herbei, um aus ihnen Verborgenes und Zukünftiges zu erfahren oder den Anwesenden irgendein Schauspiel zu bieten und sie zu spielerischen und bewundernswerten Dingen zu gebrauchen. Selten traten sie mit dem Ziel heran, zu schaden. Dafür gibt es viele Gründe, unter denen auch dieser ist: Sie wissen wohl, dass sie von Dämonen leichter das erlangen, was wir genannt haben, als dass er denen Schaden zufüge, denen und wann sie wollen. Dies nämlich hat Gott ihnen verweigert, jenes freier gegeben. Daher kommt es, dass solche gemeinhin für weniger verabscheuungswürdig gehalten werden, weil sie entweder niemals oder nur sehr selten schaden, ja sogar nützen zu können scheinen durch die Anzeige verborgener Dinge, die Vorführung zukünftiger Dinge und andere solche Weisen.

Solche Gaukler meinen heute, und meinten auch einst, wie wir teils aus Josephus, teils aus Apostelgeschichte 19 entnehmen, sie seien unter diesem Namen besser als die meisten anderen, weil sie durch die Wohltat ihrer Kunst, das heißt durch Kraft und Wirksamkeit göttlicher Worte und anderer Dinge, Dämonen gegen deren Willen zwingen könnten. Füge das unbesiegliche Argument hinzu, dass Gott dem, der in einer zweifelhaften Sache Wahrsager, Magier und andere Zeichendeuter befragt, Verderben androht, Levitikus 19 und 20, Deuteronomium 18. Wer nun einen anderen nach dem Ausgang befragt, etwa wenn ein Kranker nach dem Ausgang der Krankheit fragt, fügt dem Nächsten keinen Schaden zu. Dennoch befiehlt Gott, solche zu bestrafen, und wenn sie vom Magistrat nicht bestraft werden, will er selbst sie ausrotten und vernichten, wie wir an den angeführten Stellen lesen und wie wir die glänzendsten Beispiele an den Königen Saul, 1 Samuel 28, und Ahasja, 2 Könige 1, haben.

Du siehst nun klar und fest bewiesen, dass ich nicht mit dem zuvor Gesagten im Streit stehe und dass die Hexen nicht deshalb nicht zu bestrafen wären, weil sie nicht tun können, was sie, vom Dämon überredet, zu können meinen.

Furnius: Aber Mose scheint von wirklichen Giftmischerinnen zu sprechen, also von solchen, die wirkliche und natürliche Gifte zu trinken geben.

Erastus: Dass Mose hier nicht von solchen handelt, wird uns aus vielem feststehen können. Denn solche sind unter den Gesetzen der Wiedervergeltung und der Mörder eingeschlossen. Ein Mörder ist nämlich nicht nur der, der jemanden mit Stein, Knüppel, Faust, Schwert oder Axt getötet hat, sondern auch der, der jemanden mit Händen, Schlinge, Kissen oder irgendeiner anderen Sache erstickt, ihn aus der Höhe hinabgestürzt, durch Hunger getötet, dazu gezwungen hat, Hand an sich selbst zu legen, oder ihn auf irgendeine andere Weise zugrunde gerichtet hat. Niemand zweifelt, dass derjenige ein Mörder ist, der wissentlich und bewusst einen Menschen getötet hat, sei es, dass er ihn durch verabreichtes Gift, von dem er wusste, dass es Gift sei, getötet hat, sei es, dass er ihn durch ein anderes Werkzeug aus der Mitte geräumt hat. Deshalb war es ebenso wenig nötig, über wirkliche Giftmischer ein eigenes Gesetz zu erlassen, wie es nötig war, für die anderen Arten des Mordes, die ich aufgezählt habe, eigene Strafen festzusetzen.

Ganz anders verhält es sich mit denen, die durch unheilvolle Zauberlieder, Anrufungen von Dämonen, Exorzismen, Einschickung unreiner Geister oder Darreichung verzauberter Dinge versuchen, jemanden zu töten. Da diese Weise der Tötung nicht unter dem Gesetz über die Mörder eingeschlossen zu sein schien, wurde sie zu Recht durch ein besonderes Gebot verboten. Daher gebietet Mose hier nicht über diejenigen, die bekannte Gifte zum Zweck des Tötens anbieten, sondern er handelt von anderen. Er kann aber von keinen anderen handeln als von denen, die durch ruchlose Zauberlieder, unheilvolle Verwünschungen, abergläubische Figuren, barbarische Namen, ungeheuerliche Charaktere, gottlose Zeremonien, vom Teufel arzneilich zubereitete oder durch unerlaubte Künste zugerichtete Mittel etwas Wunderbares zu tun oder zu schaden versuchen.

Dies beweist der Name, dessen sich der Heilige Geist an der gegenwärtigen Stelle bedient hat. Derselbe findet sich auch anderswo wiederholt, etwa Exodus 7, Daniel 2, Deuteronomium 18, Micha 5 und an anderen Stellen, an denen er überall für Beschwörer gesetzt ist, die durch Worte, Zeichen, Bilder, Charaktere und Dinge, die durch das Wirken von Dämonen bereitet sind, Wunderbares tun oder Saaten, Tieren und Menschen schaden wollen und danach streben. Überall bezeichnet er solche, die Verkehr mit unreinen und verdammten Geistern haben, mit deren Wirken und Hilfe sie glauben, Wunder hervorzubringen oder Schaden zufügen zu können. Gewiss stimmen die kundigsten Ausleger der heiligen Sprache in diesem Teil alle überein, so sehr die einen auch meinen, es sei mehr, die anderen, es sei weniger darunter begriffen.

Furnius: Auch wenn dir zugestanden wird, dass Mose unter den Maleficae nicht diejenigen versteht, die durch Gift oder eine andere wirksame Sache zu töten oder jemandem Schaden zuzufügen pflegen, folgt dennoch nicht, dass er von allen spricht, die auf irgendwelche noch so unsinnige Weisen und mit ganz irren Mitteln etwas zu tun scheinen, wodurch sie den in der Seele gefassten Schadenszauber irgendwie bezeugen.

Erastus: Auch ich meine nicht, dass er von allen spricht, die irgendwie zu schaden begehren; aber ich bestreite, dass die Hexen ausgenommen werden können. Denn aus dem eben Gesagten ist klar, dass Malefici diejenigen sind, die sich durch das Wirken und die Hilfe von Dämonen, unter Zwischentreten eines Vertrags, irgendwelcher Dinge bedienen, um solche Dinge zu vollbringen, wie sie diese aus ihrer Natur nicht bewirken können. Die Hexen aber stützen sich bei ihren Handlungen auf die Hilfe des Teufels, wobei ein ausdrücklicher Vertrag dazwischentritt; und um diese zu vollbringen, gebrauchen sie Werkzeuge, von denen sie wissen, dass sie von Natur keine solchen Kräfte besitzen. Offen bekennen sie, dass sie in der Meinung stehen, diese würden von Satan mit neuen Kräften getränkt. Deshalb scheinen sie ganz und gar den Malefici zuzuzählen zu sein, von denen Mose hier spricht.

Aber sag du uns, bitte: Von welchen meinst du, dass er handelt? Ich jedenfalls setze außer Zweifel, dass Gott hier allgemein alle jene umfasst hat, die er Deuteronomium 18 im Einzelnen aufzählte.

Furnius: Von Nekromanten, Skiomanten, Gauklern, berüchtigten Magiern, Exorzisten.

Erastus: Richtig. Warum aber droht Gott solchen die Todesstrafe an?

Furnius: Weil sie falsche, unerlaubte und schädliche Künste ausüben.

Erastus: Wegen der Falschheit hat Gott nicht befohlen, gegen irgendjemanden so streng vorzugehen. Stell dir nämlich vor, was ja der Fall ist, es gebe einige, die sich einer Kunst rühmen, ein Arzneimittel zu bereiten, das allein ein ganz gegenwärtiges Heilmittel gegen alle Krankheiten sei und den Körper nahezu unsterblich bewahre. Würdest du urteilen, dieser sei zu töten, weil er eine falsche Kunst bekennt? Ein anderer verspräche die Kunst, Blei, Zinn, Erz, füge auch Holz hinzu, wenn du willst, in wahres und echtes Gold zu verwandeln, das das natürliche an Güte übertreffe: Würdest du diesen mit deiner Stimme töten, weil er eine falsche Kunst betreibt und ausübt? Ich glaube nicht. Aber weil du bei diesen zweifelst, ob sie falsch sind, setze den Fall, es gebe jemanden, der eine natürliche Kunst verspricht, Schiffe zu bauen, mit denen wir durch die Luft so getragen würden, wie wir auf den Wassern fahren, ich habe nämlich gehört, dass dies schon von jemandem versucht worden sei. Wirst du meinen, dieser habe den Tod verdient, weil er Falsches und Unmögliches versucht hat? Du wirst vielmehr den Versuch und den Erfindungsgeist bewundern, wenn er wahrscheinlich über seine Erfindung spricht.

Furnius: Ich gestehe zu, dass der bloßen Falschheit nicht die höchste Strafe geschuldet wird, sondern wenn sie zugleich verboten und verderblich ist.

Erastus: Dass Gott nicht wegen des Schadens, den einige von diesen Künstlern zufügen, für alle die Todesstrafe festgesetzt hat, wird daraus ganz sicher bewiesen, dass Wahrsager, Auguren, Haruspices und andere Zeichendeuter niemandem an sich schaden, sondern nur vorher ankündigen, was sie von Vögeln, Eingeweiden und anderen Dingen als vorherbedeutet und angezeigt gesehen haben. Wenn er, sage ich, diese getötet wissen will, werden wir hinreichend gelehrt, dass solche Künste aus einem anderen Grund todeswürdig sind. Füge hinzu, dass er allein denen, die sie befragen, Verderben androht, auch wenn sie niemals daran gedacht haben, Schaden zuzufügen.

Warum also wollte er, dass sie todeswürdig seien? Weil sie unerlaubt sind, wirst du sagen. Richtig. Aber nicht jedes unerlaubte Werk ist todeswürdig. Eine Handlung ist unerlaubt wegen der Art des Werkes, wie Ehebruch oder Mord. Eine andere wegen des Zieles, wenn etwa eine an sich gute Handlung um eines bösen Zieles willen geschieht. Eine andere wegen einer unpassenden Weise des Handelns. Hier trifft alles zusammen. Denn sowohl diese Künste zu lernen und auszuüben ist verdammenswert. Auch das Ziel ist böse, ob sie nun zum Schädigen oder zur Vorhersage erworben werden. Auch die Weise des Lernens und Ausübens ist verkehrt, da sie unter Zwischentreten eines verborgenen oder offenen Bundes mit Dämonen ausgeübt und gelernt werden.

Dies bewegte Pomponazzi dazu, obwohl er Magie und Nekromantie für gute Künste hielt und gottlos meinte, unser Geist werde durch sie vervollkommnet, die Weise ihres Lernens zu verdammen. Todeswürdig also wollte Gott diese Künste, weil sie ohne todeswürdigen Vertrag weder gelernt noch ausgeübt werden: das heißt, weil sowohl die Lernenden als auch die Ausübenden Gemeinschaft mit Dämonen schließen, entweder offen oder stillschweigend. Denn wenn sie Werkzeuge gebrauchen, die aus ihrer Natur die Kräfte nicht besitzen, die sie wünschen, und daher die Wirkung von Dämonen erwarten, glaubt man zu Recht, dass sie auch mit diesen einen Vertrag schließen, auch wenn ihnen dies nicht oft in den Sinn kommt.

Du siehst nun offen, weshalb die schädlichen Künste auch dann todeswürdig sind, wenn sie ohne Schaden für den Nächsten ausgeübt werden, nämlich wegen des mit dem Dämon eingegangenen, verborgenen oder ausdrücklichen Bundes. Wenn sie aber überdies schädlich sind, sind sie umso mehr todeswürdig. Im Übrigen steht fest, dass keine Künste schädlicher sind als die der Hexen.

Furnius: Wie nennst du sie jetzt schädlich, wo du sie oben für leer erklärt hast?

Erastus: Ich nenne sie schädlich nicht, weil diese Künste durch sich wirksam wären, sondern weil durch ihre Gelegenheit die bösen Dämonen fortwährend zum Schädigen anstacheln, antreiben und entflammen. Obwohl diese auch durch sich darauf wachen, zu schaden, ist es doch wahrscheinlich, dass sie oft nicht an das gedacht hätten, was sie, von den Hexen angereizt, dann versuchen und mit Gottes Zulassung vollbringen. Dieselben Schadenszauber werden in Wirklichkeit heimlich von den Dämonen vollbracht; dennoch werden diejenigen zu Recht Malefici genannt, die sie angestachelt haben und sogar meinen, sie hätten es durch Satans Werk vollbracht.

Furnius: Sie sind also Werkzeuge der Dämonen. Daher scheint man weniger streng mit ihnen verfahren zu müssen.

Erastus: Werkzeuge sind sie, aber solche, die Vernunft gebrauchen. Nicht unschuldig ist, wer auf Befehl eines anderen einen Menschen tötet. Sodann sind sie nicht nur Werkzeuge, sondern Urheber und Antreiber.

Furnius: Noch sehe ich aber nicht, dass sie anderen mehr schaden.

Erastus: Zunächst steht fest, dass Worte, Exorzismen, Zauberlieder und Figuren nichts vermögen. Wenn also bisweilen irgendeine Wirkung gefolgt ist, war sie das Werk des Dämons, wie wir sehr fest gezeigt haben. Meinst du, Satan werde mehr schaden, wenn er durch irgendein Zauberlied, das einen stillschweigenden Vertrag enthält, eingeladen wird, als wenn er durch eine offene Gemeinschaft und flehentliche Worte beschworen wird? Nekromanten und andere solche schließen die Gemeinschaft dunkel und sind überzeugt, sie seien gut und fromm und könnten durch die verborgene Kraft heiliger Worte Dämonen zwingen, zu tun, was sie befohlen haben. Wenn sie ihnen bisweilen opfern, meinen sie nicht so sehr, die Dämonen würden durch solche Opfer besänftigt und erbeten, als vielmehr gezwungen. Schließlich missbrauchen sie deren Hilfe fast nur, wie ich sagte, zu spielerischen Dingen. Lamien aber schließen sakrilegische und offene Bündnisse mit Satan, schwören ihm Treue, übergeben sich ihm ganz, speisen mit ihm, führen gemeinsam Tänze auf, vermischen auch den Körper, schrecklich zu sagen, versprechen, Feindinnen Gottes und jeder Frömmigkeit zu sein, empfangen sein Zeichen, und all dies tun sie deshalb, damit sie von ihm gelehrt werden, den Feldfrüchten, Tieren und Menschen zu schaden; darauf richten sie beinahe alle ihre Pläne. Sie rufen ihn nicht wie jene widerwillig herbei, sondern nehmen ihn willig und wie einen Freund auf; sie rufen ihn nicht mit Zauberliedern hervor, sondern locken ihn durch scheußliche Begierde, Verleugnung Gottes und Hingabe ihrer selbst an; sie entreißen nicht, wie sie vortäuschen, Widerwilligen Antworten, sondern fragen im vertrauten Gespräch unter schändlichen Umarmungen, was sie wissen wollen; sie rufen ihn nicht herbei, um Gaukelbilder und Schatten hervorzurufen, sondern treiben ihn durch die Stacheln der Verträge fortwährend an, Verderben zuzufügen. Wie also sollte nicht wahnsinnig sein, wer meint, deren Künste seien weniger schädlich als jene der anderen?

Furnius: Aber sie beherrschen keine Kunst, und sie sind nie von zu Hause weggegangen, um sie zu lernen; auch haben sie keine Bücher und wissen meistens nicht zu lesen. Auch handeln sie nicht mit einer festen Formel der Beschwörung und bestimmten Worten nach Art der schädlichen Magier.

Erastus: Als ob Gottes Gesetz beföhle, nur jene zu bestrafen, die eine lange Kunst mit großer Mühe und deshalb nach unternommener langer Wanderschaft vollständig erlernt haben. Erinnerst du dich nicht, dass die von Gott verhängte Strafe auch diejenigen trifft, die Wahrsager befragen? Mussten auch diese erst die lange Kunst des Fragens aus Büchern lernen, bevor sie die Strafe verdient hätten? Ja, sie sind auch in diesem Teil verabscheuungswürdiger, weil sie das, was andere aus Büchern lernen, aus dem Mund Satans selbst empfangen. Sodann, weil sie den Lehrer immer gegenwärtig haben und täglich von ihm unterrichtet werden. Füge hinzu, dass sie nichts von dem auslassen, was andere Beschwörer tun, um ihre Künste zu erlangen, sondern noch schreckliche Verbrechen begehen, die andere kaum zu denken wagen.

Das göttliche Gesetz verdammt nicht nur diejenigen, die sich bestimmter Worte und Formeln bedienen, sondern bestraft allgemein die Malefici. Malefici aber sind, wie wir sehr klar gezeigt haben, alle, die mit Hilfe und Wirken des Teufels unter Zwischentreten eines verborgenen oder stillschweigenden Vertrags Dinge zu bewirken suchen, die die Kräfte der Natur übersteigen, ob sie nun einer bestimmten oder unbestimmten Formel und Weise des Handelns folgen. Dass Hexen Größeres versuchen, als durch die Kräfte der Natur von jenen Dingen bewirkt werden kann, die sie anwenden, leugnet niemand. Ebenso gewiss ist, dass sie aufgrund falscher Überzeugung meinen, harmlose Dinge würden durch lästerliches oder unsinniges Gemurmel oder durch Anrufung von Dämonen mit neuer Kraft getränkt. Dass sie offen und weit verbrecherischer als alle anderen einen Vertrag schließen, bestreiten nicht einmal sie selbst. Wie also sollten sie nicht wahrhaft unter die Malefici zu zählen sein, auch wenn sie ihre Kunst nicht aus schriftlichen Vorschriften geschöpft haben?

Furnius: Aber wir sehen, dass Magier manches bewirken, was Hexen nicht bewirken. Denn in Exodus 7 machten sie Schlangen, Frösche, Blut; die Pythonissa rief Samuel herauf, 1 Samuel 28; andere beschworen Schlangen, Psalm 58. Ich übergehe jetzt, was in unseren Zeiten gesehen worden ist.

Erastus: Damit beweist du nichts. Denn sowohl an sich ist bekannt als auch zuvor bewiesen worden, dass Magier von all dem nichts durch die Kräfte ihrer Kunst bewirken, sondern dass alles Derartige Blendwerke des Dämons sind, der mit Gaukeleien täuscht. Da also in beiden Fällen Satan bewirkt, was entweder wirklich oder scheinbar bewirkt wird, muss die Begründung in beiden Fällen gleich sein. Ja, er ist bei den Hexen umso wirksamer, je gehorsamer er sie hat. Und wer ist so kühn, dass er meinte, von Hexen werde weniger oder Geringeres bewirkt als von anderen Magiern? Wenn der Geschichte Glauben zu schenken ist, werden diese von jenen weit übertroffen.

Furnius: Sie reichen harmlose Dinge dar und verletzen deshalb nicht.

Erastus: Ich bestreite, dass dies folgt. Was denn? Vermögen Worte mehr als Dinge? Ich glaube nicht. Denn sie sind nur Zeichen und gewisse Bilder unserer Gedanken; durch sich haben sie keine andere Kraft, als dass sie aufgrund von Übereinkunft und Einrichtung der Menschen bezeichnen. Und doch rufen einige mit unverstandenen und sogar barbarischen Worten Schatten herbei, stellen den Augen ganz bewundernswerte Gaukeleien vor, betäuben Schlangen, halten Tiere auf, rufen Mäuse zusammen und tun anderes Derartiges. Warum also sollten Hexen nicht dasselbe bewirken können, wenn sie irgendwelche Dinge vorlegen?

Furnius: Solches geschieht nicht wirklich, sondern es sind Blendwerke Satans.

Erastus: Ich gestehe es; aber auch die Gaukeleien der Lamien sind Blendwerke. Jene gebrauchen Worte, Charaktere, Figuren usw.; diese sowohl diese als auch andere Dinge, die ihrer Natur nach nicht böse sind. Beide glauben verkehrt, in jenen Werkzeugen lägen Kräfte, die nicht darin liegen. Beide bewirken nur das, was Satan mit göttlicher Zulassung bewirkt. Beide gebrauchen gewisse Dinge oder Worte, deren Gebrauch Satan vorgeschrieben hat, damit er durch sie gleichsam als Zeichen des eingegangenen Bundes und Vertrags erinnert werde. In beiden Fällen wirkt Satan wirklich den Schadenszauber, wenn Gott es zulässt, redet aber heimlich seinen Dienern ein, sie selbst seien die Bewirker gewesen. So geschieht es, dass jene meinen, sie zwängen die Dämonen, diese aber mit gleichem Irrtum glauben, sie erbitten ihn. Unterdessen bleibt dies immer wahr: Hexen schaden, wenn du Eifer und Willen betrachtest, mehr als andere Beschwörer. Denn sie tun und denken nichts anderes, als zu schaden; Magier suchen aus ihrer Kunst fast nur Ansehen, Autorität und Lob.

Furnius: Magier scheinen auf diese Weise zumindest schädlicher zu sein als Hexen, dass sie durch ihre Wunder leicht beliebige Menschen von der wahren Frömmigkeit abbringen, während Lamien nichts dergleichen zu versuchen wissen.

Erastus: Auch dies ist nicht weniger falsch. Denn ich habe schon gesagt, dass beide, was immer sie tun, durch Satans Kräfte tun, ja dass Satan selbst es tut. Wie wirst du also beweisen, dass er zugunsten eines Magiers Größeres tut als zugunsten einer Lamie, der er fast immer beisteht, mit der er Reden mischt, von der er durch Stacheln gereizt wird und die er auf alle Weisen in seinem Dienst zu halten sucht? Wenn doch diese nicht mehr Menschen und schwerer sündigen ließen und weiter von Gott zurückweichen ließen als andere Beschwörer!

