Matthias Erbinäus von Brandau, Zwölf Grundsäulen der Natur und Kunst, 1630

From Theatrum Paracelsicum

[p. 3] Dem Durchlauchtigsten/ Hochgebohrnen/ Fürsten und Herrn/ Herrn Johann Christiano/ Hertzog in Schlesien/ zur Liegnitz und Brieg/[1] &c. Röm[isch] Käys[erlicher] Maj[estät] Cammerern &c. &c. Meinem gnädigsten Fürsten und Herrn. Meine schuldige Dienste/ Gebeth und seelige Wohlfahrth zu iederzeit bevor etc.

Durchlauchtigsten/ Gnädigster Fürst und Herr/ &c.

Weil mich allbereit der Schlag einmahl betroffen/ und gerne wieder zukommen pfleget/ darff ich mir kein hohes Alter zusagen: Sondern habe mich bißhero wol umgesehen/ welchen Christlichen Potentaten/ ich meine Wissenschafft/ der schönsten/ nützlichsten/ lustigsten und recht Fürstl[ichen] Kunst Tincturæ aureæ offenbahren möchte/ aber keinen als E[uer] F[ürstlich] G[naden] erwehlen können. Denn E[uer] F[ürstlich] Gn[aden] [p. 4] ist ein hohes Glied der Kron Böheimb/ meines lieben Vaterlandes der edlen Kunst Chymiæ besonderer Liebhaber/ und deßhalben solches zeitl[ichen] Cleinodes in künfftig durch göttlichen Seegen wol würdiger Besitzer. Lebe der tröstl[ichen] Hoffnung/ es werde E[uer] F[ürstlich] Gn[aden] solches in geheim und in allen Fürstl[ichen] Gnaden annehmen/ werde ich von dieser hohen Gabe Gottes etwas mehrere erfahren/ oder erfinden: Sol es mit treuen Händen gleichfalls E[uer] F[ürstlich] Gn[aden] geopffert werden. Datum Brieg den 22. Junii 1630.

E[uer] F[ürstlich] Durchl[aucht] Diener

Matthias Erben von Brandau.

[p. 5] I. Grund-Säule.[m1]

Dje Naturkündiger haben in examine u[nd] resolutione Metallorum befunden/ daß aller Metallen vornehmste materia sey ein schwer weiß ⟨Aqua⟩ welches sie Qveksilber oder ⟨Mercurius⟩ genennet/ denn aus allen Metallen kan ein lebendiger ⟨Mercurius⟩ und endl[ich] ein schwer ⟨Aqua⟩ gemacht werden/ wie die Erfahrung beweiset/ und meine praxis hinten lehren wird.

II. Grund.[m2]

Zum 2. befindet sich bey der unzeitigen Metallen/ als das ist ⟨Blei⟩Zinn⟩Kupfer⟩ & ⟨Eisen⟩ eine rothe/ grobe/ feiste Erde/ welche die Philosophi Sulphur combustibile genennet/ und eine Ursache ist/ daß die Metallen/ unrein/ verbrennl[ich] und die Natur in Zeitigung des Mercurii ihren angefangenen Lauff nicht vollbringen kan.

III. Grund.[m3]

Zum 3. beweiset die experientia [p. 6] und der Augenschein/ daß das ⟨Gold⟩ aus keienr andern Materia als nur allein aus ⟨Mercurio⟩ gewachsen sey: daß aus lb. ⟨Gold⟩ macht/ der künstl[iche] lb. lebendiges lauffendes ⟨Mercurius⟩ und durch etliche wenige Gersten-Körnlein schwer Tinctur wird lb. gemein ⟨Mercurius⟩ zu guten beständigen Golde. Aus dieser lustigen Umwechßlung ist klar zusehen/ und zumercken/ daß die Natur zwar allzeit ⟨Gold⟩ zugeböhren willens/ wenn sie das ⟨Quecksilber⟩ componirt; aber an ihren Vorsatz verhindert werde von der materiæ Unreinigkeit und andern circumstantiis. Dann ⟨Gold⟩ ist nichts als ein gantz zeitiger ⟨Mercurius⟩.

IV. Grund.

Dannenhero haben die Philosophi Hoffnung geschöpffet solch angefangen unzeitig ⟨Gold⟩ das Mercurius ist/ und in ⟨Blei⟩/ ⟨Zinn⟩Kupfer⟩Eisen⟩ stecket/ und iedes Metall in ⟨Gold⟩ zuverwandeln/ auch het ihrer Hofnung der Seegen Gottes/ die Natur und experientia stattl[ich] beygewohnet. Denn wenn sie übern ⟨Feuer⟩ in ein Tiegel zu dem gemeinen ⟨Mercurio⟩ den Sulphur des ⟨Saturni⟩ gethan/ ist ist ⟨Saturnus⟩ Sulphur geworden/ wenn sie des ⟨Silbers⟩ aus dem ⟨Mercurio⟩ gethan/ so ist ⟨Silber⟩ worden/ aber durch den rothen Sulphur des ⟨Goldes⟩ ist ⟨Mercurius⟩Silber⟩Blei⟩ und ⟨Zinn⟩ zum besten ⟨Gold⟩ worden.

[p. 7]

Zum

Apparatus

Marginalia

  1. In margin: Aller Metallen vornemste Materia ist Mercurius.
  2. In margin: In allen unvollkommenen Metallen ist Sulphur combustibile.
  3. In margin: Gold ist nichts anders als ein zeitiger ⟨Mercurius⟩