Furnius: Wenn die Lamien wissentlich und bewusst täten, was sie tun, wäre das, was du sagst, nicht nichts. Aber sie haben eine verdorbene Phantasie und sind fast völlig von Sinnen. Deshalb scheinen sie nicht mehr bestraft werden zu müssen als Besessene, Melancholiker oder auf andere Weise Wahnsinnige. Denn sie sind vom Dämon besessen und handeln daher gezwungen und unwissentlich, was immer sie tun. Außerdem bin ich überzeugt, dass diese Art von Menschen zur Zeit des Mose unbekannt war. Ja, nicht einmal zur Zeit Christi scheint sie bekannt gewesen zu sein. Denn wir lesen, dass viele Besessene von Christus und den Aposteln befreit wurden; wir finden aber keinen durch Schadenszauber Betroffenen, der von ihnen geheilt worden wäre.

Erastus: Was du von der verdorbenen Einbildungskraft vorbringst, nehme ich gern an. Wie sollten sie nämlich von Gott zum Teufel abfallen, wenn sie nicht eine verderbte Phantasie hätten? In der Tat ist niemand wissend und vernünftig böse, sondern alle, die schwere Verbrechen begehen, irren im Schlussfolgern. Dass sie aber derart an Geist und Urteil geschädigt seien, dass sie wie Besessene, aus Melancholie Wahnsinnige oder anders Rasende von Strafe frei sein müssten, bestreite ich dir. Denn sie handeln in allem anderen gesund und wissen auch hier, was sie tun, nämlich dass sie gottlos handeln, bevor sie handeln, während sie handeln und nachdem sie gehandelt haben. Sie wissen, dass sie Gott nicht verlassen dürfen. Sie wissen, dass es der Teufel ist, zu dem sie abfallen. Sie wissen, dass sie Strafe erleiden müssen, wenn Menschen herausfinden, was sie tun. Sie wissen, dass sie zum Nachteil des Nächsten nichts versuchen und den Teufel zu dieser Sache nicht anreizen dürfen. Sie wissen, dass es ihnen todeswürdig sein wird, wenn sie entdeckt werden. Deshalb verbergen sie ihre Verbrechen mit größtem Eifer und leugnen ihre Taten mit solcher Standhaftigkeit, dass sie, selbst wenn sie der Folter unterworfen werden, nicht gestehen, solange sie die Qualen ertragen können.

Hinzu kommt, dass sie nicht beliebige Begegnende zu verletzen suchen, sondern allein diejenigen, von denen sie meinen, Unrecht erlitten zu haben, oder von denen sie sich erinnern, dass sie ihnen etwas verweigert haben. Sie sind also nicht weniger gesund als andere Beschwörer und Verbrecher, die sich vom Teufel dazu führen und überreden lassen, zu tun, was Gott verboten hat. Alle nämlich haben die Phantasie so weit verdorben, dass sie dem Urteil des Geistes nicht gehorchen. Wirst du sie deshalb für entschuldbar halten? Ich glaube nicht. Also wirst du auch die Lamien aus diesem Grund nicht entschuldigen. Wenn sie nach Art Wahnsinniger und Irrer handelten, würden sie ihre Taten nicht verbergen, sondern sie, wenn sie gefragt werden, mit Prahlerei aufzählen. Daher sind sie vor allem in dem einen Punkt wahnsinnig, in dem alle Magier unvernünftig sind: dass sie meinen, sie täten, was Satan, von ihnen erbeten, heimlich getan hat.

Furnius: Unter den Besessenen gibt es einige, die alles wissen und ganz klare Zwischenzeiten haben. Wer aber würde meinen, dass diese, wenn sie Gott lästern, mit dem Tod bestraft werden müssten? Denn sie sind so verblendet, dass sie überhaupt nicht wissen, was sie tun.

Erastus: Ich bestreite, dass Lamien immer so vom Teufel besessen sind. Ja, dies ist nur selten geschehen. Und es scheint durch Gottes gerechtestes Gericht verhindert zu werden, dass Satan sie so besetzt, dass sie der von Gott verhängten Strafe entgehen. Besessene sind nicht immer böse; und wenn sie in Zwischenzeiten wieder zu sich selbst kommen, empfinden sie von Herzen Schmerz und behaupten beständig, dass sie niemals mit der Seele zugestimmt hätten, sondern dass der Teufel gegen ihren Willen ihre Zunge missbraucht habe. Ganz anders verhält es sich mit den Hexen.

Furnius: Aber sie sind von ihm besessen und so wahnsinnig gemacht, dass sie weder ihr Elend beklagen noch ihre Sünden bereuen noch das Heil wünschen können.

Erastus: Ich wünschte, du würdest beweisen, was du sagst, da ich niemandem ohne Argumente glaube. Wenn sie bisweilen nach Art Besessener vom Dämon umgetrieben würden, gäbe es irgendeinen Verdacht. Da sie sich nun aber immer auf dieselbe Weise verhalten, können sie nicht besessen genannt werden. Welches festere und wahrere Argument kannst du verlangen als dies: dass wir sehen, dass wirklich Besessene in Zwischenzeiten grausam zerrissen und elend gequält werden und sich keine Kenntnis wunderbarer Dinge anmaßen noch etwas Derartiges versuchen; dagegen rühmen sich die Hexen der größten Dinge, versuchen sehr vieles und gebrauchen sich unterdessen einer guten und unversehrten Gesundheit. Gewiss sind sie nach dem Vertrag so gesund, wie sie zuvor gesund waren.

Dass du vermutest, sie seien zur Zeit des Mose unbekannt gewesen, das bleibe deine Vermutung. Es folgt nicht, dass es sie nicht gab, weil die Schrift sie nicht namentlich ausdrücklich nennt. Es genügt, dass sie im Katalog der Malefici eingeschlossen sind, der Deuteronomium 18 steht. Wie viele andere Verbrechen sind in der Schrift nicht im Einzelnen genannt, von denen dennoch alle zugestehen, dass sie verboten sind? Christus und die Apostel heilten keine unter diesem Namen, weil diese jene Dinge nicht tun können, die sie sich zuschreiben und die zu tun sie töricht glauben. Dass es aber zu jener Zeit solche alten Weiber gab, sehen wir aus allen Dichtern, Historikern und den Gesetzen der Zwölf Tafeln ganz offenkundig. Wir haben, glaube ich, hinreichend gezeigt, dass Hexen nicht so sehr wegen der Werke, die sie tun und die sie meistens vergeblich versuchen, niemals aber vollbringen, bestraft werden müssen, sondern wegen des Abfalls und der Apostasie, also wegen des mit dem Teufel geschlossenen Bundes.

Furnius: Aber dies ist vor einem bürgerlichen Gericht nicht kriminell. Wer von uns fällt denn nicht oft von Gott ab?

Erastus: Jeder, der gegen Gottes Gesetz sündigt, wendet sich von Gott ab; aber ganz weit verschieden ist die Abwendung derer, die aus Unklugheit zu Fall kommen oder auch willentlich verbrecherisch handeln, und jener, die freiwillig, ohne Furcht vor irgendeiner Gefahr, ohne Irrtum oder Krankheit, Gott zusammen mit der Frömmigkeit verwerfen und mit Füßen treten, das heißt aus bloßer Mutwilligkeit Apostaten sind und überdies Gott und der Religion den Krieg erklären. Petrus sündigte sehr schwer; aber er fiel aus Schwachheit. David sündigte schwer, nicht nur auf eine Weise, und blieb viele Monate in seine Verbrechen verstrickt; doch verwarf er deshalb Gottesverehrung und Frömmigkeit nicht.

Wenn du aber unter dem bürgerlichen Gericht das mosaische verstehst, bestreite ich dir, dass dies nicht kriminell sei. Wenn du Gerichte meinst, in denen täglich tausend Sophismen widerhallen, durch die die einen die anderen mit Recht oder Unrecht zu besiegen versuchen, so gehört dies nicht zu uns; wir disputieren nicht darüber, was Menschen tun, sondern was der Wille des Herrn ist.

Furnius: Willst du uns also das mosaische Gemeinwesen zurückführen?

Erastus: Keineswegs. Es enthält nämlich vieles, was diesen Zeiten und Orten keineswegs entspricht. Unterdessen behaupte ich ohne Zögern, dass die Verbrechen, die zu den Sitten gehören und die Mose zu Kapitalverbrechen gemacht hat, auch heute vom Magistrat mit der äußersten Strafe bestraft werden können. Sodann muss der Magistrat auch jetzt die Vergehen zügeln, die Gott einzudämmen befohlen hat, Matthäus 15. Ich bestreite unterdessen nicht, dass Strafen gemildert werden können, wenn irgendein Verbrechen durch eine mildere Strafe unterdrückt werden kann.

Furnius: Der Vertrag ist leer und nichtig. Denn das ganze Geschäft ist imaginär und nur im Geist vollzogen; daher kann seine Wahrheit durch Zeugen nicht festgestellt werden. Sodann können diejenigen, zwischen denen keine Gemeinschaft besteht, keinen Vertrag schließen. Ebenso schließen anders und andersartig Denkende keinen Vertrag. Schließlich: Wo Betrug, Gewalt, Furcht, Irrtum oder Unwissenheit dazwischentreten, gibt es keine Zustimmung.

Erastus: Hier bedarf es nicht vieler Worte. Denn menschliche Erdichtungen gelten nicht, wenn von Gottes Sinn die Rede ist, sondern man muss die Schriften anführen. Gott richtet nämlich nach seinem Wort, nicht nach den Meinungen der Menschen und scheinbaren Vernünfteleien.

Ich bestreite, dass der Vertrag imaginär ist. Es ist unmöglich, dass ein Mensch, der sich freier Sinne bedient, Eingebildetes für wahr hält, wenn die Sinne nicht zusammenstimmen. Stell dir vor, jemand gebe dir tausend Goldstücke. Du wirst es niemals glauben, solange du es nicht mit den Augen siehst und nicht mit den Händen betastest und solange die übrigen Sinne melden, dass es falsch ist. Deshalb glauben wir Eingebildetes im Schlaf, wenn die Sinne gebunden sind, oder im Wachen, sooft sie durch Krankheit gehindert sind. Die Hexen schließen den Vertrag wachend, sehend, den Dämon hörend. Also ist es nicht nur ein imaginäres Werk, wie Schlafende an Gastmählern und Tänzen teilzunehmen scheinen, einige mit Schadenszauber zu treffen und diejenigen zu sehen, die sie nicht sehen. Dies, sage ich, ist imaginär, nicht jenes, was sie wach und gesund tun. Denn bisweilen kommen sie am Tag zusammen und tanzen, spielen und essen mit ihren Freunden, allerdings Speisen, die sie selbst mitgebracht haben. Und dies ist bisweilen wirklich so geschehen, bei unversehrten Sinnen, während ihre Augen Schatten sahen, die eine bestimmte Gestalt vortäuschten. Daher können oft Zeugen der Wahrheit beigebracht werden. Aber wozu braucht man Zeugen, wenn der Angeklagte ein Verbrechen gesteht, von dem er durch viele frühere Taten bewiesen hat, dass es wahr ist?

Von der Verschiedenheit und Gemeinschaft der Naturen hätte ich vergeblich gesprochen. Niemand weiß nicht, dass ein Bund zwischen Gott und den Menschen gilt, obwohl es zwischen ihnen keine solche Gemeinschaft gibt, wie sie die Rechtsgelehrten verlangen. Auch bei Verträgen denken die Vertragschließenden nicht immer dasselbe. Sie schließen nämlich mit diesen Worten: Wenn du dies tun wirst, werde ich jenes leisten. So geschieht es auch hier: Wenn du Gott abschwören wirst, werde ich eine ungeheure Menge Gold geben, Wunderbares lehren usw.

Furnius: Aber der Teufel täuscht und lügt.

Erastus: Deshalb befiehlt uns der Apostel, die geistlichen Waffen anzulegen, damit wir seiner Macht und seinen Betrügereien widerstehen. Aus demselben Grund hat uns der Herr befohlen, nicht nur zu allen Stunden, sondern auch in allen Augenblicken zu beten, dass er uns nicht in Versuchung führen lasse. Daher gilt die Entschuldigung des Betrugs nicht. Ja, selbst wenn jemand mit Wundern versucht, uns vom Wahren abzubringen, dürfen wir ihm nicht glauben, Deuteronomium 13.

Ich frage dich: Würdest du deine Frau oder deine Töchter, sonst keusch und ehrbar, entschuldigen, wenn jemand sie durch List, Betrug und Kunst zur Zustimmung und Ausführung des Ehebruchs und der Unkeuschheit bewegt hätte? Kaum glaube ich, dass du so gütig und mild sein würdest. Warum willst du also, dass der Magistrat jenen verzeiht, die der Teufel verführt hat, zumal sie sehr wohl wissen, dass sie von ihm nichts Gutes und Heilsames erwarten dürfen?

Ich werde noch mehr sagen: Gott hat nicht einmal die Heiden verschont, sodass er sie wegen solcher Verbrechen nicht ausgerottet hätte, obwohl sie nicht verstanden, dass sie so sündigten, wie die Hexen heute verstehen, dass sie sündigen. Meinst du also, er wolle mit diesen milder verfahren lassen als mit jenen? „Gottlos ist es“, sagt König Athalarich der Gote, „gegenüber jenen nachlässig zu sein, die die himmlische Frömmigkeit nicht ungestraft lässt.“ Meinst du etwa, Gott habe die Betrügereien und Unternehmungen des Teufels nicht gekannt? Wenn er sie kannte und dennoch befahl, die Übertreter zu bestrafen, entschuldigen wir vergeblich den Betrug. Gewalt, Furcht, Irrtum sind hier nicht größer als bei allen Verbrechern; ihretwegen würde kein Weiser wollen, dass diese ungestraft blieben. Wird etwa der, der von einem falschen Propheten verführt wurde, selbst wenn ein Wunder getan worden ist, von Gott entschuldigt, Deuteronomium 13? Warum also versuchst du, ihn mit der Autorität der Rechtsgelehrten zu entschuldigen? Unwissenheit kann nicht vorgeschützt werden, da sie wissentlich handeln. Gott will sogar das Tier getötet wissen, mit dem ein Mensch sich vermischt hat; auf welche Weise also wirst du hier daran denken können, Unwissenheit von der Strafe zu entschuldigen?

Furnius: Dennoch scheint man das Geschlecht schonen zu müssen.

Erastus: Nicht einmal dies hat Gott befohlen. Ja, in Exodus 22 hat er die Frauen vor allem genannt, um uns anzuzeigen, dass er nicht einmal auf das Geschlecht in dieser Sache Rücksicht genommen wissen will. Und obwohl ich nicht leugne, dass in dem Gesetz Frauen eher als Männer genannt wurden, weil sie in diesem Teil häufiger irren als Männer, ist dennoch auch jenes wahr. Aus demselben wird auch etwas anderes bestätigt, was wir oben dargelegt haben: Mose nennt nicht nur diejenigen Malefici, die die Kunst mit großer Mühe und langer Wanderschaft gelernt haben. Denn indem er vor allem Frauen nennt, zeigt er zugleich, dass er auch von anderen spricht.

Neben diesem Argument lehrt auch jenes, dass das Verbrechen der Hexen todeswürdig ist: dass sie Götzendienerinnen sind, und zwar die schlimmsten. Denn sie leisten nicht nur Götzen und Bildern, sondern den Dämonen selbst den Kult, den diese fordern, und tun das Übrige, dessen wir oben gedacht haben. Die jüdischen Götzendiener, die Gott Exodus 22, Deuteronomium 13 und 17 zu töten befiehlt und die, wie wir im dritten Buch der Makkabäer, im letzten Kapitel, lesen, getötet wurden, verehrten die Götzen nicht so, dass sie unterdessen leugneten, vom wahren Gott empfingen sie nichts Gutes, sondern sie meinten, von beiden unterstützt zu werden. Hexen aber versprechen, Feindinnen Gottes zu sein. Gott befiehlt, dass niemand in diesem Teil weder Eltern noch Ehefrauen noch Kinder schone. Er wird daher nicht wollen, dass der Magistrat Hexen schone.

Furnius: Welcher Götzendiener wollte je wissentlich und in Kenntnis des wahren Gottes zum nicht wahren, vom Guten zum Verderblichen, vom Wohlwollenden zum Grausamen fliehen?

Erastus: Keiner, der sein Heil liebt. Dass aber viele Juden dies getan haben, bezeugt die Schrift. Und selbst wenn keine es getan hätten, müssten die Hexen dennoch für umso verbrecherischer gehalten werden, da sie ein so ungeheures Verbrechen wagen. Sie könnten auch als Mörderinnen getötet werden. Denn auch wenn sie harmlose Dinge darbieten, tun sie dies doch deshalb, damit sie nicht entdeckt und des Verbrechens überführt werden können. Unterdessen sind sie überzeugt, dass jene Dinge von Satan arzneilich bereitet worden sind und Kräfte erlangt haben, durch die sie wirksam gemacht wurden, um das zu vollbringen, weswegen sie sie darbieten. Außerdem bemühen sie sich oft, auch andere in den Irrtum zu führen, und verloben und übergeben häufig ihre unmündigen Töchter dem Teufel. Solche aber befiehlt Gott durch ein besonderes Gebot zu töten. Hinzu kommt, dass sie, indem sie schmutzige Begierde mit den unreinsten Geistern treiben, die Todesstrafe verdienen. Denn das göttliche Gesetz befiehlt, denjenigen, der sich mit einem Tier vermischt, zusammen mit dem Tier zu verbrennen. Müssten nicht vielmehr diejenigen verbrannt werden, die mit Satan verkehren? Ich schweige davon, dass er sie häufig in der Gestalt eines Hundes oder Bocks zu begatten heißt, sei es, dass er nur deren Gestalt angenommen hat, sei es, dass er diese Tiere befallen und besessen hat.

Da sie also weder durch Wahnsinn noch durch die Krankheit einer verletzten Phantasie noch von Irrsinn ergriffen noch von Dämonen besessen sündigen, sondern wissentlich und willentlich die Verehrung und den Glauben Gottes verleugnen und abschwören, sich dem Teufel, dem Feind des Menschengeschlechts, hingeben und sich dazu verpflichten, den Menschen Schaden zuzufügen und scheußliche Dienste zu leisten, scheinen mir diejenigen Ungeheuer und Feinde Gottes ebenso wie der Natur zu dulden, die sie ertragen.

Furnius: Aber nicht alle begehen all diese Verbrechen; viele werden auch durch Betrug anderer hineingeführt; sehr viele werden von anderen falsch beschuldigt. Dies tut der Dämon, um eine Schlachterei einzurichten, woran er sich außerordentlich freut.

Erastus: Ich zweifle nicht, dass sehr vielen Unrecht geschieht; deshalb ist höchst umsichtig zu verfahren. Anklägern ist nicht zu glauben, da die meisten im Schlaf gesehen haben, was sie als wahr erzählen. Auch darf man auf keine Weise glauben, sie hätten vollbracht, was sie zu können prahlen; und vor allem deshalb dürfen sie nicht bestraft werden. Man muss sehen, auf welche Weise sie, überredet, dorthin gelangt sind, wie lange sie auch im Sinn dabei geblieben sind, was sie getan haben. Diejenigen, die nichts besonders Schändliches verübt haben und eine ausgezeichnete Hoffnung auf Reue bieten, sind klüger und milder zu behandeln. Schließlich muss bewirkt werden, dass Satans Reich zerstört und Gottes Wille vollbracht wird.

Furnius: Wenn die Magistrate dieses Maß gebrauchten, wäre über diese Sache weniger disputiert worden; und ich hätte dir in dieser Sache keine Mühe bereitet.

Erastus: Ich habe freier und ausführlicher gesagt, was ich denke, um zugleich anzuzeigen und zu beweisen, dass Paracelsus, ebenso alle seine Schüler, wie viele auch immer seine magischen Dinge billigen und nachahmen, und andere Magier würdig sind, durch die Strafe des Todes von dieser Gottlosigkeit zurückgerufen und abgeschreckt zu werden.

[9. Über die weissagende Magie und ihre Arten, und auch einiges über die Weissagung]

Furnius: Über die wirkende Magie haben wir hinreichend viel zusammengetragen; nun ist es Zeit, dass wir über die weissagende Magie noch etwas hinzufügen. Wir werden uns hier mit wenigen Worten herausarbeiten können, weil ich bemerkt habe, dass die Grundlagen der künftigen Erörterung schon zuvor gelegt worden sind.

Erastus: So verhält sich die Sache. Auch ich hatte bei mir beschlossen, diesen Teil der Magie, weil er für die Medizin nicht viel austrägt, von Anfang an nur ganz kurz zu berühren. Nekromantie, Skiomantie, Augurium, Auspizium und andere ähnliche Verrücktheiten billigt heute kein Mensch gesunden Sinnes, der auch nur mittelmäßig in der Frömmigkeit unterrichtet ist. Denn alle sehen, dass sie in den Heiligen Schriften so verboten werden, dass allen jede Gelegenheit zum Leugnen abgeschnitten ist. Allein Paracelsus, zusammen mit einigen seiner Schüler, wagt es, sie zu loben, um offen zu zeigen, dass er an Bosheit und Gottlosigkeit niemandem nachsteht, sondern allen überlegen ist.

Es gibt ferner ebenso viele Arten gottloser Weissagungen, wie es Satan gefallen hat, Dinge für diesen Zweck anzupassen. Die einen haben aus Wasser, andere aus Feuer, andere aus den übrigen Elementen geweissagt. Andere haben aus Spiegeln, Sieben, Fingernägeln, Becken und Kristallen diviniert. Andere wollten aus Asche, Nüssen, Bohnen und anderen unzähligen solchen Dingen wahrsagen. Andere haben aus dem Flug, dem Geschrei und dem Verhalten der Vögel, aus der Betrachtung der Eingeweide, aus Namen, Niesen und allem anderen Vorzeichen gedeutet. Andere bemühten sich, aus den Sternen die Zukunft vorherzuspüren. Und wer sollte alle Arten dieser Eitelkeit aufzählen? Denn es gibt kaum irgendeine Sache, die Satan nicht vom natürlichen und rechtmäßigen Gebrauch zu dieser Gottlosigkeit verdreht hätte, zu der er die Menschen besonders geneigt wusste. Denn er erinnert sich trefflich, dass er unseren ersten Eltern diese Wunde beigebracht hat, dass sie Götter sein wollten. Daher kommt es, dass unsere Seelen noch jetzt von großem Verlangen brennen, die Zukunft zu erkennen; dies weiß jener höchst verruchte alte Betrüger sehr wohl als das der Gottheit besonders Eigene.

Furnius: Können jene Arten nicht auf bestimmte Gattungen zurückgeführt werden?

Erastus: Ich habe dies in Nachahmung des Thomas von Aquin in der Verteidigung Savonarolas getan und werde es gleich wiederholen, nachdem ich zuvor dargelegt habe, was Weissagung ist und worum sie sich dreht. Alle Lateiner leiten divinatio von divinum, dem Göttlichen, ab, weil alle stets meinten, die Weissagung enthalte etwas Göttliches. Daher haben die Griechen nach Platons Zeugnis sie μανική genannt, gleichsam μαντική mit eingeschobenem Buchstaben τ, um durch diese Benennung anzuzeigen, dass die Weissagung aus göttlicher Raserei hervorgehe. Gewiss glaubten alle Völker in großer Übereinstimmung, die Weissagung habe etwas an Bewunderungswürdigkeit und Göttlichkeit.

Und auch wenn die Lateiner, die zugestanden, dass es Weissagung gebe, sie verschieden definierten, meinten doch alle dasselbe, nämlich dass sie eine Vorahnung zufälliger Dinge sei. Denn nichts anderes wollte Chrysipp, wenn er bei Cicero sagt, sie sei eine Kraft, die die Zeichen, die den Menschen von den Göttern angezeigt werden, erkenne, sehe und auslege. Auch nichts anderes lehrte der Verfasser der Definitionen, die Platon zugeschrieben werden, ob dieser nun Platon war oder ein anderer, als sie sie definierten als ἐπιστήμην προδηλωτικὴν πράξεως ἀνθρώποις, eine Wissenschaft, die menschliches Handeln im Voraus anzeigt. Denn was anderes heißt es, Dinge ohne Grund zu wissen, als Dinge zu erkennen, die nicht durch Vernunft erkannt werden können? Durch Vernunft und Vorschriften aber lassen sich allein zufällige Dinge nicht erfassen. Dies geht aus den genannten Worten hervor: Nicht die weissagen, die die wahre und sichere Ursache eines zukünftigen Ereignisses verstehen, sondern die, die diese nicht kennen. Es bleibt also dies von allen zugestanden: Weissagung ist die Voraussage zufälliger Dinge.

Denn alle Dinge geschehen entweder notwendig oder zufällig. Bei jenen ist kein Raum für Weissagung. Wer nämlich sollte meinen, jene Vorhersage habe etwas Bewundernswertes, durch die gesagt wird, nach dem Sommer werde der Winter zurückkehren? Die Weissagung ist also mit kontingenten Dingen befasst. In diesen aber sind zwei Dinge enthalten, die höchst verschieden sind: die gemeinsame Natur und die individuellen Eigenschaften. Um beides zugleich dreht sich die Weissagung nicht. Was hätte denn die Vorhersage Göttliches, mit der jemand ankündigte, Hasen würden Häschen gebären, nicht Pferde oder Schafe? Oder wer wird einen Seher für bewundernswert halten, der vorhersagt, aus Pferden würden nicht Hasen oder Schafe, sondern Pferde entstehen? Ebenso verhält es sich mit allem Übrigen. Die gemeinsame Natur nämlich, wie die Menschheit, wird nicht eigentlich erzeugt, sondern durch die Erzeugung der Individuen fortgepflanzt und bewahrt. Zukünftig ist daher nicht das, was gemeinsam ist, sondern das, was besonders ist. Füge hinzu, dass niemand einen Seher befragt, ob eine gebärende Frau einen Menschen gebären werde, sondern man fragt gewöhnlich, ob sie ein männliches oder weibliches Kind, ein starkes und gesundes oder ein schwaches und krankes usw. gebären werde.

Daher ist notwendig, dass wir bekennen: Die Weissagung dreht sich um die Voraussicht kontingenter Dinge, nicht insofern sie an gemeinsamer Natur oder Art teilhaben, sondern insofern sie mit eigenen und individuellen Qualitäten ausgestattet sind, durch die sie von allen anderen Dingen derselben Art unterschieden werden. Deren Vorerkenntnis ist wiederum zweifach. Denn entweder haben sie schon zu sein begonnen und sind schon durch ihre wahren und nächsten Ursachen hervorgebracht zu werden begonnen; oder sie werden nach langer Zeit zukünftig sein, und über die nächste Ursache steht noch nichts Sicheres fest. Wer sagt, dass das, was schon ist und auf irgendeine Weise zu sein begonnen hat, künftig sein werde, weissagt nicht eigentlich und kündigt nichts Zukünftiges an, sondern zeigt an, dass das, was zwar schon ist, wegen seiner Kleinheit aber noch nicht sichtbar ist und daher die Ungebildeten und Unerfahrenen noch verbirgt, bereits begonnen hat. So sagen Ärzte, Seeleute, Bauern, Wucherer, in der Staatsverwaltung erfahrene Männer und andere ähnliche Menschen voraus. Wenn du daher bisweilen liest, solche hätten zu weissagen gepflegt, oder hörst, sie würden Wahrsager genannt, so halte dafür, dass sie uneigentlich so genannt werden. Denn es steht fest, dass diese Klugheit, Tüchtigkeit und Sorgfalt bei den Menschen von Gott nicht verdammt wird, während die Schrift Wahrsager und Weissagung im eigentlichen Sinn völlig und unbedingt verdammt.

Nun siehst du ganz offensichtlich: Weissagung ist die Vorahnung und Voraussage besonderer kontingenter Dinge ohne Kenntnis der nächsten Ursachen, bevor sie zu geschehen und zu sein begonnen haben. Richtig also, knapp und kurz, doch klar und deutlich, wurde sie als Vorankündigung zufälliger Dinge definiert. Denn dass ein Pferd aus einem Pferd, ein Hase aus einem Hasen geboren wird, ist nicht zufällig. Dass aber ein solches Pferd erzeugt wird, nämlich edel, träge, groß, klein, stark, furchtsam, kräftig, schwach usw., dies ist zufällig. Denn es hätte auch nicht als solches erzeugt werden können. Dieselbe Begründung gilt für alle übrigen Dinge. In der Verteidigung Savonarolas habe ich so gezeigt, dass alle zukünftigen besonderen Dinge, insofern sie besondere und zukünftige sind, zufällig sind und so durch Zufall fallen, wenn sie auf unsere Erkenntnis bezogen werden, dass ich mit Recht darauf vertraue, kein gesunder und verständiger Astrologe werde versuchen, dies zu erschüttern.

Was Weissagung ist und worum sie sich dreht, ist gesagt worden; nun wollen wir erforschen, woher sie kommt. Ich sage also kurz: Die zukünftigen Dinge, um die es bei der Weissagung geht und über die wir untereinander sprechen, können auf natürliche Weise und durch uns eingepflanzte Kraft nicht voraus erkannt werden. Dies habe ich in dem kurz zuvor angeführten Buch so gründlich, so klar, so ausführlich gezeigt, dass ein Leser, der nach Wahrheit verlangt, kaum etwas vermissen kann. Gegenwärtig werde ich einiges mit sehr wenigen Worten berühren.

Zukünftige kontingente Dinge, über die unsere Rede geführt wird, können von uns weder durch Sinn noch durch Einbildungskraft noch durch Verstand vorhergespürt werden. Also auf keine Weise. Denn diese drei Werkzeuge des Erkennens besitzen wir. Dass wir sie durch den Sinn nicht erfassen, ist bekannt. Der äußere Sinn erfasst nämlich nur Gegenwärtiges. Zukünftiges aber existiert noch nicht und kann daher die Sinne nicht bewegen. Denn jedes Ding wirkt so, wie es existiert. Dass wir sie auch durch die Einbildungskraft nicht erfassen, ist ebenso bekannt. Denn oben haben wir gelehrt, dass in diese nichts aufgenommen wird, was nicht zuvor im Sinn gewesen ist. Zukünftige Dinge aber konnten nicht in die Sinne fallen. Wenn du meinst, die Kraft der Einbildung könne die von den Sinnen aufgenommenen Arten verschieden zusammensetzen, werde ich dies nicht leugnen; aber ich werde bestreiten, dass diese Zusammensetzung von einer zukünftigen Sache, die noch nicht ist, habe erregt werden können.

Dass die eingebildeten Arten nicht Ursachen dafür sind, dass außerhalb von uns solche Dinge entstehen, wurde schon früher gezeigt und ist an sich offenbar. Denn so würden Dinge entstehen, die Gott und Natur niemals gemacht haben: ein Bockhirsch, eine Chimäre, Schlösser, die in der Luft gegründet sind, die Erzählungen Lukians usw. Denn solches stellen wir uns bisweilen vor. Wenn wir also Zukünftiges voraussehen, erkennen wir es mit dem Geist und durch Schlussfolgerung im Voraus. Unser Geist aber sieht nichts Zukünftiges, dessen Ursache er nicht gegenwärtig hat, und zwar so, dass er weiß, dass sie die Ursache jener künftigen Wirkung ist. Ich kann nämlich das Feuer gegenwärtig sehen und dennoch nicht wissen, ob es irgendeine bestimmte Sache erwärmen wird, bevor ich erkannt habe, dass sie ihm nahegebracht werden soll. Denn es ist zufällig, dass es zu dieser Zeit und an diesem Ort Blei schmelzen wird, bevor dieses ihm zugeführt ist. Uns ist aber gesetzt, dass die Ursachen künftiger Wirkungen von den Wahrsagern nicht erkannt werden, insofern sie Ursachen einer bestimmten Wirkung sind.

Dies ist auch nicht schwer zu zeigen. Denn die Ursache einer zukünftigen und zufälligen Wirkung muss zufällig sein, das heißt, sie muss unbestimmt oder unbegrenzt sein, sodass sie handeln und nicht handeln oder wenigstens nicht auf diese Weise handeln kann. Sobald sie darauf begrenzt ist, eher auf eine Weise als auf eine andere zu handeln, handelt sie tatsächlich das, wozu sie zu handeln bestimmt und festgelegt ist; und wenn sie auf bestimmte Weise handelt, ist sie auch so disponiert. Wenn sie aber so beschaffen ist, handelt sie das, was sie handelt, nicht mehr zufällig, sondern sie kann nicht anders handeln, solange sie keine neue Disposition erwirbt. Füge hinzu, dass sie gemäß der Disposition, die sie hat, sofort notwendig handeln wird und die Handlung nicht auf eine andere Zeit verschieben kann, besonders wenn die Ursache natürlich ist und natürlich handelt.

Ist dies gesetzt, folgt notwendig, dass nichts Zukünftiges vorhergespürt werden kann außer dem, was schon zu sein und zu geschehen begonnen hat. Dessen Vorhersage aber ist keine Weissagung, wie ich erklärt habe. Aus dem Gesagten ist also klar: Zukünftiges, das lange vor seinem Geschehen vorhergesagt wird, wird auf natürliche Weise nicht voraus erkannt. Daher ist notwendig, dass seine Erkenntnis anderswoher oder von außen kommt. Sie kann aber nur von Gott oder von guten oder bösen Engeln kommen. Wenn sie von Gott oder von Engeln als Dienern Gottes ausgeht, denn auch diese kennen die Zukunft nicht, wenn sie ihnen nicht von Gott offenbart wird, wird sie bei den Christen Prophetie genannt. Diese wurde von den Heiden Weissagung genannt, weil sie meinten, die Dämonen seien Götter. Wir müssen die Zweideutigkeit vermeiden und lieber mit der Schrift sprechen, die sie meist Prophetie nennt. Diese ist immer und allein wahr, weil Gott allein Zukünftiges kennt.

Wenn sie von bösen Engeln ausgeht, wird sie eigentlich Weissagung genannt, und sie ist immer falsch und lügnerisch. Wenn nämlich bisweilen etwas eintritt, war es entweder nicht wirklich zukünftig, sondern hatte schon begonnen; oder sie selbst hatten beschlossen, es zu tun; oder sie erkannten es, weil Gott es offenbarte, Deuteronomium 13; oder es traf zufällig ein. Und daher kommt es, dass der Name eines Weissagenden oder Wahrsagers in der ganzen Heiligen Schrift, wenn du nicht Jesaja 3 ausnehmen willst, im schlechten Sinn gebraucht wird; dies hat Hieronymus beobachtet. Denn für die Schrift heißt Weissagen, zu versuchen, Zukünftiges aus Dingen vorherzusagen, die von Gott nicht dazu bestimmt sind, oder auf nicht gehörige Weise. Im Übrigen wird das, was durch göttlichen Hauch vorhergesagt wird, durch keine Kunst voraus erkannt, sondern von Gott eingegeben. Daher wird Prophetie nicht in kunstmäßige und kunstlose geteilt, wie die Weissagung. Satan wollte nämlich Gott nachahmen und gab deshalb mit seinem Hauch einigen falsche oder zweideutige Antworten ein.

Furnius: Wie kommt es, dass er weissagende Künste eingeführt hat, wenn er wusste, dass Gott es verboten hatte?

Erastus: Er hatte zweifellos sehr viele Gründe für seinen Plan; unter ihnen sei auch dieser: dass er sah, er werde so den göttlichen Namen, nach dem er auf alle Weisen strebte, leichter behalten. Da er sich nämlich seiner Unwissenheit bewusst war und erkannte, dass er nicht als Gott verehrt werden würde, wenn er als unwissend in künftigen Dingen ertappt worden wäre, ersann er so viele und so verschiedene Künste, damit er, wenn er bei der Vorhersage täuschte, eine wahrscheinliche Entschuldigung bereit hätte: Der Künstler oder Ausleger der vorgelegten Zeichen habe geirrt. Denn der scharfsinnigste Geist sah sehr wohl, dass diese Meinung von Gott den Seelen der Sterblichen so eingepflanzt ist, dass Gott nämlich Zukünftiges bekannt ist, dass er offenbar vergeblich versuchen würde, sie aus den Seelen aller herauszureißen. Dennoch riss er sie aus den Geistern vieler heraus, indem er Epikureern und anderen Atheisten einredete, es gebe entweder keine Götter oder sie lenkten unsere Dinge nicht oder verstünden sie nicht. Denen, denen er dies nicht einprägen konnte, verwirrte er durch das entgegengesetzte Verfahren: Er erhob sich selbst für Gott und bot beinahe unzählige Weisen des Weissagens dar.

Also ist die Weissagung im eigentlichen Sinn insgesamt ein Werk des Teufels, der entweder durch offenkundigen Hauch und ohne Kunst Antworten eingibt oder irgendeine Kunst gebraucht. Dies hat Cyprian in Über die Nichtigkeit der Götzen treffend und kurz ausgedrückt, wo er, nachdem er vieles über Augurien und Haruspizien disputiert hat, dies hinzufügt: „Diese bösen Geister hauchen durch ihren Hauch die Brüste der Seher an, beleben die Fasern der Eingeweide, lenken den Flug der Vögel, regieren Lose, bewirken Orakel, vermischen immer Falsches mit Wahrem. Denn sie werden getäuscht und täuschen, verwirren das Leben, beunruhigen die Träume, schleichen sich auch in Körper ein, erschrecken die verborgenen Bereiche des Geistes, verdrehen die Glieder, brechen die Gesundheit, reizen Krankheiten, um zu ihrer Verehrung zu zwingen.“ Und bald darauf: „Dies ist die Heilung von ihnen, wenn ihr Unrecht aufhört. Auch haben sie kein anderes Streben, als die Menschen von Gott abzubringen und vom Verständnis der wahren Religion zur Verehrung ihrer selbst abzuwenden; und da sie selbst der Strafe verfallen sind, suchen sie sich Gefährten zur Strafe, die sie durch Irrtum zu Teilhabern ihres Verbrechens gemacht haben.“ Dies Cyprian.

Im Übrigen gibt es eine zweifache Weise der weissagenden Künste. Einige enthalten nämlich einen ausdrücklichen Vertrag mit den Dämonen und deren Anrufung, Beschwörung und gleichsam Nötigung, wie Nekromantie, Skiomantie und alle anderen, die einen Dämon in Wasser, Spiegel, Kristalle, Ringe und andere Dinge herbeirufen oder den schon zuvor Anwesenden befragen. Andere enthalten einen verborgeneren Vertrag; von ihnen gibt es zwei Klassen. In der einen umfassen wir Künste, die Bewegungen und Dispositionen natürlicher Dinge betrachten, um aus ihnen die Zukunft zu erschließen. In dieser Ordnung stehen Astrologie, Augurium, Auspizium, Haruspizium, Chiromantie und sehr viele andere. In die andere stellen wir jene Künste, die sich selbst die Zeichen, aus denen sie wahrsagen, herstellen und sie nicht von der Natur empfangen. Von dieser Art ist die Geomantie, die aus Punkten wahrsagt, Zeichnungen von Figuren in Asche und an anderen Orten, die Herstellung von Röllchen, das Eingießen geschmolzenen Bleis in Kaltes und sehr viele andere. Du wirst auch solche finden, die an beiden Gattungen teilhaben, indem sie teils sich selbst Zeichen bereiten, teils sie von den Dingen selbst als Anzeigen der Zukunft empfangen. Auf diese fünf Gattungen wird jede Weise des Weissagens zurückgeführt werden können. Und da alle auf einem offenen oder stillschweigenden Vertrag beruhen, ist es nicht nötig, sie im Einzelnen zu widerlegen, weil Gott befohlen hat, dass sie alle verabscheuungswürdig und todeswürdig sind.

Furnius: Was, wenn jemand bestreitet, dass alle auf einem gottlosen Vertrag beruhen?

Erastus: Du wirst finden, dass dies in unserer Verteidigung gegen Stathmion hervorragend gezeigt worden ist; und es ist nicht zweckmäßig, jene Dinge hierher zu übertragen. Daher werde ich mich hier mit wenigen Worten befreien. Weissagung galt bei allen Völkern stets als eine großartige, göttliche und bewundernswerte Sache. In der Tat schrieben alle gelehrten Philosophen, wie viele auch immer Weissagung zugestanden, sie ihren Göttern zu. Dies steht aus Platon und allen Platonikern fest. Gewiss lehrte Platon offen, dass alle Weissagung von Gott durch die als Mittler auftretenden Dämonen zu uns herabgebracht werde. Die Platoniker aber leugneten zwar mit ihrem Lehrer die Künste des Weissagens nicht, wiesen diesen jedoch kein anderes Amt zu, als dass sie sagten, durch die Vorschriften gelinge es, die von Gott vorgelegten Zeichen künftiger Dinge recht und geschickt auszulegen. Sie meinten daher, Zukünftiges habe nicht vorhergesehen werden können, wenn nicht die Götter es den Sehern durch gewisse Zeichen vorgezeigt hätten. Sie glaubten nämlich, Vögel würden wie Boten und Ausleger der Götter von denselben hierhin und dorthin getrieben, durch göttlichen Befehl sich auf dieser oder jener Seite verbergen, von rechts oder links singen, eingeschlossene Hühner aus dem Käfig heraus den Brocken angreifen oder, herausgelassen, nicht berühren und durch Scharren auf der Erde das tripudium solistimum anzeigen. Was ich beispielshalber von diesen sage, muss von allem anderen verstanden werden.

Da dies bei Platon und seinen Anhängern sehr bekannt ist, will ich mit einem einzigen Zeugnis des Jamblichos aus dem Buch Über die Mysterien der Ägypter, statt vieler, schließen. „Die Weissagung“, sagt er, „wird weder von Kunst noch von Natur noch durch natürliche oder tierische Gründe oder Bewegungen bewirkt; sie geschieht auch auf keine Weise; vielmehr ist beides ewig und göttlich bis zu uns gesandt; und die ganze voraussagende Macht wird auf die Götter zurückgeführt; und die ganze Autorität dieser Sache besteht in ihnen und wird von dort überliefert und durch göttliche Werke und Zeichen vollendet.“ Ebenso: „Die Weissagungen muss man von den Göttern herleiten, die in sich die Grenzen der ganzen Wissenschaft der Dinge enthalten, nicht von Dingen, die keinerlei Vorwissen in sich haben.“

Von den Peripatetikern würde ich vergeblich etwas sagen, da feststeht, dass sie einen anderen Weg des Philosophierens eingeschlagen haben. Die Summe ist: Kein Volk war so roh und barbarisch, keines wiederum so menschlich und gebildet, sofern es nur etwas Urteil hatte und irgendeine Empfindung von Gott bewahrte, dass es nicht geglaubt hätte, die Voranzeige zukünftiger Dinge gehe von den Göttern aus. Alle, sage ich, meinten, sie werde den Sehern göttlich vorausbezeichnet und diese hätten etwas Größeres als die übrigen Sterblichen.

Dies stimmt mit den hochheiligen Schriften überein, die beständig dem einen und alleinigen Gott die Fähigkeit zuschreiben, Zukünftiges zu erkennen. In der Tat drängt Gott durch Jesaja, von Kapitel 41 bis 49, unter anderen Argumenten, mit denen er beweist, dass er allein Gott sei, ernst und nachdrücklich auf dieses: dass er allein Vorwissen der Zukunft habe und allein vorankündigen könne. Weil ich dies in meiner Verteidigung aus den heiligen Schriften ausführlich erklärt habe, übergehe ich es hier gern. An dieser Stelle genügt es angezeigt zu haben, dass niemand, wie gelehrt oder ungelehrt er auch sein mochte, meinte, Weissagung sei nicht von größerer Kraft, als es der menschliche Geist ist. Zwar räumten alle ein, dass dieser geeignet sei, durch göttliche Eingebung oder durch Anstoß der Intelligenzen oder durch Hauch der Dämonen vorauszusehen; dass er aber aus seiner Natur allein so viel vermöge, glaubte niemand, der nicht wahnsinnig war. Deshalb meinten sie nicht, dass diejenigen weissagten, die notwendig eintretende Dinge vorhersagten, sofern sie nur erkannt hatten, dass sie solcher Art sind. Wer bewundert denn den, der ankündigt, nach dem Winter werde wieder der Sommer folgen? Darüber wird kein Unkundiger einen Zeichendeuter befragen. Dies wird er fragen: ob der kommende Sommer fruchtbarer als gewöhnlich, unfruchtbar, wärmer, kälter, gesünder, krankheitsreicher usw. sein werde.

Furnius: Paracelsus dachte nicht anders im Buch Über die Lunatischen. „Kein Sterblicher“, sagt er, „vermag die Eigenschaften der Sterne vollkommen zu erkennen, oder nur schwer. Dass nach dem Winter der Sommer kommen wird, wissen wir; aber wie beschaffen er sein wird, wissen wir nicht.“

Erastus: Das ist richtig; aber er fügte eine törichte und gottlose Ursache hinzu, nämlich dass ein altes Weib in einer Stunde aus einem fruchtbaren Sommer einen unfruchtbaren machen könne. Wer sollte außerdem meinen, jener habe etwas Göttliches an sich, der sagt, in diesem Jahr würden Hunde Hundegeburten hervorbringen, nicht Katzen oder Hasen; ebenso würden Birnbäume Birnen hervorbringen, nicht Trauben; die Weinstöcke dagegen Trauben, nicht Äpfel?

Furnius: Ich erinnere mich, dass jemand in einem veröffentlichten Prognostikon die jährlichen Weissagungen der Astrologen so verspottet hat.

Erastus: Ja, nicht einmal jene Ankündigung besitzt besondere Bewundernswürdigkeit, durch die Dinge, die den Anfang ihres Aktes genommen haben und bereits als seiend erkannt sind, Unkundigen als künftig angezeigt werden. Dies bekräftigt auch Jamblichos am Ende des genannten Buches: „Wenn in uns irgendeine natürliche Vorahnung ist“, sagt er, „wie bei manchen Tieren eine Vorahnung von Erdbeben, Stürmen und Kälte, so hat diese Vorahnung nichts Bewundernswertes. Denn sie geschieht wegen der Schärfe der Sinne oder weil sie dadurch etwas erleiden.“ Aber auch jene Vorerkenntnis scheint nicht besonders ehrwürdig, durch die jemand mittels Schlussfolgerung aus der Beobachtung von Zeichen, die bestimmten Wirkungen vorausgehen, vorhersagt, etwa aus Zusammenziehung der Pulse und Schüttelfrost, dass ein Fieber folgen werde. Allein die göttliche Weissagung macht uns bewundernswert und göttlich.

Furnius: Sind nicht Ärzte, die scharfsinnig voraus erkennen, für bewundernswert gehalten worden? Gewiss bestätigt Galen mehrmals, dass er wegen medizinischer Vorhersagen für einen Seher gehalten worden sei; und er meinte, ihm sei dadurch großes Unrecht widerfahren, dass man urteilte, er habe die Ausgänge der Krankheiten eher aus einer weissagenden Kunst als aus den Vorschriften und Regeln der Medizin vorhergesagt.

Erastus: Höchsten Lobes würdig sind diejenigen, die in ihrer Kunst die übrigen übertreffen. Dass er zu weissagen schien, geschah daher, dass die Ärzte jener Zeit nicht wussten, dass man durch Kunst vorhersehen könne, was er den Kranken vorhersagte. Er selbst aber bestreitet beständig, dass er nach Art eines Sehers oder Wahrsagers irgendetwas vorhergesagt habe; ja, er behauptet ausdrücklich, er habe nie gehört, dass die römischen Seher Wahres über Kranke vorausgesagt hätten, während er selbst beim Vorhersagen nie geirrt habe.

Dass er bestreitet, ein Wahrsager zu sein, tut er deshalb, weil in allen Zeiten bei den Gelehrten dies zugestanden war: Weissagung dreht sich allein um das, was weder durch Natur noch durch Kunst noch durch Erfahrung und Mutmaßung verstanden werden kann; und dies wird eigentlich zukünftig genannt. Denn jene Dinge sind schon oder besitzen wenigstens irgendeinen Anfang ihrer Entstehung und werden daher von einer bestimmten und festgelegten Ursache bereits tatsächlich hervorgebracht. Deshalb werden sie entweder in ihren Ursachen oder in sich selbst erkannt, nicht insofern sie zukünftig sind, sondern insofern sie gegenwärtig sind. Wenn jemand, der solches ausspricht und kennt, richtig und eigentlich zukünftige Dinge vorherzusagen und vorauszuwissen hieße, würde die Schrift nicht sagen, dass dies allein Gottes sei. Auch würden nicht alle Theologen aus den heiligen Schriften bestätigen, dass allein der unsterbliche Gott Zukünftiges erkenne. Denn Menschen sehen sehr vieles von solchen Dingen voraus, und Dämonen kennen weit mehr als diese. Die heilige Schrift aber lehrt, prägt ein, wiederholt und betont, wie alle Theologen übereinstimmend bezeugen, offen, dass Dämonen die Zukunft nicht kennen. Daraus ist klarer als das Mittagslicht: Die Weissagung dreht sich nicht um das, was schon als im Werden erkannt ist, sondern um das, was wirklich zukünftig ist und noch nicht zu sein begonnen hat. Daher wird sie von einigen Theologen treffend definiert als Schau dessen, was der gemeinsamen Erkenntnis der Sterblichen fern ist.

So wollen wir diese Sache also zusammenfassen: Weissagung ist Vorahnung künftiger Dinge. Zukünftige Dinge aber sind Einzeldinge. Denn was entsteht und vergeht, ist ein Einzelding. Ferner ist jedes Einzelding, insofern es Einzelding ist und nicht insofern es an der Natur der Art teilhat, zufällig; wie ich teils eben erklärt, teils an der schon angeführten Stelle ausführlich gezeigt habe. Es steht aber nach der Meinung aller Menschen fest, dass durch Kunst und Vernunft nicht vorausgesehen werden kann, was durch keine Kunst, Wissenschaft und Vernunft erfasst werden kann, sondern durch blinden Zufall und zufällig so fällt. Alles aber, was entsteht, obwohl es zuvor nicht war, all dies, insofern es entsteht, denn es entsteht nicht insofern es an gemeinsamer Natur teilhat, oder wenigstens will niemand es voraus erkennen, insofern es so entsteht, kann durch keine Kunst, Wissenschaft und Vernunft erfasst werden und geschieht deshalb zufällig. Daher kann es durch keine Kunst und Vernunft voraus erkannt werden. So übersteigt das, was weder durch Kunst noch durch Vernunft verstanden werden kann, die Kräfte des menschlichen Geistes. Zukünftige Dinge also, insofern sie zukünftig sind, können vom menschlichen Geist nicht vorausgespürt werden.

Wenn sie nun von niemandem durch Kräfte der Natur vorausgewusst werden können, müssen diejenigen, die sich ihre Vorerkenntnis anmaßen, ihre Kenntnis anderswoher empfangen. Sie empfangen sie aber nicht von Gott und seinen heiligen Engeln. Denn Gott offenbart Zukünftiges nicht durch Künste. Deshalb werden sie von Dämonen eingegeben. Sie geben sie aber denen ein, die jene Künste lernen und ausüben, wegen des Vertrags, den sie mit einigen eingegangen sind, als sie diesen solche Künste von Anfang an übergaben. Auch wenn daher diejenigen, die sie jetzt lernen, den Vertrag vielleicht nicht kennen, steht doch fest, dass ein stillschweigender Vertrag dazwischentritt, besonders wenn es ihnen geschieht, bisweilen das Ziel zu treffen. Denn da das, was jene Künste zu tun befehlen, durch sich keine Kraft und Macht hat, Verborgenes zu offenbaren, ist es schlechthin notwendig, dass irgendein Dämon es offenbart hat, und zwar wegen des dazwischentretenden Vertrags.

Furnius: Wenn Dämonen die Zukunft nicht wissen, wie offenbaren sie sie anderen?

Erastus: Gott offenbart ihnen bisweilen nach seinem gerechten Gericht etwas oder lässt sie vollbringen, was sie wünschen, um so die Abergläubischen zu bestrafen, die lieber dem Teufel und der Lüge anhängen als Gott und der Wahrheit. Außerdem weiß er vieles, was Menschen nicht wissen, und sieht sehr vieles, bevor andere es sehen, wegen der Schärfe seines Geistes und der bewundernswerten Feinheit seines Urteils. Dies vermehren und schärfen seine Gedanken, die unendliche Erfahrung so vieler Jahrhunderte, die Beweglichkeit und Schnelligkeit seiner Substanz und die unzählige Menge seiner Genossen, die einander von allen Orten alles melden. Vieles erschließen sie auch aus den Schriften, vieles aus Worten und Taten der Menschen; und nicht selten sehen sie auch Gottes Pläne wenigstens dunkel, wenn Gott es zulässt, von ferne.

Furnius: Hier vermisse ich nichts weiter; aber dass die Astrologie von dir unter die verbotenen Künste gezählt wird, wundert mich sehr.

Erastus: Bevor wir über diese Sache disputieren, möchte ich von dir hören, was jener profane Dunkelmann, dein Paracelsus, über das Vorwissen der Zukunft dachte.

Furnius: Gewiss, als ich seine Schriften zuerst las, richtete ich meine Aufmerksamkeit nicht hierauf, bevor ich von dir gemahnt begann, es zu beobachten, sondern ich suchte nur Medizinisches. Später bemerkte ich, dass er vieles unbedacht behauptet, wie wenn er im Paragranum das Augurium offen billigt, das Gott mit deutlichen und ausdrücklichen Worten verdammt. Ebendort sagt er, Prophetie und Wunderzeichen entstünden vom Himmel, weil dieser Kriege, Krankheiten usw. sowohl bewirke als auch anzeige. In der Schrift an die Athener leitet er die Prophetie von den Evestra und der großen Turba her, die, wie er fälschlich schreibt, von den Alten als Gott verehrt worden sei. In den Praesagia behauptet er, Dämonen wüssten alles, was Menschen und Natur bis zum Ende tun würden. In diesem Sinn führt er vieles andere an, das aufzuzählen nicht nötig ist. Denn ich habe nun reichlich erkannt, dass er von der Frömmigkeit abweicht.

Erastus: Wenn es diesem Tier nicht verhängnisvoll eigen wäre, sich selbst zu widersprechen, würde ich oft versuchen, ihn zu entschuldigen. In den Praesagia schreibt er, der Mensch wisse aus sich selbst nichts Zukünftiges und sei nicht geschaffen, um dies zu erkennen oder zu erforschen, während er anderswo völlig Verschiedenes sagt. Er billigt und lobt alle eitelsten Künste des Weissagens, die nicht einmal Heiden, die noch etwas Verstand haben, jemals gebilligt haben: Geomantie, Pyromantie und andere ähnliche. Ich schweige nämlich davon, dass er Nekromantie und ähnliche lästerliche und gegen Gott schmähende Künste wunderbar lobt, weil wir darüber oben gesprochen haben.

Nun will ich mit einem einzigen Wort, am Beispiel der Geomantie, alle widerlegen. Wenn aus Punkten gebildete Figuren die Zukunft vorzeigen, tun sie dies entweder natürlich oder künstlich. Auf keine von beiden Weisen können sie es. Daher können sie sie auch nicht anzeigen, da sich keine andere erlaubte Weise ersinnen lässt. Künstlich können sie es auf keine Weise, weil sie keine Kunst besitzen. Aber auch nicht künstlich in dem Sinn, in dem Zenon die Natur ein künstliches Feuer nannte. Denn künstliche Figuren sind etwas Mathematisches und entbehren aller Wirkungskräfte. Wenn man ihnen auch gern eine Wirkung zuschreiben wollte, könnte doch keine andere zuerkannt werden als die, die aus der Kunst hervorgeht. Keine Kunst aber kann natürliche Dinge hervorbringen. Figuren von Künstlern, etwa von Malern und Bildhauern, können zwar gewisse natürliche Dinge darstellen, aber nicht so, dass daraus eine Mutmaßung über Zukünftiges entnommen würde. Daher zeigen sie nicht künstlich im Voraus an, was natürlich geschehen wird. Sicher ist, dass weder eine künstliche noch eine natürliche Wirkung vorzüglicher und edler ist als ihre Ursache. Daher wird auch eine künstliche Figur nicht vorzüglicher sein als der Künstler oder die Kunst, von der sie hergestellt wurde. Solche Figuren aber entwerfen meist Unkundige und rohe Männlein. Daher können sie nicht mehr als der Mensch, dessen gewisse Wirkungen sie sind.

Dass sie auch nicht natürlich voranzeigen, geht daraus hervor, dass sie keine andere Natur haben als eine künstliche Anordnung. Sodann: Was Zukünftiges natürlich offenbart, ist entweder Ursache dieses Zukünftigen oder Wirkung oder eine Hervorbringung derselben Ursache, von der das bezeichnete Zukünftige ausgeht. Dass Figuren aber keine Ursachen zukünftiger Dinge sind, ist aus dem Gesagten klar. Dass sie keine Wirkungen sind, ist an sich offensichtlich. Denn was zukünftig ist, existiert noch nicht. Was noch nicht existiert, wie sollte es etwas anderes bezeichnen oder bewirken können? Dies wäre gerade so, als würden wir sagen, der Sohn existiere, obwohl der Vater noch nicht geboren ist. Dass sie auch keine Nachkommen derselben Ursache sind, von der die zukünftigen Dinge hervorgebracht werden, ist offensichtlich. Denn die Figuren macht ein Mensch, der die von ihnen bezeichneten Dinge auf keine Weise bewirken kann. Daher können aus Punkten zusammengesetzte Figuren Zukünftiges weder natürlich bewirken noch bezeichnen. Wenn sie also über ihre Natur hinaus ihr Amt als Vorzeichen ausüben, erlangen sie diese Fähigkeit anderswoher; das heißt, sie sind auf andere Weise Zeichen zukünftiger Dinge, da sie weder Ursachen noch Wirkungen sein oder werden können. Von Gott aber und den guten Engeln, die nirgends von Gottes Willen abweichen, stammen sie nicht. Also sind sie Sakramente oder Geheimzeichen oder gewisse stille Zeichen verdammter Geister. Was ich von diesen Figuren sage, muss von allen anderen Dingen verstanden werden, aus denen Menschen zu weissagen suchen, da die Begründung für alle gleich ist.

Furnius: Ich zweifle nicht, dass dies wahr von jenen Künsten gesagt wird, die zur Vorahnung der Zukunft Dinge gebrauchen, die diese nicht anzeigen können. Wie aber dasselbe von der Astrologie gesagt werden kann, sehe ich nicht. Denn die Himmelsgestirne verändern, bewirken und verwandeln die Dinge der sublunaren Welt offenkundig.

Erastus: Ennius jedenfalls trennt die Astrologie, wie alle anderen, die Einsicht hatten, nicht von den übrigen Künsten des Weissagens; und seine Verse hier anzuführen, gefällt mir, weil sie elegant sind: „Nicht Dorfschauer, nicht Astrologen vom Zirkus, nicht isische Deuter, nicht Traumdeuter. Denn diese sind nicht durch Wissenschaft oder Kunst göttlich, sondern abergläubische Seher und unverschämte Wahrsager, entweder träge oder wahnsinnig oder solche, denen die Not gebietet. Die sich selbst den Weg nicht weisen, zeigen einem anderen die Straße. Denen, denen sie Reichtümer versprechen, von denen erbitten sie selbst eine Drachme.“

Doch zur Sache. Wenn die weissagende Astrologie so weissagte, wie Ärzte, Seeleute und Bauern manches vorhersagen, könnte sie mit ihren Professoren ertragen werden. Da sie aber mit der Voraussicht dessen prahlen, was nach vielen Jahren eintreten soll, machen sie sich unerträglich. Denn dies ist, wie oben offenbar wurde, allein Gottes Amt. Und gewiss sind sie überaus ungerecht, um nicht zu sagen Gotteslästerer, wenn sie sagen, sie könnten durch Kunst viele Jahre zuvor erkennen, was alle gelehrten Menschen aller Völker und Zeiten ihren Göttern zugeschrieben haben. Viel niedriger also, schändlich zu sagen, denken in diesem Teil manche Christen vom wahren Gott, als die klügeren Heiden von ihren Göttern, das heißt von den Teufeln, gedacht haben.

Ich weiß außerdem, dass diese Vorzeichendeutung aus dem Himmel umso verruchter und Gott verhasster ist, je schädlicher sie gegenüber den anderen Wahrsagereien ist. Denn sie ist die Grundlage beinahe aller Aberglauben und magischen Künste geworden, sodass sie mit Recht deren Schlüssel genannt wurde. Die Alten meinten, Vögel würden von den Göttern bewegt, Eingeweide unter einer bestimmten Ordnung dargestellt, die Hände der Geomanten und anderer solcher Wahrsager bewegt; das spätere Zeitalter schrieb all dies den Gestirnen zu, wie man aus Albertus, dem Conciliator, Pomponazzi und anderen erkennen kann. Gewiss schrieben die Platoniker den Sternen vieles zu, doch gaben sie keineswegs an, in ihnen fänden sich so große Kräfte, wie unsere Astrologen zu finden glauben; das kann sehr leicht aus Platon, Plotin, Jamblichos und Porphyrios bewiesen werden.

Oben habe ich gelehrt, welche Kraft die Himmel auf unsere Dinge haben. Ich hatte beschlossen, an dieser Stelle ausführlicher zu erklären, was ich nach deinem Willen an anderer Stelle hinreichend deutlich erläutert habe. Die Summe ist: Wie die Himmel durch ihre Umfassung alle Körper enthalten, so lenken sie alles durch ihre Qualität und Kraft. Sie flößen diesen Dingen zu einer Zeit allen dieselben Kräfte ein, keinem teilen sie besondere mit. So forderte es die Natur der Dinge, dass Einzeldinge von einzelnen Ursachen hervorgebracht würden, damit die Ursache immer der Wirkung entspräche. Denn eine einzelne Wirkung entsteht aus einer einzelnen Ursache und eine gemeinsame aus einer gemeinsamen, wie Aristoteles im zweiten Buch der Physik, Kapitel 3, höchst gelehrt lehrte; seine Lehre und seinen Geist werden die Paracelsisten verachten können, erreichen aber konnte ihn nie einer. Im Übrigen ist an sich bekannt, dass in dieser Welt nichts anderes entsteht und vergeht als Einzeldinge. Daraus folgt, dass alles, was hier entsteht und untergeht, von besonderen Ursachen entsteht, vom Himmel aber nichts, wenn nicht mit den Kräften des Himmels eine besondere Ursache zusammentritt. Wie dies demjenigen, der in den ersten Grundsätzen der Philosophie bewandert ist, sehr bekannt ist, so ist es den Paracelsisten unbekannter als selbst Indien.

Dasselbe lehren die Heiligen Schriften vortrefflich, indem Gott, der Beste und Größte, den Gestirnen keine andere Kraft zuschreibt als die des Lichtes und der Wärme; durch sie werden Nächte und Tage unterschieden und die Zeiten des ganzen Jahres gegliedert. Ja, um der Raserei der Astrologen vorzubeugen, hat Gott die Pflanzen und alles, was die Erde aus sich hervorbringen kann, vor der Erschaffung der Gestirne geschaffen. Tiere, die ohne Samen nicht entstehen können, hat er zwar nach den Gestirnen geschaffen, aber er befahl nicht, dass sie von den Gestirnen mit eigenen Kräften ausgezeichnet würden, sondern er selbst pflanzte den einzelnen Arten diejenigen ein, die er wollte. Was aus Fäulnis hervorgeht, hat in diesem Teil den Rang der Pflanzen.

Kurz will ich sagen: Gott hat dem Himmel nicht das Amt zugewiesen, etwas zu erschaffen oder geschaffenen Dingen Kräfte zu verleihen, sondern nur dies vorgeschrieben: dass er durch seine Bewegung, sein Licht und seine Wärme Tag und Nacht und das Jahr in seine Zeiten teile. Diesem folgte Aristoteles, und alle, die ohne Aberglauben philosophierten, ahmten es richtig nach. Welche Torheit und welcher Wahnsinn ist es also, zu meinen, die allen Dingen unter dem Mond gemeinsame Ursache spucke besondere Fähigkeiten in die einzelnen Dinge aus?

Furnius: Dennoch beweisen sehr viele Dinge dies offenkundig, was auch immer dagegen gesagt werde: etwa das Fleisch der Krebse und die Meeresgezeiten, um vom Übrigen jetzt zu schweigen.

Erastus: Dass eine andere Beschaffenheit der Luft den einen Dingen mehr, den anderen weniger angemessen ist, bezweifelt niemand. Denn es gibt Tiere, die im Winter, andere, die im Sommer, wieder andere, die zu anderen Zeiten mehr Kraft haben und gedeihen. So werden Krebse fett, teils weil ihnen das Licht des Mondes zuträglicher ist als das Licht der Sonne, teils weil sie zu jener Zeit reichlichere Nahrung aufnehmen. Dies haben wir bestritten: dass der Mond den Krebsen andere Kräfte gebe als irgendwelchen anderen Dingen. Wenn andere Dinge so nicht reichlichere Trockenheit aufnehmen wie jene, so ist dies nicht dem Mond zuzuschreiben, sondern der eigenen Natur: aufgrund dieser empfängt jedes Einzelne die himmlischen Kräfte so, wie es geeignet ist, sie zu empfangen.

Ähnlich verhält es sich mit der Meeresflut. Denn einige Meere fluten nicht deshalb, weil sie vom Mond eine Kraft empfangen, die andere Dinge nicht empfangen, sondern obwohl alle übrigen Dinge dasselbe empfangen, werden doch nicht alle in gleicher Weise bewegt, weil nämlich ihre Naturen verschieden sind. Es bleibt also immer dies bestehen: Die Himmelskörper bewegen mit ihrer einen Fähigkeit in jedem Augenblick alle Dinge so, wie die einzelnen Dinge bewegt zu werden geeignet sind. Daher sind sie allgemeine und gemeinsame Ursachen, nicht besondere und eigene.

Was ist damit, dass nicht alle Meere auf dieselbe Weise ansteigen und zurückweichen? Denn manche fluten zu einer anderen Zeit, manche überhaupt nicht. Einige haben mir erzählt, dieser Unterschied bestehe zwischen dem Hamburger und dem Lübecker Meer, also zwischen Ozean und Ostsee, von denen jenes flutet, dieses nicht, obwohl sie nur durch Holstein getrennt sind. Entweder gibt also der Himmel den Meeren diese Bewegung nicht, oder er gibt sie nicht allen auf dieselbe Weise und auch nicht ihnen allein; vielmehr werden die Meere bewegt, wie sie bewegt zu werden geeignet sind, und andere Dinge ebenso. Folglich bleibt auch diese Kraft des Mondes oder des Himmels eine allgemeine Kraft, die alle Dinge so bewegt, wie die einzelnen ihrer Natur nach bewegt werden können.

Wenn du mehr über die Eitelkeit und Gottlosigkeit der Astrologie hören möchtest, lies sowohl unsere Verteidigung als auch die höchst gelehrten Bücher des Giovanni Pico della Mirandola. Ich will zugrunde gehen, wenn nicht all jene würdig sind, zu den Schülern des Paracelsus gezählt zu werden, die es wagen, diese Bücher zu verachten.

[10. Über die Macht und Wirksamkeit des Himmels und der Gestirne] =

Furnius: Ich habe von dieser Kunst niemals groß gedacht, weil ich bemerkt habe, dass sie von den Philosophen verspottet, von den Theologen verworfen, von den Heiligen Schriften verflucht, von den Kaisern verdammt und von allen Verständigen vernachlässigt wurde. Auch unser Theophrast tadelt sie oft und hat sie, wie es scheint, niemals vollständig gelernt. Denn er empfiehlt eine andere Astrologie als die griechische oder ptolemäische. Gewiss droht er im Paragranum, die Astronomie und die Kunst der Kalender seien zu verwerfen. „Die Sterne des Himmels“, schreibt er ebendort, „prägen sich dem Menschen nicht ein, sondern Gott hat die Sterne des Menschen gemacht, damit sie die himmlischen nachahmen.“ Anderswo bestreitet er, dass Vernunft und Klugheit, die der Himmel in uns regiere, von Gott ausgehen; denn die von Gott geschaffene Vernunft sei nicht dem Himmel unterworfen, sondern herrsche über ihn. Ich erinnere mich auch, dass ich oben eine Stelle aus dem Buch Über die Narren zitiert habe, in der er sie für unsicher und unerfasslich erklärt. Ebenso im Buch Über die Lunatischen: „Aus diesen Dingen“, sagt er, „steht die Falschheit der Astrologie und derer fest, die aus der Geburtsstellung urteilen.“ In den Praesagia bestreitet er, dass die Laster den Sternen zuzuschreiben seien. „Hat sich nicht der Teufel scharfsinnig in die Astronomie eingeschlichen, damit er sich anstelle der Sterne anbiete und die Urteile auf ihm selbst gegründet würden? So listig weiß er sich zu verbergen, dass er bis jetzt in höchstem Ansehen stand: Den Weisen hat er so verborgen eingegeben, dass sie es dem Himmel, den Häusern, Aspekten und Konjunktionen zuschrieben.“ Dies, sage ich, und Ähnliches beweist, dass er der Astrologie nicht so viel zuschreibt, wie die meisten meinen.

Erastus: Wenn er bei dieser Auffassung geblieben wäre, würden wir ihn loben. Aber ich sage dir: Es gibt bei ihm kaum irgendeinen Satz, dem er nicht schändlich und unverschämt widersprochen hätte. In der vorliegenden Sache werde ich es durch einige vorgebrachte Stellen zeigen, damit du verstehst, dass man ihm in keiner Sache glauben darf, da er sich selbst überall in allem auf höchst ruchlose Weise der Lüge bezichtigt.

Gewiss baut er in demselben Buch die Astrologie völlig auf, nur behauptet er, bei den Sternen seien Geister, die sich dem Geborenen als Begleiter anschlössen und ihn führten, wohin sie wollten. Daher müsse der Astrologe diese Geister und die Figur der Geburt verbinden, um richtig zu weissagen. Er scheint die verabscheuungswürdigen Erdichtungen des Jamblichos und die Gotteslästerungen anderer Platoniker gelesen und aus ihnen den Bodensatz ausgesogen zu haben. Daher setzt er fünf Teile oder Arten der Astronomie fest, unter die er Magie und Nekromantie stellt, alle natürlich, erlaubt und wahr; und gleich auf der nächsten Seite sagt er ausdrücklich, sie würden allein durch höllische Geister erfüllt. Hat es seit Erschaffung der Welt je jemanden gegeben, der von einem unreinerem Schwindelgeist getrieben wurde?

Bald sagt er, der Himmel neige nur, bald, er zwinge; jetzt sagt er, er töte nicht, sondern bringe nur Schande, wenig später, er sei Herr und Lenker von Leben und Tod, töte und führe die Pest herbei. In den Häusern der Planeten seien Handwerker, von denen alle Künste gelehrt würden, mit Ausnahme der Gerechtigkeit und der Theologie. Anderswo gebrauchten die Sterne Vernunft, bauten und übten andere Künste aus. Über die Pest sagt er, der Himmel zürne, hasse und liebe nach Art der Menschen und verletze niemals, wenn er nicht beleidigt worden sei. Von den Handwerkern der Narren haben wir oben gesprochen. Anderswo sei er von Gott, nicht vom Himmel, zum Arzt gemacht worden, da die Kunst aus Gott sei, nicht aus dem Himmel; anderswo dagegen behauptet er, er sei von den Sternen belehrt worden. An manchen Stellen erkennt er auch die Teufel als Lehrmeister an.

Ich jedenfalls täte lieber irgendetwas anderes, als seine Albernheiten abzuschreiben. Ich glaube nicht, dass unter dem Himmel jemand so geduldig ist, dass er nicht unwillig wird, wenn ihm so oft ungeheuerliche und monströse Widersprüche begegnen. So fahre denn jener profane Dunkelmann mit seiner Astrologie dahin und reiche seinen Schülern diese Gifte dar, die den ewigen Tod bringen; einem Frommen soll er sie nicht anbieten.

Im Übrigen ist diese erste Auseinandersetzung, weil sie nach meiner Meinung länger gedauert hat, ganz und gar an der Zeit zu beenden. Was ich zu erklären übernommen hatte, ist erklärt worden: dass Gott allein der Schöpfer des Alls ist; und dass alle geschaffenen Dinge von allen geschaffenen Kräften, allgemeinen wie einzelnen, nicht anders verändert werden können als gemäß der materiellen Potenz, die bei der Schöpfung eingegeben wurde. Diese Potenz ferner, die andere die Samenvernunft nennen, kann, obwohl sie nicht eine einzige in jedem Ding ist, weshalb die einzelnen Dinge von verschiedenen Wirkenden verschieden betroffen und verändert werden, von keiner geschaffenen Kraft ohne Bewegung und Veränderung in den Akt überführt oder umgewandelt werden; dies habe ich offenkundig gezeigt. Denn was entweder außerhalb der in die Materie eingepflanzten Potenz oder plötzlich ohne Bewegung und zeitliche Abfolge geschieht, habe ich als wunderbar erwiesen. Und ich habe gezeigt, dass Wunder allein von jener Kraft hervorgebracht werden, die neue Potenzen in die Materie einfügen kann, das heißt, die erschaffen kann.

Danach habe ich auch dies bewiesen: Wunder können weder durch eine natürliche Eigenschaft noch durch die Macht der Sterne, weder durch die Kräfte der Seele oder der Imagination noch durch die teuflischen, bei den Tartaren geborenen Evestra, weder durch das Werk der medizinischen Kunst noch durch die Macht irgendeiner Magie bewirkt werden. Daraus wird das ersichtlich, um dessentwillen die gegenwärtige Disputation zuerst aufgenommen wurde: Alle Heilmittel, die über ihre eigenen und angeborenen Kräfte der Natur hinaus wirken oder etwas versprechen, sind eitel, falsch, abergläubisch, gottlos, zu meiden und zu verabscheuen.

Daher: Was unter einer bestimmten Stellung der Gestirne oder unter dem Murmeln bekannter oder unbekannter Worte oder unter Gebrauch bestimmter Zeremonien gesammelt, bereitet, geformt, gemalt, gebildet, geschnitzt, geschrieben, angehängt, aufgehängt, vergraben, weggeworfen, angelegt, in den Körper aufgenommen oder auf irgendeine andere Weise zugerichtet und gebraucht wird, all dies, sage ich, verletzt, wenn man glaubt, es erlange durch diese Weisen irgendwelche Kräfte oder bewirke etwas darüber hinaus, was es durch seine Natur leistet, das Gewissen aufs Schwerste, erschüttert die Frömmigkeit, verfälscht und verleumdet die guten Geschöpfe Gottes, ist schmählich gegen Gott und ist daher von allen Frommen als teuflisch zu fliehen, zu meiden, anzuspeien und zu verabscheuen und Paracelsus und seinen Schülern zu überlassen, die dergleichen billigen.

Worte, Laute, Zeichen, Charaktere, Figuren und Bilder sind, wenn sie die Kräfte der Dinge vermehren oder durch sich Wunderbares wirken sollen, offenkundig Zeichen eines mit Dämonen eingegangenen Vertrags und einer geschlossenen Gemeinschaft. Durch solche Dinge eingeladen, tun sie, was sie können, um die, die dergleichen verfolgen, in den ewigen Untergang zu stürzen.

[11. Einiges über Leben und Sitten des Paracelsus]

Die Behandlung der Dinge selbst zwang uns, verstreut die unglaubliche Gottlosigkeit, die schrecklichen Gotteslästerungen und die monströse Vermessenheit dieses höchst verleumderischen Dunkelmanns aufzudecken, der mit unerhörter Raserei gegen alles Gute, Wahre und Heilige anrennt und es zu erschüttern versucht, damit Unvorsichtigere sich leichter vor dem pestartigsten aller Sterblichen hüten. Dass er ein höchst verlogener und unverschämter Betrüger gewesen ist, bezeugen alle seine Bücher; außerdem alle Menschen, denen er auch nur einigermaßen bekannt war.

Gewiss pflegte Kaiser Ferdinand, der vortreffliche und von Verleumdung ganz fernstehende Herrscher, ihn aus gerechten Gründen mit diesen Ehrennamen zu schmücken, wie mir der durch ausgezeichnete Gelehrsamkeit und Frömmigkeit geschmückte Herr Johannes Crato, Arzt der kaiserlichen Majestät, berichtet hat. Seinen Grundsätzen und Lehrmeistern entsprechend hat er den Tartar in die Krankheiten eingeführt, da ja fast alles, was er geschrieben hat, tartarisch ist und aus dem untersten Tartar ausgegraben und hervorgebracht zu sein scheint. Ein Beweis dafür ist, dass er beim Diktieren gewöhnlich wie von einem Stachel getrieben und von Furien bewegt nach Art irgendeiner pythischen Seherin entbrannte und schrie; offenbar gab ihm ein Dämon jene Wagenladungen von Schmähungen und jene ungeheuerliche ὀδωρμανία ein, die er in gesundem Zustand niemals hätte ersinnen können.

Dies hat der höchst glaubwürdige Herr Oporinus oft berichtet, der zwei Jahre lang sein Schreiber war. Derselbe erzählte häufig ausdrücklich, er sei niemals an die Erklärung seiner Geheimnisse gegangen, außer wenn er ordentlich getrunken hatte; und er habe gewöhnlich, in der Mitte der beheizten Stube an eine Säule gelehnt, τετυφωμένον, ja von seinem göttlichen Geist ganz erfüllt, mit den Händen den Griff seines Schwertes umfassend, weil dessen Höhlung jenem Geist Herberge gewährte, der dem ungebildeten Mann die Antworten zu geben pflegte, mit denen er die von ihm bezauberten Menschen faszinierte, seine Einbildungen hervorzustoßen.

An Unbeständigkeit, Unverschämtheit, Verwegenheit und ungeheuerlicher Gottlosigkeit übertraf er Arianer, Photinianer, Mohammedaner, ja alle tartarischen Häretiker. Diesen meinst du wegen seiner Frömmigkeit weiterhin den reinen Autoren Galen und Hippokrates, heidnischen Menschen und daher der wahren Frömmigkeit unkundigen Männern, vorziehen zu müssen? Jene irrten, weil sie von niemandem unterrichtet worden waren. Dieser aber, richtig unterwiesen, lehrte, schrieb und prägte willentlich, wissentlich und bewusst aus bloßer Mutwilligkeit und Neuerungssucht Dinge ein, die jene kaum zu denken gewagt hätten, wenn sie auch nur einen Funken dieses göttlichen Lichtes gehabt hätten. Doch ich mache ein Ende, damit wir zu dem übergehen, was folgt, und mit gleicher Sorgfalt betrachten, wie elegant und vortrefflich er philosophiert hat.

Furnius: Ich bitte dich sehr, dass du dem, was über das Leben dieses Menschen schon gesagt ist, wenn du noch etwas Weiteres in Erfahrung gebracht hast, gleichsam als Nachtrag hinzufügst. Ich vermute nämlich, dass du etwas weißt, da ihr beide in nahezu derselben Heimat geboren seid.

Erastus: Gutes kann ich nichts sagen, Schlechtes sehr viel. Von seinen Heilungen, die ich von höchst glaubwürdigen und über jeden Einwand erhabenen Männern erfahren habe, werde ich im Folgenden berichten. Jetzt will ich einiges von dem berühren, was mehr hierher gehört. Dass er Schweizer gewesen sei, glaube ich kaum. Denn kaum hätte jene Gegend ein solches Ungeheuer hervorgebracht. Wenn sie es hervorgebracht hat, so hat sie es nicht lange genährt. Gewiss findet sich in der ganzen Schweiz nicht ein einziger, der mit ihm durch Verwandtschaft oder eine andere Verbindung verbunden gewesen wäre. Er scheint nach Art eines Merlin der Sohn der Erde oder des Tartars gewesen zu sein. Er nennt sich Eremit und will edel erscheinen. Aber im Eremus der Schweizer gibt es keine Paracelsi, keine Hohenheime, keine Bombaste, schließlich keine Edlen oder Unedlen, die ihn als blutsverwandt anerkennen. Ich habe gehört, dass dort einst ein auswärtiger Mann als Schulmeister gelebt habe und dass jener an einem Ort geboren sei, der „hohes Nest“ genannt wird, es muss damals ein sehr schlimmes Nest gewesen sein, aus dem ein so böser Vogel hervorging. Daher hat er sich vielleicht Paracelsus genannt. Wie die Zusammensetzung dieses Wortes bewundernswert ist, so ist auch sein Urheber bewundernswert.

Irgendwo schreibt er, sein Vater habe vierzehn Jahre in Kärnten oder in benachbarten Gegenden gelebt. An diesem Ort, so wurde mir erzählt, seien ihm die Hoden von einem Soldaten herausgerissen worden, als er Gänse hütete. Als er dann älter geworden sei, sei er nach Spanien gegangen und dort zuerst in die magischen Künste eingeweiht worden; danach habe er die Chymie gelernt; als er bemerkte, dass er Mühe und Öl daran verlor, sich darin zu üben, sei er zur Medizin übergesprungen. Dass er ein Eunuch gewesen sei, zeigt neben vielem anderen sein Gesicht, und auch dies, dass er nach Oporinus’ Zeugnis Frauen völlig verachtete. Auch gesteht er in irgendeiner Vorrede, ein Schläger gewesen zu sein und deswegen, oder auch wegen anderer Dinge, einige Male in den Kerker geworfen worden zu sein.

Wenn du prüfst, was Herr Johannes Oporinus, nach dem Urteil aller ein trefflicher Mann, während der zwei Jahre, in denen er ihm folgte, nachdem er seine Frau zu Hause zurückgelassen hatte, bei ihm sah, um an der bewundernswerten Lehre, die er prahlend versprach, Anteil zu gewinnen, denn jener hatte ihn überzeugt, er werde ihm in sechs Monaten die ganze medizinische Kunst vollkommen überliefern, wirst du ausgezeichnet erkennen, von welcher Art sein Geist war. „Außer einer erstaunlichen Schnelligkeit und glücklichen Begabung, Medizin zu treiben“, sagt er, „konnte ich an ihm weder Frömmigkeit noch Gelehrsamkeit bemerken.“ Und bald darauf: „Er war, während ich fast zwei Jahre lang vertraut mit ihm zusammenlebte, Tage und Nächte so sehr der Trunkenheit und Völlerei ergeben, dass man ihn kaum eine oder zwei Stunden nüchtern antreffen konnte.“ Ebenso: „Während er anfangs enthaltsam gewesen war, lernte er danach so Wein zu trinken, dass er es wagte, ganze Nächte hindurch Bauern volle Flaschen zuzubringen und sie zu übertreffen. Indem er nur den Finger in den Schlund steckte, befreite er sich vom Rausch und gab sich von Neuem den Trinkgelagen hin, als hätte er niemals auch nur einen Tropfen getrunken.“ Ebenso sagt er: „Nachts, während der ganzen Zeit, in der ich mit ihm zusammenlebte, zog er sich niemals aus; das schrieb ich seiner Trunkenheit zu. Denn meist ging er erst betrunken gegen Ende der Nacht nach Hause, um sich schlafen zu legen, und so, wie er gekleidet war, mit seinem Schwert neben sich, von dem er prahlte, es habe einem Henker gehört, warf er sich aufs Lager; und oft stand er mitten in der Nacht auf und raste mit bloßem Schwert so durch das Zimmer, griff so mit häufigen Schlägen sowohl den Fußboden als auch die Wände an, dass ich mehr als einmal fürchtete, mir werde der Kopf abgeschlagen.“ Ebenso: „Oft war er so ohne Geld, dass ich wusste, ihm sei nicht einmal ein Obolus übrig; schon am nächsten Tag aber zeigte er wieder, dass er einen gut gefüllten Beutel habe, sodass ich mich nicht selten wunderte, woher es ihm verschafft worden sei.“ Ebenso: „Ich habe ihn niemals beten sehen oder hören; auch kümmerte er sich nicht um kirchliche Gottesdienste. Vielmehr, während er die evangelische Lehre, die damals bei uns zu blühen begann und von unseren Predigern ernstlich betrieben wurde, nicht sehr beachtete, drohte er bisweilen, Luther und den Papst ebenso in Ordnung zu bringen, wie jetzt Galen und Hippokrates. Denn keiner derer, die bisher über die Heilige Schrift geschrieben hätten, weder die Alten noch die Neueren, habe den Kern der Schrift richtig herausgeschält, sondern sie blieben nur an der Rinde und gleichsam an der Haut hängen.“

Dies habe ich teils aus Oporinus’ Briefen herauszuziehen, teils aus seinen Gesprächen anzumerken für gut befunden. Was die Zubereitung von Arzneien und die Heilungen betrifft, wird später an seinem Ort berichtet werden. Fast dasselbe schrieb mir der durch Frömmigkeit und Gelehrsamkeit hochberühmte Herr Heinrich Bullinger, der ihn in Zürich kannte, wo er einige Zeit lebte. Damit man erkennt, dass er sich überall gleich war, will ich auch aus dem Brief dieses niemals genug zu lobenden Mannes etwas hinzufügen. „Ich sprach“, sagt er, „ein- und zweimal mit ihm über verschiedene Dinge, auch über theologische oder religiöse Fragen. Aber aus allen seinen Gesprächen konnte man nichts von Frömmigkeit erkennen, von Magie aber, die er sich ich weiß nicht wie ausdachte, sehr viel. Wenn du ihn gesehen hättest, hättest du ihn nicht einen Arzt genannt, sondern einen Fuhrmann; und am Umgang mit Fuhrleuten erfreute er sich wunderbar. Als er hier im Gasthaus zum Storch lebte, beobachtete er also die Fuhrleute, die in dieses Gasthaus kamen; mit diesen fraß und soff der schmutzige Mensch, nicht selten so vom Wein betäubt, dass er sich auf die nächste Bank legte und seinen hässlichen Rausch ausschlief.“ Sodann schließt er, nachdem er einiges über seine Haltung und Kleidung eingefügt hat, wie es auch Oporinus berichtet, so: „Kurz, er war in jeder Hinsicht schmutzig und ein unreiner Mensch. Selten oder nie trat er in heilige Versammlungen ein und schien Gott und göttliche Dinge gering zu achten.“

Wenn dir dies nicht genügt, lies seine Verteidigungen; sie werden dir Anlass geben, noch mehr zu bedenken. Wenn du auch diese Mühe scheust, bedenke nur, mit welchen Titeln er sich selbst schmückte. Denn dadurch hat er seinen Geist reichlich verraten. Da er Philipp hieß, der Familienname, wenn er einen hatte, war, wie ich vermute, Bombast, nannte er sich später selbst Theophrastus, Paracelsus, wie ich meine, von dem Ort hergeleitet, an dem er geboren wurde, Hohenheim, was bei derselben Gelegenheit von ihm erfunden zu sein scheint, Aureolus, Fürst und Monarch aller Wissenschaften und Künste. Nicht nur einmal schmückt er sich selbst mit diesem Namen im Buch Über die Tinktur. Und im Paragranum sagt er: „Ich bin Monarch und werde es sein. Ihr, Avicenna, Galen, Pariser, Montpelliensier, Schwaben, Meißner, Kölner, Wiener, Meere, Inseln, Italien, Dalmatien, Sarmatien, Griechenland, Athen, Araber, Juden“, wunderbar, dass er nicht auch die Garamanten, Inder, Engländer, Schweden und Dänen hinzufügt, „ihr seid gezwungen, mir zu folgen; ich aber muss nicht euch folgen. Die Riemen oder Ringe meiner Schuhe wissen mehr von der medizinischen Kunst als Galen. Aristoteles und die, die ihm folgen, sind wie Schaum über dem oberen Gut; dieser schmeckt nach der Natur der Wade, gehört aber Katzen und Hunden.“

Aber gesetzt, er sei ein Arzt und Chirurg gewesen, der glücklicher war als viele andere: Musste er deshalb diejenigen verdammen, die er niemals verstanden hat? Und wie konnte ein betrunkener Mensch, der den Tag mit dem größten Teil der Nacht damit verbrachte, mit Bauern, Fuhrleuten und anderen Unkundigen zu zechen, den Rest aber damit, mit Larven und Dämonen zu kämpfen, am folgenden Tag sehr spät aufstand, vom gestrigen Rausch beschwert, die Schriften jener Männer verstehen und die verborgenen Lehrmeinungen herausgraben, die alle anderen mit höchster Aufmerksamkeit, unablässiger Mühe und fortgesetztem Studium suchten und kaum finden und erkennen konnten? Welche Ursache bewog ihn sodann, bitte, sich Theophrastus zu nennen? Entweder wollte er wegen Eleganz und Reinheit der Rede so genannt werden, was jenem anderen, dem Schüler des Aristoteles, zukam, oder gewiss wegen der Erkenntnis göttlicher Dinge und der Kunst, über sie zu disputieren. Dies wird niemand behaupten können, es sei denn, er verstehe darunter den tartarischen Gott, dessen Sache er gewiss überaus eifrig betrieben hat.

Was die Rede betrifft: Der griechischen Sprache war er unkundig und gänzlich unwissend; von der lateinischen kannte er kaum die ersten Anfänge; diejenige, die er aus den Brüsten der Mutter hätte saugen müssen, beherrschte er nicht genügend. Denn er schrieb so ungeordnet, so barbarisch, so verworren, so unverständig, so töricht, dass ich glaube, es existiere kein deutscher Schriftsteller, dessen Ungeschicklichkeit und Unmündigkeit er nicht auf unendliche Weisen übertroffen hätte. So bleibe er denn Cacophrastus, wie er sich in seinem Paragranum selbst nennt. Er bleibe Ferreolus, Plumbecolus, Lutulentulus, Tartareolus. Seine Schüler mögen gesund, klug, golden, silbern, bleiern sein; nur sollen sie nicht die uns vom Himmel gegebene und gewährte Kunst beflecken, verunreinigen, beschmutzen und uns verabscheuungswürdig machen.

Furnius: Die theologischen Lehren des Paracelsus werde ich künftig leicht meiden. Auch werde ich mich fortan nicht mehr durch abergläubische Heilmittel und magische Heilungen täuschen lassen. Denn ich sehe nun, dass es gottlos ist, wenn er einige Male befiehlt, Krankheiten, die aus Beschwörung und Aberglauben entstanden seien, selbst wenn sie auf diese Weise entstehen könnten, durch entgegengesetzte Beschwörung und entgegengesetzten Aberglauben zu heilen.

Am 26. März im Jahr 1571.

τῷ θεῷ μόνῳ δόξα (Dem alleinigen Gott sei Ehre).

Anhang

Furnius: Ich komme vor dem festgesetzten Tag zu dir zurück.

Erastus: Vielleicht, weil du das kürzlich erschienene Buch des Paracelsus gesehen hast.

Furnius: So ist es. Ich habe es, sobald es mir vorgelegt wurde, mit großer Begierde gelesen und das meiste richtiger verstanden als zuvor. Weil aber einiges darin ist, worüber ich deine Meinung hören möchte, bitte ich dich sehr, mir diese Kühnheit nicht übelzunehmen.

Erastus: Wenn du darin etwas gefunden hast, was zu unserer ersten Auseinandersetzung gehört und was deiner Meinung nach nicht genügend erklärt und widerlegt worden ist, so bringe es vor; ich werde dir gern antworten.

Furnius: Er sagt, der Mensch sei aus zwei Körpern zusammengesetzt, von denen der eine aus den Elementen zusammengefügt, der andere aus den Gestirnen gebildet sei.

Erastus: Dies und anderes dieser Art werden wir in der nächsten Unterredung prüfen. Jetzt ist nur das zu untersuchen, was Frömmigkeit und Religion betrifft.

Furnius: In der Vorrede sagt er, seine Astronomie sei Anfang und Element der Religion und der himmlischen Weisheit.

Erastus: Es wäre allzu lang, auf alle Albernheiten zu antworten. Bringe daher Größeres vor, obwohl auch dies nicht ohne offenkundige Gotteslästerung gesagt werden konnte. Denn das Fundament der Religion ist allein Gott. Aber er ist ein Gefährte Pomponazzis.

Furnius: Dass er sagt, aus den Sternen würden Schweine, Esel und Löwen erzeugt, weiß ich wohl, ist absurd. Denn im Buch Über die Lunatischen sagt er, die Pharisäer seien wesentlich Wölfe gewesen, nicht nur durch Ähnlichkeit der Sitten, wie die Apostel von Christus Schafe genannt wurden. Im Buch Über die Homunculi scheint er Ursachen und Weise der Erzeugung solcher Wesen lehren zu wollen. In diesem Buch, Kapitel 6, behauptet er, Menschen würden vom Himmel wirklich in Wölfe verwandelt, obwohl er kurz zuvor, im dritten Kapitel, die Ursache auf die Natur des Samens zurückgeführt hatte. Das ist oben oft widerlegt worden. Ich erinnere mich noch vortrefflich an das, was du über die Wirksamkeit der Himmel vorgebracht hast.

Obwohl er sich kurz danach selbst widerlegt, wenn er den Himmel ausdrücklich, und zwar nicht nur einmal, als Ursache von Unzucht, Habsucht und anderen Schmutzigkeiten verneint und behauptet, er bewirke allein die Künste zusammen mit der Weisheit. Ich gestehe, ich bin dem Menschen gewogen; aber diese offenen Widersprüche billige ich nicht. Mehrmals schreibt er, der Himmel zwinge die Menschen, Gutes ebenso wie Böses zu tun. Nicht viel später behauptet er, es stehe in der Macht des Menschen, den himmlischen Neigungen zu folgen oder ihnen nicht zu folgen. Ja, an anderer Stelle hat er dies: „Neigungen zu Diebstählen, Raubtaten und Hurereien sind nicht Neigungen der Gestirne, sondern stammen von einem gewissen Geist, der im Menschen ist, außer und außerhalb der Ordnung der Natur.“ Und kurz darauf behauptet er wiederum, Sitten würden uns durch die Neigung der Gestirne angeboren. „Der Mensch“, sagt er, „wird gezwungen, den Sternen zu gehorchen, und hierin gibt es keine Freiheit.“

Erastus: Ich habe schon oft darauf hingewiesen, dass es Paracelsus schicksalhaft eigen ist, überall und immer auf schändlichste Weise mit sich selbst in Streit zu liegen. Gewiss bin ich an seine Widersprüche so gewöhnt, dass ich mich sehr wundere, wenn ich finde, dass er sich einige Zeit treu bleibt. Er wagt zu schreiben, durch Logik oder Dialektik sei das natürliche Licht ausgelöscht und die göttliche Weisheit verdunkelt worden; das, sagt er vielleicht, sei die Sünde wider den Heiligen Geist, die weder in dieser noch in der anderen Welt vergeben werde.

Mit derselben Verwegenheit behauptet er an zwei Stellen, die Menschen der neu entdeckten Inseln und Länder seien nicht von derselben edlen Natur wie wir und hätten ihren Ursprung nicht von Adam, von dem wir unsern Ursprung herleiten, sondern seien aus einem anderen Adam hervorgegangen.

Auf jede Weise unerträglich ist es, dass dieser schwärmerische Mensch sich bemüht hat, die Auferstehung des Fleisches zu erschüttern und in Zweifel zu ziehen. Denn da er im Menschen drei Teile setzt, einen elementalen, einen himmlischen und einen göttlichen, behauptet er, die beiden ersten würden vollständig untergehen und niemals in den Himmel gelangen; nur der dritte Teil, der von Gott ausgegangen sei, kehre zu ihm zurück und besitze die Himmel. „Beachte“, sagt er, „warum Gott den Tod angeordnet hat, nämlich damit er das Fleisch, das unnütz ist, vom Geist trenne. Denn nichts wird zu Gott oder in den Himmel gelangen außer dem, was von Gott ausgegangen ist. Nur der Geist aber, in dem das Bild Gottes ist, ist von Gott. Dieser allein kehrt also zu Gott zurück, der vom Himmel herabgestiegen ist; das Fleisch aber ist von der Erde und kehrt deshalb zur Erde zurück.“ Ebenso: „Weder der elementale noch der siderische Körper wird den Himmel besitzen, sondern allein der Mensch-Geist, der von Gott eingehaucht ist.“ Ebenso: „Daran ist festzuhalten: Nichts von dem, was wir von der Erde empfangen haben, wird auferstehen, sondern allein das, was aus Gott ist. Deshalb werden wir in Christus auferstehen. Wenn wir nicht in ihm sind, werden wir auferstehen, aber nicht in Christus, nicht in der Natur, sondern im Geist der Heiligen.“ Ebenso: „Was von der Erde ist, hat keinen Anteil am Erbe des Reiches Gottes, weil es Erde ist, die nicht zum Himmel durchdringen wird.“ Ebenso: „Hinreichend ist zuvor gezeigt worden, dass Fleisch und Blut, die die Menschen von Adam empfangen haben, nicht in das Reich Gottes eingehen werden. Denn nichts geht in die Himmel ein außer dem, was aus dem Himmel entstanden ist. Das Fleisch Adams aber ist von der Erde und gelangt daher nicht zum Himmel, sondern kehrt in die Erde zurück. Denn es ist sterblich und dem Tod unterworfen; nichts Sterbliches aber wird den Himmel besitzen. Auch kann irdisches Fleisch nicht zum Himmel gelangen, weil es nichts nützt, zu allem unnütz ist, voll von Schmutz, Lastern und Bosheit. Auch kann es durch kein Feuer von seiner Befleckung gereinigt werden, sodass es des Himmels fähig würde. Denn es duldet kein Feuer und keine Verherrlichung, sondern muss ganz vom Menschen, das heißt von der Seele, getrennt werden; dies geschieht durch den Tod, der den Menschen von seinem Fleisch scheidet. Deshalb ziemt es sich, dass wir wissen: Das Fleisch, das aus Adams Samen hervorgegangen ist, ist völlig sterblich und unnütz.“

Dies und anderes dieser Art wiederholt er in diesem Buch so oft, dass er alle Frommen zwingt, sich zu wundern, dass in einen Menschen eine so große und so gottlose Kühnheit fallen konnte. Nicht unähnlich ist, was er im dritten Buch An die Athener geschrieben hat, wenn er es dort auch dunkler und kürzer berührt. Dasselbe hatte er etwas deutlicher im zweiten Buch, Text 23, gesagt. In seinem Paramirum zweifelt er beinahe am Leben der Seele. Denn so schreibt er: „Im Menschen gibt es einen anderen Körper, der nicht aus den drei Dingen gemacht ist, verstehe: Merkur, Schwefel und Salz, und nicht aus dem Limbus; daher ist er auch dem Arzt nicht unterworfen. Seinen Ursprung hat er aus dem Hauch Gottes. Da wir also auferstehen werden, um über gute und böse Taten Rechenschaft abzulegen, nicht aber über Gesundheit und Krankheiten, die der sichtbare Körper erleidet, ist es wahrscheinlich, dass der unsichtbare Körper zugleich auferstehen wird.“ Den unsichtbaren Körper nennt er an dieser Stelle die Seele. Denn diese allein ist im Menschen aus göttlicher Einhauchung vorhanden und nicht aus der Materie der Elemente gemacht. Hier nennt er sie also Körper; in den oben angeführten Stellen nennt er sie richtiger Geist.

Obwohl dies ungeheuerlich gottlos ist, war er damit dennoch nicht zufrieden, sondern fügte noch weitere Lästerungen hinzu. Denn im zweiten Buch verneint er viermal offen, dass Maria, die jungfräuliche Gottesgebärerin, aus Adam geboren sei. Seine Worte im zweiten Kapitel lauten: „Daraus folgt, dass die Jungfrau, aus der die neue Kreatur hervorging, Tochter Abrahams gewesen ist nach der Verheißung, aber nicht aus Adam: das heißt, sie wurde vor Abraham ohne männlichen Samen geboren in der Kraft der Verheißung, ohne jede sterbliche Natur aus einer Jungfrau; auf diese Weise ist sie nicht aus Adam und nicht aus dessen Samen; nur aus ihrem Fleisch ist Christus geboren, empfangen vom Heiligen Geist und aus heiligem Fleisch fleischgeworden.“ Ebenso im dritten Kapitel: „Die Schrift redet nichts vom Fleisch Adams, sondern vom gestalteten Körper der zweiten Geburt, dem nichts Körperliches von Adam anhaftet. Denn die Jungfrau Maria, unsere Mutter, war rein, ohne Fleisch und Blut Adams und Evas, wie auch wir sein müssen.“ Ebenso: „Es war bestimmt, dass die Jungfrau, aus der Christus geboren wurde, ihren Ursprung von Abraham habe, nicht von Adam.“ Ebenso: „Christus wurde aus einer Jungfrau geboren, die nicht von Adam, sondern von Abraham, nicht aus dem Fleisch Adams, sondern aus dem Fleisch der Verheißung ihren Ursprung herleitete, aus der nichts Unreines geboren wird.“

Was soll man dazu sagen, dass er leugnet, Christus sei aus der Substanz der Jungfrau geboren? Gewiss glaubte er nicht, dass dessen Fleisch wahres menschliches Fleisch und von Adam fortgepflanzt sei; und folglich meinte er keineswegs, dass er wahrer Mensch sei. Denn wenn Maria nicht aus Adams Nachkommenschaft hervorgegangen ist, dann hat auch Christus, der aus ihr Fleisch annahm, seinen Ursprung nicht aus Adam genommen. Wenn er sodann nicht einmal aus der Jungfrau Fleisch annahm, hatte er ein von unserem Fleisch ganz verschiedenes Fleisch. Seine Worte über diese Sache sind diese: „Christus wurde vom Heiligen Geist empfangen und aus heiligem Fleisch fleischgeworden, nicht gemäß der Ordnung des sterblichen Fleisches, sondern gemäß der neuen Geburt, die vom Heiligen Geist kommt. Darin versteht: Aus Adams Fleisch ist nichts anderes, als was ihr vom Wein erfassen könnt, der in irgendein Gefäß gegossen wird. Dieser heißt aus dem Gefäß sein, aber nicht vom Gefäß, das heißt, nicht aus der Substanz des Gefäßes selbst.“ Dies jener.

Was sagst du dazu? Scheint dir nicht derjenige würdig, dass er auf der Stirn dieses Buches, in dem außer Ungeheuern von Sätzen, schändlichen Lügen und entsetzlichen Gotteslästerungen nichts enthalten ist, als von Gott hervorragend erleuchtet bezeichnet wird? Entweder wissen die, die sich nicht schämen, solches zu empfehlen, nicht, was sie tun, oder sie sind die unglücklichsten aller Menschen.

Furnius: Wie verschieden sind doch die Gedanken der Menschen! Wie verschieden die Affekte! Ich habe dasselbe gelesen und gedacht, es sei dunkel gesagt, aber ich habe es nicht auf die Weise ausgelegt, auf die du es erklärst. Denn was du aus ihm gegen die Auferstehung der Toten vorgebracht hast, hat, wie ich meine, keinen schlechten Sinn. Ich glaube nämlich, er habe das sagen wollen, was Paulus im ersten Brief an die Korinther, Kapitel 15, gesagt hat: Fleisch und Blut können das Erbe nicht erlangen, und die Verwesung kann das Erbe der unverweslichen Natur nicht empfangen. So bestreitet er, dass die Gottlosen auferstehen, nicht weil er leugnete, dass sie wieder leben und zur ewigen Strafe fortgerissen werden, sondern weil er durch diese Redeweise anzeigt, dass sie nicht in den Himmel aufsteigen werden. Das Fleisch also, das wir vom Stammvater Adam empfangen haben, meinte und schrieb er, werde das himmlische Erbe nicht besitzen, bevor es von oben wiedergeboren sei; dies bejahen wir alle zusammen mit den Heiligen Schriften. Was du aus dem Paramirum angeführt hast, beweist eben dies offenkundig genug, wo er behauptet, zusammen mit dem sichtbaren Körper, der, wie wir sagen, aus den Elementen zusammengefügt ist, werde auch der unsichtbare auferstehen.

Erastus: Ich glaubte zuerst ebenfalls, er habe dies gemeint, und ich wollte sehr, dies wäre seine Meinung gewesen. Aber er sagt allzu vieles, was uns zwingt, anders zu urteilen. Ich will jetzt nicht mehr über seine Widersprüche sagen; sie sind ihm, wie ich schon einige Male erwähnt habe, so vertraut und gewohnt, dass er fast keinen wahren Satz überall beständig festhielt, während er falsche und ungeheuerliche Sätze auf verschiedene Weise schwanken ließ, verdrehte, erweiterte und entstellte. Deshalb habe ich aufgehört, mich über den Wahnsinn dieses Menschen in diesem Teil zu wundern, und habe nur das Schwerwiegendere angemerkt.

In diesem Buch prägt er nichts häufiger ein als dies: Was aus Gott entstanden sei, kehre zu ihm zurück; was aber aus der Erde geboren sei, verwandle sich wiederum in Erde; daher könne die Seele nicht sterben. Im Paramirum hält er es nur für wahrscheinlich, dass die Seele zusammen mit dem sichtbaren Körper aus dem Grab hervorgehen werde. Bewegt wird er von diesem Argument: Wir werden Rechenschaft über gute und böse Taten ablegen, die diesen sichtbaren Körper nicht beträfen. Denn dieser sei Subjekt von Krankheit und Gesundheit, über die Gott keine Rechenschaft von uns fordern werde. In diesem Buch betreibt er mit Eifer das Gegenteil: Der Körper sündige so, dass die Seele dadurch nicht befleckt werde. „Das Fleisch“, sagt er, „musste frei sein, damit es tue, was es wolle, ohne Schaden der Seele; was nicht sein konnte. Denn dem Fleisch sind göttliche Gesetze auferlegt, die jede Freiheit nehmen, sodass nichts Freies in ihm ist; und im Fleisch ist er so frei, dass er in ihm sichtbar Böses und Gutes tun kann, ohne Schaden der Seele.“

Furnius: Vielmehr bestreitet er doch, dass das Fleisch frei sei, wenn er sagt, ihm seien göttliche Gebote auferlegt.

Erastus: Darum bin ich hier nicht besorgt, da ich dir vor allem dies eine zeigen möchte: wie hässlich die Rede des Paracelsus ist und wie schändlich er sich in so wenigen Versen selbst widerspricht. Wenn du ihn verteidigen willst, lies, was in diesem Kapitel folgt, und was jener Eber dann in demselben zweiten Buch, Kapitel 3, über den freien Willen grunzt. Wenn du meinen wirst, etwas gefunden zu haben, womit du ihn entschuldigen kannst, wirst du dich umso mehr vergeblich bemüht fühlen. Dies kann nicht geleugnet werden: dass er sagt, das Fleisch habe frei sein müssen, damit es tun könne, was es beliebt, aber es sei nicht frei; und kurz darauf behauptet er, im Fleisch sei Freiheit, sodass es ohne Beschwerde der Seele böse und gut handeln könne.

Furnius: Weil hierauf nicht so sehr viel ankommt, wollen wir zu unserer Sache zurückkehren.

Erastus: Dies war mein Ziel: zu zeigen, dass seine Worte nicht so verstanden werden können, wie die Worte des Apostels Paulus von allen Menschen gesunden Sinnes immer verstanden worden sind und auch heute verstanden werden. Denn der Apostel wollte nur dies lehren: Unsere Körper können die himmlische Wohnung nicht erlangen, solange sie der Verwesung unterworfen bleiben. Er verneint aber nicht, dass eben diese unsere Körper, die wir in diesem sterblichen Leben mit uns tragen, nachdem sie verwandelt und verherrlicht worden sind, in den Himmeln mit Christus und allen Erwählten Gottes in Ewigkeit leben werden.

Deshalb antwortet er auf die Frage, was mit jenen geschehen werde, die der letzte Tag noch lebend auf dieser Erde antreffen wird: Sie würden in einem Augenblick verwandelt werden. „Denn es muss“, sagt er, „τὸ φθαρτὸν τοῦτο“, dieser der Verwesung unterworfene Körper, „die unverwesliche Natur anziehen, καὶ τὸ θνητὸν τοῦτο“, und dieses Sterbliche „die Unsterblichkeit anziehen“. Daraus ist aufs Klarste ersichtlich, dass keine anderen Körper der Substanz nach wieder leben und im Himmel mit Christus, ihrem Erlöser, herrschen werden als eben diese, die wir von unseren Eltern empfangen haben. Die Substanz wird nicht verwandelt werden, sondern die Eigenschaften, wie Schwere, Verweslichkeit, Sterblichkeit und andere dergleichen, werden von ihnen genommen werden. Paulus war so weit davon entfernt zu meinen, wir hätten, solange wir in dieser Welt leben, einen unsterblichen Körper, dass er vielmehr allen bekräftigt, es sei notwendig, die Sterblichkeit abzulegen, auch jenen, die der letzte Tag noch auf der Erde antreffen wird. Es ist widersprüchlich, dass unser Körper der Wirklichkeit nach zugleich beides sei, sterblich und unsterblich.

Nicht so Paracelsus. Obwohl er nämlich sagt, die Menschen müssten im Fleisch auferstehen, damit sie von den Engeln unterschieden bleiben, erdichtet er doch einen anderen Körper als diesen irdischen, der von Adam fortgepflanzt ist.

Furnius: Ich meine, du legst seine Worte ungerecht aus. Er versteht nämlich nicht eine andere Substanz, die das himmlische Reich besitzen werde, sondern eben diese, jedoch verwandelt, wie du aus dem Apostel gelehrt hast. Denn er sagt mit der Schrift, diese Erneuerung entstehe aus Wasser und Geist. Wenn er bisweilen anders gesprochen zu haben scheint, muss es dennoch im besseren Sinn aufgenommen werden. Er pflegt ja manchmal dunkler zu sprechen und beim Leser den Verdacht einer absurden Auffassung hervorzurufen, während er im Geist nichts Ungehöriges denkt.

Erastus: Ich wage wahrheitsgemäß zu sagen: Es hat, soweit ich es sehen konnte, nie jemanden gegeben, der in unserer Sprache so ungeordnet, barbarisch, verworren und uneigentlich schrieb. Daher geschieht es, dass man seine Meinung aus einer einzigen Stelle meistens nur schwer erfassen kann. Die häufigen und monströsen Widersprüche vergrößern die Schwierigkeit. Gewiss spricht er gerade in dieser Sache so verworren, dunkel und verschiedenartig, dass du keine sichere Meinung herausbringen kannst, bevor du alle Stellen miteinander verglichen hast. Aus dem Vergleich wirst du erkennen, dass er häufiger das behauptet, was ich zuvor gesagt habe, nämlich dass nicht dieser unser irdischer Körper unsterblich werde und das himmlische Leben erlange, sondern ein anderer Körper, der vom Himmel herabgesandt sei. Dafür gibt es viele Gründe.

Als Erstes soll dies gelten: In diesem Buch bekräftigt er sechshundertmal, der von Adam fortgepflanzte Körper werde das Erbe des Himmels nicht besitzen; allein das werde zu Gott zurückkehren, was von Gott ausgegangen sei, nämlich die von Gott eingehauchte Seele. Beständig behauptet er, beide Körper, den elementalen nämlich und den siderischen, würden durch den Tod aufgelöst, sodass jener den Elementen zurückgegeben, dieser dem Himmel und den Sternen zurückerstattet werde. Er spricht aber von der Substanz oder Wesenheit der Körper selbst, nicht von den Eigenschaften. Dies mit einem einzigen Zeugnis aus der Vorrede zu beweisen, außer jenen, die wir oben angeführt haben, genügt. „Gott“, sagt er, „hat im Menschen zwei Wesenheiten geschaffen, eine irdische und eine ewige; sie bleiben verbunden bis zur Auferstehung. Zu dieser Zeit wird die irdische der Erde, die ewige dem Reich Gottes zurückgegeben werden.“ Ich will dich hier nicht schon ermahnen zu bedenken, wie falsch es ist, dass er sagt, die Seelen blieben bis zur Auferstehung mit den Körpern verbunden, da doch feststeht, dass sie durch den Tod getrennt werden. Aber dies sollst du beachten: wie wenig schriftgemäß er spricht. Die Schrift lehrt, dass beim letzten Gericht die Seelen wieder mit den Körpern verbunden werden; er aber schreibt, sie würden dann getrennt. Da er dies vor allem deshalb getan hat, um zu zeigen, dass die Wesenheit des von Adam stammenden Körpers nicht in den Himmel eingehe, sondern in die Erde aufgelöst werde, ist vollkommen klar, dass er nicht von Eigenschaften, sondern von der Substanz spricht. Denn zur Zeit der Auferstehung sind die Eigenschaften dieser Welt nicht mehr in den Körpern.

Zweitens behauptet er nicht weniger häufig, die Körper, die aus der Erde genommen und gemacht seien, würden nicht zum Himmel aufsteigen, sondern in die Erde aufgelöst werden. Es steht aber fest, dass unsere Körper aus Erde gebildet und gemacht sind. Daher werden sie nach seiner Auffassung den Himmel nicht besitzen. Daraus wird wiederum deutlich, dass er von einem anderen Körper spricht. Seine Worte in Buch 2, Kapitel 2, lauten so: „Es gibt zwei Arten von Fleisch: die eine ist die Adams, die zu nichts nütze ist; die andere die des Geistes, die lebendig macht. Denn sie wird von oben fleischgeworden, weshalb sie auch in den Himmel zurückkehrt.“ Und später: „Gott wollte, dass der Mensch unsterblich sei; das Fleisch aber, das aus der Erde genommen ist, konnte nicht unsterblich gemacht werden. Denn nichts ist unsterblich außer dem, was vom Himmel kommt.“ Ebenso: „Die Seele ist Fleisch und Blut, und in diesen muss sie sein. Im Übrigen gibt es zwei Unterschiede des Fleisches, das sterbliche und das unsterbliche: jenes empfängt seine Wesenheit vom sterblichen Fleisch; dieses ist vollkommenes Fleisch, zum ewigen Leben geordnet.“ Dieses Fleisch nennt er sehr oft das vom Heiligen Geist fleischgewordene Fleisch.

Drittens prägt er ebenso oft ein: Es sei unmöglich, dass ein sterblicher Körper unsterblich werde. Die oben angeführten Zeugnisse beweisen dies so offen, dass es nicht nötig ist, mehr vorzubringen. Denn überall behauptet er beständig, kein sterbliches Ding werde zu den Himmeln aufsteigen, sondern nur Unsterbliches und Göttliches werde zu Gott zurückkehren. „Das unsterbliche Fleisch“, sagt er, „darf von dem alten Fleisch Adams überhaupt nichts in sich haben.“ Wenn überhaupt nichts, dann also auch nicht die Substanz. Dass unsere Körper aber dem Tod und der Verwesung unterworfen sind, würden wir, auch wenn wir es nicht wüssten, aus den Zeugnissen der Schrift sehr leicht erkennen. Daher glaubte er nicht, dass diese unsere sterblichen Körper Unsterblichkeit anziehen könnten.

Viertens behauptet er, allein jener Körper werde in den Himmel eingehen, der derselben Substanz wie der Körper Christi sei und auf dieselbe oder wenigstens eine ähnliche Weise geboren, nicht durch natürliche Zeugung fortgepflanzt. Gewiss schreibt er offen, Christus habe sein Fleisch so aus der Jungfrau, nicht aber von der Jungfrau genommen, wie jemand, der aus einem Gefäß Wein hervorholt, ihn zwar aus dem Gefäß empfängt, ihn aber nicht vom Gefäß nimmt. Denn der Wein ist nicht von der Substanz des Gefäßes, sondern nur in ihm enthalten. Der unreine Dunkelmann erneuert den Irrtum alter Häretiker und einiger Neuerer, die schwatzten, Christus sei vom Himmel durch die Jungfrau wie durch einen Kanal hindurchgegangen und habe von ihrer Substanz nichts angenommen. So lauten seine Worte: „Dass Christus aus Adams Fleisch geboren sei, nehmt nicht anders auf, als ihr es vom Wein verstehen könnt, der in einem Gefäß aufbewahrt wird. Dieser ist zwar aus dem Gefäß, aber nicht von dem Gefäß. Nun folgt auch dies: Was vom Geist fleischgeworden ist, ist aus dem Himmel und kehrt in den Himmel zurück; was aber vom Geist nicht fleischgeworden ist, gelangt auch nicht zum Himmel. Wie Christus aus der Jungfrau geboren und in ihr vom Heiligen Geist ohne den männlichen Samen Adams Mensch geworden ist, so müssen wir Menschen, die wir gerettet werden wollen, das sterbliche Fleisch ablegen und wiederum vom Heiligen Geist geboren werden. Denn weil der Mensch in Ewigkeit mit Fleisch und Blut versehen sein muss, gibt es zwei Arten von Fleisch: die eine Adams, die nichts nützt; die andere des Heiligen Geistes, die lebendig macht. Denn er selbst macht von oben Fleisch, und daher kehrt seine Fleischwerdung durch uns in den Himmel zurück.“

Die Summe ist: Er stellt sich vor, uns werde in der Taufe vom Heiligen Geist ein Fleisch gebildet, das nicht aus der Nachkommenschaft Adams geboren sei, so wie er im Schoß der Jungfrau das Fleisch Christi gebildet habe. Wenn er aber nicht zugab, dass das Fleisch der Jungfrau dem unseren ähnlich sei, wie sollte er dann zugestehen, dass das Fleisch Christi wahrhaft menschliches, unserem Fleisch ähnliches Fleisch sei, von dem er behauptet, es sei nur aus der Jungfrau hervorgegangen, nicht aber aus ihrer Substanz genommen? Wenn du hierzu fügst, was er mit diesen Worten geschrieben hat: „Dieses Fleisch aber, das in den Himmel aufsteigen wird, muss vom Fleisch und Blut Christi sein, das vom Himmel herabgestiegen ist; und auch wir müssen durch eine neue Geburt vom Himmel in einen vom Heiligen Geist gebildeten Körper kommen“; wenn du, sage ich, dies dem oben Gesagten hinzufügst, wirst du leicht sehen, was daraus folgt: nämlich, dass der Körper, in dem wir im Himmel leben werden, ein anderer ist als der, in dem wir hier umhergehen. Denn „Reinheit“, sagt er, „die dem himmlischen Fleisch zukommt, kann in dem von Adam fortgepflanzten Fleisch nicht sein, sondern sie ist in einem anderen Fleisch, das seinen Ursprung von dem anderen Adam, Christus, hat.“

Fünftens: Wenn er sagt, wir trügen in diesem Leben beide Körper mit uns, den sterblichen und den unsterblichen, zeigt er deutlich, dass er nicht von den Eigenschaften unserer Körper spricht, sondern von der Substanz. Denn niemand ist so unkundig, dass er meinte, unsere Körper, solange wir in diesem Leben handeln, seien der Verwesung unterworfen und zugleich unsterblich. Aber Paracelsus hat sich nicht gescheut, dies zu bekräftigen. Deshalb meinte er, in uns seien zugleich zwei Körper, von denen der eine sterblich, der andere unsterblich sei. Im zweiten Buch Über das Erzeugte schreibt er klar: „Die Seligen haben zwei Körper, einen sterblichen und einen unsterblichen.“ Diesen Körper, sagt er, ernähre man nicht aus den Elementen, sondern aus himmlischen Dingen, wie dem Manna und dem Wasser, das aus dem Felsen floss. An anderer Stelle schreibt er, die Apostel hätten Wunder nicht durch den alten Körper, sondern durch den neuen getan. „In diesem“, sagt er, „sind die Kräfte und Mächte, und aus diesem gehen sie hervor. Und obwohl der alte Körper noch vorhanden ist, wird er dennoch nicht gebraucht.“ Hier hörst du offen, dass im selben Menschen zwei Körper, der alte und der neue, zur selben Zeit sind. „Vom ewigen Körper wisst ihr“, schreibt er an anderer Stelle, „dass er in Ebron ist“, so nennt er das Paradies, „nach der Trennung“, nämlich wenn er durch den Tod vom irdischen Körper getrennt sein wird. Wenn sie im Tod voneinander getrennt werden, ist es völlig notwendig, dass sie zuvor verbunden gewesen sind. Wenn du fragst, wie er sich diesen Körper vorgestellt habe, so wird er selbst dir am Ende von Kapitel 2 antworten: Die Körper der Seligen würden solche sein, wie die Körper der Engel waren, die Abraham und Lot erschienen, und wie der Heilige Geist ihn in der Gestalt der Taube annahm, als er über Christus saß. Es sei denn, du möchtest lieber annehmen, er habe solche gemeint, wie er sie den Nymphen, wilden Menschen, Riesen und ähnlichen Wesen zuschreibt, oder auch den Menschen der kürzlich entdeckten Inseln; von ihnen allen bestreitet er, dass sie aus Adam fortgepflanzt und geboren seien.

Schließlich behauptet er beständig und wiederholt oft, der von Gott dem Vater in der ersten Schöpfung aus Erde gemachte Körper werde den Himmel nicht sehen, sondern ein anderer, vom Sohn geschaffener oder vom Heiligen Geist fleischgewordener. Aus vielen Zeugnissen will ich hier nur eines aus dem zweiten Kapitel des zweiten Buches anführen: „Da das sterbliche Fleisch uns nicht zum Himmel aufsteigen lässt, gab Christus neues Fleisch und neues Blut, in welchem Blut und Fleisch der Mensch bestehen sollte. Diese Kreatur, mit der er in die Himmel aufsteigt, ist vom Sohn geschaffen, nicht vom Vater“, wenn er vom Körper spricht. „Denn das sterbliche Fleisch ist vom Vater, wie Adam und seine Nachkommen, die wiederum in das aufgelöst werden, woraus sie gemacht sind. Der Sohn aber gab einen neuen Körper, in dem die Menschen auferstehen müssen.“

Wer sollte sich nicht über den Wahnsinn eines Menschen höchlich wundern, der Gott dem Vater stillschweigend die Kraft und Macht nimmt, unsterbliche Geschöpfe hervorzubringen? Wenn er sich nicht an den Zustand erinnern wollte, in dem Adam vor dem Fall war, hätte er wenigstens aus der Dauer und Unveränderlichkeit der Himmel verstehen müssen, dass Gott alles unveränderlich erschaffen konnte. Obwohl er selbst auch den Himmel nach Art der sublunaren Dinge veränderlich setzt, wenn er immer wieder sagt, der siderische Teil der Menschen werde so in die Sterne aufgelöst, wie der elementale in die Elemente aufgelöst wird.

Aus all dem siehst du deutlich, wie unchristlich und unfromm er über die Auferstehung unserer Körper gedacht hat. Höchst unreine Lästerungen sind es, die dieser gottlose Possenreißer in diesem Buch hervorgestoßen hat. Nach seiner Lehre ist Christus nicht wahrer Mensch. Denn er nahm nicht das Fleisch Adams an. Daher wird für die Paracelsisten der Artikel unseres Glaubens falsch sein, in dem gesagt wird, Christus sei Mensch geworden. Zweitens hatte er kein sterbliches Fleisch und ist daher nicht wahrhaft für uns gestorben. Gewiss nennt er das Fleisch Christi überall unsterbliches Fleisch. Ja, er macht auch das Fleisch aller anderen unsterblich, ich meine jener, die das Erbe des himmlischen Reiches erlangen sollen. Er schreibt, durch den Tod werde dieses nur vom irdischen und sterblichen Fleisch getrennt. So stößt er das ganze Fundament unseres Heils um, indem er leugnet, Christus sei für uns gestorben. Drittens leugnet er, dass das Fleisch der Jungfrau von Adam abgeleitet sei, obwohl er zugibt, dass es von Abraham ausgegangen sei, als ob dieser nicht von Adam fortgepflanzt worden wäre. Er hätte sich wenigstens aus dem dritten Kapitel des Lukas erinnern müssen, dass Christus aus der Nachkommenschaft Adams hervorgegangen ist. Ist David nicht aus Adams Samen entsprossen? War Christus nicht Davids Sohn? Er träumt aber, die Jungfrau sei nicht aus Adams Fleisch, sondern aus der Verheißung auf wunderbare Weise geboren. Viertens stellt er die Auferstehung der Körper in Zweifel, die der Apostel mit der ganzen Schrift so sehr verteidigt. Fünftens behauptet er, die Seelen der Lasterhaften und Gottlosen würden nicht weniger bei Gott sein als die der Frommen, indem er so schreibt: „Gott hat den Menschen aus Erde und Himmel gemacht, damit er im Körper die himmlischen Dinge bedenke und in ihm seinen Erlöser schaue. Wenn er anders gehandelt hat, kehrt der Geist zu Gott zurück; der Mensch aber geht dorthin, wohin er von Gott zu gehen befohlen wird.“ Ich lasse nun die leichteren Irrtümer beiseite und diejenigen, die das Fundament unseres Heils nicht in gleicher Weise erschüttern und sogar umstürzen, obwohl auch die geleugnete Allmacht im Vater hierher gehört.

Furnius: Die Verfehlungen, die du bisher aufgezählt hast, können alle entschuldigt werden, wenn man sagt, er habe unter sterblichem und unsterblichem Fleisch eben das verstehen wollen, was der Apostel meinte und lehrte. Denn du kannst nicht leugnen, dass er wenigstens manchmal richtig über diese Sache gesprochen hat, zumal er das Zeugnis Hiobs gelten lässt.

Erastus: Gewiss wünschte ich nichts mehr, als dass alle seine Schriften fromm ausgelegt werden könnten. Aber er erlaubt uns nicht zu tun, was wir wünschen. Ich werde nicht leugnen, dass er bisweilen so spricht, dass man meinen könnte, er habe richtig gedacht, wenn er nicht so oft das Gegenteil wiederholte. Die Meinung eines jeden Schriftstellers beurteilen wir ja gewiss als diejenige, die wir häufiger wiederholt, eingeprägt, betrieben und bekräftigt sehen. Wenn Paracelsus einmal in dieser Sache etwas sagte, das einen frommen Sinn aufnehmen kann, so behauptete er zehnmal das Gegenteil und versuchte es mit Gründen zu beweisen. Ich schweige darüber, dass er meistens, wenn er etwas Richtiges zu sagen scheint, so dunkel ist, dass du nicht begreifen kannst, was er wollte, wenn du seine Gedanken nicht aus anderen Sätzen erschließt. Da er also Falsches und Gottloses häufiger, offener und mit größerer Anstrengung von Worten und Argumenten behauptet, sind wir gezwungen zu glauben, dass er, von Wahrheit und Gewissen überwunden, manchmal richtiger schreiben wollte, aber nicht konnte.

Ich habe schon öfter gesagt, dass es ihm schicksalhaft eigen war, niemals bei einer Meinung zu bleiben, sondern sich schändlich zu widersprechen. Wenn du meinst, aus einem wahren Satz, der ihm vielleicht einmal aus Unachtsamkeit entglitten ist, während er auf seine Hypothesen nicht hinreichend achtete, sei über die Meinung des Menschen zu urteilen, dann ist uns jede Gelegenheit zur Disputation abgeschnitten. Denn dies übernehme ich frei zu beweisen, und zwar unter der Bedingung, dass ich, wenn ich es nicht leiste, alles Mögliche erleide: Nichts ist von ihm an anderen getadelt worden, was er nicht irgendwann selbst behauptet hätte. Wenn dies also gelten soll, hat er aufgehört, Erfinder der neuen Medizin oder Erneuerer einer längst unbekannten zu sein. Wenn du nicht willst, dass dies gilt, was bleibt dann anderes übrig, als zuzugeben, dass er das gedacht hat, was er öfter und beständiger behauptet hat? Wenn dies gesetzt ist, wurde er von uns wahrhaft jener Verbrechen und Lästerungen beschuldigt, die wir eben aufgezählt und jetzt auch angezeigt haben.

Das Zeugnis Hiobs nimmt er so an, dass er meint, Hiob habe von einem anderen Fleisch verstanden, das ihm vom Sohn umgelegt werde und das nicht aus der Substanz des Fleisches Adams oder der Erde sei. Denn du hast ihn an einer oben angeführten Stelle behaupten hören, dieses unser Fleisch nehme keine Reinigung auf und sei der Verherrlichung nicht fähig. Er gibt also nicht das zu, was du meinst und was der Apostel betreibt: τὸ φθαρτὸν τοῦτο, τὸ θνητὸν τοῦτο, „dieses Verwesliche“, „dieses Sterbliche“. Denn er will nicht, dass dieses sterbliche Fleisch unsterblich gemacht werde, sondern er erdichtet ein anderes Fleisch. Aus diesem Grund sagt er, dieses müsse im Tod von jenem getrennt werden und die Frommen besäßen beide zugleich und zur selben Zeit. „Die Weissagung Hiobs“, sagt er, „spricht nicht vom Fleisch, das aus dem Lehm der Erde gemacht ist, sondern vom künftigen Fleisch der neuen Geburt, das vom Heiligen Geist empfangen ist.“ Ebenso: „Hiob spricht vom Fleisch des Lebens, nicht vom Fleisch des Todes, das von Adam fortgepflanzt ist.“

Was wirst du ferner sagen, wenn ich zeige, dass er die vernunftbegabte Seele als sterblich setzt?

Furnius: Das glaube ich dir nicht.

Erastus: Sagt er nicht in diesem Buch tausendmal, der Mensch sei von Gott so geschaffen, dass dieser in ihm zwei Körper verbunden habe, von denen er den einen aus den Elementen zusammengefügt, den anderen aus den Sternen gebildet habe? „Der Mensch“, sagt er, „ist nicht aus Lehm gemacht, sondern aus den fünften Essenzen der Elemente und der Sterne.“ Diesem zusammengesetzten Wesen habe Gott dann, wie er schreibt, den Lebensgeist eingehaucht, sodass der Mensch aus zwei Körpern und dem Lebensgeist zusammengefügt sei. Behauptet er aber durch den Tod nicht so oft, der irdische Körper kehre in die Erde, der siderische in die Sterne zurück? Behauptet er nicht beständig, beide Körper seien sterblich?

Furnius: Ich gebe es zu, aber was wirst du daraus schließen?

Erastus: Dies, was ich gesagt habe: dass der menschliche Geist sterblich sei.

Furnius: Ein wunderbarer Schluss.

Erastus: Der aus den Sternen gebildete Körper ist bei Paracelsus nichts anderes als Sinnesvermögen, Vernunft und Verstand, die im Menschen vorhanden sind; und er setzt in ihm keine andere menschliche Vernunft. Dies aber ist nichts anderes als die Seele. Wenn er also den siderischen Körper, der die menschliche Seele ist, auflösbar macht, macht er die Seele selbst sterblich.

Furnius: Wie kannst du sagen, der siderische Körper sei der Intellekt?

Erastus: Dein Paracelsus hat im Buch Über die astronomische Wissenschaft und im ersten Buch des vorliegenden Werkes, Kapitel 2, dies: „Gott hat den Menschen so gebildet. Er zog die Essenz aus den vier Elementen heraus und außerdem aus den Sternen die Essenz der Weisheit, Wissenschaft und Einsicht. Diese beiden Essenzen der Elemente und der Sterne führte er zu einer Masse zusammen, die die Schrift den Lehm der Erde nennt.“ Und nachdem einiges dazwischen eingefügt ist, fügt er hinzu: „Man muss wissen, dass der Mensch aus zwei Teilen besteht, von denen der eine aus den Elementen Fleisch und Blut geworden ist; der andere ist aus den Sternen genommen, nämlich Sinne und Gedanken.“ Ebenso: „Aus Vater und Mutter wird nichts von verständiger Substanz gezeugt, sondern sie fließt allein aus dem Firmament.“ Ebenso im zweiten Buch, Kapitel 1: „Der Geist der Sterne, der vom Himmel kommt, ist im Menschen irdische Vernunft und Weisheit, ohne Anteil an irdischem Fleisch und Blut, sondern aus dem Firmament hervorgehend; er ist im Menschen wie ein Geist ohne Körper, jedoch in der Gestalt eines menschlichen Bildes. Deshalb ist im Menschen dreifache Weisheit: die tierische oder fleischliche; die siderische, das heißt Kunst und Verstand oder menschliche Vernunft; und die göttliche, die Gott dem Menschen bei der Empfängnis gewährt.“

So sagt er im ersten Buch der Archidoxen, der Mensch bestehe aus zwei Körpern: aus dem natürlichen, das Fleisch und Blut sei, und aus dem geistlichen, von dem er an dieser Stelle schreibt, es sei ewig, das dem Menschen Gehör, Geschmack und die übrigen Sinne verleihe. Im Buch Über die astronomische Wissenschaft widerspricht er dieser Stelle, insofern jener himmlische Körper ewig sei, indem er so schreibt: „Der siderische Körper des Menschen muss schließlich ebenfalls verwesen und sterben.“ Wenn du mehr willst, wirst du finden, dass er es so oft behauptet, wie oft er die Worte gebraucht: Alle Künste, Wissenschaften, alle Weisheit und Wissenschaft kommen von den Sternen in den Menschen. Im Fragment Über den Sinn und die Werkzeuge hat er dies: „Der Sinn ist also der Mensch, und der Mensch ist der Sinn.“ Ja, auch Salomos Weisheit leitet er von den Sternen ab, wenn er von der Neigung spricht; in der Vorrede des vierten Buches aber gesteht er, sie sei von Gott gegeben, damit er nirgends mit sich übereinstimmt. An einer Stelle im ersten Buch schreibt er so: „Wie die Speise den Körper nährt, ihn erquickt und Blut und Fleisch liefert, so gibt die äußere Welt dem Menschen alle Vernunft, Kunst und Weisheit; und nichts davon geht aus einer besonderen Gabe Gottes hervor, sondern aus dem Licht der Natur.“ Und bald darauf: „Wenn jemand behauptet, in den Sternen sei keine Weisheit, sondern sie fließe aus dem Bild Gottes hervor, werde ich es hinsichtlich der Weisheit nicht bestreiten, durch die uns das ewige Leben bereitet wird. Aber die menschliche oder tierische Weisheit ist von der Natur her vorhanden.“

Siehst du, was aus der wahnsinnigen Lehre dieses wahnsinnigen Menschen folgt, die ihr gottlos durch Lobpreisungen in den Himmel zu heben euch bemüht?

Furnius: Es ist eine wunderliche Sache. So oft setzt er die Seele als unsterblich und von Gott eingegossen; und dennoch lässt du dies beiseite und ergreifst das, was du tadeln kannst.

Erastus: Ich tue es deinetwegen, damit du nicht in Irrtum gerätst, sondern siehst, wie nichts Gesundes in diesem Menschen war. Denn immer liegt er mit sich selbst im Streit: meistens offen, manchmal dunkel lehrt er das Gegenteil dessen, was er mit Worten behauptet. Ich übergehe hier schon die unglaubliche und zu keiner Zeit je gehörte Verwirrung der Worte und Dinge. Sieh bitte, wie wechselhaft er in eben dieser Sache ist. Er setzt den Menschen aus drei Teilen zusammen: aus dem elementalen Körper, dem siderischen Körper und der Seele. Bald darauf sagt er, außerdem seien zwei Geister in ihm. Damit nicht zufrieden fügt er einen dritten hinzu, sodass also ein irdischer, ein siderischer und ein animalischer Geist in ihm sind. Denn obwohl er fast überall Geist und Seele für dasselbe setzt, sagt er an anderer Stelle ausdrücklich, Geist und Seele seien verschieden. Bald behauptet er, diese, bald jenen sei von Gott eingehaucht und kehre zu Gott zurück. Diesen Geist nennt er bisweilen Körper, wie am Ende von Kapitel 1 des ersten Buches: „Wir ernähren zwei Körper, den einen aus der Erde, den anderen aus Christus genommen; jenen vom Vater, diesen vom Sohn.“ Es sei denn vielleicht, dass er vom unsterblichen Körper spricht.

Und obwohl er den siderischen Geist überall Körper nennt, sagt er an der kurz zuvor angeführten Stelle, er sei ohne Körper und bewahre nur das Bild der menschlichen Gestalt; die Absurdität dieses Satzes ist so groß, dass kaum eine größere erdacht werden kann. Diesen Geist, von dem er hier sagte, er sei Vernunft, Verstand und menschliche Weisheit, nennt er an anderer Stelle Evestrum und schreibt in diesem Buch, er erscheine nach dem Tod und lehre die Menschen Wunderbares. Wenn du mehr und zwar ausdrücklich mit den Worten Moses und Christi Widerstreitendes über eben diese Gespenster der Toten sehen willst, lies das Büchlein, das er über die nach dem Tod erscheinenden Seelen geschrieben hat.

„Die Seele“, sagt er, „ist Fleisch und Blut; und in diesen muss sie sein.“ Ebenso: „Die Seele ist im Herzen des Menschen; und die Seele ist das Herz des Menschen selbst.“ So auch anderswo: „Das Leben ist die Seele, nicht das Fleisch, und es ist nicht im Fleisch, sondern es ist die Seele und in der Seele; und die Seele ist das Leben selbst.“ Solche Redeweisen sind bei ihm sehr häufig. Ja sogar zwei Seelen setzt er im Menschen, im dritten Kapitel mit diesen Worten: „Ferner ist zu beachten, dass es im Menschen zwei Seelen gibt, die ewige und die natürliche oder vitale; von diesen ist die letztere dem Tod unterworfen, jene bleibt unsterblich.“ Wenn du diesen noch das unsterbliche Fleisch hinzufügst, wird der Mensch, der den Himmel besitzen soll, aus drei Körpern bestehen, dem elementalen, siderischen und himmlischen; aus zwei Seelen, der ewigen und vitalen; aus vier Geistern, dem irdischen, siderischen, animalischen und göttlichen. So wirst du ein dreikörperliches Ungeheuer eines Menschen haben, das aus neun Teilen zusammengesetzt ist.

Furnius: Ich will hiervon nicht mehr hören; gehen wir zum Folgenden über.

Erastus: Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich glaube nicht, dass seit Erschaffung der Welt jemand existiert hat, der alles in gleicher Weise frevelhaft durcheinandergebracht hätte. Entgegen der Meinung aller Zeiten und aller Menschen teilt er die Astrologie in vier Teile, in denen er Theologisches, Dinge der Imagination und des Glaubens, wie er es nennt, und Dämonisches oder das, was die Unterwelt betrifft, behandelt. Wer hat je unter dieser Sonne gelebt, der nicht rasend war und dennoch die Betrachtung so weit voneinander abweichender Dinge einer einzigen Kunst unterworfen hätte? Aber nicht einmal mit sich selbst stimmt er überein. Denn anderswo macht er fünf Arten der Astrologie, indem er die divinatorische von diesen vier unterscheidet. Und während er anderswo von der von ihm so genannten menschlichen Astrologie sieben Arten setzt, setzt er hier neun. So zählt er anderswo fünf Arten der Magie auf, hier vier; ebenso zählt er nur vier Teile der Nekromantie auf, während er hier fünf setzt. Die Nectromantie, deren Name bis jetzt unerhört war, es sei denn, er wollte Necyomantie sagen, hat er anderswo ganz übergangen, hier teilt er sie in vierzehn Arten. Der divinatorischen Astrologie schreibt er anderswo drei Arten zu, hier teilt er sie in dreizehn. Aber ich bin zu träge, das Übrige zu erwähnen.

Es beliebt mir nur kurz die Argumente aufzuzählen, mit denen der nichtigste Mensch meinte, uns die Magie mit ihren Arten beweisen zu können, wenn er denn so wahnsinnig war zu glauben, er beweise etwas, und nicht mit sicherem Vorsatz beschlossen hatte, jede Wahrheit und Frömmigkeit umzustürzen. Dass er schreibt, die Apokalypse und die Zeichen, die an Sonne und Mond erscheinen werden, könnten von keinen anderen verstanden werden als von Magiern, ist nicht wert, von uns widerlegt zu werden.

Furnius: Er spricht nicht von Magiern, die von natürlichen Sternen erzeugt sind, sondern von jenen, die der übernatürliche Himmel hervorgebracht hat.

Erastus: Ohne diese Einschränkung wagte er nicht zu sagen, was er wollte. Sicher ist, dass er von der Magie sprach, die er in diesem Buch lehrt, und durch deren Kraft, wie er sagt, auch die verborgenen Gedanken der Seelen erkannt werden. Aber zur Sache. Als Fundament, worauf er alles baut, setzt er dies: Es gebe nichts Verborgenes, das nicht offenbart werden müsse. Daraus schließt der überaus scharfsinnige und höchst verderbliche Mensch, Magie, Nekromantie, alle divinatorischen Künste und was immer die bösen Dämonen irgendwo an gottlosen und abergläubischen Dingen ersonnen haben, seien von Gott den Sterblichen zugestanden und erlaubt worden. Und welcher Fromme sollte diese verbrecherische Kühnheit in der Auslegung göttlicher Orakel mit gelassenem Sinn ertragen? Ich jedenfalls werde beim Lesen solcher Dinge bisweilen so bewegt, dass ich überzeugt bin, vieles nicht ohne Sünde durchgehen lassen zu können.

Sein Argument ist folgendes: Christus sagte, alles Verborgene müsse offenbart werden. Also sind alle jene Künste, die der Offenbarung verborgener Dinge dienen, erlaubt und lobenswert. Nun aber sind zur Enthüllung und Erforschung des Verborgenen alle diese Künste dienlich: Magie, Nekromantie, Sciomantie, Augurien, Astrologie, Geomantie, Traumvision und Traumdeutung, Loskünste und sechshundert andere dieser Art. Also billigt Gott sie alle. Und folglich reden die Theologen und andere Unsinn, wenn sie diese als böse und unerlaubt tadeln. So verdreht der unreine Possenreißer, was Christus von der Predigt seines heilsamen Wortes und von der Offenbarung unserer Herzen und Sünden sagte, zur Festigung teuflischer Künste gegen das offenkundige Wort Gottes. Einen anderen Beweis führt er nicht an als den eben dargelegten, den du in diesem Buch öfter eingeschärft finden wirst, zwar nicht in dieser Form, aber mit diesen Worten.

Die Magie aber definiert er so: Sie sei die Kunst, die Kräfte der Sterne in bestimmte Dinge herabzuführen, wie Siegel, Worte, Charaktere, Bilder, Figuren usw., durch die der Magier dann Wunderbares tue. Denn er setzt in den Sternen die Kräfte beliebiger Wunder an, was wir oben widerlegt haben.

Furnius: Ich weiß nicht, ob du die Weise des Herabführens bemerkt hast.

Erastus: Er erklärt sie am Beispiel von Kristallen und Hohlspiegeln, in denen die Strahlen der Sonne so gesammelt werden, dass sie den nahegelegenen Zunder entzünden.

Furnius: Ich habe verstanden, dass der Himmel dieser Kräfte entbehrt. Selbst wenn ich aber nicht wüsste, dass dies wahr ist, würde mich diese Begründung dennoch nicht zufriedenstellen. Denn ein solcher Spiegel schädigt oder verbrennt nur die Dinge, auf die die Strahlen gerichtet werden. Und diese Linie verändert sich beinahe in jedem Augenblick gemäß der Bewegung der Sonne. Ebenso wirkt er nicht, wenn irgendetwas dazwischen geschoben ist. Ebenso kann der Spiegel nicht in jede beliebige Richtung gedreht werden, damit er mit dieser Kraft ausgestattet sei, sondern er muss den aus dem Körper der Sonne hervorgeschleuderten Strahlen entgegengestellt werden. Hinzu kommt, dass der Mensch nicht wissen kann, wann er ein Bild, eine Figur oder einen Charakter den Sternen richtig entgegenrichtet, deren Kräfte er empfangen will. Bei der Sonne können wir mit Augen und Tastsinn urteilen; in den Strahlen der anderen Sterne ist nichts sinnlich Wahrnehmbares. Schließlich würde diese Kraft kaum einen Augenblick dauern, wie denn, sobald der Spiegel ein wenig bewegt wird oder die Sonne fortschreitet, nicht mehr derselbe Teil von den gebündelten Strahlen getroffen wird. Daher wären es dennoch Possen. Gewiss habe ich aus unserer Unterredung gelernt, dass in diesen Dingen nichts Wahres liegt. Dennoch möchte ich hören, mit welchen Gründen er die Magie im Einzelnen aufbaut, das heißt, wie er beweist, dass Magier wahre Verwandlungen der Dinge vollbringen und andere Wunder tun.

Erastus: Er führt Argumente an, die seiner würdig sind, nämlich diese: Der Künstler kann Holz auf verschiedene Weise gestalten. Also kann auch der Magier die Naturen der Dinge nach seinem Belieben verwandeln. Der Töpfer formt und umformt den Ton nach seinem Ermessen. Wie sich aber der Töpfer zum Lehm oder Ton verhält, so verhält sich Gott zu den geschaffenen Dingen. Der Magier aber ist der Stellvertreter Gottes, der an dieser Töpferscheibe sitzt. Also verwandelt er die Dinge nach seinem Belieben.

Die Natur hat Kräuter, Steine und andere Dinge mit ausgezeichneten Kräften geschmückt. Der Magier vertritt die Stelle der Natur, die nicht überall Kräuter, Steine und beliebige Dinge hervorbringen kann. Damit also die Kräfte aller Dinge überall vorhanden wären, wollte sie, dass der Magier dieselben Fähigkeiten in Worte, Figuren, Charaktere usw. lege. Die Erde teilt den Pflanzen wunderbare Kräfte mit. Also besitzt der Himmel dieselben. Der Magier also, der mächtiger ist als der Himmel und diese Kräfte in Worte und Bilder herabführen kann, wird dasselbe bewirken.

Dass aber der Mensch den Sternen gebieten könne, beweist er aus dieser Schriftstelle: „Ihr seid Götter“ usw. Was immer der elementale Körper kann, das kann auch der geistliche Körper, und zwar weit leichter, bequemer und schneller. Der elementale Körper aber kann an einem Tag viele Meilen zurücklegen; er kann einem Freund durch Briefe seine Gedanken mitteilen, auch wenn er weit entfernt ist; ein Vogel kann durch die Luft fliegen, wohin er will usw. Also kann auch der geistliche Körper ohne Flügel durch die Luft fliegen, einem Freund ohne Briefe mitteilen, was er will, und eine sehr lange Strecke in kürzester Zeit durchlaufen. Denn der Magier kann mit dem geistlichen Körper oder durch Imagination beliebigen Dingen die Fähigkeiten verleihen, die er in der Phantasie gebildet hat. Ja, die Gedanken können mehr als Sterne und Elemente: Sie schaffen einen neuen Himmel, ein neues Firmament, neue Kräfte, aus denen neue Künste hervorgehen.

Auch hier nennt er die Magier Heilige, natürliche nämlich, weil sie durch die Kräfte der Natur das leisten, was heilige Männer Gottes durch göttliche Macht vollbracht haben. Er schmiert die oben angeführte Lästerung über die Macht der Jünger hinzu, die die Macht Christi übertreffe, sofern sie Glauben haben. Dass Magie von einem Menschen gelehrt werden könne, leugnet er beständig und behauptet, sie werde allein aus den Sternen gelernt; kurz darauf versichert er, ein Magier könne durch seine Wissenschaft einen anderen, vollkommensten Magier hervorbringen. Bitter fährt er gegen die Theologen los, die diese Künste als teuflisch verdammen. Durch eben diese Künste, sagt er, würden die Geheimnisse des Herzens erkannt, sodass er auch die Magier zu Erforschern der Herzen macht, damit künftig nicht Gott allein καρδιογνώστης, Herzenskenner, geglaubt werde.

Auch der Feigenbaum, dem Christus fluchte, sei, sagt der profane Taugenichts, magisch, das heißt durch magische Kraft, verdorrt. Magisch war nach seinem Urteil auch, dass Gott die Sonne zum Stillstand brachte, Josua 10. Nicht weniger gottlos meint er, wir könnten von den Toten lernen, gegen das ausdrückliche Gebot Gottes in Deuteronomium 18. Am Ende des zweiten Buches wagt er auch dies zu behaupten: Gott sei ein Magier, das heißt, er mache andere zu Magiern; ebenso sei er ein Nekromant, weil er nämlich das Subjekt der Nekromantie vorlege oder erschaffe. Kurz: In der ganzen Schrift ist nichts Gesundes und Gutes. Wenn er anderswo Mühe aufwandte, um wahnsinnig zu sein, so hat er hier Raserei vorgetäuscht oder war wirklich wahnsinnig.

Im letzten Buch führt er viele törichte Dinge an. Unter anderem sagt er, der ganze von dieser Sonne erleuchtete Erdkreis sei die Hölle. Er behauptet, die bösen Geister kennten die einfachen Stoffe, aus denen sie, wenn diese zusammengesetzt werden, Hagel, Donner und Stürme hervorbringen. Wie nämlich ein Baumeister oder Maurer weiß, aus welchen Dingen er eine Mauer errichtet, so wissen jene, nach Paracelsus als Gewährsmann, wie Stürme jeder Art zu erregen seien. Ganz anders spricht Jeremia, wenn er sagt: „Gibt es etwa unter den Nichtigkeiten der übrigen Völker“, das heißt unter den eitlen Göttern, „solche, die regnen lassen und bewirken, dass der Himmel Schauer gibt? Bist nicht du es, Iehoua, unser Gott, auf den wir als den Urheber all dieser Dinge hoffen?“ Ich frage dich: Wer hat je so töricht geredet, dass er meinte, durch die Kräfte von Arzneien könnten Stürme erregt und der Himmel gezwungen werden? Viele Hexen haben nun bei der gegenwärtigen Trockenheit der Luft Regen für ihre Felder erwartet. Warum also lehren sie sie nicht, durch welche Kräuter Regen herbeigeführt werden kann?

Lächerlich ist, dass er behauptet, dieselben Geister stellten für die Geborenen die Figur ihrer Geburt auf, vielleicht unter Verwendung eines Astrolabiums oder Quadranten. Dass er Himmel und Wunder zu Urhebern von Wundern und Weissagungen macht, ist bereits widerlegt worden. Ja, er selbst sagt ebenfalls, Gott allein kenne die Zukunft. Damit er aber nicht bei der Wahrheit bleibt, fügt er bald hinzu, Gott habe Künste gegeben, durch die die Menschen dieselbe im Voraus erkennen könnten. Was kann Absurderes gesagt werden? So werden wir sagen, Gott allein besitze die Kunst des Bauens; es gebe keinen Baumeister außer Gott, abgesehen von denen, die die Kunst gründlich gelernt haben. „Weil“, sagt er, „nichts verborgen ist, was nicht offenbart werden muss, und weil das Verborgenste alles ist, was zukünftig ist, gibt es zwei Wege, dergleichen vorauszusehen: einen natürlichen durch die Astronomie, einen anderen, erhabeneren, durch Kräfte, die größer sind als die natürlichen.“ Wenn es zwei Wege gibt, hat nicht Gott allein offenbart, sondern die Künste zusammen mit Gott. Was erst, dass er Ursprung und Ursache der Weissagung den siderischen Körper nennt, der, vom elementalen befreit, mit den Sternen rede und aus ihnen die Vorkenntnis der Zukunft schöpfe? Frevelhaft wird von ihm behauptet, Gott sei es angenehm, wenn wir uns mit divinatorischen Künsten vergnügen, Träume aufgreifen, Augurien beobachten, Auspizien notieren und die übrigen Wahrsagereien pflegen. Denn Gott hat dies mit solcher Strenge und so oft wiederholtem Gebot verboten, dass ich kaum glaube, der böse Dämon selbst würde es zu leugnen wagen. Dennoch fand er ein Tier, das sich nicht schämt, dies zu behaupten. Er fand überdies Leute, die dasselbe billigen, mit Beifall aufnehmen, loben, in den Himmel heben, als göttlich verkünden, anderen aufdrängen, öffentlich herausgeben; ja, die laut ausrufen, der Urheber dieser Lästerungen sei von Gott hervorragend erleuchtet, der Ruhm Deutschlands und beinahe ein Gott.

Im Epilog des ersten Buches zählt er vier Weisen des Heilens auf: die natürliche, die göttliche, durch Glauben, den er zweiteilt, sofern er entweder auf Gott oder auf den Teufel gerichtet ist, und durch Teufel. Wer hat Entsetzlicheres gesehen, gelesen, gehört oder geträumt, geboren unter Christen und erzogen im hellen Licht des erneuerten Evangeliums?

Furnius: Wir haben über diese Dinge genug gehört.

Erastus: Was in dieser monströsen Geburt noch übrig ist, Gott gebe, dass sie die letzte unter jenen sei, in denen Erörterungen über Religion eingefügt sind, werden wir in der nächsten Unterredung prüfen: über die Elemente, über die Meteore, über die Natur und die Teile des Menschen, über Ursprung und Lehrer der Künste. Dies habe ich jetzt aus keinem anderen Grund so wortreich angeführt, als damit diejenigen, die dies einmal lesen werden, erkennen, dass uns weder die Lästerungen noch jene ungeheuerlichen Irrtümer jemals gefallen haben. Mögen die, die sich bemühen, dies zu verbreiten, zusehen, was sie einmal sowohl den Menschen als auch Gott antworten werden.

Ende.